Mahide Lein, die Moderatorin des Lesbenfrühlings, beim diesjährigen Festival / MB

Lesbenfrühling 2021 - Mein erstes Mal

Der „Lesbenfrühling 2021“ war dieses Jahr eine hochumstrittene Veranstaltung. Denn ein bestimmter Teil der Lesben will Trans*frauen mit Penissen einfach nicht als „echte“ Frauen akzeptieren. Unser Autor Mathias Brodkorb hat sich als „Uschi“ am Wochenende ins Festival-Getümmel gestürzt.

Autoreninfo

Mathias Brodkorb war Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gehört der SPD an.

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Porträt Mathias Brodkorb

Am Pfingstwochenende fand er nun doch statt, der „Lesbenfrühling 2021“. Im Vorfeld war ein bis dahin noch nie so offen ausgetragener Streit zwischen deutscher Lesben- und Queer-Szene entbrannt.  Ein bestimmter Teil der Lesben will Trans*frauen mit Penissen nämlich einfach nicht als „echte“ Frauen akzeptieren und findet sie sexuell auch nicht sonderlich anziehend. Die wiederum finden das von den Lesben gemein und „transphob“. Ganz klar, da musste ich mit ausreichend Popcorn unbedingt dabei sein. 

Ich versuchte es zunächst mit einer Anfrage im Umfeld der Veranstalterinnen. Ich hätte mir überlegt, so schrieb ich, am Wochenende einfach auch mal eine „frauenliebende Frau“ zu sein. Dann dürfte ich an dem digitalen Festival doch bestimmt teilnehmen, so als lesbische Frau ehrenhalber – und außerdem aus Solidarität? 

Vor ungefähr 30 Jahren jedenfalls schuf Judith Butler mit ihrem Kulttext „Das Unbehagen der Geschlechter“ die argumentative Grundlage für ein solches Hin- und Herwandern zwischen den Geschlechterwelten. Ihr ging es damals darum, die biologische Unterscheidung zwischen Mann und Frau als ideologische Basis der „Zwangsheterosexualität“ der Gesellschaft zu entlarven. Die Verbindung zwischen Geschlechterbegriff und Biologie zu kappen, verhieß in dieser Logik die Befreiung von Schwulen und Lesben.

Geschlechtszuordnung qua Sprechakt

30 Jahre später ist diese Position regierungsfähig, jedenfalls wenn es nach FDP und Grünen geht. Tatsächlich beriet wenige Tage vor dem Lesbenfrühling der Deutsche Bundestag zwei Gesetzesentwürfe, mit denen die Geschlechtszuordnung nicht länger von objektiven Merkmalen abhängig sein, sondern zu einem bloßen Sprechakt umgewandelt werden sollte.  

Im Gesetzesentwurf der FDP heißt es dazu ausdrücklich: „Die rechtliche Geschlechtszuordnung unterliegt der Selbstbestimmung als höchstpersönliches Recht.“ Im Gesetzesentwurf der Grünen soll dieses Selbsterklärungsrecht bereits für alle gelten, die älter als 14 Jahre sind. Mit anderen Worten: Ob ich eine Frau bin oder nicht, entscheide ich demnach ganz allein. Das kam mir für den Lesbenfrühling gerade recht.

Die Lesben vom Lesbenfrühling sahen das allerdings völlig anders. Sie halten nämlich von den Gesetzentwürfen der beiden deutschen liberalen Parteien absolut gar nichts. Schon die Tatsache, eine solche Erklärung mitten in die Pubertät zu legen, kommt ihnen vielmehr absurd vor. Franziska, eine 75-jährige Bremerin, bekennt nach der Bundestagsdebatte, zwar „noch“ Mitglied der Grünen zu sein, sich aber eigentlich nur vom Redebeitrag des CSU-Abgeordneten angesprochen gefühlt zu haben. 

