Leistungsprinzip in der Schule - Der Wille zur „Einheitskost“

Nach Umfragen unter Eltern soll in der Schule vor allem Wert auf soziales Verhalten gelegt werden und auf gleiche Bildungschancen. Leistung in den Fokus zu stellen, unterstützt hingegen nur eine Minderheit. Warum ist es so unpopulär, im Bildungssystem am Leistungsgedanken festzuhalten?

Klassenraum
Mädchen und Jungen dürfen zum ersten Mal ihren Klassenraum besichtigen / dpa

Autoreninfo

Rainer Werner unterrichtete an einem Berliner Gymnasium Deutsch und Geschichte. Er verfasste das Buch „Fluch des Erfolgs. Wie das Gymnasium zur ,Gesamtschule light‘ mutiert“.

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Wenn man an einem Berliner Gymnasium eine Eingangsklasse unterrichtet, erlebt man die Risiken und Nebenwirkungen einer heterogenen Schülermischung. In Berlin gilt für den Übergang von der Grund- zur Oberschule der Elternwille. Er führt dazu, dass die 7. Klassen eine Heterogenität aufweisen, die man üblicherweise nur an der Gesamtschule findet. In meinem Deutschunterricht war die Diskrepanz zwischen den Schülern, die über einen elaborierten Sprachgebrauch verfügten, und denen, die Deutsch in nur sehr reduzierter Form sprachen, deutlich spürbar.

Als ich im Grammatikunterricht die Satzglieder durchnahm, verstanden die sprachgewandten Schüler die feinsten Unterscheidungen, wie beispielsweise die zwischen dem präpositionalen Objekt („ich verlasse mich auf deinen Rat“) und der adverbialen Bestimmung des Ortes („ich warte auf der Bank“). Die schwachen Schüler kamen über das Verständnis der drei Satzglieder Subjekt, Prädikat und Objekt nicht hinaus. Notgedrungen begann ich den Unterricht zu differenzieren.

Klüfte zwischen Lernstarken und Lernschwachen

Während die schnellen Lerner Arbeitsbögen mit kniffligen grammatischen Problemen zu lösen bekamen, übte ich mit den langsamen Lernern geduldig das Genitiv-, Dativ- und Akkusativobjekt. Auch in Mathematik tun sich zwischen lernstarken und lernschwachen Schülern riesige Klüfte auf. Die guten Schüler verstehen den Satz des Pythagoras nicht nur auf Anhieb. Mit ihnen kann der Lehrer sogar die mathematischen Beweise dieses Gesetzes besprechen. Die schwächeren Schüler müssen derweil lernen, woran man ein rechtwinkliges Dreieck überhaupt erkennt.

Diese Unterrichtsbeispiele zeigen das Dilemma eines Unterrichts mit Schülern, die sich hinsichtlich ihres Vorwissens, ihrer Auffassungsgabe und ihres Abstraktionsvermögens stark unterscheiden. Ein Unterricht, bei dem alle Schüler an den gleichen Gegenständen arbeiten, ist kaum noch möglich. Binnendifferenzierung ist dann der einzige Ausweg. Mit dieser Didaktik beschädigt man jedoch die gymnasiale Unterrichtskultur, die stets auf Homogenität gesetzt hat. Es ist dringend geboten, das Gymnasium wieder zu stärken, indem man es leistungsmäßig von den integrativen Schulformen abgrenzt. Dem Elternwillen sollten dadurch Grenzen gesetzt werden, dass in zweifelhaften Fällen die betroffenen Schüler am Gymnasium einen Probeunterricht absolvieren müssen.

Leistungsstarke Schüler als Last

Schüler mit überragender Auffassungsgabe eilen ihren Mitschülern im Verständnis des Lernstoffes so schnell voraus, dass sich die Lehrkraft genötigt sieht, sie zu bremsen, damit sie nicht mit einer einzigen klugen Antwort das sorgfältig geplante und zeitlich getaktete Stundenziel „verraten“. Deshalb sind solche „Überflieger“ bei den Lehrern nicht unbedingt beliebt. Anstatt ihrem Wissensdrang das „Futter“ zu geben, nach dem er verlangt, versucht man sie immer wieder auf das langsame Lerntempo der Klasse zu verpflichten.

Manche Lehrer empfinden die geistigen Höhenflüge solcher Schüler sogar als Kränkung. Von Hermann Hesse ist der Satz überliefert, ein Lehrer habe in seiner Klasse lieber zehn Esel sitzen als ein Genie („Unterm Rad“). Bei ihren Mitschülern führen die Geistesblitze der flinken Lerner häufig zu verbalen Anfeindungen, ja Aggressionen. „Streber“ und „Lehrerkind“ sind noch milde Formen der Ablehnung. Oft werden sie aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt oder nicht zu Freizeitaktivitäten eingeladen.

