Die Idee des „Gleichgewichts der Kräfte“ geht auf den Wiener Kongress 1814/15 zurück / dpa

Ukraine-Krieg - Zwei Arten, den Krieg zu verstehen

Bei der Betrachtung internationaler Konflikte gibt es, grob gesagt, zwei Ansätze: den kybernetischen, der bestehende Machtverhältnisse und Interessenkonflikte in Rechnung stellt, und den legalistischen, der Recht und Gerechtigkeit notfalls mit Waffengewalt durchsetzen will. In der Debatte über den Ukraine-Krieg kommen Vertreter beider Ansätze kaum mehr miteinander ins Gespräch. Dabei bergen beide gewisse Risiken, über die nüchtern zu diskutieren wäre.

Autoreninfo

Martin Krohs ist Gründer des Osteuropa-Portals dekoder.org (Grimme Online Award 2016 und 2021) und studierter Philosoph. Er hat Jelzin- wie Putin-Ära über mehr als zehn Jahre in Moskau aus nächster Nähe verfolgt. Derzeit entwickelt er das Online-Tool te.ma, das gesellschaftlich kontroverse Themen wissenschaftlich fundiert debattierbar macht.

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Dieser Krieg ist ein so komplexer Ereigniszusammenhang, dass er in keinen begrifflichen oder analytischen Rahmen passt, jedenfalls nicht in einen einzelnen. Es lassen sich grob zwei Frameworks unterscheiden, innerhalb derer man versuchen kann, zu verstehen, was vor sich geht: Ein kybernetisches und ein legalistisches. 

Spiel der Kräfte

Das kybernetische Framework postuliert eine Systemmechanik der internationalen Politik. In ihm werden die Interessen der Akteure als Kräfte vorgestellt, die mehr oder weniger frei aufeinander einwirken. Auf der Ebene der akademischen Theorien wird dieses Framework von den sogenannten realistischen Schulen der Internationalen Beziehungen bespielt, mit Abstrichen auch von den konstruktivistischen. Historisch gesehen ist es im 19. Jahrhundert verwurzelt, in den Ideen des „Gleichgewichts der Kräfte“, für die beispielhaft der Wiener Kongress steht.

Als universelles Interesse, das jeder Staat hat, gilt dabei dasjenige nach Sicherheit. Da die eigene Sicherheit durch ebensolche Sicherheitsinteressen anderer Staaten bedroht werden kann, entstehen Konflikte. Handelt es sich um Staaten mit ebenbürtiger politischer Macht, so können die Konflikte entschärft werden, indem die Akteure einander gegenseitig in Schach halten („Balancing“ – ein Beispiel wäre der Kalte Krieg). Kleinere Staaten müssen sich strategisch geschickt anpassen und bei den großen Schutz suchen („Bandwagoning“). Dabei spielt der geopolitische Faktor Raum eine bedeutende Rolle. 

Auf den derzeitigen Krieg und die ihm vorhergehende Dynamik lässt sich dieses Framework in mehrfacher Weise anwenden. Zunächst erklärt es, weshalb sich die osteuropäischen und baltischen Staaten nach dem Zerfall der Sowjetunion der Nato anschlossen: Sie hätten eine mögliche Bedrohung durch Russland nicht auf eigene Kraft gegenbalancieren können. Die daraus resultierende Verschiebung der Grenze des westlichen Bündnisses nach Osten ließ sich dann wiederum von Seiten Russlands als Sicherheitsbedrohung interpretieren. Die Ukraine geriet so schließlich als – vergleichsweise – kleiner Staat zwischen die Großmacht Nato und das zunehmend revanchistische Russland. In der Denkweise des kybernetischen Frameworks nimmt der Konflikt damit auch Züge eines Stellvertreterkrieges an, in den die USA durch ihre Unterstützung für die Ukraine involviert sind.

