Lisa Eckart auf der Werftbühne Korneuburg / dpa
Lisa Eckart auf der Werftbühne Korneuburg / dpa

Lisa Eckhart und der große Knall - „Wir leiden sehr unter einem Idolmangel“

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart provoziert seit Jahren mit ihrem spielerischen Umgang mit bösartigen Klischees und begeistert mit ihren schillernden Sprachbildern. So auch in ihrem neuen Roman „Boum“.

Autoreninfo

Ute Cohen ist Schriftstellerin und Journalistin.

So erreichen Sie Ute Cohen:

Frau Eckhart, Größenwahn scheint Sie zu reizen, um nicht zu sagen, zu befallen. Sie nannten ihren Sohn nach einer Vorstellung Le Dauphin und tragen ein Halstuch mit der Aufschrift „Napoleon“. Woher rührt dieser Hang zu Herrschaft und Monarchie?

Zu Napoleon fühle ich eine ganz spezielle Verwandtschaft. Bei ihm war es ja so: Napoleon ist durch Deutschland geritten, und die größten deutschen Denker haben sich ihm vor die Füße geworfen. Als er dann wieder weg war, fassten sich alle an den Kopf und fragten sich verwundert: „Was hat uns da nur befallen?" Vielen war es schrecklich peinlich. So ähnlich stelle ich mir das auch vor, wenn ich einmal nicht mehr da bin, hoffentlich auf eine ebenso pittoreske Insel verbannt wie Napoleon. Was die Monarchie betrifft, ist es einfach meine politische Einstellung. Ich bin und bleibe k.u.k., kaiserlich und kommunistisch. Eine Verbindung, von der ich erst dachte, dass ich sie kokett erfunden hätte. Dabei liegt sie voll im Trend. Der Bastard aus Kommunismus und Kaiserreich – wir sehen es in Russland, wir sehen es in China – scheint dort prächtig zu florieren.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Karl-Heinz Weiß | So, 4. September 2022 - 11:55

Nach langer Zeit wieder eine Stimme in der Wiener Tradition. Im Deutschland der angeblichen Ernsthaftigkeit und der tatsächlichen Selbstgerechtigkeit leider nicht vorstellbar. Der Wiener Zentralfriedhof bietet mehr künstlerische Inspiration als die verqueere Berliner Szene.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 4. September 2022 - 12:11

Kant zu Ende lesen?
Das kann man vielleicht machen, wenn er auch Broterwerb wird oder ist?
Es reichen auch manchmal die Einleitungen, um zubegreifen, was er macht oder vorhat, während Kant andern in der genauen Analyse auch wieder verloren gehen kann?
Recht ausführlich habe ich nur Nietzsche gelesen.
Das ist schon eine schöne Sache, wenn man selbst etwas sagen kann, wie Sie? RESPEKT!
Eine kluge Analyse der russischen/chinesischen Situation von Ihnen, eine Art vergesellschaftetes Zarentum?
Aber gerade, weil es in der Ukraine evtl. starke nationale, evtl. "antirussische" Tendenzen gab, kann man die Teilung der Ukraine durch Russland evtl. nachvollziehen?
Teilung statt permanentem Bürgerkrieg oder "Ausgrenzung"?
Keine Ahnung, was die Kids auf die Beine stellen werden, unsere Generation darf doch gerne sich noch einbringen; was heisst noch?
Eigentlich kommt jetzt unsere Zeit, bevor man getrost an die Kinder übergibt.
"Omas müssen nicht gleich Enkel an die Macht bringen".
Bin fast ratlos..

Jens Böhme | So, 4. September 2022 - 12:36

Immer dann, wenn Volk in den Spiegel schaut, sieht sich der Einzelne nicht. In der Masse fühlt sich der Einzelne geborgen, unerkannt, frei. Der Flow der Masse macht high.

ingo Frank | So, 4. September 2022 - 12:49

und wir werde Ende des Monats von Nordthüringen nach Hof fahren um L E live zu erleben.
L E & Simone Solga im politischen zeitkritischen Kabarett beide für mich unschlagbar.
Das Interview i.ü. lesenswert und klasse.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

hatte ja schon die Vereinigung von Österreich und der DDR vorgeschlagen. Da bräuchte man weder einen Süd- noch einen Ostbeauftragten. Ösi und Ossi, da wächst endlich zusammen. was ...).

