Der rbb in Berlin
Der Berliner Sender rbb wurde heruntergewirtschaftet und ist jetzt in existentieller Not / dpa

Die ARD im Selbstzerstörungsmodus (Teil I) - „Das Geld ist weg“: Untergangsstimmung im rbb

Nach dem Abgang der Skandal-Intendantin Patricia Schlesinger kommt der rbb nicht zur Ruhe. Im Gegenteil: Interims-Intendantin Katrin Vernau berichtet vor den Mitarbeitern des ARD-Senders über eine katastrophale Finanzsituation und kündigt massive Einsparungen bei Programm und Personal an. Andere Besitzstände bleiben unangetastet, obwohl dort am meisten zu holen wäre.

Autoreninfo

Jens Peter Paul war Zeitungsredakteur, Politischer Korrespondent für den Hessischen Rundfunk in Bonn und Berlin, und ist seit 2004 TV-Produzent in Berlin. Er promovierte zur Entstehungsgeschichte des Euro: Bilanz einer gescheiterten Kommunikation.

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Eine Woche nach einer ARD-Themenwoche mit dem Titel „Wir gesucht – Was hält uns als Gesellschaft zusammen?“ fällt ausgerechnet den Chefs der ARD-Sender eine plausible Antwort schwerer denn je. In Berlin wie in Frankfurt am Main sitzt das Misstrauen der Insassen der Anstalten in die Weisheit ihrer Geschäftsleitungen tiefer denn je. Ultimativ verlangt die Arbeitsebene von ihren Hierarchen Antworten, die es, wenn überhaupt, nur in unzureichender Dosierung und Glaubwürdigkeit gibt. 

Florian Hager ist noch keine neun Monate im Amt als Intendant des Hessischen Rundfunks (hr), da sieht er sich bereits einem Aufstand seiner Fernseh-Kreativen gegenüber, die ihm und seiner Geschäftsleitung per offenem Brief idiotische und zerstörerische Personalentscheidungen vorwerfen. Teilnehmer der jüngsten Krisensitzungen mit bis zu 600 Anwesenden glauben, der 46-Jährige beginne erst jetzt zu begreifen, worauf er sich mit dem Funkhaus am Dornbusch eingelassen hat und in welch desolatem Zustand sein Sender tatsächlich ist – finanziell, vor allem aber im Hinblick auf seine dysfunktionalen inneren Strukturen mit ungeeigneten Vorgesetzten, die freilich meist nur noch „Teamleiter“ heißen und offiziell voll auf „Achtsamkeit“ und „Diversity“ gepolt sind (mehr zur aktuellen Zuspitzung im hr an dieser Stelle in den nächsten Tagen). 

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Manfred Bühring | Sa., 19. November 2022 - 12:11

Dem Autor J. P. Paul sei Dank für seine akribische Arbeit; aber das Thema Finanzgebahren und links-grün-woke-Lastigkeit des ÖRR ist schon mehrfach durchgekaut. Das Einzige, was als wirkliche Konsequenz dieser ganzen Skandale helfen würde, ist eine Abschaffung des ÖRR in der derzeitigen Konstellation und dem kompletten Versagen der Aufsichtsgremien wie dem von der Politik gekaperten Rundfunkräten. Im Monopoly würde man sagen „Gehe zurück auf Los; ziehe keine 4.000 € ein“ oder „Gehe in das Gefängnis“.

Tomas Poth | Sa., 19. November 2022 - 13:27

Es fehlt hier eine Verknüpfung der Verantwortung mit dem Nutzen der privat aus dem ÖRR gezogen wird, sprich Haftung mit dem privaten Vermögen wie es jeder GmbH Geschäftsführer und AG Vorstand verantwortet.
Beim ÖRR ist nur absahnen und wegschleichen.

Bernhard Marquardt | Sa., 19. November 2022 - 14:56

Glaubt jemand ernsthaft, dass es in den anderen ARD-Zentralen wesentlich anders zugeht?
Vermutlich machen die Verantwortlichen dort ebenfalls eifrig „Anstalten“, die eigenen Pfründe bzw. ihre „Alterssicherung“ mit allen Mitteln in die Höhe zu treiben und sie möglichst rechtssicher zu zementieren.
Das Beispiel der skandalösen Verhältnisse bei der AWO Frankfurt/Wiesbaden sollte Anlass geben, stichprobenartig einige, ggf. sämtliche übrigen AWO Kreisverbände einschl. der AWO-Zentrale auf mögliche Unregelmäßigkeiten zu prüfen. Passiert ist das m.W. nicht.
Die dafür zuständigen Prüfinstanzen haben offensichtlich ihren Auftrag gründlich vernachlässigt.
Im Übrigen wären stichprobenartige Buchprüfungen auch bei den Konkurrenten Caritas und Diakonie angezeigt, ohne dass damit ein tatsächlicher Tatverdacht verbunden sein muss.
Vertrauen ist gut, Kontrolle bei diversen „gemeinnützigen“ Verbänden aber, wie man sieht, durchaus angebracht…....