Forderung des Rechts

Im legalistischen Framework hingegen entsteht ein vollkommen anderes Bild. Hier geht es nicht um Interessen, Macht und Kräfte, sondern um Recht, konkret: um Völkerrecht. Vor dem sind alle Staaten gleich oder sollten es zumindest sein, Größe und geopolitische Faktoren spielen keine Rolle. Es gelten unantastbare Souveränität und Bündnisfreiheit und kein Staat hat auf die inneren Angelegenheiten eines anderen Einfluss zu nehmen. Eine Unterordnung der „Kleinen“ unter die „Großen“ wäre in diesem Framework keine freiwillige, sondern eine notgedrungene oder gar erzwungene: Was im ersten Modell als „Bandwagoning“ angesehen wird, präsentiert sich im zweiten als Imperialismus.

Die politische Umsetzung dieses neuen rechtsbasierten Ordnungssystems begann im 20. Jahrhundert, initiiert vor allem von den USA auf der Grundlange westeuropäischer Ideen der liberalen Aufklärung, als Reaktion auf die Verheerungen der beiden Weltkriege. Die Rolle des zwischenstaatlichen Mediators und internationalen Rechtsgaranten sollte der Völkerbund einnehmen, der als Teil von Woodrow Wilsons 14-Punkte-Programm mit den Versailler Verträgen ins Leben gerufen wurde (und dem die USA letztlich nicht beitraten). 
 

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Der Völkerbund scheiterte zwar bereits in der Zwischenkriegszeit, und auch die UNO ist heute ein sich sicherheitspolitisch weitgehend selbst blockierendes Organ. Andererseits hat die liberale Bestrebung der Verrechtlichung der internationalen Beziehungen bedeutende Erfolge hervorgebracht: Kriege zwischen den Staaten der westlichen Welt sind heute weitgehend undenkbar, autoritäre Staaten wie Deutschland, Japan oder Spanien haben sich in pluralistisch-demokratische verwandelt und die globale Tendenz zur Teilnahme am liberalen, rechtlich regulierten internationalen Ordnungssystem bleibt stark. Eine Frage, die sich gerade heute stellt, ist allerdings, wie das liberale System reagieren kann, wenn einzelne einflussreiche internationale Akteure es ignorieren oder sich ihm entgegenstellen.

Während das kybernetische Framework grundsätzlich wertungsfrei ist – ohne damit eine Rechtfertigung besinnungsloser Machtpolitik zu verbinden –, hat das legalistische Framework ein stark normatives Programm: In seinem Zentrum steht ein Sollen, das die Gleichheit aller Staaten vor dem Völkerrecht fordert. Auf Ebene der Theorie wird es vertreten von den sogenannten liberalen Schulen der Internationalen Beziehungen, die sich als ausdrückliches Gegenparadigma zur realistischen Schule verstehen. Im gegenwärtigen Konflikt modelliert es die Situation als eine massive Verletzung der legitimen Rechtsansprüche der Ukraine sowie der Menschenrechte, die durch nichts zu rechtfertigen ist und für deren Beurteilung auch die Vorgeschichte des Konflikts keine besondere Rolle spielt. Ziel der Politik muss es dementsprechend sein, die internationale Rechtsordnung wieder herzustellen und dauerhaft zu sichern.

Zwei Schichten internationaler Ordnung

Man darf wohl hoffen, dass dem Rechtsprinzip die Zukunft gehört. In der tatsächlichen globalen Ordnungsstruktur seit Beendigung des zweiten Weltkriegs sind aber kybernetisches („realistisches“) und legalistisches („liberales“) Framework weiterhin übereinandergelagert und bilden eine seltsame Doppelstruktur. 

Ihre jeweiligen Wirk- und Handlungsprinzipien lassen sich dabei kaum miteinander vereinbaren: Das Denken in Kräfteverhältnissen und Einflusssphären führt zu gänzlich anderen praktischen Konsequenzen als das in Kategorien des Rechts. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Frameworks schwerpunktmäßig an je eigene territoriale Räume gebunden (das legalistische an den globalen Westen sowie, über die UNO, an viele Staaten Afrikas; das kybernetische vor allem an die BRICS-Staaten) sind und dass Akteure auch aus strategischen Gründen das eine oder das andere System stärker akzentuieren oder gar strategisch instrumentalisieren.