Wenn ein solcher Schüler nicht über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügt, wird er aus dem Drang heraus „dazuzugehören“ versuchen, seine Geistesgaben zu verstecken. Er schreibt dann absichtlich mal eine Drei, um sich dem akzeptierten Mittelmaß anzupassen. Es sind aber auch Fälle bekannt, dass intelligente Kinder durch das Mobbing der Klassenkameraden so zermürbt wurden, dass sie die Lust am Lernen gänzlich verloren haben. Von Psychologen mussten sie erst wieder mental „aufgebaut“ werden. An Schulen mit speziellen Fördermaßnahmen für lernstarke Schüler und einer Kultur der Akzeptanz intellektueller Leistungen haben sie dann wieder zu ihrem alten Leistungsvermögen und Wissensdrang zurückgefunden.

Feindbild Leistung

Umfragen unter Eltern ergeben seit Jahren ein eindeutiges Bild: In der Schule solle vor allem Wert auf soziales Verhalten gelegt werden (84 Prozent). Auch gleiche Bildungschancen für alle stehen hoch im Kurs (80 Prozent). Die Forderung, in der Schule müsse Leistung im Vordergrund stehen, unterstützt nur eine Minderheit (24 Prozent). Warum ist es so wenig populär, auch im Bildungssystem am Leistungsgedanken festzuhalten? Im Showbusiness und im Sport gilt es als selbstverständlich, dass der Sieger oder die Siegerin im harten Ausscheidungswettbewerb ermittelt wird. Spitzenkönner werden wie Ikonen verehrt und in die Hall of Fame aufgenommen. Kein Mensch käme auf die Idee, in die deutsche Fußballnationalmannschaft einige Spieler aus der Kreisklasse aufzunehmen, damit der Chancengleichheit und der sozialen Gerechtigkeit Genüge getan wird.

Warum will man in der Bildung die „Einheitskost“, indem man diejenigen, die die Masse an Geistesgaben überragen, an der optimalen Entfaltung ihrer Anlagen hindert? Anscheinend ist es kränkender, weniger intelligent zu sein als weniger sportlich. Die Vertreter der Gleichheit in der Bildung können es nicht ertragen, dass ein Gut wie Intelligenz nicht gerecht unter den Kindern und Jugendlichen verteilt ist, weil der eine offensichtlich mehr von diesem kostbaren „Rohstoff“ abbekommen hat als der andere.

Der Kampf um egalitäre Schulformen, der zum Kernbestand der Bildungspolitik vornehmlich linker Parteien und Verbände gehört, ist Ausdruck einer tiefsitzenden Kränkung darüber, dass es junge Menschen gibt, denen – unverdient – alles zufliegt, weil sie das Glück haben, in bildungsbeflissenen Elternhäusern heranzuwachsen, während andere – unverschuldet – in Milieus hineingeboren werden, die sie von Anfang an in ihrer geistigen Entwicklung benachteiligen.

Hochbegabte Schüler – eine missachtete Minderheit

Bisher war nur von „besonders begabten“ und „leistungsstarken“ Schülern die Rede. Es gibt aber noch eine weitere Gruppe von Schülern, die besondere Beachtung verdient: die Gruppe der Hochbegabten. Dazu ist ein kleiner Exkurs in die Intelligenz-Forschung vonnöten. Intelligenz ist ein von Wissenschaftlern geprägter Begriff. Er dient dazu, die kognitiven Fähigkeiten von Menschen zu messen. Das Denkvermögen von Menschen ist nicht direkt beobachtbar, wie etwa ihre Größe oder ihr Gewicht. Es erschließt sich nur indirekt, indem man es testet und die Ergebnisse in eine mathematische Skala einträgt.

Solche Intelligenztests haben ergeben, dass sich die Intelligenzquotienten in der Bevölkerung „normal“ verteilen. Sie lassen sich in der bekannten Glockenkurve, die der Mathematiker Carl Friedrich Gauß entdeckt hat, abbilden. Demnach besitzen 60 Prozent der Bevölkerung einen mittleren Intelligenzquotienten zwischen 85 und 115. Nur zwei Prozent liegen mit ihrem Intelligenzquotienten unter 70. Aber zwei Prozent haben einen besonders hohen Intelligenzquotienten von über 130. Bei diesen Personen spricht man von Hochbegabung. Wenn man diese zwei Prozent auf die gegenwärtige Schülerpopulation in Deutschland umrechnet, kommt man auf die Zahl von 220.000 hochbegabten Schülern. Dies entspricht der Einwohnerzahl einer Stadt wie Mainz.