Ich erhielt folgerichtig auf meine Anfrage eine zwar freundliche, aber ebenso deutliche Absage. Eigentlich hätte ich mir das ja auch gleich denken können. Ich hatte es schließlich überwiegend mit den „alten“ West-Lesben zu tun: heute zwischen 60 und 80 Jahren alt, politisch in den 1970er-Jahren sozialisiert und vor allem: radikal-feministisch. Ihnen bedeutet das Frausein tatsächlich noch etwas. Ich wollte ja gerade denen zuhören, die das biologische Geschlecht weder für eine bloße Erfindung noch für unbedeutend halten. Da war meine Anfrage schon ein bisschen naiv, das muss ich am Ende zugeben. Und sie hätte nicht einmal nach den Maßstäben der Grünen durchkommen können: Wenn es nach denen geht, dürfte man sich nämlich nur einmal im Jahr sein Geschlecht neu aussuchen und nicht alle drei Tage. Das überzeugt mich als alten Pippi-Langstrumpf-Leser schon mal prinzipiell nicht!

Unterwegs als virtuelle Lesbe

Aber Corona hat auch seine guten Seiten, also für mich, denn erstmals muss das Festival digital stattfinden. Ich versuche daher einfach mein Glück auf den Internetseiten des Lesbenfrühlings. Die Anmeldung läuft technisch einwandfrei. Ich heiße jetzt „Uschi“ und bin für schlappe 50 Euro für ein ganzes Wochenende eine virtuelle Lesbe mit freiem Zugang zu „unserem“ Festival. Ich bin direkt ein bisschen aufgeregt.

Der Lesbenfrühling 2021 bietet so ziemlich alles, was das Festivalherz begehren kann: Fachvorträge mit Diskussionen (von politischen Fragen bis hin zum „Freudenfluss“ weiblicher Ejakulation), Yoga-Kurse, private Räume für den Erfahrungsaustausch in kleinstem Kreise (in einem dieser Räume wäre ich fast aufgeflogen) und ein ausgesprochen umfangreiches Kulturprogramm, darunter Filme und musische Künstlerinnen. Famos wird Sigrid Grajek am Abend des Pfingstsamstags zum Beispiel wie ein maskuliner Max Raabe für Lesben einen Liederabend über Claire Waldoff bestreiten – nur mit politischem und sozialkritischem Anspruch. 

Aber so vielfältig das Programm des Festivals auch war, für das rund 500 Karten verkauft worden sein sollen: Über allem schwebte das Damoklesschwert der Genderdebatte. Wer dabei wütende und eskalierende Diskussionen verschiedener Lager erwartete, wurde enttäuscht. Ich hatte eindeutig zu viel Popcorn gekauft. Für – allerdings kaum spürbare – Temperaturerhöhungen sorgte immer wieder bloß die Transgender-Aktivistin und Autorin Bettina S., die wie ich von einem Workshop zum anderen pilgerte, um zu schauen, was denn so alles passiert. Selbst als am Samstag die Internetseite offenbar von Aktivisten gehackt wurde, stand innerhalb weniger Minuten ein Ausweichserver bereit. Wie professionell – wie langweilig!

Dabei geriet gar nicht der Vortrag von Gunda Schumann, dessen bloße Ankündigung dem Lesbenfrühling von der Magnus-Hirschfeld-Stiftung eine politisch korrekte Backpfeife eingefangen hatte,  zum inhaltlichen Höhepunkt des Festivals. Den teilten sich vielmehr Dr. Astrid Osterland, eine radikalfeministische „Alt“-Lesbe, und Johanna F. von den „Raddykes“, eine ebenso radikalfeministische „Jung“-Lesbe.

Osterlands Vortrag konnte man dabei fast schon wie ein Entschuldigungsschreiben an die lesbischen Nachfolgergenerationen lesen. Sie berichtete zunächst über autobiografische Erweckungserfahrungen bei der Lektüre der frühen Schriften Judith Butlers. Heute sieht Osterland vieles ganz anders. Butler hätte mit dem biologischen Geschlecht am Ende nämlich auch die Frauen und mit den Frauen unweigerlich auch noch die Lesben „entsorgt“. Das Gender-Konzept führe so nicht zur Befreiung der Homosexuellen, sondern löse sie begrifflich in Luft auf.

Den Geist aus der Flasche gelassen

Aber erst in der Diskussion zu ihrem Vortrag bringt sie die Absurdität der Butlerschen Position, die Homosexualität mit der Aufhebung der Geschlechterdifferenz emanzipieren zu wollen, mit einer einfachen Frage auf den Punkt: „Wie kann eine Transfrau noch ‚Frau‘ sein? Das verstehe ich nicht. Das ist doch der Essenzialismus der Vor-Butler-Zeit.“ Osterland schwant heute wohl, welchen Geist sie und ihre Mit-Schwestern einst aus der Flasche gelassen haben.

