Illustration: Zoonar, Svetlana Foote/dpa; Fotomontage: Dominik Herrmann

Der Wokeness-Wahn, Teil 4 - Woke Washing: Blendwerk für den politisch korrekten Konsum

Auch in der Wirtschaft treibt die Identitätspolitik die buntesten Blüten. Viele Unternehmen gerieren sich als Verfechter der Political Correctness und bekennen sich werbewirksam zum woken Zeitgeist. Doch nicht selten handelt es sich nur um Lippenbekenntnisse, die soziale Ungerechtigkeiten eher verdecken als bekämpfen. Dann spricht man neuerdings von Woke Washing. Dabei ist das Prinzip nicht neu, sondern funktioniert schon seit Jahren. Aber warum eigentlich?

Philipp Fess

Autoreninfo

Philipp Fess hat Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften studiert und arbeitet als Journalist in Karlsruhe.

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Im Rückblick ist „Saufen für den Regenwald“ Pionierarbeit gewesen. Fernsehmoderator Günther Jauch war in den frühen 2000er Jahren sowohl Botschafter der deutschen Biermarke Krombacher und deren ehrenvollem Vorhaben, mit jeder Kiste zum Erhalt der grünen Lunge beizutragen, als auch Botschafter einer neuen Ära des Marketings, in der sich passiver Konsum und politischer Aktivismus vermählen sollten. 

„Brand Activism“, wie der seltsame Spross dieser Ehe später getauft wurde, war jedoch nicht unbedingt eine Bereicherung für die Welt, eher im Gegenteil. Denn Kritikern galt die Krombacher-Kampagne als frühe Form des „Greenwashing“, bei dem das Unternehmen einen guten (in diesem Fall eben „grünen“) Zweck als Marketinginstrument missbrauchte und damit seine weniger am guten Zweck ausgerichteten Geschäftsinteressen übertünchte (Engl.: „to whitewash“). Am Schluss floss mehr Geld in die Werbung als in die Rettung.   

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hermann klein | Di., 27. September 2022 - 09:49

Von Tag zu Tag wird es in allen Bereichen immer verrückter:“ Wir leben in einem Grünen Irrenhaus und wie in einem richtigen Irrenhaus merken die Insassen nicht, dass sie in einem Irrenhaus leben".
Willkommen im Irrenhaus (Deutschland), die Ökosozialisten geben dort das Kontingent der Pillen aus.

unisono für verrückt erklärt!

Leider haben Sie recht Herr Klein und es ist erst der Anfang, die Fahrt in den Abgrund geht erst los. F-J Strauß warnte schon vor vielen Jahren, mittlerweile sind wir in „das buntgeschmückte Narrenschiff Utopia eingestiegen, indem ein Grüner und zwei Rote die Rolle der Faschingskommandanten übernommen haben”! Strauß hatte wohl nicht mit dem gelben Faschingskommandanten gerechnet……..

Wenn es nicht so unglaublich tragisch wäre könnte man darüber lachen.

Gabriele Bondzio | Di., 27. September 2022 - 10:10

Ziel eines Unternehmens ist es immer, Gewinn zu machen.

Erstaunt war ich die Tage über einen Artikel im Focus:
https://www.focus.de/finanzen/news/ukraine-krieg-trigema-boss-wolfgang-…

Chef Wolfgang Grupp erlaubt sich eine eigne Meinung, pocht auf Verhandlungen mit Putin. Sonst könne der Krieg nicht beendet werden.

Und ich denke, an die Variante (die bestimmt noch kommen wird) das woke Community aufheulen werden. Und nichts unversucht lassen , den Mann in Verruf zu bringen.
Die Überschrift im Focus: "Trigema-Boss verwirrt mit Aussage: „Der Amerikaner steuert alles im Hintergrund“...ist ja eine verkleidete Aufforderung.