Jedenfalls viel Spaß in Hof, aber Vorsicht, die Dame möchte nicht geduzt werden.

Ernst-Günther Konrad | So, 4. September 2022 - 13:54

Wer ihren Gedankengängen bei der Geschwindigkeit, die sie bei ihren Auftritten hinlegt, folgen will, sollte vorher gut ausgeschlafen haben und klar im Denken bleiben. Es ist nicht immer leicht, die Tiefgründigkeit ihrer Aussagen und jedes Wort gleich und sofort zu verstehen. Eine absolut anzuerkennende Wortakrobatin, die für mich viel zu sagen hat, wenn ich auch nicht immer ihre Sichtweise verstehe oder für mich übernehmen kann. Aber durchaus eine Kabarettistin, die zum Nachdenken anregt und ja, eben auf ihre Art genau das versucht zu provozieren. Eigentlich wäre da für jeden was dabei, wenn man bereit ist, die jeweils andere Seite einer Sichtweise wenigstens zu akzeptieren und zu diskutieren und die sich Alltag ergebenden Widersprüchlichkeiten selbstständig zu durchdenken. Jedenfalls ragt sie deutlich heraus aus dem Kreis der sog. Kabarettisten, Satirikern, Comedians oder wie sich sonst noch schimpfen der Angepassten. Und wer ihre Kunstfigur nicht mag, braucht sie auch nicht anschauen

Maria Fischer | So, 4. September 2022 - 14:39

So tröstend.
So genial.
Es beschleicht mich immer eine Angst um sie.

Gabriele Bondzio | So, 4. September 2022 - 14:40

sein muss, hat den Menschen nicht gutgetan."

Da hat Frau Eckard...voll in das Schwarze getroffen, ich war voll amüsiert.
Genauso beim Satz:
"Wir alle wissen ja, dass Kant Königsberg nicht verlassen hat, aber weitergedacht hat als die meisten."

Ist auch nicht zwangsläufig so, dass Reisen bildet, wenn der Reisende z.B. tagelang an irgend einem Strand liegt und die letzten grauen Zellen brutzeln.

Alles in Allem ein erfrischendes und mal ganz anderes Inerview.

"Der Humor ist der Regenschirm der Weisen."
-Erich Kästner

Gunther Freiherr von Künsberg | So, 4. September 2022 - 17:37

Royaler Kommunismus ist die einzige Staatsform für Jedermann. Lenin der Große hat schon erkannt, dass die Diktatur eine Staatsform ist, die dem Bürger das Leben erheblich vereinfacht. Der Denkfehler Lenins war, dass er die Diktatur des Proletariats meinte. Die gibt es nicht. Es gibt nur die Diktatur des Monarchen und des Präsidenten wie z.B. Hitler, Putin. In beiden Fällen weiß man wenigstens was man denken und sagen darf. Der Staat hat klare Strukturen. Wer dagegen verstößt landet entweder im Knast oder wenn er Glück hat trifft ihn eine Kugel. Das weiß man vorher. Die Meinungsfreiheit ist eine Freiheit, die einen oft leider zwingt nachzudenken, ein völlig überflüssiger Vorgang. Das schlimmste aber ist, dass man seine Feinde nicht definieren kann. Das ist in einer Autokratie anders. Das hat Lisa Eckart erkannt und deshalb bin ich der Meinung, sie sei geeignet die Position entweder der Königin oder der Präsidentin zu übernehmen. Dies diente der Verbesserung der Welt.

Bernd Windisch | Mo, 5. September 2022 - 10:37

"Man wird schwächer. Man wird leiser. Und irgendwann ist es vorbei."

Deshalb unbedingt Lisa Eckart einmal "Live" erleben! Der Eintritt ist jeden Cent wert!!!!