Blick auf dem zerstörten Fenster eines Hauses in Charkiw Anfang Mai / dpa

Abendpost aus der Ukraine - Fliegeralarm am Tag des Sieges

Während Wladimir Putin in Moskau eine pompöse Militärparade abnimmt, haben die Menschen in Charkiw, unweit der russischen Grenze, ganz andere Probleme. Tausende leben noch immer tief unter der Erde in Metrostationen.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Der „Tag des Sieges“ beginnt in Charkiw wie alle Tage in den letzten zweieinhalb Monaten – mit Luftalarm. Um halb zwei Uhr nachts heulen die Sirenen, um elf Uhr morgens wieder. Über Einschläge in der Stadt wird nichts bekannt: Offenbar sind die russischen Raketen in anderen Teilen der Ukraine niedergegangen, vier Raketen haben allein Odessa getroffen, auch ins Zentrum der Stadt Slowjansk soll eine Rakete eingeschlagen sein.

An diesem Tag, an dem noch im letzten Jahr zehntausende Menschen zum „Memorial des Ruhms“ zogen, um im Gedenken an den Sieg gegen Deutschland Blumen niederzulegen und an ihre Väter und Großväter zu erinnern, an dem es früher Konzerte und Feuerwerke gab, haben die Bewohner der Stadt ganz andere Sorgen.

Eine Architektin, die in der Metrostation wohnt

Irina, 61 Jahre alt, und in ihrem Leben vor dem 24. Februar Architektin, eine zierliche Frau mit schwarzen Haaren in einem hellrosa Pullover, steht 35 Meter unter der Puschkin-Straße im Zentrum der Stadt, gießt sich aus einem Kanister Wasser in den Wasserkocher und wartet. Irina lebt seit über einem Monat in der Metrostation Puschkinskaja, zusammen mit etwa 150 anderen Menschen. Den ersten Monat hat sie noch mit ihren Nachbarn im Keller ihres dreistöckigen Wohnhauses im Norden von Charkiw verbracht, dann schlug das Geschoss einer Haubitze ein großes Loch in ihr Haus, ihre Wohnung hat seitdem keine Fenster mehr – und sie floh ins Zentrum.

Irina zeigt ihr Lager: Eine Matratze, eine Decke, auf einer Pappkiste hat sie ihren Kaffeebecher abgestellt, daneben ein paar Plastikboxen mit Krautsalat. So wie sie leben noch Tausende der einst 1,2 Millionen Menschen von Charkiw – an einer Metrostation im Norden sind es allein über 600. „Wir sind jetzt alle gleich“, sagt die Architektin mit Blick auf die Menschen um sie herum, die genau so leben wie sie: Manche haben sich Zelte aufgestellt, Bücher und Konserven gestapelt, andere haben sogar ihre Katzen und Hunde mitgebracht. So leben sie vor sich hin, im hellen Licht der Kronleuchter, Tag und Nacht. Am Ende der Station gibt es eine Spielecke für die Kinder.

Menschen laufen durch Tunnel zum Bahnhof

Nach draußen gehen die Menschen nur, wenn es sein muss: Irina füttert zweimal am Tag die Katzen in der Wohnung ihrer Schwiegermutter, dort kann sie auch duschen. Irina bedankt sich bei den Helfern, aus Charkiw und aus der ganzen Welt. Sie ist glücklich, dass sie am Leben ist. Allein im Gebiet Charkiw sind seit Kriegsbeginn über 600 Zivilisten gestorben: Bis zuletzt standen die Russen direkt vor den Toren der Stadt und beschossen den Nordosten aus allen Kalibern. Aber Irina ist auch müde. „Hier unten haben alle ständig Husten. Und ich habe auch keine Ersparnisse mehr“, sagt sie. Einige Dutzend haben es schon nicht mehr ausgehalten: Durch die finsteren Metrotunnel sind sie bis zum Bahnhof gelaufen und von dort Richtung Westen gefahren.

