Ein brennendes Haus in Mariupol / Foto: privat

Ukraine-Krieg - Das Martyrium von Mariupol

Im umkämpften Mariupol sind die Schicksale der Bewohner oft miteinander verbunden. Der kleine Vlad verlor seine Mutter durch einen Mörserangriff. Er selbst wurde von einer Frau gerettet, die vor acht Jahren dem Krieg im Donbass entkam.

Autoreninfo

Alisa Bauchina ist freie Journalistin und wurde in Moldau geboren.

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Natalia arbeitete bei der Rentenkasse und wohnte im Westen von Mariupol, in der Friedensstraße. Am 24. Februar wurden alte Fichten in der Nachbarschaft abgeholzt, einen Tag später rollten russische Panzer über die Straßen. Seitdem kommt ihr das Ganze wie in einem surrealen Film vor. Als die ersten Raketenwerfer zwischen den Häusern aufgestellt wurden, machten sich Natalia und ihre zwei Kinder auf den Weg zu ihren Verwandten, die in einem Zentralbezirk eine Wohnung hatten. 

Der Bürgermeister verließ Mariupol, die Bewohner blieben

Am 28. Februar richtete der Bürgermeister Wadim Bojtschenko einen Appell an die Bewohner: Sie sollten Ruhe bewahren. Er selbst verließ jedoch die Stadt. Am 1. März blieben fast 450.000 Menschen ohne Heizung, Gas, Strom, Wasserversorgung und Mobilfunk in Mariupol. Viele ahnten nicht, wie schlimm die tatsächliche Lage zu dem Zeitpunkt schon war. Sie wussten auch nicht, dass die Stadt eingekesselt ist. Für manche endete die Flucht tödlich. 

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Walter Bühler | Sa, 14. Mai 2022 - 09:48

wird in diesem Artikel durchaus glaubhaft geschildert, wobei sich Frau um einen ruhigen Ton bemüht.

Für mich enthält der Bericht unter all dem Grauen auch die positive Geschichte von Oksana, der es gelang, über die Evakuierung nach Russland und über die in Rostow lebenden Verwandten nach St. Petersburg zu kommen und von dort ins Baltikum.

Nun ja, in 100 Jahren werden wir vielleicht (?) erfahren, ob die Asow-Brigade in Mariopul, die nach ukrainischen Berichten seit einiger Zeit keine Zivilisten mehr bei sich im Stahlwerk beherbergen soll, mit der russischsprachigen Bevölkerung wirklich schonender umgegangen ist als die russische (Separatisten?-) Armee mit der ukrainisch sprechenden Bevölkerung.

Krieg ist in jedem Falle furchtbar. Schwere Waffen zerstören Häuser, leider unabhängig davon, ob sie zum Angriff oder zur Verteidigung eingesetzt werden.

Kai Hügle | Sa, 14. Mai 2022 - 11:03

Ich weiß nicht, wie viele Ihren Artikel gelesen haben. Kommentiert hat ihn offenbar noch niemand.
Berichte über die Leiden der ukrainischen Zivilbevölkerung sind nicht sehr populär in einem Forum, in dem vor allem bekennende AfD-Sympathisanten schreiben, die eisern den russischen Angriffskrieg einschließlich der von Putins Soldateska begangenen Kriegsverbrechen relativeren bzw. leugnen.
Sie erreichen in diesem „Magazin für politische Kultur“ vermutlich mehr Leser, wenn Sie etwas über Soleier schreiben oder die neuen Folgen von „Downtown Abbey“.
Ich jedenfalls bedanke mich für Ihren Text und die Unterstützung, die Sie bei der Koordination der Evakuierung einer Stadt geleistet haben, in der vor dem Krieg fast eine halbe Million Menschen lebten und die nun praktisch dem Erdboden gleichgemacht worden ist.

W.D. Hohe | Sa, 14. Mai 2022 - 14:23

lässt das Atmen stocken.
Auf der Gegenüberseite selbstgefälliger Herr Putin mit, "Zar"lichkeit symbolisierendem, 99m Konferenztisch und seinen lebenden potemkinschen Schachfiguren.
Filtration benannte Verschleppung und Befüllung der von Brüdern eingerichteten "Entnazifizierungslager"
Mitten in Europa
2022
Verantwortlicheit, damit einhergehender Legitimation all dessen liegt nach Lesart einiger Cicero - Kommentatoren Beim und AM Westen. Demzufolge "Dieser" die Wunschlisten Herrn Kreml`s abzuarbeiten habe.
Den Anteil der Anhängerschaft dieser Sichtweise hatte ich mir in dieser Höhe nicht vorstellen können.
Fahndung:
"Gesucht werden böse Amerikaner wegen vorsätzlicher Inspiration der Russischen Führung zum "Tödlichen Einschlag" in ein fremdes Land und dem Ziel russische Brüder aus dortiger Geiselhaft und vor sich selbst zu retten.
Finaler Rettungsschuß nach eigenem Ermessen.
So ungefähr die intellektelle Fährte der Friedlichen.
Sprünasen ab zur Umschulung
MfG

Gerhard Lenz | Sa, 14. Mai 2022 - 16:07

Sollte man meinen? Vielleicht auch nicht. Wer die Kommentare in den letzten Tagen und Wochen hier gelesen hat, weiß: So manchen Foristen lässt das menschliche Leid der Ukrainer offensichtlich ziemlich kalt. Wesentlicher ist es, die - natürlich - verderbliche Rolle des Westens zu betonen.

Für die Halbpazifisten im Umfeld der "Alternative für Putin" ist die Lösung des Konflikts doch ganz einfach: Lasst Putin machen, der hat schließlich eine Atombombe, aber liefert keine Waffen an die Ukraine - die sich sowieso am besten sofort und völlig bedingungslos ergeben sollte.

Denn, auch das eine Erkenntnis der letzten Tage: Die Schuldigen, das sind doch wohl eher Selensky & Co, nebst jenen Dummköpfen im Westen, die den Ukrainern helfen wollen.

Und so arbeiten die genannten "Halbpazifisten" feste daran, Putins Kriegsschuld zu relativieren - ist er ja irgendwie nur Opfer - und die wahren Schuldigen zu (er)finden. Sogar geheimen Hintermännern ist man/frau auf die Schliche gekommen!

Romuald Veselic | So, 15. Mai 2022 - 10:18

zu.
Ich finde es sehr erfrischend, dass bei Cicero auch Nichtdeutsche Journalisten, mit ihrer Sichtweise u. Erfahrung, publizieren können.

Die hiesigen Hardcore-Putinisten, kommen mir so vor, als wären sie aus dem KGB-Fanclub, das nicht nur von Clubmitgliedern finanziert wird.

Übrigens, hab ich selbst manchmal das "Problem" mit deutschen Befindlichkeiten u. Unvermögen klar zu kommen. Auch nach 40 Jahren. Die D verstehen manchmal nicht, dass anderswo das Gute/Böse unter anderen Merkmalen vorkommt. Halt Wohlstandspsychosen aus dem "ewigen" Frieden u. Überfluß... 😈😆