Viktor Orbán bei einem Fußballspiel
Viktor Orbán mit dem Schal des Anstoßes: Vielleicht wäre er lieber König als Ministerpräsident? / Screenshot

Aufregung um Orbáns Provokation - „Territoriale Forderungen sind absolut inakzeptabel“

Ungarns Präsident Viktor Orbán hat bei seinen Nachbarn für Aufregung gesorgt, weil er bei einem Fußballspiel einen Schal trug, auf dem die ungarische Nationalflagge die Umrisse des Landes in den Grenzen von 1919 zeigt. Steckt eine gezielte Botschaft dahinter?

Autoreninfo

Thomas Urban ist Journalist und Sachbuchautor. Er lebt in Polen. Kürzlich erschien sein Buch „Verstellter Blick. Die deutsche Ostpolitik“

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War es eine gezielte Provokation? Gar ein Versuch, die weitgehend geschlossene Front der EU-Länder gegen Moskau zu sprengen? Oder war es nur ein für Fußballfans typisches Hantieren mit nationalen Symbolen? Eines ist sicher: Wieder einmal hat der ungarische Regierungschef Viktor Orbán für viel Aufregung bei den Nachbarn gesorgt, als er einen Clip von seinem Besuch bei einem Fußballspiel über Instagram verbreiten ließ. Er trägt in der kurzen Szene einen Fanschal, auf dem die ungarische Nationalflagge die Umrisse des Landes in den Grenzen von 1919 hat. Es umfasste damals Gebiete, die heute zu Österreich, der Slowakei, Kroatien, Serbien, Rumänien sowie der Ukraine gehören.

Besonders in Kiew war die Aufregung groß. Das ukrainische Außenministerium kündigte die Einbestellung des ungarischen Botschafters an. „Die Förderung revisionistischer Ideen in Ungarn entspricht nicht den Grundsätzen der Nachbarschaftspolitik in Europa“, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Man erwarte eine Entschuldigung und überdies eine Erklärung, dass Ungarn keinerlei Ansprüche auf Teile des ukrainischen Staatsgebiets erhebe.

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Kai Hügle | Do., 24. November 2022 - 14:38

Ist nicht das erste Mal, dass Orban in dieser Hinsicht auffällig wird. Zum Glück nimmt den außerhalb Ungarns niemand ernst - außer vielleicht Ciceronen oder Leute wie Tucker Carlson.
Faeser oder Scholz könnten ja beim Spiel gegen Spanien einen Schal tragen, auf dem Deutschland ihn den Grenzen von 1937 eingezeichnet ist.
Darüber würde man sich hier wahrscheinlich deutlich weniger erregen als über die „One-Love“ Binde oder die Geste mit der Hand vor dem Mund, mit dem die deutsche Nationalmannschaft für Toleranz und Meinungsfreiheit geworben hat.

... das Sie Herr Hügle sich aufregen und es somit auch ernst nehmen. Ich bevorzuge eher die Abbildung Deutschlands vor dem 1. Weltkrieg und das nur, damit sie sich weiterhin an Ihrem Weltbild kleben können. Leider wird mein Wunsch nie Wirklichkeit werden, weil die Politik alles daran setzt Deutschland - wenn nicht flächenmäßig - zumindest wirtschaftlich zu verzwergen. Wobei: darf man verzwergen noch sagen. Sie können mir sicherlich weiterhelfen. Übrigens gehen Sie davon aus, das Urban es nicht ernst meinte, aber weiß, wie man "Gutmenschen" provoziert. Hier hat er meine volle Sympathie. Wir "normalen Menschen" werden ja dauernd vom Gehabe des "Gutmenschen" belästigt.

onelove Binde verboten wurde, ist nicht mehr als Recht. Der 3 Affen Auftritt der buntländischen Kickermannschaft war über alle Maßen peinlich, diversity wins hat kläglich versagt, ganz verdient grandios verloren. Da wurden die Schwerpunkte eben anders gelegt, nämlich auf politische Botschaften, die keiner sehen oder hören will, mit dem dafür richtigen Ergebnis. Dafür geht man doch auch gerne früh wieder nach Hause. Die Faeser durfte ja die Binde, jedenfalls diese, offen tragen, hat sie doch diplomatische Immunität. Die ist doch bestimmt Ihr heimliches Che Guevara Idol. Und Orban: dem sind die Wokeisten so egal wie der berühmte Sack Reis...eben ein Mann mit normalem (Menschen)Verstand, mit Verantwortung für sein Volk, deshalb vom größten Teil von diesem gewählt. Anders als die hiesigen möchtegern "Volksparteien". Genau, Orban ist auffällig, weil er eine wohltuende Abwechslung in die Dummheit der west. Führer bringt. Er kann gar nicht genug auffällig sein. Das ist seine Erfolgsmethode

Ingo frank | Do., 24. November 2022 - 14:45

Was der Ukraine Recht ist, ist Ungarn billig.
Der Gulasch(sozialistische) Staat hat schon immer sein eigenes Ding gemacht und war damals wie heute in einer Sonderrolle Das ist und bleibt allein die Sache der Ungarn. Und mit scharfem Paprika wurde dort schon immer gewürzt.