Auf dem mühsamen Weg die Rolltreppen hoch – sie sind seit Kriegsbeginn abgestellt – läuft man an Werbebannern vorbei, die an die Zeit vor dem Krieg erinnern: KFC wirbt für Chicken Wings mit Cola und Pommes für 99 Griwna, der Charkiwer Zirkus kündigt ein neues Programm an, ein Schönheitsstudio bietet Haarentfernung mit Lasertechnik an. Doch die lebendige Universitätsstadt Charkiw ist so gut wie tot: Nur wenige Autos fahren durch die Stadt, Busse, Metro und Trams stehen still. Immer mehr Geschäfte und Apotheken öffnen zwar, seit letzter Woche auch die ersten Cafés, wo es Zimtschnecken und Croissants und jede Art von Kaffee gibt.

Langsam, nur sehr langsam kehrt das Leben zurück, seit die Ukrainer die Russen aus den Vororten immer weiter in Richtung russischer Grenze abdrängen. Aber was heißt das schon? 35 Kilometer sind es von der Stadtgrenze bis nach Russland – wer kann sagen, ob die russischen Truppen, wenn sie im Donbass Erfolg haben, nicht wieder in Richtung Charkiw vorrücken werden?

Moritz Gathmanns Abendpost aus der Ukraine:

 

In einer Metrostation direkt im Stadtzentrum hatte der Charkiwer Bürgermeister Igor Terechow gestern die verbliebenen Weltkriegsveteranen beglückwünscht, mit ganz anderen Worten als üblich: „Heute sind wir zum ersten Mal nicht gemeinsam zum Denkmal gegangen, weil der russische Aggressor, unser Feind, das Denkmal beschossen hat“, sagte Terechow da. Und erinnerte daran, wie die Generation seines Vaters zusammen mit Russen und anderen gegen die „deutsch-faschistischen Eroberer“ gekämpft hatte – und wie unvorstellbar es bis zuletzt war, dass die Enkel dieser Generation nun „in die Ukraine kommen würden, um uns zu töten.“

Das Weltkriegsdenkmal in Charkiw, erbaut am Ort eines Massenmords der Nazis an der Zivilbevölkerung, ähnelt jenem im Berliner Treptower Park. Es soll an die 186.000 Soldaten der Roten Armee erinnern, die im Zweiten Weltkrieg allein im Kampf um Charkiw fielen. Über eine Allee gelangt man ins Zentrum des Gedenkortes: Hier steht eine etwa 10 Meter hohe trauernde „Mutter Heimat“ aus grauem Granit, durch Lautsprecher hört man dumpfes Herzpochen. Doch an diesem 9. Mai mischt sich das dumpfe Grollen des Artilleriefeuers aus nördlicher und östlicher Richtung in das stete Pochen des Herzens. Der Erinnerungsort trägt ebenfalls Kriegsspuren: Ein meterhohes Granitrelief am Eingang des Parks wurde getroffen, auf der Rückseite sind mehrere Buchstaben der Inschrift „Die Erinnerung an euch bleibt für immer in unseren Herzen“ heruntergefallen. Auf den Granitplatten der Allee finden sich immer wieder kleine Krater von Granateneinschlägen.

Weltkriegsdenkmal von russischen Granaten getroffen

Vor der Statue der „Mutter Heimat“ liegen Fliederzweige, aber in diesem Jahr kaum Blumen: Die Blumengeschäfte sind geschlossen seit Kriegsbeginn. Alexej und Maxim, zwei junge Männer, sind mit ihren Frauen wie jedes Jahr gekommen, um ihrer Großeltern zu gedenken – dabei hatte die Stadtverwaltung die Bürger aufgerufen, in diesem Jahr zuhause zu bleiben. Sie arbeiten beide als freiwillige Helfer in ihrem Stadtviertel „Horizont“, das in den letzten zwei Monaten schwer zerstört wurde, weil es kurz vor dem Autobahnring um die Stadt liegt: Auf der anderen Seite standen die Russen.

Eingang zum Gedenkpark in Charkiw
Eingang zum Gedenkpark in Charkiw. 

