Uniper
Gehört bald dem Bund: Die ehemalige Eon-Tochter Uniper wird verstaatlicht, um die deutsche Gasversorgung zu retten / dpa

Gaskrise - Die Uniper-Verstaatlichung ist richtig, aber gefährlich

Deutschlands größter Gasimporteur wird zum Staatskonzern. Das ist in dieser Krisensituation der richtige Schritt. Doch die Verstaatlichung des Uniper-Konzerns weckt sofort politische Begehrlichkeiten und birgt eine Gefahr: Dass der energiepolitische Irrweg, der uns in dieses Desaster geführt hat, mit noch mehr Schwung fortgesetzt wird.

Daniel Gräber

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Daniel Gräber leitet das Ressort Kapital bei Cicero.

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Wie sehr Robert Habeck unter Spannung steht, zeigte sich, als er am Mittwochmorgen vor die Kameras trat, um die Verstaatlichung des angeschlagenen Gasgroßimporteurs und Kraftwerksbetreibers Uniper zu verkünden. Das einst aus dem Essener Energiekonzern Eon herausgelöste Unternehmen habe sein Erdgas zu 50 Prozent aus Russland bezogen und stehe für 40 Prozent der deutschen Gasversorgung, begründete der Wirtschaftsminister die Rettungsbedürftigkeit der seit dem Gazprom-Lieferstopp in schwere Turbulenzen geratenen früheren Eon-Tochter.

Der Bund werde rund 99 Prozent des Unternehmens übernehmen, bestätigte Habeck eine Uniper-Mitteilung vom Vorabend. „Damit gehört Fortum dem deutschen Staat“, sagte der Grünen-Politiker. Ein Versprecher, den er selbst weder bemerkte noch während der laufenden Pressekonferenz korrigierte. Denn gemeint war natürlich Uniper. Der finnische Energieversorger Fortum ist der bisherige Hauptaktionär von Uniper, der nun offenbar froh ist, sich von dem riskanten und verlustreichen Gasgeschäft in Deutschland trennen zu können. Mehrheitseigentümer von Fortum ist und bleibt nicht der deutsche, sondern der finnische Staat. In Helsinki wird man Habecks fälschliche Ankündigung daher hoffentlich mit Humor und nicht als Drohung wahrgenommen haben.

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Sabine Lehmann | Mi., 21. September 2022 - 18:20

Unfassbar diese Entscheidung. Statt die einfachsten Marktmechanismen in Gang zu setzen, längst überfällig übrigens, werden Konzerne verstaatlicht. Gestern noch Verschwörungstheorie, heute schon bittere Praxis: wir kehren zurück in die Vorindustrialisierung und werden unwiederbringlich zu einem Agrar- und Bauernstaat, bestenfalls, DDR 2.0.
Zeitgleich werden weiterhin Verluste sozialisiert u. Gewinne privatisiert. Im Kapitalismus nichts Ungewöhnliches, nur das Ausmaß sprengt mittlerweile jede Vorstellungskraft. Die Menschen im Osten haben das schon begriffen, im Westen scheinen sie den Schuss allerdings noch nicht gehört zu haben, träge wie Sedierte.
Die Doppelmoral mit der man weiter Öl und Gas von den "guten" Bösen importiert, den "echten" Bösen weiter zum Schein und ohne Effekt boykottiert, schreit zum Himmel. Die dümmliche Resistenz gegen Atomkraft allerdings ist schon pathologisch bis kriminell. So reitet die Ampel in der Grünphase weiter in den Sonnenuntergang, aber in den letzten!

Ingo frank | Mi., 21. September 2022 - 18:43

Warum wird mit Steuergeldern eine Firma / Bank aus Steuermitteln gerettet? Wenn Banken, Firmen Gewinne machen zahlen Sie, wenn überhaupt, Steuern. Und fallen Diese ins Minus sind sie „System relevant“ (wer bestimmt das?) zahlen Boni? und werden vom Steuerzahler gerettet. Do funktioniert Kapitalismus? Soziale Marktwirtschaft? Egal wie benannt! Und, in diesem speziellen Fall ist nicht „der Staat“ = „Bürger“ der haften sollte, sondern die Regierung. Und eh dar Ukraine Krieg ins Spiel kommt, ein Symptom und nicht explizit die Ursache. Diese Energiekriese ist so gewollt. Und zwar genau so mit dem sofortigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern, mit oder ohne den verachtenswerten Krieg mit beiderseitigen Toten!
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Der Sozialismus wird siegen. Der neue VEB Uniper besitzt sogar russische Kraftwerke. Wir könnten sie also einfach abschalten, bis wieder sattes russisches H-Gas kommt. Sogar ein schwedisches AKW hat Habeck gekauft, na bitte, geht doch. Ich bin mancmal auch überrascht, wenn ich sehe, was ich so alles wieder eingekauft habe, am Monatsanfang. Z.B. eine große Dose Fischfutter, obwohl ich gar kein Aquarium mehr besitze. Aber egal, Karl Lauterbach soll ja tonnenweise Impfstoffe gekauft haben, und jetzt kommt kein Corona. Man soll ihn schon auf chinesischen Tiermärkten gesehen haben.

Viele Grüße an die Volksrepublik Thüringen.

Jochen Rollwagen | Mi., 21. September 2022 - 19:03

Hat der Hampel-Habeck in der Pressekonferenz gesagt.

Nee, Robert. Aber was soll's.

Was macht der Mann eigentlich beruflich ?

Eh wurscht.

Dieter Minke | Mi., 21. September 2022 - 19:05

Ich habe das Gefühl das unser Wirtschaftsvernichtungsminister jetzt vollkommen die Orientierung verloren hat. Wir sind in Zukunft schwedischen Kernkraftwerken und russischen Öl und Kohlekraftwerken beteiligt? Ob das in den öffentlichen Medien thematisiert wird?