Ernst-Günther Konrad | Do., 24. November 2022 - 14:50

Haben wir keine anderen Probleme? Mir ist es wurscht, welche Motive Herr Orban hat. Er hat niemand den Krieg erklärt oder irgendwelche Gebietsrückforderungen damit verbunden oder habe ich da was verpasst? Und wieder bahnt sich der deutsche Moralapostel seine Bahnen. Wenn man sonst nichts findet, dann eben das.
Solange er nicht irgendwelche Hirngespinste entwickelt, wieder Grenzen in 1919 zu fordern oder irgendwelche Reparationen lässt sich natürlich moralisch heuchlerisch alles in diese Geste hinein interpretieren.
Ich weiß, man hätte lieber gesehen, wenn er eine woke Armbinde trägt, oder sonst irgendeinen Moralprotest zur Schau gestellt hätte.
Nur weil der Mann auch nationale Interessen im Sinne und Auftrag seiner Wähler vertritt, wird er bei jeder Kleinigkeit versucht zu diffamieren. Ja, auch ihn kann man sicherlich kritisieren, aber nicht wegen so etwas.

Markus Michaelis | Do., 24. November 2022 - 14:50

nach dem Weltkrieg haben sicher viele Menschen verletzt, mal eher nachvollziehbar, mal eher nicht, mal rein praktisch das nächste Unheil heraufbeschwörend, mal eher nicht. Allen recht machen kann man es auch nie, aber es heute möglichst besser machen sollte man versuchen.

Dazu scheint mir zu gehören, dass solche Grenzneuregelungen Sprengstoff ohne Ende wären. Egal wie gut Ungarns Argumente sind - das ist 100 Jahre her und jede Regelung heute würde wieder viele entsetzen.

Orban sollte es sich überlegen an wievielen Fronten er kämpfen will: wenn er, wie er immer sagt, an (ungarischen, westlichen) Werten und Kultur interessiert ist, sollte er nicht noch andere Großbaustellen aufmachen (hier eher Megabaustellen - zwei Nummern zu groß). Wenn mit seiner Idee von Kultur nur noch "zündelnde Spinner" verbunden werden, wird sich das eher nicht durchsetzen.

Heidemarie Heim | Do., 24. November 2022 - 16:20

Wenn das Zar Putin mal früher gewusst hätte! Nämlich das man seine territorialen Ansprüche und Titel einfach mittels Stricknadel anmelden kann. Doch die Erfahrung mit dem inzwischen berühmten überdimensionierten 6m-Tisch lehrt uns, dass ein russisches Strickwerk dem Halsumfang entsprechend größer ausfallen müsste. Es kommt eben doch auf die Länge an;)? Da kommt mir zugleich eine meiner Lieblingsszenen aus Chaplins "Der große Diktator" in den Sinn mit dem Stuhlduell zwischen dem Führer und seinem Gast dem Duce mit den immer weiter in die Höhe gekurbelten Stühlen;-) Wenn der Hintergrund all dessen Gebarens nicht so traurig wie ernst wäre könnte man über solche trotzig-männlichen, wie infantilen Statements und Provokationen gelassen und mit Humor hinwegsehen. Vielleicht sollte man diese und ähnliche der Nostalgie geschuldeten Fanartikel zusammen mit passender Mütze und Handschuhen an frierende Kinder in der Ukraine abgeben? Denen ist es wahrscheinlich egal welche Motive darauf sind. MfG

Gerhard Lenz | Do., 24. November 2022 - 17:00

Das ist zwar eines Staatsmannes unwürdig, aber wo ist Orban denn schon ein richtiger Staatsmann? Das wird der nie. Der spielt ewig den Querkopf und "Befreier" seines Volkes.

Natürlich konnte der Gula(r)sch-Kasper annehmen, dass er damit für einen Aufreger sorgt. Und dem wird er mit gewohnter Häme und Überheblichkeit begegnen, so nach dem Motto: Natürlich wolle er keine Grenzen verschieben, und man dürfe doch wohl noch seine Schals frei wählen dürfen!

Orban ist eben ein Populist, und wie die auftreten, weiß man doch - siehe unsere AfD: Zunächst ordentlich provozieren, und wenn dann die erwartete Kritik kommt, sich in die Schmollecke zurückziehen und darüber jammern, man werde diskriminiert!

Und wenn es Orban zu doll wird, dann spielt er eben demnächst in Brüssel wieder Fundamentalopposition! Solange es bei EU-Abstimmungen in vielen Bereichen noch der Einstimmigkeit bedarf, hat der Wirrkopf natürlich ein Trump(f) im Ärmel.

Tomas Poth | Do., 24. November 2022 - 17:41

Will Urban die Ukraine auf die ungarischen Minderheiten, einige Hunderttausend, hinweisen, die im Westen des Landes leben?
Es gibt ebenso rumänische Minderheiten in der Ukraine! Die Russen mit 17% Bevölkerung Anteil stellen das größte Kontingent!
Die Ukraine ist ein Vielvölkerstaat, was auch ein Hinweis darauf ist, daß das heutige Staatsgebiet in seiner Gänze nicht ursprünglich ukrainisch war!
Das ist eben die Geschichte der europäischen Völker, daß die verschiedenen Ethnien verstreut leben und nicht nur konzentriert in einem eng begrenzten Raum.
Selenkijs rechtsnationalistische Politik der Ukraine ist eine Politik gegen ihre eigenen ethnischen Minderheiten. Das ruft Widerstand hervor, bis hin zum Bürgerkrieg der seit Euromaidan 2014 im Donbas offen ausgebrochen ist.

Gisela Fimiani | Do., 24. November 2022 - 21:48

Welch ein Sturm im Wasserglas. Herr Urban ist viel-beschäftigt - wenigstens das……..

Armin Latell | Fr., 25. November 2022 - 16:29

zu meiner Freude, mehr davon!!

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