Wie dieser Geist mittlerweile im Internet tobt, zeigte am Pfingstsonntag Johanna F. von den „Raddykes“. Bei ihnen handelt es sich um ein Netzwerk überwiegend jüngerer Lesben, die an den lesbischen Radikalfeminismus der 1970er-Jahre anknüpfen wollen. Sie beharren auf ihrem Recht, biologische Frauen zu begehren, ohne deshalb „transphob“ zu sein. Radikale Transgender*Personen hingegen sehen das anders, da sie mit Butler die Kategorie des biologischen Geschlechts vollständig ablehnen. 

Zu welchen Stilblüten das mitunter führt, zeigte die Referentin anhand von Internetdiskussionen innerhalb der Szene. Auf die Frage einer Lesbe an eine Trans*Person, ob sie schon dann transphob sei, wenn sie bloß keine Lust habe, „einen Schwanz zu lutschen“, antwortete die Trans*Person: „Yeah, denn wenn Du Dich von Frauen angezogen fühlst, solltest Du Dich von allen Frauen angezogen fühlen“, was meint: auch von denjenigen mit Penis. Jede Lesbe, die dies nicht einsehe, sei bloß ein „grausiges Stück Scheiße“, gab eine andere Trans*Person als diskursive Bereicherung zum Besten. Für die Lesbe Patricia ist daher völlig klar, dass es in dieser Diskussion in Wahrheit letztlich nur um eines gehe: „Männerinteressen“ im Gewande der Genderideologie.

Anschluss an die Wirklichkeit verloren

Aber wahrscheinlich nicht nur das. Es geht auch um den Gegensatz zwischen Jung und Alt, zwischen hedonistischer Selbstverwirklichung und emanzipatorischer Politik, zwischen Spaß und Wahrheit, zwischen heute und den 1970er-Jahren, zwischen Postmoderne und Moderne. Der Radikalfeminismus der 1970er-Jahre, ob lesbisch oder nicht, hat wohl den Anschluss an die Wirklichkeit der jüngeren Generationen verloren und sucht verzweifelt nach einem Defibrillator. Das ist auf dem Lesbenfrühling 2021 allenthalben mit Händen zu greifen gewesen.

Die Lesben des Lesbenfrühlings wollen nach eigenen Angaben dennoch weitermachen mit der Diskussion. Es müsse schließlich möglich sein, dass sowohl Lesben als auch Trans*Frauen ihre jeweiligen Identitäten pflegten, ohne den anderen die eigene Weltsicht aufzuzwingen. Einen solchen „Waffenstillstand“ sehen sie indes durch die nächste Bundestagswahl ernsthaft bedroht. Mindestens Grüne oder FDP dürften der nächsten Bundesregierung angehören, also Parteien der Geschlechts-Sprechakttheorie. Die Lesben fürchten, die Ideologie von der völligen Fluidität der Geschlechter könnte daher demnächst sogar Verfassungsrang erhalten.

Wenn das tatsächlich so käme, hätte zumindest ich etwas davon: Ich könnte künftig meine Teilnahme an jedem Lesbenfrühling gegen den Willen der Lesben vor Gericht durchsetzen.

Dass die Schlagkraft der radikalfeministischen Lesben indes in dem Moment erschlafft sein könnte, in dem sie nötiger wäre denn je, liegt an den Lesben selbst. Die Leipziger Geschlechtsgenossinnen haben die Organisation des Lesbenfrühling 2022 kurzerhand mangels Masse wieder abgegeben. Auf der Abschlussveranstaltung des diesjährigen Festivals wurde die Hoffnung verbreitet, im nächsten Jahr könnten die Dresdnerinnen einspringen. Fünf „Orga-Lesben“, wie es im lesbischen Fachjargon liebevoll heißt, hätten sich bisher gemeldet. Ob das mit dem Lesbenfrühling 2022 am Ende klappt, ist derzeit jedoch ungewiss.

Vielleicht braucht dann die Magnus-Hirschfeld-Stiftung nicht einmal mit dem Entzug von Fördermitteln zu drohen.