Hans Jürgen Wienroth | Mi., 21. September 2022 - 19:33

Grüne und SPD sind wie alle Sozialisten gut darin, eigene Schuld anderen in die Schuhe zu schieben. Wer hat nach Ausbruch des Krieges als erstes in den Markt eingegriffen, wollte am liebsten sofort aus russischer Energie aussteigen? Wer wollte Putin und sein Land ruinieren? Waren das nicht zuallererst die Grünen? Auf russische Steinkohle konnte man sofort verzichten, stand immer an der Spitze der EU-Sanktionen. Für Putins Öl ist zum Jahresende Schluss und auch aus dem Gas wollte man schnellstmöglich raus. Verträge standen da nicht hoch im Kurs. Genauso wenig wie die Eigenständigkeit von Unternehmen, deren Geschäftsmodell man mit den Sanktionen zerstörte.
Nun steht man vor den Trümmern eigener Politik, muss neben dem Gasversorger Uniper auch schwedische AKW und russische Gas- und Kohlekraftwerke übernehmen. Wie wird Putin sich wohl für die „Annexion“ von Gazprom und Rosneft bedanken? Er wird die Kraftwerke unter eigene Kuratel stellen, um heimische Kohle weiter nutzen zu können.

Gerhard Lenz | Mi., 21. September 2022 - 20:01

Macht das überhaupt Sinn? Natürlich behagt die Verstaatlichung Unipers den Wirtschaftsliberalen überhaupt nicht.
Denn der Staat soll sich nach FDP-Ideologie grundsätzlich aus jeder wirtschaftlichen Aktivität heraushalten. Da sind die Wirtschaftsliberalen nun mal absolut dogmatisch und nicht im geringsten lernfähig.

Wichtig ist aber nicht, ob eine wirtschaftspolitische Maßnahme der ideologisch verengten Perspektive der 10%-FDP passt.

In anderen Ländern, siehe Frankreich, ist die Energieversorgung vollständig in öffentlicher Hand.

Vielleicht sollte sich Deutschland eher daran orientieren. Für den notwendigen Energiewandel kann verstärkter staatlicher Einfluss nur hilfreich sein. Das betrifft auch die zukünftige Verwendung von Uniper. Die AKW-Anteile in Schweden sollte man natürlich möglichst schnell loswerden.

Auch wenn es Lindner und den ganzen überzeugten Marktanhängern missfällt.

WD Hohe | Mi., 21. September 2022 - 20:10

der uns in dieses Desaster geführt hat, mit noch mehr Schwung fortgesetzt wird. "
Dazu, dass Sie damit sehr wahrscheinlich sehr richtig liegen Herr Gräber, nachstehend der Link einer DLF Radio Disku die beweist, dass es sich m.E. dabei nicht um einen Irrweg, sondern um Vorsatz handelte, heute Zwangshandeln bedingt
Mindestens um Inkaufnahme einer, wodurch auch immer entstehenden, "Energie-Kriegs-Situation"
Vor einigen Wochen im Autoradio mitgehört.
Ist derartig gravierend, dass ich damals aus Verkehrs-sicherheitsgründen auf nen Parkplatz fuhr.
Das war sehenden Auges auf die Wand zugefahren.
Motiv? Standard
Tagespolitik - Persönliche Einflussnahme -
Monetäre Aspekte für möglich zu halten wäre keine bösartige Verleumdung.
Energie-Oligarchie Deutschland -
Jetzt mit "Insolvenz Geld" zugeschüttet
Nachstehenden Link aufzurufen lohnt
Alle wussten was sie taten
Alle wissen was sie tun
------
https://www.deutschlandfunk.de/hintergrund-energiekonzerne-oligopol-DE

Tomas Poth | Mi., 21. September 2022 - 21:45

Ein Schritt in den StaMoKap, an dem sich schon mal H.-U. Klose, ehemaliger Bürgermeister von Hamburg, verhoben hat, als er den Staatsmonopolkapitalismus als Alternative verlautbarte.
Die Ampelregierung gehört mit ihren Stümpern aus der Verantwortung getrieben. Die sind nur eine schadhafte Belastung für unser Land!

Christoph Kuhlmann | Do., 22. September 2022 - 08:07

Leider wird die Gasumlage trotzdem erhoben. Wenn man die Politik unserer Nachbarn sieht, dann muss man feststellen, dass Deutschland die Gaskunden die Folgen des Wirtschaftskrieges allein ausbaden lässt. Lindner, der sich gegen die Abschaffung wehrt, um eine schwarze Null retten, wird sehr großen Ärger bekommen und die Pleitewelle wird sich beschleunigen.

Gabriele Bondzio | Do., 22. September 2022 - 10:11

um den Energieversorger zu retten,...

Tja Herr Gräber, da ist nicht nur "Richtigkeit in Hinsicht Verbrauer" im Spiel. Stellen sie sich die Frage, wer hat den Konzern in die Lage gebracht.
Gibt es auch nur eine Antwort, der Staat mit seinen
Embargomaßnahmen.

Und wie bei vielen Dingen, die in letzter Zeit geschehen. Hatte man das "Verstaatlichen von Industrie" doch ehe im ideologischen Hinterkopf.

Und hat jetzt auch gleich noch einen Schuldigen, der dies angeblich provoziert hat.

Und man(n)/frau darf gespannt sein wie der Staat seine Rolle in der Gestaltung des Gaspreises für den Verbraucher ausfüllt.

Er hat zumindest dann keine Ausrede mehr und
Verbraucher sind ja durch ihre Steuern(die diesen Aufkauf ermöglichten) auch Mitbesitzer von Uniper.