In der Praxis ist internationale Politik denn auch meist ein Lavieren zwischen dem Rekurs auf Kräfteverhältnisse und Sicherheitsinteressen auf der einen, dem auf das Völkerrecht auf der anderen Seite. Sie gleicht damit gewissermaßen einem Tanz auf zwei Stühlen zugleich, wobei keiner von ihnen umgestoßen werden darf. Vermutlich ist nichts für die stets prekäre Friedensordnung unserer Epoche so gefährlich, wie eines ihrer beiden Ordnungsprinzipien zu ignorieren und das andere absolut zu setzen.

Friedenspartei und Gerechtigkeitspartei

Auch in den derzeit in Deutschland geführten Debatten lässt sich eine Formatierung gemäß den beiden Frameworks erkennen, zumindest in groben Zügen. 

Die „Friedenspartei“ priorisiert die Kybernetik: Man ist bereit, von Russland formulierte Sicherheitsbedenken und historische Kränkungen grundsätzlich anzuerkennen – nicht allerdings deren strategische Instrumentalisierung, die groteske Rhetorik des „Kampfes gegen die ukrainischen Nazis“ und erst recht nicht das Durchsetzungsmittel Krieg. Als Lösung des Konflikts strebt man eine Neutralität der Ukraine an und nimmt die damit verbundenen Probleme in Kauf: die immensen Schwierigkeiten, wirkungsvolle Sicherheitsgarantien zu etablieren und die Tatsache, dass eine solche „Kompromisslösung“ dem Willen der Invasionsopfer selbst offenbar zuwiderläuft. Gegenüber einer allzu resoluten Bewaffnungspolitik ist man skeptisch eingestellt, weil deren Ziel in einem militärischen Sieg der Ukraine bestehen müsste, den man für unterreichbar oder nicht nachhaltig erachtet.

Gänzlich andere Denk- und Handlungsmodelle verfolgen die Vertreter der Gegenseite, die man die „Gerechtigkeitspartei“ nennen könnte und die derzeit die deutsche Debatte dominiert. Sie orientieren sich am legalistischen Framework, entsprechend steht der Völker- und Menschenrechtsverstoß im Mittelpunkt. Ziel der Politik kann daher nur sein, die Rechtsverletzung rückgängig zu machen, also die russische Armee hinter die Ostgrenze der Ukraine zurückzutreiben und die Verantwortlichen nach Möglichkeit zu bestrafen, was heißt: dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu überstellen. Dafür nimmt man in Kauf, dass eine solche Politik, je nach Haltung und Ressourcen des Kremls, auch zu einer weiteren Eskalation des Konflikts, im Extremfall bis zu einer atomaren Auseinandersetzung führen könnte und dass die Dauerhaftigkeit eines solchen militärisch erzwungenen Friedens fraglich ist – jedenfalls solange mit ihm kein Regimewechsel in Russland einhergeht. 

Nüchtern angesichts von Unheil und Verbrechen

Die derzeitige Lage ist katastrophal, tragisch, sie erregt in ebensolchem Maße politische Abscheu wie menschliches Mitleid. Aber abgesehen von den emotionalen und moralischen Appellen, die von ihr ausgehen, ist sie auch auf eine geradezu den Verstand sprengende Weise kompliziert. Eine Erkenntnis- und Bewältigungsstrategie, die dieser Realität auch nur ansatzweise gerecht wollte, müsste alle verfügbaren methodisch adäquaten Ansätze zusammennehmen. 

Die größte Herausforderung bietet dabei die selbstwidersprüchliche Dualität der internationalen Sphäre selbst. Um mit ihr angemessen umzugehen, muss man kybernetisches und legalistisches Framework kombinieren und sie in einer Weise gegeneinander austarieren, die das Abgleiten in eine brutalistische geopolitische Vergangenheit vermeidet und der Notwendigkeit einer weiter fortschreitenden, zivilisierten Vergesellschaftung der Staaten Rechnung trägt. Zwangsläufig tauchen dabei widersprüchliche Optionen auf, zwischen denen entschieden werden muss, unter Inkaufnahme der jeweils mit ihnen verbundenen Risiken.