Das Profil der Hochbegabung

Bildungsexperten gehen davon aus, dass es in jeder Schulform solche außergewöhnlich begabten Schüler gibt, auch an Gesamtschulen. Oft kann man sie auf Anhieb nicht als solche erkennen. In ihrem Verhalten und ihren Vorlieben sind sie ihren Mitschülern nämlich ähnlicher, als frühere Studien vermuten ließen. Die Längsschnittstudie des Marburger Hochbegabtenprojekts von Professor Detlef Rost (Beginn der Erhebung: 1987) hat ergeben, dass es unter den hochbegabten Schülern solche mit herausragenden schulischen Leistungen, aber auch solche mit schlechten Schulnoten – sogenannte Minderleister – gibt. Ihre schlechten schulischen Leistungen resultieren oft daraus, dass die Pädagogen die besondere Begabung dieser Kinder nicht erkennen, ihr Verhalten im Unterricht mitunter als „störend“ missverstehen.

Wenn diese Schüler weiterführende Fragen stellen, werden sie manchmal mit dem Satz abgespeist: „Das gehört jetzt nicht hierher.“ Irgendwann geben diese Schüler dann das Fragen auf. Die Studie hat auch untersucht, welche Faktoren die positive Entwicklung Hochbegabter erleichtern. Dies sind eine auf Förderung und Ermutigung angelegte Umgebung des Kindes in den ersten Lebensjahren, eine früh beginnende gezielte fachliche Förderung, geeignete Rollenvorbilder, zum Beispiel durch die Eltern oder Geschwister, und eine positive Bestätigung auch bei schwierigem oder schwer verständlichem Verhalten.

Vom richtigen Umgang mit hochbegabten Schülern

Warum sollte man in der Schule diese hochbegabten Schüler fördern? Zeigen nicht die Erfahrungen, dass sie ihre schulische Laufbahn auch ohne besondere Unterstützung meistern? Die Förderung der Anlagen dieser Kinder ist ein Gebot der Menschlichkeit. Jede Begabung verdient es, dass man sie gebührend entwickelt, indem man stimulierend und herausfordernd auf das Kind einwirkt. Die Anlagen hochbegabter Schüler entwickeln sich nämlich keinesfalls von allein.

Bei Musikern hat man beobachtet, dass aus einem „Wunderkind“ nur dann ein Spitzengeiger oder ein Spitzenpianist wird, wenn das Kind unter professioneller Anleitung einen beharrlichen Übungsfleiß – bei Virtuosen der Geige etwa 10.000 Übungsstunden – an den Tag gelegt hat. Es ist keinesfalls so, dass Kinder und Jugendliche Leistung verabscheuen. Wer einmal Kinder beobachtet hat, mit welcher Energie und Geduld sie ihren Hobbys nachgehen, fragt sich, warum es der Schule so wenig gelingt, diesen Eifer und Elan auch im Unterricht „herauszukitzeln“. Anscheinend bietet der herkömmliche Unterricht mit seinen oft sehr eintönigen Routinen hochbegabten Kindern wenige Anreize, ihre überragenden Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen.

Erfolg mit homogenen Lerngruppen

Der Schlüssel zur wirkungsvollen Förderung hochbegabter Schüler liegt in homogenen Lerngruppen. Wenn solche Schüler unter sich sind, sprühen ihre Geistesfunken, dass es eine Freude ist. Am neunjährigen Gymnasium (G 9) können diese Schüler in „Schnellläuferklassen“ unterrichtet werden. Studien belegen, dass Begabtenförderung mittels eigener homogener Klassenverbände besonders effektiv ist. Auch in fachlich geprägten Klassen, beispielsweise in Mathematik, Naturwissenschaften oder Sprachen, können hochbegabte Schüler besser lernen als in normalen Klassen.

Manche Gymnasien bieten hochbegabten Schülern die Möglichkeit, sich stunden- oder tageweise aus dem regulären Unterricht zu befreien und besonders anspruchsvolle Aufgaben selbstständig zu lösen. Außerschulische Lernorte sind für solche Zusatzaufgaben besonders gut geeignet. Die meisten Universitäten bieten inzwischen ein „Juniorstudium“ an, das Gymnasiasten zusätzlich zur Schule besuchen können. Erfahrungen mit dem vorgezogenen Studium zeigen, dass die teilnehmenden Schüler den Anforderungen des Studiums voll genügen, dass sie teilweise die regulären Studenten leistungsmäßig überragen. In einigen Bundesländern gibt es spezielle Fördermöglichkeiten für Hochbegabte in Sommercamps und Junior-Akademien.

