Fertighäuser
Diese Häuser werden nicht so alt wie ihre Bewohner / dpa

Der Flaneur - Häuser mit Verfallsdatum

Altägyptische Ruinen verströmen auch heute noch Anmut. Moderner Architektur hingegen sieht man schon beim Bau an, dass sie nicht für die Ewigkeit bestimmt ist. Und moderne Möbel verströmen schon beim Zusammenschrauben eine Vorahnung von Sperrmüll, findet Stefan aus dem Siepen.

Autoreninfo

Stefan aus dem Siepen ist Diplomat und Schriftsteller. Von ihm erschien zuletzt bei dtv „Aufzeichnungen eines Käfersammlers. Unzeitgemäße Erzählungen“. (Foto: © Susanne Schleyer / autorenarchiv.de)

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Stefan aus dem Siepen

Thutmosis III., Pharao im 15. Jahrhundert vor Christus, ließ sich eine Grabstätte erbauen, die er „Tempel der Millionen Jahre“ nannte. Offenbar dachte er in großzügigen zeitlichen Dimensionen und legte Wert darauf, seinen Leichnam nicht nur vorübergehend zu konservieren. Seine Erwartungen erwiesen sich als zu optimistisch, denn der Zahn der Zeit hat dem Tempel erheblich zugesetzt. Doch eindrucksvolle Ruinen sind bis zum heutigen Tag zu besichtigen, und eine Skulptur, die aus den Trümmern hervorgezogen wurde, hat ihren Platz im Louvre gefunden: ein perfekt erhaltener Priester mit Lendenschurz und würdiger Miene, dem noch viele Jahre bevorstehen dürften. 

Irgendetwas muss sich in den letzten dreieinhalb Jahrtausenden geändert haben, denn wir bauen heute weniger ambitiös. Für welche Nutzungsdauer ist zum Beispiel der Berliner Hauptbahnhof berechnet? Schon wenige Jahre nach seiner Eröffnung tropfte es durch das gläserne Dach, und seither wundert sich kaum noch einer, wenn bei Regen auf den Bahnsteigen Eimer aufgestellt werden. Das Centre Pompidou in Paris, Museum für moderne Kunst, musste 1997, nur 20 Jahre nach seiner Erbauung, generalrenoviert werden. Damals plädierten viele dafür, es kurzerhand abzureißen – Präsident Mitterrand entschied sich jedoch, ihm für 88 Millionen Euro neuen Glanz zu verleihen. Die nächste Renovierungsrunde, notwendig wegen Korrosion und dergleichen, ist für 2023 geplant, soll vier Jahre dauern und 200 Millionen kosten.

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helmut armbruster | Di, 11. Januar 2022 - 17:36

deutlich zeigt, wohin wir es gebracht haben.
Nichts ist mehr nachhaltig und werthaltig, sogar das eigene Heim ordnet sich der Wegwerfgesellschaft unter.
Nur das eigene Aussehen hat noch Wert und wird gepuscht mit allen Mitteln.
Und ausgerechnet in die eigene menschliche Fassade wird jede Menge Geld gesteckt. Dabei weiß jeder, dass diese Fassade zerbrechlich und vergänglich ist.
Botox, Wellness, Schönheitsoperationen, die neuste Mode in Kleidung und Frisur, alles muss herhalten um die Fassade aufzuhübschen.
Und nur allzu oft ist hinter dieser Fassade nichts zu finden als eine stumpfsinnige und langweilige Leere.

Bernd Muhlack | Di, 11. Januar 2022 - 17:54

Schrank Hades und Vitrine Limbus:
zusammen nur 299,00 €
Echt Pressspan!
(Made in China)

Früher half ich immer meinen Kumpels bei Umzügen; da waren zum Teil ganz tolle Möbel dabei.
Schränke aus Echtholz die man zusammenstecken, verkeilen und nicht schrauben musste.
Oder diese Vitrinen, Sekretäre mit herrlichen Intarsien.
Ich besitze auch solch einen Schrank, Erbe von den Großeltern.

Ja, auch ich bin bereits älter als das Haus in dem ich wohne - ich habe es kürzlich um drei Jahre überholt, hinter mit gelassen.
Ich habe jedoch das dumpfe Gefühle, dass es irgendwann wieder an mir vorbeizieht!
Massivhaus!

Ob des Klimawahns werden Gebäude inzwischen vollkommen anders gebaut, ausgestattet - man dämmt sich zu Tode.
Es wird nicht nach Sinn, Nutzen gefragt, sondern die Ideologie ist maßgeblich.
Keine Baugenehmigung ohne Solar-/PV-Anlage!

Die Lebenszeit dieser sinnfreien Windanlagen ist ja ebenfalls sehr überschaubar.
Auch hier gilt, Haltung geht vor Nutzen!

Wie sagen die Sternsinger?
C M B

gabriele bondzio | Di, 11. Januar 2022 - 18:19

der Pharao wäre dann gar nicht erst auf die Idee gekommen, sie mit ins Totenreich zu nehmen."...

ja Herr Siepen für die Ewigkeit wird nichts mehr hergestellt.
Das Ablaufdatum ist schon eingepreist.

Wir könnten allerdings Pyramiden (noch und nöcher) aus Abfall bauen.