Doch auch damit wäre es noch nicht getan. Denn außer den Elementen der beiden genannten Frameworks müsste man für ein angemessenes Verständnis dieses Krieges, zu dem es niemals hätte kommen dürfen, auch noch zahlreiche andere Faktoren zusammendenken. Allein nur Russland betreffend etwa das Fehlen einer gewissenhaften Aufarbeitung des Stalinismus, die politisch instrumentalisierte Justiz, die Zerschlagung der medialen Pluralität, der Neopanslawismus und Neoimperialismus und überhaupt die ideologische Barbarisierung, die Rolle der Kirche als Quasi-Ministerium, die Wirtschaftsfalle aus Rohstoffabhängigkeit und Korruption, die personalisierte Autokratie und nicht zuletzt der Charakter des Autokraten selbst. 

Auch wenn es vielleicht das Wirkungsvollste wäre, um die Verheerung so weit wie möglich zu begrenzen und das Unheil wieder in seine Schranken zu weisen: Niemand kann ein solches totales, integriertes Verständnis der Lage erlangen. Was aber möglich sein muss, das ist, die Unvollständigkeiten der jeweils einzelnen Denkweisen zu erkennen und die Trade-offs und jeweiligen vermutlichen Risiken der unterschiedlichen politischen Handlungsvorschläge nüchtern zu benennen. Das wäre Voraussetzung, um sich bei seiner der Suche nach einer Option, die unter allen schlechten immer noch die beste sein könnte, der enormen inneren Fragilität der notwendigen Entscheidungen bewusst zu sein.

Jens Böhme | Di, 10. Mai 2022 - 08:56

Bei Zusammenbruch des Ostblocks fand Russland keine militärischen Partner. Was auch nicht verwundert, wenn man sich die Geschichte der russischen Hegemonialpolitik in Osteuropa und darüber hinaus anschaut. Der Warschauer Pakt war kein Pakt souveräner, unabhängiger Staaten sondern bestand neben der Sowjetunion nur aus sowjetisierten Zwangsstaaten. Dass sich Russland bedroht fühlt - nun, die Weltgeschichte nimmt ihren Lauf. Da kann man viel philosophieren und einem gekränktem, sich selbst isolierenden Land Therapien über dessen geopolitischen Verschlafprozessen anbieten. China fühlt sich in solch isolierter Situation nicht besser. Ein historisch zweites geheime Zusatzprotokoll, zwischen Russland und China, ist im Bereich des Möglichen.

Dirk Weller | Di, 10. Mai 2022 - 09:31

Die einzige realistische Lösung der Situation wird auch genannt :
"Um mit ihr angemessen umzugehen, muss man kybernetisches und legalistisches Framework kombinieren und sie in einer Weise gegeneinander austarieren, . . "

Leider wird man, fordert man entsprechendes, von denjenigen, die das reine "legalistische Framework" für richtig halten, reflexartig von oben herab als "Putin-Versteher" oder "Putin-Fan" diskriminiert.
Natürlich nicht selten mit dem Hinweis, Putin würde sich freuen, oder man würde gleich als Troll direkt aus St.Petersburg schreiben.

Man kann nur hoffen, dass bei immer mehr Menschen,Medien und Politikern der Groschen fällt, und eine dauerhafte Kompromisslösung den Krieg beendet.
Ein rein "legalistisches Framework" würde uns auf kurz oder lang in einen neuen Konflikt stürzen.

Erik Klemm | Di, 10. Mai 2022 - 09:45

Warum fixe Erklärungs-Parameter setzen, in welche die Realität doch nicht passt. Die einzigen Gründe für Konflikte … sind die Gründe. Und die Folgen Naturgesetzen, sprich, Notwendigkeiten. Da ist leider noch nicht viel systematisiert aber letztlich ist alles Biologie.
Was man bei wiss. Aufarbeitung allerdings nicht fakturieren kann sind die Beweggründe der maßgebenden Akteure. Nur wenn man deren Gedanken kennte, könnte man sie naturwissenschaftlich erklären.