 

Anmerkung der Redaktion:

Die verdeckte Recherche war laut Deutschem Presserat nicht gerechtfertigt. Cicero.de erhielt eine Rüge des Presserats für einen Verstoß gegen die Grenzen und Grundsätze der Recherche nach Ziffer 4 in Verbindung mit Richtlinie 4.1 des Pressekodex. In der Begründung heißt es: „Unter der Überschrift ,Mein erstes Mal' hatte CICERO.DE verdeckt über eine Online-Veranstaltung eines Lesbenverbandes berichtet und sich nicht zu erkennen gegeben. Die Akkreditierung war zuvor verweigert worden. Nach Auffassung des Ausschusses enthält die veröffentlichte Berichterstattung keine Informationen von öffentlichem Interesse, die die verdeckte
Recherche rechtfertigten.

Der Autor Mathias Brodkorb rechtfertigte seine Vorgehensweise gegenüber dem Presserat wie folgt: 

Der sicherlich entscheidende Punkt ist jener, ob die verdeckte Arbeit erforderlich und angemessen war. Allerdings kommt diese Frage nur dann zum Tragen, wenn man nicht der Argumentation folgt, dass der „Lesbenfrühling“ durch die Art, wie er über sein online-Ticketsystem ohne ausschließende Geschäftsbedingungen selbst die Möglichkeit der Teilnahme von jedermann geschaffen hat, am Ende de facto eine öffentliche kommerzielle Veranstaltung war. Geht man hiervon nicht aus, sprechen m. E. folgende Gründe für dieses Vorgehen: a) Ein öffentliches Interesse an der Recherche zu bestreiten, wie es eine Petentin tut, erscheint nicht plausibel.

Dabei geht es um zwei Sachverhalte: Bisher nimmt die LBGT-community öffentlich für sich in Anspruch, ein Hort der Toleranz und Weltoffenheit zu sein. Blickt man allerdings tiefer in die Szene hinein, erblickt man im Gegenteil hierzu äußerste ideologische, soziale und auch wirtschaftliche Auseinandersetzungen (zum Beispiel Fördermittelentzug bei Nichtgefallen des Programms) und die Ausbreitung eines Angst-Gefühls auf Seiten der traditionellen Lesben. Hinzu kommt, wie weiter oben beschrieben, dass der transgender-Diskurs auch zunehmend politisch hegemonial wird, sogar zu Gesetzentwürfen im Deutschen Bundestag führt und die dahinter verdeckte Leidensrealität (immer mehr Geschlechtsumwandlungen, die sich als Irrtum herausstellen und zu tiefen Depressionen und Lebenskrisen bei jungen Menschen führen) in der Öffentlichkeit weitestgehend ignoriert wird. Diese Öffentlichkeit herzustellen ist folglich wichtig, um den politischen Entscheidern die Möglichkeit zu geben, die tatsächlichen Folgen möglicher Gesetze zu bedenken und in ihre Entscheidungsfindung einzubeziehen. Dies ist derzeit in Deutschland völlig unzureichend der Fall. Junge Menschen vor verheerenden Fehlentscheidungen zu schützen ist ohne Zweifel von besonderem öffentlichen Interesse, ebenso die zunehmende Spaltung der LBGT-community und die damit verbundene gesellschaftliche Auseinandersetzung von Lesben wahrzunehmen und einzuordnen.

b) Hinzu kommt die Frage, ob die Informationen auf andere Weise hätten beschafft werden können. Dies ist m. E. nicht der Fall. Es ging bei der Recherche insbesondere
um drei Fragen:

- Wird es auf dem „Lesbenfrühling“, wie im Vorfeld in den sozialen Netzwerken mitunter angekündigt, zu einem Sturm von Transfrauen auf die Veranstaltung mit
dem Ziel kommen, sie zu sprengen? Tatsächlich ließ sich diese Frage nur durch Teilnahme am „Lesbenfrühling“ beantworten. Überraschenderweise blieb allerdings
genau dies aus („Für – allerdings kaum spürbare – Temperaturerhöhungen sorgte immer wieder bloß die Transgender-Aktivistin und Autorin Bettina S., die wie ich von
einem Workshop zum anderen pilgerte, um zu schauen, was denn so alles passiert.“)

