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Tarek Bitar / Marco Wagner

Libanesischer Richter - Der Unbestechliche

Er bezeichnet seine Aufgabe als „heilig“: Der libanesische Richter Tarek Bitar soll die verheerende Explosion am Beiruter Hafen aufklären – und macht sich dabei viele Feinde. Wie lange kann Bitar durchhalten?

Autoreninfo

Mareike Enghusen berichtet als freie Journalistin über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Nahen Osten, vornehmlich aus Israel, Jordanien und den Palästinensergebieten. Sie hat Politik- und Nahostwissenschaften studiert und ihre journalistische Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule absolviert.

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Vielleicht ist es der dramatische Fall Afghanistans, vielleicht auch nur eine allgemeine Müdigkeit gegenüber Krisenmeldungen aus Nahost, die erklärt, warum der Niedergang des libanesischen Staates hierzulande so wenig Widerhall findet. Nur einmal, im vergangenen Sommer, schaute die ganze Welt nach Beirut: Am 4. August 2020 tötete eine gewaltige Explosion am dortigen Hafen mindestens 218 Menschen und verwüstete große Teile der Stadt. 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat, ein hochexplosiver Stoff, war über Jahre hinweg nachlässig am Hafen gelagert worden. Es hatte Warnungen gegeben, aber keine Reaktion darauf. Für die vermeidbare Katastrophe wurde bis heute niemand zur Verantwortung gezogen.


Tarek Bitar will das ändern. Der 46-jährige Richter leitet seit Februar die Ermittlungen zu der Hafenexplosion. Es ist eine wichtige, symbolträchtige und zugleich höchst undankbare Aufgabe.

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Ernst-Günther Konrad | Mi, 13. Oktober 2021 - 09:01

So sehr ich dem Richter Kraft, Ausdauer und vor allem Gesundheit wünsche, desto weniger glaube ich, dass dieser Richter am Ende dem Recht Geltung verschaffen wird. Die korrupten Politiker und das administrative System dieser Verbrecherregierung, wird schon Mittel und Wege finden, wir alle im Forum kennen sie, den Mann im wahrsten Sinne des Wortes mundtot zu machen.
Nur das Volk selbst kann diesen Richter vielleicht schützen, wenn es sich gegen diese Regierung erhebt und deren Abwahl oder zwangsweise Absetzung herbeiführt. Die Frage ist nur, will die Mehrheit des Volkes das so? Und überhaupt, gibt es das libanesische Volk denn noch dort? Lt. Wiki sind dort bis zu 18 verschiedene religiöse Gruppen im Land und in der Regierung vertreten. Das Staatsvolk setzt sich aus den verschiedensten Fluchtgebieten rund um den Libanon zusammen. Gibt es eine libanesische Identität und wird dort wirklich eine parlamentarische Demokratie gelebt?
Naja, das kann man inzwischen auch bei DE fragen.

Yvonne Stange | Mi, 13. Oktober 2021 - 09:13

... findet also zu wenig Widerhall in Deutschland??
Vielleicht, weil wir mit dem Niedergang unseres eigenen Landes gerade zu sehr beschäftigt sind? Weil der Libanon nur die Blaupause für Deutschland ist? Weil uns hier die gleichen Zustände drohen, eher früher als später? Ein Land mit verfeindeten Ethnien, welches vom Bürgerkrieg zerrissen wird. Und von außen schauen die "Experten" in die Petri-Schale was sie hier angerichtet haben.... nur noch zum Davonrennen, aber wohin?