Entscheidend ist ein Kulturwandel, eine Einstellung, die die Förderung hochbegabter Schüler nicht länger unter Eliteverdacht stellt. Neid und Missgunst gegenüber den Geistesakrobaten sollten der Vergangenheit angehören. Wenn Schulen ihre Hochbegabten fördern, färbt das auf die ganze Schule ab. Dann entsteht eine begabungsgerechte, intellektuelle Lernkultur. Nur ein leistungsfähiges Schulwesen kann dem Einzelnen persönliche Erfüllung und der Gesellschaft eine gedeihliche Zukunft garantieren.

Bildungspolitische Krähwinkelei

Die schulpolitischen Diskussionen in Deutschland muten manchmal erschreckend provinziell an. Der internationale Kontext, die Wissenskonkurrenz unter den Industriestaaten, wird völlig ausgeblendet. Der Bildungsvergleich mit den leistungsfähigsten Ländern der Erde macht deutlich, wie weit Deutschland inzwischen zurückgefallen ist. Bei der Pisa-Vergleichsstudie von 2018 rangieren Deutschlands Schüler nur auf Platz 20. Unter den ersten zehn Ländern finden sich vier aus Asien. Bei der Anzahl der gemeldeten Patente ist Deutschland auf den 5. Platz zurückgefallen. An der Spitze liegen Japan, die USA und die VR China.

Zwischen 1901 und 1918 ging in den Naturwissenschaften mehr als ein Drittel aller Nobelpreise an Forscher aus Deutschland. Goldene Zeiten! Zwischen 1990 und 2020 erhielten in den wichtigen Fachdisziplinen Physik, Chemie und Biochemie gerade mal sechs Wissenschaftler aus Deutschland die höchste internationale Auszeichnung. Wenn man sich jahrelang an den Schulen nur um „soziale Gerechtigkeit“ bemüht, muss man sich nicht wundern, dass man in der Leistungsfähigkeit des Schulsystems nach hinten durchgereicht wird. Irgendwann wird sich der Abschied vom schulischen Leistungsprinzip in einem niedrigeren Lebensstandard bemerkbar machen. Dann wird es für diejenigen, die in der Bildungspolitik nur die „soziale Gerechtigkeit“ verfochten haben, ein böses Erwachen geben.

Rainer Mrochen | Do, 9. September 2021 - 14:19

nach hinten begann meines Erachtens nach mit dem Bologna Prozess und der damit verbundenen Verschulung der Studiengänge.
Schulische Minderleistung gipfelt in Inklusion um jeden Preis.
Die Milliardenmarke des deutschen Dipl.Ing. wurde leichtfertig verspielt.
Auf ein böses Aufwachen muss gar nicht gewartet werden. Das gegenwärtige, politische Personal ist beredtes Bsp. für Deutschlands Niedergang. Im Zuge europäischer Gleichmacherei wird Dtl. auf das niedrigste vorhandene Niveau heruntergefahren. Das gilt auch für Sozialstandards.
Wir werden schon seit langem ärmer.
Leistung lohnt sich und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Gerhard Lenz | Do, 9. September 2021 - 14:31

Bei PISA-Studien liegen regelmäßig Länder vorne, die ausschließlich Gesamtschulen haben - wie z.b. Finnland, oder die ganzen anderen skandinavischen Länder.

Nicht vergleichbar? Von wegen..

Deutschland ist selbstverständlich "klüger"...obwohl man der deutschen Bildungspolitik Jahr für Jahr bescheinigt, dass Kinder aus sozial schwachen Schichten benachteiligt werden.

Statt Kinder aus bildungsfernen Schichten ordentlich zu fördern, will man sie möglichst von den anderen fernhalten.

Das Gymnasium soll als Leuchtturm der gehobenen Bildung nicht von den Massen überrannt werden, es soll seinen inegalitären, elitistischen Charakter gar noch stärken.

Sagt wer? Ein Gymnasiallehrer.

Das deutsche Bildungssystem hat seinen Ursprung übrigens im preußischen Staat: Die Guten (heute: Gymnasiasten) auf die Führungsebene, die Mittleren (irgendwo in den Staatsdienst), und den Rest fressen die Raben.
Ach ja, die dürfen in Handwerk, Industrieproduktion und aufs Feld. Und bevorzugt in den Krieg.

