Jens Kriese
Jens Kriese geht als Bildforensiker digitalen Bildfälschungen auf den Grund / Heinrich Holtgreve

Digitalforensiker Jens Kriese - Tatort Bild

Die digitale Realität ist voller Fakes und Fälschungen. Der Bildforensiker Jens Kriese weiß, wann Fotos lügen. Er ist angetreten, Schein und Sein fein säuberlich voneinander zu trennen. Mit Computer-Software entlarvt er Retuschen, Montagen und Manipulationen.

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero.

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Bilder lügen. Die Realität tut es auch. Zumindest manchmal. In jenen Momenten, in denen man nicht genau hinschaut. Vielleicht, weil man nicht hinschauen will. Vielleicht auch, weil die Illusion oft schöner ist als die gewöhnliche Wahrheit. Wer wüsste das besser als Jens Kriese. Mit der Differenz von Fake und Fakten bestreitet der Hamburger sein tägliches Brot: Kriese ist Bildforensiker. Einer, der sich auf manipulierte Fotos und Bildbeweise spezialisiert hat. Einer, der die Spreu vom Weizen trennt. Als solcher kennt er sich aus mit der geschönten Wahrheit und mit all dem, was nicht zur Wirklichkeit passt. 

Vielleicht ist diese Kennerschaft mit ein Grund dafür, dass auch bei Kriese selbst manches so aussieht, als wäre es ein bisschen hinzugeschwindelt – ganz liebevoll versteht sich. Ganz apart. Da ist die kleine schwarze Brille, da ist der zu lange und aus der Zeit gefallen wirkende Rauschebart. Zusammen lassen sie ihn aussehen wie jemanden aus einem anderen Jahrhundert – wie Otto Modersohn oder Anton Tschechow. Jemand, der mit der digitalen Realität auch mal zu hadern versteht. 

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Ernst-Günther Konrad | Mo, 9. Mai 2022 - 13:20

Wenn Sie denn unabhängig und ehrlich bleiben ein durchaus respektabler Beruf. Ja, mit Bildern wurden schon viele, vor allem das Volk gut und gerne getäuscht. Wir erleben es derzeit tagesaktuell an der Berichterstattung mit Bildern zum Ukrainekrieg. Ich bin gespannt, wann und wer da die Fälschungen in nächster Zeit entlarvt. Ob das dann auch öffentlich wird. Leben solche Forensiker nicht inzwischen gefährlich? Es kommt sicher immer auf den Auftraggeber an. Denn wer bezahlt will ggfls. ein (sein) Ergebnis haben. Nein, ich will Herrn Kriese absolut nichts unterstellen. nur zu einem Bilder gehört meistens Text, der das Bild irgendwie erklärt und wenn der eben auch nicht stimmt wird es schwierig. Manchmal muss das Bild gar nicht gefälscht sein, es reicht der Text. Diese digitale Aufgabe ist sicher spannend, wäre für mich persönlich nichts. Warum? Mir fehlt das Grundverständnis für die digitale Welt. Ich versuche es mit genauem zusehen, hinhören und selbstständigen und neutralem Denken.

Werner Zillig | Mo, 9. Mai 2022 - 20:08

Zu allen Zeiten wurde, wenn es opportun erschien, gefälscht. Alles. Mit den jeweils in der Zeit möglichen Mitteln. Man nehme, wenn es schon nicht die Konstantinische Schenkung sein soll, dann eine Google Bildsuche mit den Stichworten (Englisches ergibt einfach mehr Bilder)

fake photos in soviet union
pallywood
fakes in history

Nur etwas ist neu: dass man heute mit den schicken Wörtern faked / fake news u. ä. so tut, als sei das etwas ganz erstaunlich Neues herangewachsen.

der Fälschungsmöglichkeiten.

Früher konnten nur Staaten oder Organisationen solche Fälschungen durchziehen. Schon seit den Kriegen in Afghanistan, Syrien usw. kann jeder einzelne Terrorist (Milizionär, Freiheitskämpfer, Söldner, Gotteskrieger, Aktivist, ...,) mit seinem Handy unzählige "Dokumentaraufnahmen" machen bzw. Videos drehen. Ein heutiger Terrorist, ein moderner Milizionär ist ohne Handy nicht mehr denkbar.

Bilder und Videos werden dann von den zugehörigen "zivilen" Unterstützerorganisationen professionell zum Zweck der (Gräuel-)Propaganda verarbeitet und im Rahmen der jeweiligen Publicity-Strategie in den überflutenden medialen Bildmarkt eingeschleust. Das Internet wird so auch von Kriminellen dieser Sorte erfolgreich genutzt.

Reguläre Armeen und Geheimdienste, die früher dafür das Monopol hatten, schwimmen heute in diesem Meer der Lügenbilder einfach mit.