Behörden müssen sich an das 21. Jahrhundert anpassen. Davon profitieren Beratungsfirmen. / dpa

Digitale Verwaltung - Ein Milliardengeschäft für Berater

Ministerien und Behörden geben viel Geld für McKinsey und Co. aus. Das stößt auf Kritik. Doch gerade beim Megathema IT ist der Staat auf externe Beratung angewiesen. Die Frage ist eher, warum er so wenig davon umsetzt.

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Daniel Gräber

Mehr als eine Milliarde Euro hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode für externe Berater ausgegeben. Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn hervor. Die höchsten Ausgaben für Unternehmensberater und andere Experten hatte demnach das Innenministerium mit mindestens 492,9 Millionen Euro, das Verkehrsministerium mit 196,9 Millionen Euro und das Finanzministerium mit 121,7 Millionen Euro.

Höhn hatte die Regierung nach den Ausgaben „für externe Beratungs- und Unterstützungsleistungen“ seit Beginn der Wahlperiode am 24. Oktober 2017 bis zum 31. Juli 2021 gefragt. „Eine Milliarde Euro an McKinsey und Co. – eine verheerende Bilanz zum Ende der Legislaturperiode für Union und SPD“, kommentiert der Bundestagsabgeordnete die Zahlen.

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Rob Schuberth | Do, 23. September 2021 - 19:25

Zum einen sind unsere teils ungelernten Politiker dafür verantwortlich.
Oft auch ohne abgeschlossenes Studium und wer Berufserfahrung sucht der sucht oft vergebens.
Da ist man dann nat. schnell von Beratern abhängig.

Zum anderen aber auch mangelndes Rückgrat derselben Politiker.

Das in Kombination mit Medien die geradezu auf kleinste Mängel lauern und diese dann ausschlachten...ergeben in Summe dann rd. 1 Mrd. für externe Berater.

Die Berater jubeln und die Bürger zahlen.
Die Politiker, also die die dafür die maßgebliche Verantwortung tragen die wähnen sich in Unschuld.

Daher ist solch ein Artikel hier im Cicero so wichtig.
Danke Herr Gräber.

Ingofrank | Do, 23. September 2021 - 21:07

Wen wundert es? Mich nicht! Wenn die Gesetze vom Kanzleramt kommen und nicht vom Bundestag und nur von diesem in der erweiterten Großen Koalition (wahlweise mit Grünen, FDP, Dunkelroten) durchgewunden werden ist das doch super. Dann richtig Geld verdienen so nebenbei mit Vorträgen, Maskendeals usw. haben doch unsere
Abgeordneten ein tolles Leben. Jetzt kommen noch einige dazu. Wozu sollte man sich in Themen wie Digitalisierung beschäftigen? Jeder ab 50 wird bei Arbeitslosigkeit umfunktioniert im schlimmsten Fall ein neuer Beruf. Sonst gib’s keine Kohle. Sollte auch im Bundestag eingeführt werden. Das würde eine Trendwende einleiten. Oder?

Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

helmut armbruster | Fr, 24. September 2021 - 08:15

stecken im Kompetenzwirrwarr.
Somit haben die Beraterfirmen die ideale Kundschaft gefunden, von der sie noch jahrelang bestens leben können.
Das erinnert mich an folgenden Uralt-Rechtsanwalt-Witz:
Der Vater hat eine gut gehende Kanzlei. Der Sohn studiert ebenfalls Jura und steigt nach Ende seines Studiums beim Vater ein.
Der Vater gibt ihm zunächst nur leichte und kleinere Fälle. Nach einem Jahr protestiert der Sohn und verlangt vom Vater er solle ihm endlich mal einen richtigen Fall geben.
Der Vater gibt nach und überträgt ihm den Fall Müller ./. Mayer.
Nach einem Monat erscheint der Sohn vor dem Vater und sagt triumphierend: "Vater, den Fall Müller ./. Mayer, den du in 10 Jahren nicht hast beenden können, habe ich in nur 1 Monat zu Ende gebracht".
Darauf der Vater: "Junge, an diesem Fall hat die Kanzlei jahrelang gut verdient, es bestand keinerlei Eile ihn umgehend zu erledigen".

wer würde nicht ?
Damit steht und fällt, stünde und fiele die Befreiung von jeglicher Verantwortung und Konsequenzen.
Wer hat das eingeführt Papa?
Na wer wohl...die, die davon profitieren.
Ach so.... Na klar... Warum?
Ist immer so...
Ja aber...
Verstehst Du erst wenn Du größer bist

...werter Herr Armbruster.

Ihre kl. Anekdote zeigt ja, warum z. B. der Beruf des Rechtsanwalts in den USA den (negativ konnotierten) Ruf, analog zu dem des Versicherungsvertreters bei uns haben, hat.

In Beraterfirmen wird grundsätzlich nach Stunden abgerechnet.

Auch so ein gr. Fehler.

An ihrem Erfolg sollt ihr sie messen, ist nicht grundlos einer unserer Volksweisheiten.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 24. September 2021 - 12:41

Danke Herr Gräber für die klaren Worte bezüglich der Verpflichtung von praktischen Experten vor allem in der IT-Branche. Nur, was nützt das alles, wenn zum Teil ungelernte oder nur studierte ohne praktische Lebenserfahrung, in weiten Teilen dann noch in fachfremden Ministerien an oberster Spitze herum dümpelnde Minister nicht bereit sind, eigene im Staatsdienst tätige speziell ausgebildete und vor allem gut bezahlte Experten vorzuhalten.
Und selbst die wenigen Fachleute im Staatsdienst werden durch geradezu aberwitzige interne Vorgaben, Bürokratie und Misstrauen an innovativen und schnellen Lösungen gehindert.
Frau Bär ist sicher nur ein Teil des Problems. Alle Ministerien wollen schon aus Machterhalt und "Wichtigkeit" ihr eigenes Süppchen kochen. Immerhin will der Minister anschließnd glänzen. Und Kontrolle durch das Parlament? -Fehlanzeige - Hat sich doch selbst abgeschafft. Ob Missachtung des GG oder Hinweise des Steuerzahlerbundes. Alles Papier und ab in die Ablage rund.

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