... umso mehr freut es mich. Schon skurril:
Im Westen hatte man als Sohn eines "Knechtes" (siehe älteren Beitrag von mir) fast keine Chance, einen höheren Bildung-/Berufsabschluss zu erreichen - im Osten, so eine ehemalige DDR-Professorin/Arbeitskollegin von mir, hatte hingegen sie es schwer, weil sie aus einem "besseren Haushalt" kam und mir wäre der Weg "geebnet" worden.
Die Scheinheiligkeit der Standes-Abhängigkeit erfuhr ich später mal, als ich ein Entwicklungszentrum leitete, in der Mittagspause eine ehemalige Bedienstete des Hofes, auf dem mein Vater arbeitete traf und sie mir erzählte, dass derselbe "bessere Herr", der nach dem alljährlichen Krippenspiel mich nach der Schule fragte und lobte, eine Stunde später "in der höheren Gesellschaft" erklärte, dass sowas eigentlich verhindert werden müsste, dass ein Sohn eines "Knechtes" auf ne höhere Schule geht.
Zu der Zeit wählte ich auch noch SPD/Grüne ... dann kamen Kriege & HartzIV :(

Herr Lenz, es geschehen noch Zeichen und Wunder! Ich kann Ihrer Meinung seit langem mal zustimmen. Das Problem ist aber nicht das Gymnasium. Es ist ein total veraltetes Schulsystem. Wir wechseln in eine sogenannte Wissensgesellschaft und blockieren aber den Kindern außerhalb der Gymnasien die Chancen für ein erfolgreiches Berufsleben. Das Niveau wird zusätzlich aus den fadenscheinigsten Gründen ständig gesenkt. Wir blockieren aber auch unser Land selbst, denn die Fachkräfte werden gesucht. Und unsere Eliten bilden sich ein mit einer massiven Migration könnten wir das Problem lösen. Bis heute ist da überhaupt nichts geschafft und das Wissensdefizit zu den Kindern in Japan, China, Vietnam, Singapur wird jeden Tag größer.

... in Jamaika-Koalition", so heute eine Headline im sh:z-Verlag, nur weil die SH Bildungsministerin Karin Prien es gewagt hat, das Gendern im Schulunterricht zu verbieten. In die Bildungsdiskussion passt das wunderbar: Universitäten beklagen sich über die mangelnde sprachliche und schriftliche Kompetenz bei Studenten des Lehramtes Deutsch. So ist das in diesem Land: Gendern geht vor Kompetenz. Das Elend an den deutschen Universitäten wurde durch den Bologna-Prozess mit den absurden Bachelor (erinnert an die Bachelorette auf RTL) und Master-Studiengängen wie mit einem Brandbeschleuniger erst richtig gezündet. Ich bin froh, dass ich mein Studium noch mit dem guten alten Diplom abschließen konnte.

Zwei Fakten zum Thema:

1. Für Bildung war sehr ausgewogen zu DDR-ZEITEN, wenn auch ideologisch behaftet.
Nur die guten Bubis hatten Zugang zum Abbi. Mein Bruder war Klassenbester mit (glaube 1.3), wurde aber noch damals schriftlich für's Gymnasium abgelehnt, weil politisch ideologische Vorraussetzungen fehlten (Eltern waren Selbstständig & Vater hatte SPD-Parteibuch hingeschmissen & sich mit SED angelegt).

Wo ich persönlich mein Augenmerk bei der Bildung hätte, wäre die Förderung von besonderen Begabungen, egal welches Elternhaus & & &.

Desweiteren Fõrderung von messbaren Fortschritten, egal wo
z.B. der Speicher bei gleichen € zu 10% mehr = 10% Förderung mehr

Auswahl über Losverfahren & mehrere Meinungen & Einflussnahme unter schwerste (!!!) Strafen stellen.

Die jetzigen Generationen erlernen heutzutage immer mehr die Schauspielkunst & die Gier nach Größe & Macht beim Studium, weil wir auf falsche Werte achten.
PS - dies ist meine persönliche Erkenntniss

... die letzten begreifen: Die Grundlagen für das industriell und wissenschaftlich geprägte Deutschland verdanken dies vor allem dem humboldtschen Bildungssystem, das aus Preußen kam.

Humboldts Reformen wiederum beruhen auf dem Ziel der Aufklärung, wie sie Kant beschrieben hat: "Habe Mut, dich deines EIGENEN Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
FAULHEIT und FEIGHEIT sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen ... dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen." Solche Vormünder findet man heute oft unter Journalisten.

Übrigens: Die Qualität des Handwerks, der Industrie und des Militärs in Preußen waren damals - anders als im heutigen D - vorbildlich.

hat wenig mit Humboldts Bildungsidealen zu tun, sondern war ein Ausdruck einer erzreaktionären preußischen Gesellschaftspolitik, die auf Standesdünkel basierte und bereits Kindern aufgrund ihrer Abstammung ihren lebenslangen Platz zuwies.

