Ulan-Ude
Trauer am „Tag des Sieges“: Eine Mutter und ihre Tochter weinen in Ulan-Ude um ihren gefallenen Sohn / 09.05.2022, dpa

Ukraine-Krieg - Der Blutzoll der Burjaten

Burjatien – kaum ein Westeuropäer kennt diese russische Region in Fernost, die an die Mongolei grenzt. Dabei sind es vor allem Burjaten, die in der Ukraine an die vorderste Front geschickt werden und dort hohe Verluste erleiden. Auch wenn die Unterstützung für den Krieg nach wie vor groß ist, macht sich dort langsam Unmut breit.

Autoreninfo

Nathan Giwerzew studierte Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und absolviert derzeit ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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Die deutsche Perspektive auf Russland ist insbesondere durch Moskau und St.-Petersburg geprägt. Das erstaunt wenig  – schließlich sind sie die Zentren der russischen Staatsmacht, in die die meisten Gelder fließen. Auf den Schlachtfeldern in der Ukraine werden aber fast gar keine Soldaten aus den „zwei Hauptstädten“ eingesetzt.

Es sterben vor allem junge Männer aus armen Regionen, für die die Karriere als Berufssoldat einer der wenigen Wege zum sozialen Aufstieg ist. Wie etwa aus Burjatien, das eine der am stärksten abgehängten Regionen ist. Von den 85 russischen Regionen belegt es den 81. Platz, was das Wohlstandsniveau angeht. Zwanzig Prozent der Burjaten leben unter der Armutsgrenze. 

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Karl-Heinz Weiß | Di, 10. Mai 2022 - 18:21

Danke, dass die Konstellationen innerhalb der russischen Föderation beleuchtet werden. Nur so ist -abseits der momentanen Waffenhysterie-auch der Ukraine-Konflikt einzuordnen. Wenn China nicht selbst genügend Probleme mit seinen rund 100 Ethnien hätte, wäre der Weg für die im Beitrag genannten Volksstämme klar: Anlehnung an China. Im Gegensatz zu den chauvinistischen Russen verstehen die Chinesen zwar nichts von Demokratie, aber wenigstens von Wirtschaft.

Richard Schneider | Di, 10. Mai 2022 - 22:27

In reply to by Karl-Heinz Weiß

Sollten sich auch muslimische Volksgruppen an China anlehnen? Auch wenn das westlich vom Ural zumindest logistisch mit Hürden verbunden sein dürfte. Aber alles nicht so wichtig - Hauptsache keine Waffenhysterie. Die Ukraine soll doch bitte nal langsam über die Wolga gehen, damits hier wieder schön gemütlich wird, im schönen teutschen Land!

@Herr Schneider, Sie sollten Kommentare ganz und nach Möglichkeit auch noch im Zusammenhang lesen. Waffenlieferungen zur Verteidigung sind notwendig , lösen aber auf Dauer nicht die zugrunde liegenden ethnischen Konflikte. Wie sagte einst zutreffend Wolfgang Schäuble: Wir können den Krieg gewinnen, aber nicht den Frieden.

Tomas Poth | Di, 10. Mai 2022 - 19:04

Die Burjaten als Ethnie leben sowohl in Russland als auch in der Mongolei.
Das Russland bei seinen Soldaten auf die Völker im asiatischen Teil des Landes zurückgreift war auch schon im WK II so.
Offensichtlich sind die Geburtenraten in diesen Gebieten höher als im europäischen Teil.
Vergleichbares erlebte man bei den US-Truppen im Irakkrieg, dort stellten die Latino/Hispanic-Fraktion ein überproportionalen Anteil der Soldaten.
Wie schreibt G. Heinsohn in seinen Beiträgen immer, die zweiten, dritten und weiteren Söhne die sonst kein Unterkommen finden, gehen dann in die Armee.
Den Weißen gehen die Söhne aus, man erkennt es an den Geburtenraten.

Ingo Frank | Di, 10. Mai 2022 - 19:20

Es ist mit Verlaub sehr komisch oder besser sehr verlogen, wie doch die auf der richtigen moralischen Seite stehenden Gutmenschen der Jurnallie, den Herrn nach dem Gift-Attentat? zu „D E M russischen Oppositionellen“ hochsterilisierten. Und die politische Kaste? Voller Mitgefühl und Empörung. Nun, ob es schlussendlich ein Anschlag war, oder ein riesiger PR Gag? Wenn man nur einem Teil des Artikels Glauben schenken kann, ist Skepsis mehr als angesagt.
Und genau das ist das Problem in diesem Land.
Oberflächlich, ungenau, Lug & Trug, kaum Bildung, keine Meinung, im Wohlfühldauerschlaf.
Bin gespannt wann der Michel aufwacht. Binnen 1 Jahres kann alles vorbei sein. Ich hab‘s bereits erlebt. Hoffentlich erlebe ich’s noch einmal.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Walter Bühler | Di, 10. Mai 2022 - 19:53

Nach diesem Bericht sieht Putin es doch ganz richtig: Die USA versuchen, die Vielvölkerstaaten Russland und China, die sich noch nicht der US-amerikanischen Vorherrschaft unterworfen haben, durch das Schüren ethnischer Konflikte zu Fall zu bringen.