Auf dee gröbsten Meta-Ebene des even gesagten hatte Russland keine Wahl außer Angriff. Alle naturgesetzlichen Zwänge welchen eine Großmacht unterliegt, führten dazu. Oder es wäre keine Großmacht mehr. Wahrscheinlich ist Russland hiernach keine mehr, dass war eben der notwendige Struggle. Die am Krieg interessierten Akteure im Westen und der Ukraine hätten das wissen können / müssen und trafen daher eine kausale Mitverantwortung für den waffengang. Aus deinen Resultaten ergeben sich in Zukunft die nächsten Zwänge und Konflikte

Walter Bühler | Di, 10. Mai 2022 - 10:15

... der konstruktiv zur Nachdenklichkeit auffordert, ohne alle Facetten des Themas berühren zu können.

So wird die Existenz nuklearer Waffen ignoriert, und das "Zusammendenken vieler Faktoren" darf nicht auf Russland beschränkt bleiben, sondern muss auch auf die westlichen Hauptmächte (USA, GB) und auf uns selbst ausgedehnt werden. Es fehlt der Nachweis, dass das "legalistische Framework" tatsächlich zum politischen Handeln und imperialistischen Tradition von USA und GB passt (z. B. Anerkennung der internationalen Gerichtsbarkeit und. von UN-Entscheidungen usw.).

Mit "kybernetischem Framework" ist das uralte Verfahren der Diplomatie gemeint, der Verhandlung unter den Mächtigen, das schon immer bei Kriegen praktiziert worden ist, soweit diese nicht zu einseitigem oder gegenseitigem Abschlachten entartet sind.

Das "legalistische" Prinzip hat bisher das "kybernetische" ergänzt, aber noch längst nicht überall ersetzt.

Feinde müssen auch heute an einen Tisch gebracht werden.

Martin Falter | Di, 10. Mai 2022 - 10:25

der mich erkennen ( nicht versteht) lässt warum manche anders denken als ich.

Urban Will | Di, 10. Mai 2022 - 10:36

Die sich als „ Weltpolizei“ sehende, das legalistische Modell scheinbar verteidigende, also andere quasi schützende Weltmacht USA, predigen dieses Modell, zwar nach außen, handeln aber, wenn es um ihre eigenen Interessen geht, durch und durch kybernetisch.
Beim Stellvertreterkrieg i d Ukraine geht es längst nicht mehr nur um die Wiederherstellung von Recht.
Das klar formulierte Ziel d dauerhaften Schwächung Russlands ist eindeutig machtpolitisch.
Die hier angeregte Kombination beider Modelle liegt nicht in Uncle Sams Interesse und wird so lange nicht kommen, bis d Opferzahlen ins Unerträgliche steigen, (was Sam recht egal ist) und Russland od d Ukraine selbst Verhandlungen beginnen.
Und alle, die munter Waffen liefern, machen da mit bei diesem widerlichen Spiel.
Es wird Zeit, dass Besonnenheit u Realismus i d Mittelpunkt rücken, auch wenn Sam das nicht möchte.
Es wird Zeit, dsss Europa den Kindergarten verlässt.

Besonders die Ausführungen über die USA und "Uncle Sam " sind 100% zutreffend.

Leider sind Menschen, und vor allem Medien, die die Zusammenhänge verstehen, ziemlich rar gesät.
Und wenn man es dann verstanden hat ist man in den Augen der schlichten Zeitgenossen "Antiamerikanist" oder "Putin-Versteher".

Ist ganz eindeutig der Überfall Putins auf die Ukraine. Den er mit der schwachsinnigen Begründung zu rechtfertigen versucht, in der Ukraine regierten vom Westen unterstützte Nazis.

Da geht es nicht um Stellvertreter oder irgendwelche verborgenen Interessen Uncle Sams. Da geht es richtigerweise darum, dass die Ukraine zum Westen gehören möchte.

Was Sie offensichtlich als inakzeptabel werten - nun gut, Ihre Einstellung zum "dekadenten, verweichlichten Westen, der (im Gegensatz zu Putin) im Kindergarten herumkreucht" haben Sie oft genug deutlich gemacht.

Kein Kommentar, indem Sie Hilfe - auch in Form von Waffenlieferungen - für die Ukraine nicht verurteilen.