Die Überwindung einer solch zutiefst inhumanen Bildungsstruktur, die es aus gleichen Gründen auch anderswo gab, hat in den meisten Ländern besser funktioniert als in Deutschland. Selbst im Hauptquartier des Kapitalismus, den USA, existiert nur eine Schule, in der alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden. In Großbritannien wurden die meisten Gesamtschulen ausgerechnet unter Maggie Thatcher eingerichtet.
Nur in Deutschland bevorzugt man Aussieben und Absondern - klar, Handwerk und Industrie brauchen Arbeitskräfte, für deren Ausbildung ein höherer Schulabschluss nicht notwendig, sondern wahrscheinlich sogar hinderlich ist.

Die Jugendlichen könnten ja auf dumme Gedanken kommen und nach Höherem streben, anstatt ordentlich ihre Arbeit zu machen.

Ja, nach welchem "Höheren" kann denn einer streben, der nie gelernt hat, was Leistung ist?

Ist es denn etwas Schlechtes wenn man es schafft, seine Arbeit ordentlich zu machen? Ist es umgekehrt ein Zeichen von "Höherem", wenn man seine Arbeit nicht oder nur unordentlich macht?

Meine Eltern und Großeltern waren allesamt großartige Menschen und haben wirklich sehr viel "geleistet", obwohl sie alle nur die Volksschule besucht haben.

Leider ist es ja heutzutage bei uns tatsächlich so, dass viel zu viele Jugendliche aus nicht mehr leistungsorientierte Schulen auf sehr "dumme Gedanken" kommen, die Ihnen ein erfülltes oder glückliches Leben unmöglich machen. Meinen Sie das, Herr Lenz?

In Deutschland kann man inzwischen auch sehen, was es bedeutet, wenn "Leistungsunfähige" oder "Leistungsfremde" Führungspositionen einnehmen. Schauen Sie sich um! Hohle Schwätzer sind nicht gut für das Land, auch wenn sie donnernde Vokabeln im Mund führen.

Rob Schuberth | Do, 9. September 2021 - 14:55

...durch das immer weiter absinkende Niveau, kausal sehe ich da Klassen mit 50 % Migrationskindern ohne genügend Sprach- u-Lesevermögen unserer Sprache, ist man vom Leistungsprinzip abgekommen.

Sonst würden wir ja noch weit mehr Schulabgänger ohne Abschluss haben.

Wir befinden uns in der Schule und auch an den Unis in einem Race to the bottum.

Unis müssen extra Kurse in Grundkenntnissen anbieten, um überhaupt erst einmal so etwas wie die Fähigkeit für ein Studium zu generieren.

Das war mal ganz anders.

Aber wir halten uns lieber mit pc. LGBTQ-Debatten und Teddybärwerfen auf, als uns um unser einziges Kapital (Bildung) zu kümmern.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 9. September 2021 - 15:04

interessiert mich, ich versuche es also mal mit einer Antwort, basierend auf meinen Erinnerungen:
Was sind Kinder?
Vielleicht die Frucht von sozialster Bindungsfähigkeit überhaupt, der sexuellen Vereinigung.
Sie werden geboren in ein zumeist um diese Zeit recht dichtes soziales Beziehungsfeld.
Wie soll ich es sagen, Lesen und Schreiben, sowie schlichteres Rechnen hätte ich ihnen selbst beibringen können, aber das große Abenteuer Leben, möge es ihnen gelingen.
Es tut mir leid, dass mich Leistung in gewisser Weise nie interessiert hat.
Wenn man aus Freude und Neugier lernt und das auch evtl. intensiver als andere oder mit ihnen zusammen, wenn es Leben ist und zugleich das Leben hilft, besser zu verstehen und zu bewältigen, Schule kann so etwas Tolles sein, Leistung auch, aber es muss sich einfügen in immer Leben.
Nu?

Hans Jürgen Wienroth | Do, 9. September 2021 - 16:08

Wenn das „soziale“ in unserer Gesellschaft einen solch hohen Stellenwert hat, warum gibt es dann so viele Angriffe auf Feuerwehrleute und andere in sozialen Berufen tätige, trotz Kita usw.? Liegt bei der Bildung nicht eine von „den linken“ geführte Neid-Debatte vor? Nur wohin kommt unsere Gesellschaft ohne Leistung? Studienanfänger im Maschinenbau bekommen einen Mathe-Crash-Kurs, damit sie den Einstieg schaffen. In den MINT-Fächern liegt vermutl. unsere Zukunft, wenn wir die Klimakrise bewältigen wollen. Wer soll die fortschrittl. Dinge des Klimaschutzes erfinden, die uns die Welt abkaufen soll?
Wir müssen Schule nicht neu erfinden, nur evtl. zurück zu erfolgreichen Formen. Wenn die „Leistungsgesellschaft“ zum Buhmann wird, dann ist unser Abstieg vorprogrammiert. Wie wollen wir Großes erreichen, wenn Selbstverwirklichung das vorrangige Ziel für ein glückliches Leben ist. Da kommen Bildung und Familie auf Dauer unter die Räder. Erfolg macht auch glücklich, ist aber an Leistung geknüpft.