Karl-Heinz Weiß | Sa., 19. November 2022 - 16:45

§ 313 BGB ist eher für Fälle wie kriegsbedingte Kostenexplosionen bei Beschaffungskosten (Gas) oder coronabedingte Schäden anwendbar. Das ÖRR-Problem ist aber eines mit Ansage und durch das Fehlen wirksamer Kontrollinstanzen zu erklären. Durch eine Neudefinition der Rolle der Aufsichtsräte sind hier Aktiengesellschaften seit geraumer Zeit besser aufgestellt. Beim ÖRR besteht hier dringender Nachholbedarf. Die Reaktion des AfD-Vertreters zur Rolle des Saarländischen Rundfunks lässt hier aber keine Änderung erwarten.

Gerhard Lenz | Sa., 19. November 2022 - 18:27

ist eine Krise des Föderalismus, und keine politische, das nur vorweg.

Das ganze Gerede um angebliche rot-grüne Parteilichkeit ist einfach nur populistischer Quatsch: das weinerliche Genörgel vom rechten Rand, der ÖRR wäre durch und durch rot-grün während die AfD erbarmungslos diffamiert würde, ist schlicht hanebüchener Unsinn, über den man eigentlich nichts mehr sagen muss.

Rundfunk in Deutschland ist Ländersache. Die Landesrundfunkanstalten sind immer auch identitätsstiftende Symbole der Bundesländer oder Regionen. Dass diese administrativ aufgeblasen sind und Programme z.T. für die Katz' produzieren - man nehme nur zahlreiche sinnfreie Musik-Dudelprogramme - ist ein Ärgernis, das dem grundsätzlich unverzichtbaren ÖRR einen Bärendienst bereitet. Reformen sind notwendig, ja überfällig, denn sonst haben jene, die den ÖRR am liebsten sofort in Trümmer legen möchten, leichtes Spiel. Dass muss administrative Aspekte berücksichtigen, aber auch gewisse Programmteile.

Gabriele Bondzio | So., 20. November 2022 - 08:58

um ihre fristlos entlassene Vorgängerin gerade noch rechtzeitig, um die Insolvenz abzuwenden.

Hola Herr Paul, da haben sie wieder in ein "schönes" Kloo gefasst.
Das Wirtschaften, als wenn es kein Morgen mehr gebe, dürfte aber in verschiedenen Sektoren (öffentlicher Dienst) eine Rolle spielen.
Wesshalb die Gebühren steigen und steigen.

Ist eben nicht zu verachten eine solide, kaufmänische Ausbildung (in Führungsposition) zu besitzen und nicht nur von den Tagesgeldeinnahmen zu leben.
Aber Ideologie wird es schon richten und das Schrauben an den Gebühren nach unten.

Das ist dann die "sozialverträgliche" Variante um wieder zu Geld zu kommen.
Auch beibt es meist bei heillos überhöhten Pensionen und Gehälter, denn wer kürzt sich schon gern selbst die persönl. Einnahmen.

Nein, es wird eher am Programm, für das der Gebührenzahler mehr hinlegen muss und an den Bezügen nach unten gekürzt.
Die typische Reaktion und eine Schlange, welche sich immer wieder in den eigenen Schwanz beißt.

Ernst-Günther Konrad | So., 20. November 2022 - 11:39

Sind gerade Ihre Artikel aus dem Bereich des ÖRR, sicher auch dem Umstand geschuldet, dass Sie aufgrund ihrer ehem. Tätigkeit im HR einen viel besseren Einblick hinter die Kulissen haben und sicher auch noch gute Verbindungen zum HR. Kein "normaler" Zuschauer kann solche Verschwendungen in allen Bereichen des ÖRR hinter blicken, gäbe es nicht noch wenige unabhängige Schreiber, die uns über solche Vorgänge unterrichten. Ich kenne mich im Zivilrecht BGB nur mäßig und nur polizeibezogen aus. Es wäre aber sicher mal wichtig, den § 313 BGB im Hinblick auf die Überversorgung juristisch zur Anwendung zu bringen. Denn gerade auch die Pensionen reißen neben Missmanagement, überbordender Bürokratie und Unübersichtlichkeit durch aufgeblasene Sendervielfalt , große Löcher in die Senderhaushalte.
@ Manfred Bühring - gebe Ihnen grundsätzlich recht, dennoch erzeugt ständige Berichterstattung Druck zu handeln.
@ Bernhardt Marquardt - nein das glaube ich auch nicht. Überall dürfte es ähnlich sein.

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