Dafür warte ich noch immer darauf, dass Sie Waffenruhe von Russland fordern - tun Sie aber nicht. Sie wissen nämlich, dass das zwecklos wäre

Und mit jenen, die sich weigern, die Kriegsleistungen zu beenden, sollte man verhandeln....

Ihr einziger Vorschlag wäre sicher die bedingungslose Total-Kapitulation der Ukraine....

Putin hat seine Ziele und Forderungen als Bedingungen für ein Ende des Krieges immer wieder formuliert: Die Anerkennung der Krim als russisches Territorium, die Anerkennung der Unabhängigkeit der beiden "Volksrepubliken" im Donbass und die Verankerung der Neutralität in der Verfassung der Ukraine. Damit verbunden, so Putins Worte, seien eine "Entnazifizierung" und "Entmilitarisierung" der Ukraine. Seiner Auffassung nach ist die derzeitige Regierung der Ukraine - unter dem jüdischen Präsidenten Wolodymyr Selenski - "faschistisch".

Also die Hauptziele sind vor dem Hintergrund einer gespaltenen Ukraine durchaus rational (auch wenn man sie nicht teilt) lediglich die damit verbundenen Forderungen wie Entnazifizierung und seine Aussagen zu Selenski sind völlig haltlos und daneben.

Die von Ihnen beschriebene schwarz - weiße - Welt existiert nicht.

Der Autor spricht von "Zwei Arten, den Krieg zu verstehen". Wenn man den will.

Tomas Poth | Di, 10. Mai 2022 - 10:39

Teil 1, Spiel der Kräfte:
Warum verfällt der Autor bei seiner Darstellung der Sicherheitsinteressen, Balancing usw., in die Wertung, daß russische Sicherheitsinteressen "revanchistisch" wären?
Teil 2, Forderung des Rechts, Völkerrecht:
Die Salomonen haben mit China einen Sicherheitspakt unterzeichnet.
Prompt steht die USA auf der Matte & droht mit Maßnahmen, es sieht seine Sicherheitsinteressen & die seiner Verbündeten bedroht. Australien spricht von der Überschreitung Roter Linien.
Wie ist es nun mit freier Bündniswahl, Souveränität & Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten??
Teil 3, Zwei Schichten ... :
Das Lavieren, das ist eher bewußte Auslegung & Beanspruchung, je nachdem wie es gerade zur eigenen Position paßt. Paradebeispiel die USA, die sich im Bewusstsein ihrer Stärke doppelte Standards leistet. Wer vermag derzeit dort richtig auf den Busch zu klopfen?
Die Beilegung des Konfliktes durch Verhandlungen ist gescheitert (Minsker Protokoll)! Das Spiel der Kräfte läuft.

Gerhard Hellriegel | Di, 10. Mai 2022 - 10:42

Jede Gegenwehr führt zu Toten - auf beiden Seiten. Wer Tote minimieren will, sollte auf jede Gegenwehr verzichten. Vielleicht käme noch Gandhis Methode in frage, kommt aber auf den Besatzer und die Umstände an.
Wer sich dafür entscheidet, Gegenwehr mit Waffen zu unterstützen, sollte sich über das Obige im Klaren sein.
Weiter darüber, dass JEDE Art von Unterstützung einer Seite ein Risiko darstellt.
Schließlich darüber, dass das Ziel jeder Art von Unterstützung immer Erfolgsvereitelung ist.

Bei Erfolg kann das Ergebnis Rückzug, Waffenstillstand oder Verhandlungen sein.

Also: man kann die Komplexität auch reduzieren.

Romuald Veselic | Di, 10. Mai 2022 - 10:47

im Putinschen Konglomerat, schert sich um keine Verträge, solange nicht zu ihrem Vorteil auszulegen sind. Im Putinsystem werden Lügen in einer Dimension produziert, die so groß/breit sind, wie die Skyline von Chicago.
Der ganze Verträge-Konstrukt mit EU, seitdem Putin Macht ausübt, ist eine Makulatur. Die nur deshalb möglich war, weil die "Westler" dumme Naivlinge sind und waren es, und alles glaub(t)en, wenn man ihnen das hübsch erzählt u. serviert.

