David Sassoli
Wollte nicht zur Wiederwahl antreten: David Sassoli / dpa

EU-Parlamentspräsident Sassoli gestorben - „Ein großer Europäer“

Bald wäre seine Amtszeit zu Ende gewesen, nun ist David Sassoli, der Präsident des Europaparlaments, im Alter von 65 Jahren gestorben. Der Journalist und Politiker war bereits seit einiger Zeit im Krankenhaus. Kollegen würdigen seinen Einsatz für Europa und seine menschliche Wärme. 

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Mit Bestürzung und Trauer haben Spitzenpolitiker auf den Tod des Präsidenten des Europaparlaments, David Sassoli, reagiert. „Ich bin zutiefst betrübt über den schrecklichen Verlust eines großen Europäers und stolzen Italieners“, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Dienstag auf Twitter. EU-Ratschef Charles Michel würdigte Sassoli als „aufrichtigen und leidenschaftlichen Europäer“. Seine menschliche Wärme, seine Großzügigkeit, seine Herzlichkeit und sein Lächeln würden bereits vermisst. Italiens Kulturminister und Parteifreund Sassolis, Dario Franceschini, verabschiedete sich mit den Worten: „Ciao David, lebenslanger Freund“. 

Sassoli starb in der Nacht zum Dienstag im Centro di Riferimento Oncologico in Aviano, einer Klinik in der nordostitalienischen Region Friaul-Julisch Venetien, wie Parlamentssprecher Roberto Cuillo sagte. Der Politiker aus Florenz wurde 65 Jahre alt. Zur Todesursache wollte eine Sprecherin am Dienstagmorgen keine Angaben machen. 

Sassoli war jedoch bereits seit dem 26. Dezember im Krankenhaus, wie das Parlament am Montag mitgeteilt hatte. Der Aufenthalt war demnach „wegen einer schweren Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems“ erforderlich. Alle seine Termine wurden abgesagt. 

Der Sozialdemokrat war seit Juli 2019 Präsident des Europäischen Parlaments

Sassoli, der kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Präsident des EU-Parlaments stand, war zuletzt gesundheitlich angeschlagen. Im Oktober verpasste Sassoli eine Tagung des Parlaments mit Fieber. Zuvor wurde er wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt. Mitte Dezember erklärte Sassoli, nicht zur Wiederwahl als Parlamentspräsident antreten zu wollen. 

Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin soll planmäßig in der kommenden Woche in Straßburg gewählt werden. Die Malteserin Roberta Metsola aus der christdemokratischen EVP-Fraktion, die gute Chancen auf den Posten hat, schrieb am Dienstag auf Twitter: „Europa hat einen Anführer verloren, ich habe einen Freund verloren, die Demokratie hat einen Vorkämpfer verloren.“ Von der Leyen betonte: „David Sassoli war ein einfühlsamer Journalist, ein hervorragender Präsident des Europäischen Parlaments und in erster Linie ein guter Freund.“ 

Er moderierte die Hauptnachrichtensendung des Senders Rai 1

Sassoli gehörte der sozialdemokratischen Partei Partito Democratico (PD) an. PD-Chef Enrico Letta bezeichnete Sassoli am Dienstag als „einzigartigen Freund“ und „leidenschaftlichen Europäer“. 

Sassoli war seit Juli 2019 Präsident des Europäischen Parlaments. Der Sozialdemokrat löste seinen Landsmann Antonio Tajani von der konservativen Forza Italia ab. Zuvor hatte er von 2014 bis 2019 den Posten des Vizepräsidenten inne und war damit rund drei Jahre (2014 bis 2017) Vertreter des damaligen Präsidenten Martin Schulz (SPD). 

Vor seiner politischen Karriere arbeitete Sassoli als Journalist. Der Werdegang des studierten Politikwissenschaftlers begann zunächst bei kleineren Tageszeitungen. 1985 schaffte er es in die Redaktion der römischen Zeitung Il Giorno. Später arbeitete er im Fernsehen und moderierte die Hauptnachrichtensendung TG1 des öffentlich-rechtlichen Senders Rai 1. 

Quelle: dpa

Thomas Hechinger | Di, 11. Januar 2022 - 13:27

Es ist doch die Frage der Fragen. Warum spricht sie niemand aus! In diesen Zeiten hat man ein Recht zu erfahren, an was eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gestorben ist, insbesondere bei dieser verqueren Formulierung „wegen einer schweren Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems“. Dann will ich jetzt mal ganz mutig sein:

1. Ist Herr Sassoli an Corona gestorben?

2. Ist Herr Sassoli an den Folgen der Corona-Impfung verstorben?

3. Ist Herr Sassoli an einer anderen Krankheit gestorben?

die zweite Variante. Man liest sehr sehr viel über derartige Todesfälle und mir erscheinen das keine Zufälle mehr zu sein. Und ja, JETZT gibt es eine Übersterblichkeit, die hat aber nichts mit Corona zu tun. Die meisten (Spiel-)Abbrüche im Sport gab es im Vorjahr wegen Todesfällen oder Zusammenbrüchen. Aber man regt sich über einen gesunden Tennisspieler auf, der ein Turnier mitspielen möchte. ;-)

Wolfgang Tröbner | Mi, 12. Januar 2022 - 10:59

In reply to by Yvonne Stange

Irgendwo habe ich gelesen, er sei an der sogen. Legionärskrankheit gestorben. Vermutlich hatten die Erreger leichtes Spiel, weil sein Immunsystem geschädigt ist.