Die beiden sind optimistisch: Die Russen, sagen sie in Anspielung auf das geflügelte Wort, das sich in Kriegszeiten eingebürgert hat, sollen „dahin gehen, wo auch das russische Kriegsschiff hingegangen ist.“ Zum Teufel nämlich. Nichts wünschen sie sich an diesem Tag so sehr wie den Frieden. Aber von einem Friedenskompromiss, der einen Verzicht auf Donezk, Luhansk und Cherson bedeuten würde, halten sie überhaupt nichts. „Was würde das bedeuten? Putin nutzt dann die nächsten Jahre, um wieder Truppen zu sammeln, und dann holt er sich als nächstes Charkiw.“

Putin-Fans in Charkiw

Etwas abseits der „Mutter Heimat“ stehen drei Männer, der eine um die dreißig, die beiden anderen Rentner, einer von ihnen mit einem langen weißen Bart, er erweist sich als sehr religiöser Mensch, Anhänger der russisch-orthodoxen Kirche. Die drei sind anderer Meinung und vereint in ihrer Abneigung gegenüber der politischen Elite des Landes.

Einer von ihnen erweist sich sogar als Putin-Fan: „Putin ist einer, der immer getan hat, was er gesagt hat. Schauen Sie sich an, wie er Russland in 20 Jahren aufgebaut hat! Wenn wir so einen hätten, wäre die Ukraine jetzt ein blühendes Land“, sagt er. Und weil Putin tut, was er sagt, glaube er auch, dass dieser Krieg so lange dauern werde, bis der sein Ziel erreicht habe. Er ist überzeugt, dass es zu Kriegsbeginn sogar eine „Verabredung“ mit der „politischen Elite“ der ukrainischen Großstädte gegeben habe, dass sie sich ergeben würden – aber etwas sei schiefgelaufen.

Von Putin zum Weltjudentum

Danach beginnt der Mann mit dem weißen Bart, über „die wirklichen Gründe“ für den Krieg zu berichten, und man fühlt sich für einen Moment wie in einem deutschen Telegram-Kanal deutscher Verschwörungstheoretiker: Das „Großkapital“ sei daran schuld, die „Rockefellers“, Zbigniew Brzeziński, kurzum – ohne es auszusprechen: das Weltjudentum. Die anderen hören zu, nicken dann und wann. Niemand widerspricht.

Am 9. Mai des Jahres 2022, am 74. Tag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, versuchen die Menschen in Charkiw sich einen Reim darauf zu machen, wie es dazu kommen konnte. Und kommen in dieser Stadt unweit der russischen Grenze zu unterschiedlichen Ergebnissen. Abends heulen wieder die Sirenen.

Walter Bühler | Mo, 9. Mai 2022 - 22:13

... wenn Sie berichten, dass es in Chorkow noch russisch sprechende Menschen gibt. Daraus kann man die Hoffnung herleiten, dass es noch nicht zur ethnisch/religiös/sprachlichen Säuberungen und Verfolgungen in der Ukraine gekommen ist.

Ich persönlich finde - wohl anders als Sie - , dass es sehr für die Fortexistenz der Demokratie in der Ukraine spricht, wenn es dort noch Menschen gibt, die andere Meinungen zu äußern wagen als der Präsident des Landes.

Für mich ist wichtig ist, dass Sie diese Tatsachen nicht verschweigen, auch wenn Sie ein überzeugter Anhänger der Kiewer Regierung sind.

Ich möchte Ihnen und dem Cicero dafür - wie schon bei Ihrem letzten Bericht - ausdrücklich danken. Objektive Berichterstattung ist nämlich in der deutschen Medienlandschaft ziemlich selten geworden.

aber andererseits auch nicht wirklich überraschend, dass Sie sich nur um das Schicksal der Russischsprachigen sorgen. Dass Sie Säuberungen und Verfolgungen dieser Bevölkerungsgruppe fürchten, Ihnen aber kein einziges Wort zu Opfern der Bombardierungen, Beschießungen oder Verschleppungen durch russische Truppen einfällt - unabhängig davon, welche Sprache die Menschen sprechen.