Wenn Putin mit Xi einen Vertrag macht, dann sieht's ganz anders aus. Putin würde die Mongolei nie überfallen, um seine Interessen zu sichern, wie er es aktuell mit UA macht.

Die Mongolei (fast 2-mal so groß wie UA) war bis 1991 sowjetische Halbkolonie, Denn auf der anderen Mongolei Seite, liegt China, die kein Pakt braucht, um RUS auf die alte "Moskowskaja Russ" zu verkleinern o. schrumpfen lassen.

Joachim Kopic | Di, 10. Mai 2022 - 11:18

... und dann stellen sich unsere PolitikerInnen wieder mal "dumm" ("...dass man das ja nicht voraussehen konnte").
Und ob es wieder einen keifenden Diplomaten, dann aus Taiwan, geben wird - wer weiß ...

Bernd Windisch | Di, 10. Mai 2022 - 12:45

„Vermutlich ist nichts für die stets prekäre Friedensordnung unserer Epoche so gefährlich, wie eines ihrer beiden Ordnungsprinzipien zu ignorieren und das andere absolut zu setzen.“

Vor dem Hintergrund der Mehrfachvernichtungskapazität potentieller Kriegsbeteiligter ist die beschriebene Gefahr sogar absolut. Die Ukraine muss sich verteidigen können sollte diesen Krieg jedoch auf keinen Fall als „Stellvertreter“ (USA?!?) zu gewinnen trachten. Ein Rechtssystem lässt sich nämlich nur dann auch durchsetzen, wenn es eine von allen Seiten akzeptierte, oder aber ausreichend starke Exekutive gibt. Ein Polizeieinsatz bei dem alle Verbrecher als auch Opfer umkommen ist zwar effektiv aber nicht verhältnismäßig.

Was tun Sie also wenn der Russe an Ihre Haustür klopft? Ich lade ihn zunächst mal auf einen Kaffee ein. Alles andere ist kompliziert. Anerkennung dem Autor der in diesen Tagen komplexe Wahrheiten verkündet.

Christoph Kuhlmann | Di, 10. Mai 2022 - 13:25

Die Dichotomie zwischen kybernetisches und legalistisches Framework verleitet den Autor die Ukraine in eine Kategorie einzusortieren in die sie nicht gehört. Die Macht der Kleineren liegt in der Koalitionsbildung. Diese Koalition hat die Ukraine durch ihre Demokratisierung mit den Demokratien der Welt gebildet, welche nun, in eingeschränktem Umfang, bereit ist die Ukraine mit Waffen zu versorgen und ihre Kriegswirtschaft zu finanzieren. Das hat gereicht dem Vormarsch von ca. 200 000 russischen Soldaten Einhalt zu gebieten und Teile des besetzten Territoriums zurück zu gewinnen. Russland hat ca. 800 000 bis 900 000 Soldaten. 350 000 davon sind Nationalgarde, eine brutale Schlägertruppe zur Unterdrückung leicht bewaffneter Zivilisten, die an der Front nicht zu gebrauchen ist. Die Ukraine hat ca. 250 000 Soldaten. Russland muss seine Westgrenzen schützen, zumal Finnland und Schweden der NATO beitreten. Die Entscheidung fällt auf dem Schlachtfeld und nicht in der politischen Theorie.

Entscheidung fällt nicht in der politischen Theorie, vielleicht aber auch nicht auf dem Schlachtfeld. Russland zielt auf Annexion, Vertreibung eines Großteils der Bevölkerung, Neubesiedlung und Russifizierung. Wenn der Westen die Sanktionen durchhält und zudem durch Abwerbung den Braindrain forciert (Gezielt das russische Gesundheitssystem, IT-System in Teilen zum Zusammenbruch bringen...) wir Russland wenig Spaß an entvölkerten, überalterteren Regionen haben. Man vergesse nicht, dass alle Eroberungen der letzten 20 Jahre mit radikalen Bevölkerungsverlusten von 30 bis 40% einhergingen (Abchasien, Transnistrien, Südossetien. Donbas-Republiken...) Einfach weil das Land materiell und intellektuell nicht auf der Höhe der Zeit ist,