Tomas Poth | Do, 9. September 2021 - 16:23

... Leistungsbereitschaft müssen gefördert und unterstützt werden, vom Elternhaus und in der Schule.
Das Niveau nach unten nivellieren, damit sich keiner ausgeschlossen (doof) fühlt, hilft niemanden. Damit kann man später keinen Beruf ausfüllen und eigenverantwortlich aus eigener Kraft leben.
Eine Stufung der Schüler in Leistungsgruppen erscheint mir nur sinnvoll.
Es wird mit der Gleichmacherei nur die Zahl der Hartz Empfänger erhöht.

...werter Herr Poth.

Wieder einmal kann ich Ihnen zu Ihrem Kommentar sehr gut zustimmen.

Der Linksruck hat sehr viele und weitreichende Nebenwirkungen...wird aber nat. von denen die ihn propagieren total ausgeblendet.

Bernd Muhlack | Do, 9. September 2021 - 16:26

In unmittelbarer Nachbarschaft ist ein mittelständisches Unternehmen der Steuer- und Regeltechnik, Weltspitze; etwa 200 Mitarbeiter.

Es werden händeringend Mechatroniker, Zerspaner und weitere Fachkräfte gesucht.
Auszubildende? Tote Hose.
Von den Schulen werden monatlich Schüler im weiteren Umkreis per Bus herangekarrt, damit sie sich ein Bild von den Jobs machen.
Der Erfolg ist spärlich.
Es zählt nur die Leistung, keine Quote oder Gleichstellung - m/w/d

Wenn in der Schule vermehrt Sozial- und "wir-sind-alle-gleich-toll!" Gedöns vermittelt wird, kommt eben vermehrt Ausschuss heraus.
Man wird dann was mit Gleichstellung; "Medien" sind just sehr trendy.
"Wie werde ich Influencer?"

Die Schulen, Unis sind das Abbild der Gesellschaft.
Wenn sich die Gesellschaft (mMn) zum Nachteil entwickelt, schlägt das auf das Bildungssystem durch.

Ich war als Schüler nur Durchschnitt; ich hatte keine Lust auf extremes Lernen. Mein Wissen reichte jedoch locker fürs Abi.

Unsere Jugend ist die Zukunft!

deren Begabungen in Mint-Fächern liegen oder denen gute Lehrer* den Blick für Zusammenhänge des Lernstoffs öffneten, bzw. den Lernstoff selbst in Zusammenhänge stellten, also Begeisterung oder auch nur Interesse weckten.
Erinnern Sie Faust :

In diesen Mauern, diesen Hallen,
will es mir keinesfalls gefallen.
Es ist ein gar beschränkter Raum,
Man sieht nichts grünes, keinen Baum...

Ein später Nachfolger eventuell Pink Floyd, "we don´t need no education" oder so?
Ich vermute, dass viele Schüler* sehr viel ausserhalb der Schule lernen, weil sie das oder jenes wissen wollen, gerne auch via Internet.
Ihre Kreativität wird evtl. in Schulen beleidigt?
Ich glaube nicht, dass es nur an Bereitschaft zu Leistung liegt.
Manche Kinder haben schlicht richtig gute Lehrer oder ein anregendes Elternhaus, vielleicht auch gute Freunde.
Ich hatte erst Schwierigkeiten mit Ihrem Schreibstil, jetzt weiss ich, dass Sie nicht wenig draufhaben:)

Den Firmen bleibt irgendwann gar nichts mehr anderes übrig, als eigene Fachschulen zu eröffnen.
Das war im ehemaligen Ostblock (z.B. in Rumänien) Usus. Die Absolventen kamen mit Abitur und einem erlernten Fach heraus, z.B. in den Bereichen: Sanitärwesen, Informatik, Sport, bildende Kunst, Musik, Chemie, Mechanik, Elektrotechnik, Telekommunikation, Bauwesen und Landwirtschaft. Das theoretische Gymnasium wurde ab der 11. Klasse in Realwissenschaften und Humanwissenschaften aufgefächert.
Ohne Aufnahmeprüfung gab es kein Weiterkommen in eine höhere Stufe bzw. zum Studium. Schade, dass die jungen Fachkräfte danach ins planwirtschaftliche Elend geraten sind.
Ich kam durch Enteignung nach dem 2. WK) aus einer bettelarmen Schicht und habe es, auf dem zweiten Bildungsweg, bis zum Dipl-Ing TH gebracht.
Politik, Außenhandel, Jura, Militär u.ä. waren allerdings für mich tabu.