Ernst-Günther Konrad | Di, 11. Januar 2022 - 14:57

Sie haben exakt die gleichen Gedanken und Fragen, die mir sofort nach lesen des Artikels in den Sinn kamen. Irgendwie sehr schwurbelig diese Andeutungen: " Im Oktober verpasste Sassoli eine Tagung des Parlaments mit Fieber. Zuvor wurde er wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt. " Und weiter heißt es: " Der Aufenthalt war demnach „wegen einer schweren Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems“ erforderlich." Eine solche Funktionsstörung soll auch das Impfen bei einigen Menschen erzeugen. Man ist weiterhin anstecken, man kann andere anstecken und man ist auch weiterhin nicht vor einem schweren Verlauf bis hin zum Tod geschützt.
Das Ganze klingt - vielleicht unnötig - aber doch alles nach einem Impfschaden bzw. heftige Nebenwirkung. Ich kenne den Mann nicht, mag ihm auch nichts Schlechtes nachsagen. Aber diese nebulöse Formulierung um die Todesursache ist schon sehr verdächtig. Mals sehen, ob sich da noch andere Informationen auftun.

Romuald Veselic | Di, 11. Januar 2022 - 18:13

Man sieht, dass auch Politiker sterblich sind.
Nun ja...
Und seine Große kann ich nicht einschätzen. Da für mich - irrelevant.

Ohne die erforderliche Pietät zu mißachten, wusste ich bis Dato nichts von diesem Hr Sassoli. Und morgen wird mein Nichtwissen, diesbezüglich fortgesetzt.

Ich kann mich dem Gefühl nicht erwehren, dass in Pandemiezeiten, sich das Fußvolk darüber freut, dass niemand in der Familie davon betroffen war, ist u. wird. Sowie einem graut, was die hiesigen, misanthropischen Politiker uns weiter zumuten wollen.

Vor einem Jahr, mein Bruder mit knapper Not die Pandemie überlebte. Da konnte ich 3 Nächte nicht schlafen. Und wie man sich dabei fühlt, werde ich nie vergessen.

Freundlieb, Dieter | Mi, 12. Januar 2022 - 10:00

Ich weiß nicht, ob es auch anderen aufgefallen ist. Unmittelbar nach dem Tod von Sassoli wurde in den Nachrichten des ÖRR das Lob erwähnt, das Frau von der Leyen zu Herrn Sassoli geäußert hat. Auch hier im Artikel heißt es: „Ich [Frau von der Leyen] bin zutiefst betrübt über den schrecklichen Verlust eines großen Europäers und stolzen Italieners“.

Das war wohl etwas unvorsichtig von Frau von der Leyen. Gehört es doch so gar nicht in die hier bei uns verbreitete Vorstellung eines großen Europäers, dass er zugleich stolz auf seine Nation ist. Zumal, wenn dieser überzeugte Europäer einer sozialdemokratischen Partei angehört.

Bereits am folgenden Tag wurde in den öffentlichen Nachrichten zu Sassolis Tod nur noch der erste Teil von Frau von der Leyens Lob erwähnt. Honi soit qui mal y pense.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 12. Januar 2022 - 11:17

Das ist immer noch zu früh.
Bewegte Worte der Kommissionspräsidentin und eigentlich überall.
Ein große Echo, aber ich denke an seine Familie.
Familie ist mir immer wichtiger gewesen, als die Politik.
Eine Gesellschaft hat kein Recht auf die Dienste von wem auch immer.
Höflichkeit im Dienstleistungssektor, zu dem eigentlich auch die Politik zählt, könnten wir bestimmt noch ausweiten.

Gerhard Lenz | Do, 13. Januar 2022 - 09:19

also der ewig verfolgten Opferpartei, zeigt mal wieder, welche Menschenverächter sich dort tummeln.
Ein Herr Nicolaus Faust, seines Zeichens EU-Abgeordneter der AfD, dessen "kesse" Sprüche mir übrigens auch schon von einem Foristen hier empfohlen wurden, soll sich in einer internen Chat-Gruppe der AfD wie folgt geäussert haben:

"Endlich ist dieses Dreckschwein weg"!

Auf Nachfragen verschiedener Medien vermied es Herr Faust, sich von diesen seinen Äusserungen zu distanzieren, sondern

Quelle: Gmx.net u.a.

Jörg Meuthen, sich so langsam aus dem politischen Leben verabschiedendes, pseudo-liberales Aushängeschild der AfD, hat die Aussagen des Herrn Faust übrigens schärfstens verurteilt.

Ja, die "Diffamierung" der AfD wirkt. Besonders gut übrigens wenn sie durch eigene Parteimitglieder gefördert wird.

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