Von wegen „altmodisch“: Kohlrouladen sind ein zeitloser Hochgenuss / dpa

Futtern wie bei Muttern - Warum nicht mal Kohlrouladen?

Unser Genusskolumnist stellt sich auf den mit Riesenschritten nahenden Herbst ein. Der Grill wird bald eingemottet, und es darf ruhig etwas deftiger sein. Da kam eine Einladung zu Kohlrouladen gerade recht. Nunmehr ist er ein begeisterter Anhänger dieses „altmodischen“ Gerichts.

Autoreninfo

Rainer Balcerowiak ist Journalist und Autor und wohnt in Berlin. Im Februar 2017 erschien von ihm „Die Heuchelei von der Reform: Wie die Politik Meinungen macht, desinformiert und falsche Hoffnungen weckt (edition berolina). Er betreibt den Blog „Genuss ist Notwehr“.

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Der Herbst naht mit Riesenschritten. Bei vielen Menschen führt dies auch zu einer allmählichen Umstellung der Essgewohnheiten. An den zunehmend kühler werdenden Abenden darf es mal wieder etwas deftiger sein. Bestimmt gibt es noch ein leicht wehmütiges „Abgrillen“ im Garten  – wohlwissend, dass es dann voraussichtlich das letzte Mal in diesem Jahr war. Da traf es sich gut, dass ich mich neulich mal wieder bekochen lassen durfte. Und tatsächlich war was Deftiges angekündigt: Kohlrouladen.

Ist das wirklich „deutsch“?

Das klingt nicht nur deftig, sondern auch sehr deutsch. Gerichte wie Kohlrouladen werden gerne spontan eher negativ mit Piefigkeit, übelriechenden Küchendüften und Omas Sonntagsessen assoziiert. Kohl klingt – vor allem, wenn es sich um nicht gerade hippe Sorten handelt – irgendwie nach Mangelzeiten oder gar Kriegswintern. Und dass die Füllung besagter Kohlrouladen hauptsächlich aus Hackfleisch und alten Brötchen besteht, macht den Gedanken an dieses Essen für viele auch nicht unbedingt anziehender.

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Gabriele Bondzio | Sa, 17. September 2022 - 08:06

Egal...Herr Balcerowiak!

Auf jeden Fall ein äußerst beliebtes Essen in unserer Familie. Sozusagen von der Großmutter, Mutter auf mich übergegangenes Traditionsgericht.

Ein Kohlkopf hat ja bekanntlich recht viele Blätter und so Kommen auch etliche Kohlrouladen dabei raus und werden, wenn man(n)/frau nicht tagelang das Gleiche essen will, eingefrohren.

Ich plane auf eine Kohlkopf (mittlerer Größe) so ein Kilo Gehacktes und habe dann 8-10 Kohlrouladen.

Ein kleiner Tipp, nehmen sie statt Weiskohl, auch mal Wirsingkohl. Die Blätter sind geschmeidiger zum einwickeln und auch milder im Geschmack.

Aufpassen beim vorkochen des Kohles, die Blätter dürfen nicht zu weich werden.
Und das mit dem Garn ist auf jeden Fall die bessere Alternative.

Achim Koester | Sa, 17. September 2022 - 08:56

läuft mir das Wasser im Mund zusammen 😀
Ein einfaches, aber äußerst schmackhaftes Gericht, das durch die Feststellung, dass es kein typisch deutsches Gericht ist, möglicherweise auch einen Zuwachs an Akzeptanz, vielleicht sogar bei unserer "Diskriminierungsbeauftragten" erfahren dürfte.

ines Schulte | Sa, 17. September 2022 - 09:05

Danke für das Erinnern an Bewährtes!

In Bezug auf Osteuropa kenne ich den Begriff 'Holopscha'. Zum Strecken wird dort auch gekochter Reis (gern auch vom Vortag übrig geblieben) anstatt eingeweichter Brötchen verwendet...

Bei uns gab's gestern auch Kohlrouladen, - auf herkömmliche Art, wie im Rezept beschrieben. Allerdings kann man die Blätter auch vorher trennen und sie einzeln abwellen. Das geht schneller und der Rest-Kohlkopf bleibt noch frisch und kann vielseitiger weiterverwendet und auch besser gelagert werden. Beliebt ist bei Vielen statt Weißkohl auch Wirsing. Auf jeden Fall ein Gericht, das köstlich schmeckt und gut durchwärmt, wenn die Heizung, wie empfohlen, demnächst, 5 Grad kälter stehen soll.

Die Essgewohnheiten früher richteten sich ohnehin mehr nach dem Wetter draussen und am jeweiligen Gemüseangebot in den Gärten. D.h. nach dem ersten Frost ist Grünkohl angesagt!

Ingo Frank | Sa, 17. September 2022 - 09:36

Wir geben immer noch reichlich Kohlblätter- Stücke, teilweise zum essen, teilweise passiert mit zur Soße, zum anbraten hinzu und verwenden das Kochwassrer vom Kohl zum angießen statt Gemüsebrühe. Vom Rest Kohlkopf laßt sich wunderbar Bayrisch Kraut & Jägerschnitzel (panierte Jagdwurst gebraten= altes DDR Rezept) und wenn der Kopf groß genug ist noch Weiskrautsuppe herstellen. Ach diese „Restverwertung“ läßt sich wunderbar einfrieren besser noch einkochen.
Die ersten Krautköpfe aus unserem Garten schon erntefähig ……
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 17. September 2022 - 11:39

angebratenen Kohls, so dass ich mich frage, ob ich überhaupt eine Hackfleischfüllung benötigte.
Brötchen und "schwammige" Kohlblätter, mitsamt Ei, ginge das auch?

Stefan Forbrig | Sa, 17. September 2022 - 13:54

Wenn ihr die Kohlrouladen nicht mit Garn umschnüren wollt, was recht nervig nachher zum essen ist, gibt's einen Trick, den ich schon oft selbst angewandt habe. Die Rouladen einzeln direkt nach dem wickeln mit der Oberseite in ein Geschirrtuch packen und das Tuch unten zusammendrehen und die Roulade praktisch auspressen, wie beim Kartoffeln pressen, so das das Wasser rausgepresst wird. Richtig kräftig. Dann die Roulade wieder aus dem Tuch nehmen und durch das pressen hält die Kohlroulade schön allein zusammen und sie kann weiterverarbeitet werden, ohne lästiges Garn oder Klammern.
Klappt 100%ig.
Durch den Artikel hab ich gleich wieder Lust drauf bekommen und werde die in den nächsten Wo. Mal auf den Plan setzen.
Guten Appetit.

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