Im Gegenteil: Sie identifizieren ja sogar Menschen "anderer Meinung" anhand der Sprache. Das hört sich in letzter Konsequenz so an: Die Russischsprachigen in der Ukraine müssen mit Repressalien rechnen - die Demokratie ist in Gefahr.
Damit liegen Sie fast schon auf der Linie des Kreml, der ja auch halluziniert, er müsse in die Ukraine einmarschieren, um dort russischsprachige Menschen zu schützen.

Was diese offensichtlichen Verzerrungen und Verdrehungen jetzt mit der Meinung des - gewählten - Präsidenten zu tun haben den Sie ganz offensichtlich nicht besonders schätzen, erschließt sich mir nicht.

Gisela Hachenberg | Mo, 9. Mai 2022 - 22:19

Wie Sie, lieber Herr Gathmann, an den wenigen Kommentaren zu Ihren Berichten sehen, sind die meisten hier im Forum Putin
Versteher. Sie interessieren sich nicht (mehr) für die Kriegszustände in der Ukraine. Und Ihr Appell an Welzer, Wagenknecht u.a. wird auch verhallen. Im TV gestern Abend bei Will konnte man sehen, wie arrogant Welzer kommentiert. Gegen Ende der Sendung, die wohl nicht ganz so verlief, wie er sich das gedacht hatte, wurde er fahriger und lauter. Ich finde es beschämend, in welcher Manier gerade hier im Forum diskutiert wird. Einer der älteren Herren bezweifelte sogar die schlimmen Taten in Butscha.
Ich war immer ein begeisterter Leser der Kommentare der Foristen hier. Doch das ändert sich (leider) von Tag zu Tag mehr. Schade!!!
Bleiben Sie dran, lieber Herr Gathmann. Herzliche Grüße an Sie.

da Sie mich direkt als "Putin-Versteher" klassifizieren: Wer andere als "Putin-Versteher" bezeichnet, ist doch nur überzeugt, selbst der perfekte Putin-Versteher. zu sein.

Ganz anders als Sie glauben interessiere ich mich sehr für die Kriegszustände in der Ukraine, die ich für furchtbar halte. Daher bin dankbar, wenn ich (statt Propaganda) Nachrichten aus der Ukraine bekomme. So sehr Herr Gathmann Partei für die ukrainische Regierung nimmt, so sehr fühlt er sich doch dem Berufsethos der Journalisten verpflichtet und berichtet so objektiv wie möglich aus dem Konflikt heraus.

Wenn Sie wirklich daran interessiert sein sollten, die Beweggründe eines älteren Herren zu verstehen, so empfehle ich Ihnen einen Blick in Hannah Ahrendts "Wahrheit und Lüge in der Politik" und einen Rückblick auf die Debatte um Claas Relotius.

NB: Herrn Melzer bei Frau Maischberger: Was andere Menschen dazu denken, können Sie gut in den Kommentaren zu Herrn Krischkes Artikel hier im Forum nachvollziehen.

Es ist interessant zu lesen, lieber Herr Bühler, dass Sie sich von meinem kleinen Vorwurf angesprochen fühlen. Warum eigentlich? Es sind doch die meisten hier im Forum, die, ich möchte es jetzt vorsichtig ausdrücken, sehr viel Verständnis für Putin aufbringen. Die Wortwahl ist immer dieselbe. Ich finde es nur schade, dass man den Berichten von aufrichtigen Reportern, wie Herrn Gathmann, die vor Ort sind und von den Gräueltaten berichten, keinen Glauben schenkt. Warum lesen Sie diese denn, wenn Sie denken, dass sie sowieso nicht wahr sind. Im Übrigen bin ich nicht, wie glaube ich Herr Schäfer schreibt, eine junge Frau. Ich habe auch schon etliche Jahre auf dem Buckel und vieles, Gutes und auch nicht so Gutes, erlebt.
Das Land ist, wie man auch an unserer kleinen Diskussion hier sieht, gespalten. Leider! Deswegen muss ich mich mir auch nicht mehr die Kommentare betr. Welzer ansehen. Ich las dazu gestern in der FAZ einen interessanten Artikel. Der Verfasser, der auch meine Meinung zu We