Enka Hein | Mi, 13. Oktober 2021 - 09:51

...wie lange bleibt der am Leben.
Dem Umstand muss man ins Auge blicken. Denn Beispiele gibt's genug.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 13. Oktober 2021 - 11:06

ein Land juristisch, aber damit politisch umzukrempeln.
Hochexplosives wurde jahrelang nachlässig gelagert?
Wer wird daran Schuld gewesen sein?
Bestimmt nicht Wenige im Sinne von Fahrlässigkeit.
Ein wirklich originär Schuldiger könnte dann die unwichtigste Person überhaupt sein, politisch gesehen.
Was soll dann ein "Kreuzzug"gegen vielleicht sogar nur eine kapitale Nachlässigkeit neben vielen.
Wichtig und angemessen ist die Mission des Richters dennoch, im Sinne der zu Tode Gekommenen.
Wenn aber Viele im Libanon mehr oder wenig schuldig sind, würde ich stärker auf eine politische Aufarbeitung setzen, mehr oder weniger einvernehmlich.
Dabei darf aber keinesfalls die Tätigkeit des Richters behindert werden.
Cui bono würde ich nicht nur in Bezug auf die Katastrophe fragen und vielleicht gab es da gar niemandem, dem das wirklich genutzt hätte, aber politisch darf man sich vielleicht am Gemeinwohl ausrichten?
Justiz statt Politik, vielleicht besser nicht...

Rob Schuberth | Mi, 13. Oktober 2021 - 14:49

Was für eine dxxxlich Frage.
Ich bewundere den Mut dieses Mannes.

Am Ende hat er nur zwei Optionen.

Er endet wie der Richter Falcone in Italien, samt dessen Nachfolger, für die es ein Leben ohne Bodyguards nie mehr geben wird, oder er lässt sich kaufen.

Das Land ist bis in die Haarspitzen korrupt.
Ein Mann allein ändert da nicht viel.
Er kann nur Impulse setzen.

Aber die herrschende u. korrupte Kaste die wird ihn schon ....s. o. erschießen_lassen_ wäre auch eine Option.

Das ganze Gebiet ist ein Pulverfass mit kurzen Lunten.
Wir sollten uns aus allem dort heraushalten.
Das gilt ganz besonders für Afghanistan.

Bevor wir die Welt retten bitte zuerst um_unsere_Bürger (die schon länger hier Lebenden) kümmern.

Bernd Muhlack | Mi, 13. Oktober 2021 - 17:41

Bekanntlich bin ich ein großer "Fan" von Peter Scholl-Latour. Zutreffende Analysen vieler Konflikte in der Welt.
Auch zum Libanon viele Artikel; er hatte dort in einem Kloster in der Bekaa-Ebene einige Monate arabisch gelernt.
Zum Balkankrieg prägte er den schönen Satz:
"Dem Balkan droht die Libanisierung!"
Also die ethnisch-tribal-religiöse Zerstückelung;
so ist es auch gekommen. Gleichwohl will man diese untereinander spinnefeindlichen Länder in die EU aufnehmen!
Welch Unsinn!
Ich kenne einige Libanesen; Firass ist Oberarzt:
"Herr Muchlag, wir machen diese OP täglich; meistens klappt es!" Beiderseits Lachen.

Er ist Schiit, kann jedoch mit Scheich Nasrallah u dessen Hizbollah nichts anfangen.
Der Libanon ist leider wieder im Bürgerkrieg angekommen; jedoch muss man sich ob Infos dazu selbst schlau machen.

Ob die causa Tarek Bitar schon bei den englischen Buchmachern läuft, weiß ich nicht.
Die Quote für "Überleben" dürfte sehr hoch sein!

Man erinnere die Richter Falcone u Borsalino!

Sabine Lehmann | Fr, 15. Oktober 2021 - 02:43

Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Dazu nach über ein Thema, das wohl eher am Rande des politischen und journalistischen Tagesgeschehens verhandelt worden wäre, wenn überhaupt.
Man gerät als Leser sowieso schon fast in einen thematischen Tunnel, und das schon seit mehreren Jahren, wenn man nicht selbst aktiv mal einen anderen Fokus setzt.
Und an dieser Stelle möchte ich gerne die Gelegenheit nutzen, mich einmal bei allen Journalisten vom Cicero zu bedanken für ihre wirklich hervorragende Arbeit und die vielen interessanten und unterhaltsamen Artikel. Und das Alles ohne jeden moralischen Zeigefinger. Oder wie Hajo Friedrichs mal sagte: „Immer kritische Distanz halten, und sich nie gemein machen lassen, auch nicht mit einer vermeintlich guten Sache.“ Wie recht er doch hatte. Und hat.

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