Die USA unterstützen offenbar zu diesem Zweck das Panturanismus-Projekt der chauvinistischen Parteien in der Türkei, die damit eine politische Realisierung eines osmanisch-türkischen Reiches aller Turk-Völker anstreben. und die Nationalitätenkonflikte nach Russland (Burjatien) und China (Sinkiang) hineintragen.

Erstes Opfer dieser Bewegung waren im 1. Weltkrieg bekanntlich die Armenier.

Die Zerstörung bestehender Vielvölkerstaaten öffnet wieder eine Büchse der Pandora, wie wir es - nach der Auflösung des Habsburger Reichs - auf dem Balkan bis heute erleben.

Die Türkei Erdogans wird mit der Unterstützung der USA und der islamischen Welt das Erbe Russlands antreten.

Ich persönlich kann darin keine positive Perspektive sehen.

pe | Di, 10. Mai 2022 - 19:58

Hat gerade seine große Zeit, und spart nicht damit, was die Russen falsch machen, wo sie irren, wo sie Verluste erleiden, wo man sie nicht leiden kann, wo Menschen verheizt werden, wo sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen.
Alles sehr einseitig und durchsichtig!
Bitte richten Sie den gleichen hochkritischen und abwertenden Blick auch auf die ukrainische Seite!

Bernhard Homa | Di, 10. Mai 2022 - 23:01

dass der Krieg auch eine rassistische Komponente hat.
Berechtigt zudem der Hinweis auf die ambivalente Rolle der russ. Opposition. Trotzdem halte ich die zitierte Kritik an Nawalny für wohlfeil und politisch naiv: angesichts der deutlichen Mehrheit ethnischer Russen im Land und deren traditionell nationalpatriotischen Grundhaltung ist mit Minderheitenpolitik nichts zu gewinnen. Stattdessen versucht Nawalny vermutlich, Putin mit dessen eigenen Propagandamitteln zu schlagen: er präsentiert sich als Nationalist und "starker Mann" gleichen Typs, nur ohne Korruption und Geheimdienstmafia. Giftattentat und Schauprozesse zeigen, dass man ihn im Kreml-Umfeld durchaus als enorme Gefahr einstuft. Interessant wäre eher die Frage, ob ein Nawalny an der Macht sich auf die multiethnischen Prinzipien der russ. Verfassung zurückbesinnen würde (und könnte). Aber ob wir einen solchen Machtwechsel erleben werden?

Gerhard Lenz | Mi, 11. Mai 2022 - 10:38

doch nicht die Bohne.

Bestimmte Volksgruppen, junge, unerfahrene Soldaten egal wer - alle werden für die "große" Sache verheizt.

Die große Sache, die Putin einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern sichern soll: Als Wiedererwecker des "großen Russlands", der Nazis und deren Unterstützer im dekadenten Westen von russischen Grenzen fernhielt! Russische Grenzen, die selbstverständlich auch Anrainerstaaten umschließen!

Man kann sich die Mühe sparen, beim russischen Vernichtungsfeldzug noch nach Spuren von "Moral" zu suchen.

Da sieht ein Durchgeknallter im Kreml, der eines Tages auf die Idee kam, einen Krieg anzuzetteln.

Da gibt es keine großarteigen Hintergründe, keine komplexen Sachverhalte, mit denen Putin-Versteher jetzt krampfhaft versuchen, die Schuld des Schlächters im Kreml zu relativieren, und den Ukrainern und dem Westen (sowieso) einen Teil, wenn nicht die Hauptschuld aufzubürden!

Christoph Kuhlmann | Mi, 11. Mai 2022 - 20:45

verheizt Russland bevorzugt Minderheiten und sozial Benachteiligte. Das war allerdings im Vietnamkrieg auch nicht anders. Wer über das notwendige Bildungsniveau und entsprechende Geld verfügte hielt sich gerne raus. Wie in vielen Armeen in der Welt waren höchstens 10% an der Front. Der Rest Nachschub und Etappe. Die Russen haben dieses System noch verfeinert, so dass von den Fronteinheiten noch 75% Nachschub Instandsetzung und andere sind. Deshalb sind diese Einheiten auch so schnell abgekämpft. Ein weiteres Problem ist der unerhörte Terror der in der russischen Armee auf insbesondere neue Soldaten ausgeübt wird. Das halten nur die Brutalsten und Abgestumpften aus. Unteroffiziere mit Dienstzeiten von 10-15 Jahren gibt es schon gar nicht. Das hält der übelste Spieß nicht aus. So werden teilweise Fronteinheiten von Soldaten mit einjähriger Diensterfahrung angeführt. Wenn dann noch das Material wegen der grassierenden Korruption ständig ausfällt ist das Ergebnis abzusehen.

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