Ich konnte leider nicht zu Ende schreiben. Also, der Verfasser des Artikels schrieb, dass die meisten Zuhörer von Welzer‘s Vorträgen am Bildschirm in Moskau sitzen. Fake News oder Wahrheit? Wir wissen es nicht. Aber zumindest aufschlussreich!
Mit besten Grüßen an Sie, lieber Herr Bühler.

abgeurteilt wird!
99 % hier im Forum verurteilen diesen völkerrechtswidrigen Vorgang. Das wird von Ihnen nicht zur Kenntnis genommen. Auch die PV verurteilen, wie ich Putins Vorgehen, hinterfragen aber, wieso es zu dieser Eskalation gek. ist. Als junge Frau sollten Sie über so viel Lebenserf. verfügen, zu wissen, dass einer allein selten Schuld hat. Dass könnte helfen Fehler in der Zukunft u. Krisen zu vermeiden. Dieses Hinterfragen erkennen Sie nicht, reicht aber aus, um von Ihnen als PV diskriminiert zu werden.
Wer von Art. 5 Abs.1 S. 1 GG Gebrauch macht, wie Welzer, Schwarzer etc. ist gut beraten sich nicht auf Art 3 Abs.3 S. 1 GG zu berufen, wenn er eine andere Meinung als Sie u. der Mainstream vertritt.
Das ist in unserem Staat „moralisch verkommen“. Eine Meinung, die nicht in die derzeitige polit Landschaft passt, sollte man nur "allein" im Keller -wo sie nicht "arrogant" rüberkommen kann- von sich geben, will man sich nicht einer ehrabschneidenden Hexenjagd aussetzen.

Sabine Lobenstein | Mo, 9. Mai 2022 - 23:11

So wie Sie zuletzt selbst schreiben. Es gibt eben nicht nur schwarz und weiss, sondern unendlich viel dazwischen. Wir haben nur aufgehört den anders denkenden aufmerksam und respektvoll zuzuhören. Stattdessen wird uns medial verkauft, es gäbe nur eine alternativlose Wahrheit und alle anderen sind Putin-Freunde und Verschwörungstheoretiker. Aus Ihren aggressiven Post gg. Wagenknecht kann ich nur schließen, dass Sie das was sie selbst hier geschriebene haben, gar nicht als das erkennen, was es bedeutet. Ein Krieg und viele verschiedene Arten damit zu leben und darüber zu denken. Jeder hat für sich persönlich die einzig wahre Ansicht, die Realität und die möglichen Lösungsmöglichkeiten liegen aber irgenwo dazwischen.

Heidemarie Heim | Di, 10. Mai 2022 - 13:37

Danke lieber Herr Gathmann für ihre zwar schwer verdaulichen, jedoch "lebensnahen" Schilderungen anhand von Einzelschicksalen, wie sie jeden von uns ganz genauso treffen könnten, würden wir einem solchen Wahnsinn ausgesetzt sein. Auch ich versuche mir immer wieder wie die davon betroffenen Menschen, die Sie inmitten einer solchen Ausnahmesituation aufsuchen und persönlich so nahe kommen, einen Reim darauf zu machen, wie sich eine Großmacht, als solche sah ich Russland übrigens immer, dermaßen selbst diskreditieren kann, was nicht nur das Völkerrecht betrifft, sondern auch den zivilisatorischen Umgang mit angeblich ehemaligen Bruderstaaten und deren Bewohner. Sind die russischstämmigen Ukrainer wie hier erwähnt wirklich nicht in der Lage oder willens, sich zwischen einer halbwegs funktionierenden Demokratie mit westlicher Orientierung oder einem totalitären Regime zu entscheiden? Oder sind solche Menschen wie oft in Bürgerkriegen gesehen die Ersten, die ihre Ex-Nachbarn umbringen? LG