Und das weiß Grupp mit Sicherheit auch. Scheinbar steht aber auf der anderen Seite der wirtschaftliche Bankrott durch die unverhältnismäßig gestiegenen Gaspreise
Die andere Länder mit denen er konkuriert, nicht haben.

Ein sehr böses Spiel, werter Herr Fess, dass sie hier zugänglich machen.

Stefan Elsen | Di., 27. September 2022 - 10:35

Eine ganz sublime Form des Woke Washing ist seit geraumer Zeit auch im Männerfußball zu beobachten. – Wer das gestrige Länderspiel der deutschen Mannschaft gegen das Team aus England anschaute, konnte entsprechendes Ritual beobachten.

So schieben sich die männlichen [sic!] Fußballer vor Einwürfen den Ball gern vor ihrem Bauch unter das Trikot und streicheln dann ostentativ darüber, um ihn hiernach metaphorisch zu „entbinden“. Dies assoziiert beim Rezipienten natürlich unmittelbar das Bild einer Schwangerschaft und evoziert dementsprechend elterliche Empathie beim Zuschauenden.

Diese beschriebene Verhaltensweise ist nicht nur augenscheinlich misogyn in der Art ihrer karikierenden feministischen Aneignung, sondern zudem prätentiös gegenüber den im Verhältnis zu ihren männlichen Pendants signifikant geringer bezahlten Fußballerinnen!

Die Fans*innen sollten sich durch solch plumpe Manipulationsversuche nicht täuschen lassen und der DFB sollte das Verhalten seiner Fußballer überdenken!

Markus Michaelis | Di., 27. September 2022 - 12:54

Die Unternehmen machen eher dass, wozu die Belegschaft, Kunden, Gesellschaft (die aktiven Teile) sie treiben. Ich sehe Unternehmen weniger als eigenständige Akteure - in anderen Erdteilen haben sie auch Botschaften.

Bleibt die grundlegendere Frage, was gut ist und wann es übertrieben ist. Transthemen sind etwa diskutiert. Natürlich kann ich mir krasse Diskriminierungsfälle anschauen, aber reicht das global eine Agenda zu setzen, die auch andere Auswirkungen hat. Wenn dann auch bei der UNO und der Bundesregierung der Regenbogen geflaggt wird, bekommt das auch einen Zwangscharakter, dass man als Bürger so zu denken hat. Punkt. Das ist weniger der übergriffige Staat als die bürgerliche Gesellschaften, die auch auf starkes Normverhalten einschwenken können? Auch "Diversität": ist die Verabsolutierung gut und ist es ok kritische Stimmen als Menschenfeinde darzustellen? Man würde ja auch alle Migranten + Weltbev. abwerten, weil die oft Identitäten haben und nicht global divers sind.

Heidemarie Heim | Di., 27. September 2022 - 15:10

Also mal aus Sicht meiner Wäsche, so ist es ihr bis auf wenige Ausnahmen ziemlich egal ob ihr Frauchen verwirrt oder manipuliert durch die Reklame einen "haltungsbedingten" Missgriff ins Waschpulverregal tätigt;). Einerseits wirklich lächerlich angesichts realistischer Probleme, (Ausnahme rosa verfärbter Tennissocken;(, andererseits mittlerweile äußerst ärgerlich für den Verbraucher/Konsumenten bzgl. den aktuellen Auswüchsen, welche darauf abzielen den Intellekt des Kaufenden sozusagen auf die Probe zu stellen. Mit anderen Worten, entweder ich merke wo und wie der Hase entlang läuft und treffe differenzierte Kaufentscheidungen, oder ich lasse mich im wahrsten Sinne des Wortes "blenden", green-washen usw. mit dem erhofft "guten Gefühl" auf der richtigen Konsumenten-Seite zu stehen. Diese Auseinandersetzungen führte ich (Ü60) übrigens schon zur Zeit der bunten "Pril-Blümchen-Sticker" als Einkaufsbegleitung meiner Mutter, die dies mindestens ebenso nervig fand wie ich heute. MfG