Enka Hein | Di, 11. Januar 2022 - 18:30

...im allgemeinen und die der 4 Buchstabenfirma im Besonderen betrifft, ist es Fakt das 3x umgezogen wie 1x abgebrannt gilt.
Habe noch einen selbstgebauten Schrank meines Großvaters (war Stellmacher)von 1900 und einen Schrank aus den 50igern (fast schon wieder in), die haben zig Umzüge hinter sich. Alles noch bestens.

Sorry, dazu mir fiel spontan das Rotlichtmilieu ein.

Ich gugelte ... na klar!

https://de.wikipedia.org/wiki/Stellmacherei

Mein Ur-Opa/Opa waren Schuhmachermeister; meine Mutter ist Schneidermeisterin - Handwerk hat "goldenen Boden" sagt man.

Stellmacher, Wagner sind eher ein aussterbender Beruf, nicht wahr?
Wie auch Kreuziger - sorry!
Okay, Wagner gibt es noch in Bayreuth - wen es freut!

Liebe Frau Hein: ich wünsche Ihnen ein schönes 2022!

GLÜCKAUF!

... zu den Möbeln wurde hier bereits alles gepostet, nicht wahr?

Enka Hein | Mi, 12. Januar 2022 - 13:38

In reply to by Bernd Muhlack

...das Rotlichtmilieu gehört nicht dazu, werter Herr Muhlack.
Als Kind dachte ich Opa "stellt" die Weichen im Stellwerk.
Nicht ganz.
Um 1900 wurde der öffentliche Personenverkehr noch mittels Pferden, später elektrifiziert. Beiden gemeinsam war das Transportmittel, der Waggon.
Und der wurde durch Stellmacher erbaut.
Sehe Sie kommen auch aus einer bodenständigen Handwerksfamilie.
Habe selbst noch ein Handwerk gelernt. Und irgendwann Uni. Habe aber nie vergessen wo die Wurzeln sind. Kein linksgrün verklärter Blick. Geld das man verschenkt muß erst mal verdient werden.
Aber ist ein anderes Thema.
Ihnen alles Gute im neuen Jahr. Bleiben Sie gesund.
Lese gerne ihre Kommentare.
Sie sollten mal bei Cicero einen Artikel schreiben.
Schöne Restwoche an alle.

Dominik Roth | Di, 11. Januar 2022 - 22:26

Bin auch kein Freund von lackierter Ikea-Pappe oder Halbfertighäusern, aber zu leben wie ein König/Pharao können sich außer der Upper Class, zu der die Diplomaten zählen, nicht viele leisten.

Ingofrank | Mi, 12. Januar 2022 - 06:22

wie das Tragen meiner Socken. Man kommt nicht hinterher…..
Zum Bauen schlechthin:
Mangelnde Qualität hat 2 Gründe. Zum einen den miserablen Qualifikationsstand der Bauarbeiter. Bei kleinen Baufirmen mag‘s noch gehen. Bei Großbaustellen verstehen sie kein Wort mehr. Der Sub vom Sub spricht kein deutsch ….. Alles Fachpersonal, alles Goldstücke!
Zum anderen die Ausschreibungsmentalität die auch z.B. die öffentliche Hand praktiziert. Geiz ist Geil! Der Billigste bekommt den Zuschlag. Meine Devise ist: wer billig baut, baut mindestens 2x.
Andererseits die „Bescheissermentalität“ z.B. bei Bauträgern für EFH. Andererseits ist das Bauen vergleichbar mit Fußball. Die, die die meiste Ahnung haben, haben noch nie gegen einen Ball getreten ……
Nachhaltige Möbel: Doch es gibt sie noch. Wir haben nach unseren letzten Instadsetungs-
masßnahmen im Innenbereich Echtholzmöbel aus Eiche massiv zugelegt, die wir falls erforderlich, ins Altenheim zumindest teilweise mitnehmen können.
M f G a d E Rep

Ernst-Günther Konrad | Mi, 12. Januar 2022 - 08:32

Ich wohne im alten Ortskern. Um mich herum alte, sog. Hofreiten, alle noch erhalten seit 1560 und kurz danach. Ja. es wurde mal restauriert, mal etwas weg gerissen oder hinzu gebaut, aber in der Ursubstanz erhalten und dem jeweiligen bautechnischen Wissen aufgrund Denkmalschutz angepasst ausgebessert. Kleine Messingschilder mit Zeichnungen des Urgebäudes aus der Erbauerzeit bezeugen bei fast allen Gebäuden und Höfen, das immer versucht wurde, das Fachwerk zu erhalten, vielleicht mal ein Balken ausgetauscht, aber immer gepflegt und noch immer da. Dagegen wurde das Feuerwehrgerätehaus, ein schnöder und unsympathischer Betonneubau aus den 1970ern bereits nach 25 Jahren abgerissen. Der Neubau war billiger als der Erhalt, sagte man uns. Unser Haus ist von 1904, 40 cm dicke Grundmauern aus Sandstein, kleiner Keller, teils Fachwerk, immer gepflegt. Es wird uns alle überleben und die Kinder wollen es erhalten. Man muss nachhaltig bauen wollen und wissen wie es geht. Wer weiß noch, wie es geht?

Kann ich auch von von meinem Domizil sagen. Teile des 4-Seiten-Hofes stammen aus Mitte /Ende 18.Jahundert. Die Grundmauern sind hier 60cm dick. Brocken von Feldsteinen mit Lehm verputzt.
Im Sommer eine wunderbar kühlende Wirkung, im Winter schön warm verpackt.
Da waren schon ein paar Generationen zu Hause.

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