Bernd Muhlack | Fr, 10. September 2021 - 17:23

In reply to by Kurt Kuhn

Ihr Posting ist zutreffend.
Das ist im Prinzip das Duale System, also Studium und betriebliche Praxis parallel. Jedoch selbst dieses sehr bewährte und zielführende System kriselt gewaltig.
Ein Bekannter ist Entwicklungschef eines mittelständischen Unternehmens; ebenfalls in der Weltspitze angekommen. Etwa 1.000 MA.
Er kommt selbst aus dem Dualen System.

Es sei bei der neuen Jugend/Generation vermehrt "Sicherheit" gefragt.
Wer das Geld für diese Sicherheit/"Nachhaltigkeit" erwirtschafte, sei doch zweitrangig; - es ist "einfach DA", gell?
DA ist nicht zwingend HIER!

Werter Herr Kuhn, das Thema "gleiche Chancen für ALLE" wird mMn ad absurdum geführt. Wie auch Sie haben es viele letztlich zum guten Job gebracht.
Bei Ihnen war das ein kriegsbedingter unnützer Umweg - leider!
Alles Gute!

Noch eine Anmerkung zu Frau Sehrt-Irrek:
"... jetzt weiß ich dass Sie nicht wenig drauf haben."
Ertappt!
Es sind etwa 25 Kilo zuviel.
Nein, weder Chips o. ä. ...
Hauptursache: absoluter Bewegungsmangel!

helmut armbruster | Do, 9. September 2021 - 20:27

haben wir denn vergessen, dass uns im Leben nichts geschenkt wird, dass man sich alles erarbeiten muss und dass wir erschlaffen und verfetten, wenn wir uns nicht den Herausforderungen stellen.
Schon die Bibel weiß um das Schicksal des Menschen und drückt dies so aus:
Nach der Vertreibung aus dem Paradies sprach Gott zu Adam (Gen 3/19):
"Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen."

Kurt Kuhn | Fr, 10. September 2021 - 12:17

sprach ein Edelmann zu dem anderen.
So kann man sie leichter manipulieren, siehe hierzu den Cicero-Beitrag zum Medienwahlkampf.
Schönes Wochenende!

Yvonne Stange | Fr, 10. September 2021 - 13:22

wieder ein sehr guter Artikel von Ihnen. Ich lese Ihre Beiträge überhaupt sehr gerne, quasi eine Art Frontberichterstattung, da Sie an der Basis arbeiten und nicht aus dem Elfenbeinturm herabblicken. Ihre Erfahrungen sind nachvollziehbar, ich kenne sie genauso. Vor allem, weil ich mit den "Folgefehlern" in den "ausbildungsbegleitenden Hilfen" zu tun hatte. Es ist desaströs, was auf Ausbildungsbetriebe losgelassen wird. Aber nur die Spitze des Eisbergs... an den Unis tummeln sich Studenten für das Lehramt, die nicht mal richtig Deutsch können. Diese Misere ist meiner Meinung nach nicht mehr auflösbar. Es ist zu spät. Achja: auch zu DDR-Zeiten wurden sportliche Überflieger meilenweit den intelligenten Kindern vorgezogen.... Der Fehler liegt also nicht im System, er liegt im Menschen. Er erträgt es nicht, daß andere besser sind.

Wolfgang Jäger | So, 12. September 2021 - 08:51

Wenn jemand wissen möchte, was Nachhaltigkeit bedeutet, muss er sich in der Bildungspolitik umschauen.
Seit ca. 1970 geht das nun so. Wir sehen heute die Ergebnisse. Es ist wirklich erfolgreich gewirtschaftet worden. Links-grüne Ideologie hat den Leistungsgedanken schon lange beerdigt. Und die Bildung ist ein besonders ergiebiges Feld. Wenn man da gut "arbeitet", kann man die besten Früchte einfahren. Was wir heute sehen. Der Nachwuchs ist schon ganz auf Linkskurs eingenordet. Die Schule als Kaderschmiede der links-grünen Weltanschauung. Nicht zu vergessen: Klimaschutz und Weltrettung sind heute dazu ganz oben auf der Agenda.
Unkontrollierte Einwanderung, schlechte Bildung, Multi-Kulti-Kult sind außerdem die Grundlage dafür, was schon seit mindestens 10 Jahren ein unübersehbarer Prozess ist: „Deutschland schafft sich ab“. Auch das ist Teil der linken Agenda. Und die Jungen finden das auch noch gut! Herr Werner beschreibt alles vollkommen zutreffend. Doch wer nimmt das noch ernst?