- Von welchen persönlichen Erfahrungen können Detrans-Lesben wie Sabeth berichten, was hätte ihr geholfen, ihre misslichen Erfahrungen zu vermeiden und
welche Diskussionen führen die Lesben zu diesem Thema? Derartige Diskussionen werden gerade deshalb von den Lesben nicht öffentlich geführt, weil sie
öffentliche Angriffe und soziale Diskriminierungen durch die transgender-Szene fürchten (siehe „Die Cancel Culture verdaut sich selbst“.). Die Folge davon ist aber,
dass der Transgender-Diskurs hegemonial bleibt und die Folgen sich als falsch herausstellender Geschlechtsumwandlungen unbeachtet bleiben. Aus Platzgründen hat dieses Thema in dem angegriffenen Artikel noch keine tragende Rolle gespielt. Allerdings stehe ich weiterhin mit Sabeth in Kontakt und arbeite an einem weiteren Text zu dem Thema, in dem ihre Schilderungen auf dem „Lesbenfrühling“ verarbeitet werden sollen, womit sie auch ganz einverstanden ist. Er soll im Kontext der Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene veröffentlicht werden, da damit zu rechnen ist, dass die gescheiterten Gesetzesentwürfe in die Verhandlungen eingebracht werden.

- Welche sozialen Formen nimmt der Diskurs zwischen Lesben und Transfrauen über biologische Geschlechtlichkeit an? Besonders aufschlussreich und
erschreckend war der Vortrag einer jungen Lesbe über den Lesben-Trans-Diskurs. Sie führte vor, wie dieser „Diskurs“ in der Szene zunehmend zu einem menschlich
entgrenzten, sprachlich brutalen Herabsetzungsakt wird. Auch hieraus dürfte sich die ängstliche Zurückhaltung vieler Lesben gegenüber der Öffentlichkeit erklären. Als
Beispiele zitierte die Referentin Aussagen aus Szene-internen Chaträumen, die ansonsten nicht öffentlich zugänglich sind, aber gut belegen, in welche Spirale der
sozialen Eskalation sich der Diskurs hinein entwickelt. („Auf die Frage einer Lesbe an eine Trans*Person, ob sie schon dann transphob sei, wenn sie bloß keine Lust habe,
„einen Schwanz zu lutschen“, antwortete die Trans*Person: „Yeah, denn wenn Du Dich von Frauen angezogen fühlst, solltest Du Dich von allen Frauen angezogen fühlen“, was meint: auch von denjenigen mit Penis. Jede Lesbe, die dies nicht einsehe, sei bloß ein „grausiges Stück Scheiße“, gab eine andere Trans*Person als diskursive Bereicherung zum Besten.“) Tatsächlich scheint ein Punkt erreicht, an dem nicht mehr Aktivisten oder Organisationen der Transszene des besonderen öffentlichen Schutzes bedürfen, sondern eher traditionelle Lesben (siehe Fördermittelentzug auf Forderung der Transszene anlässlich des „Lesbenfrühling“).

Auf dem „Lesbenfrühling“ kam es übrigens nach einer Podiumsdiskussion über die Kritik an der Transgender-Ideologie zu erheblichen emotionalen Auseinandersetzungen, da sich hinter einer der Kameras eine Transfrau befand, die sich durch die Diskussion tief in ihrer Identität und Würde verletzt fühlte und den Veranstalterinnen daraufhin erhebliche Vorwürfe machte. Diesen Vorfall habe ich allerdings bewusst aus der Berichterstattung zum Schutz dieser Person
ausgeklammert.

Natürlich war mir während meiner Recherche bewusst, dass mein verdecktes Vorgehen auch kritisch gesehen werden kann. In der Abwägung zwischen dem
Selbstbestimmungsrecht der Lesben auf der einen Seite und den in Deutschland bisher weithin ignorierten „Kollateralschäden“ des transgender-Diskurses auf der anderen schien mir mein Vorgehen allerdings vertretbar. Nicht ohne Grund habe ich über die gesamte Veranstaltung hinweg Kontakt zu einer der Organisatorinnen des „Lesbenfrühling“ gehalten und ihr meinen Artikel vor Veröffentlichung in vollständiger Fassung vorgelegt. Es ging mir dabei darum, aus der Szene heraus sozusagen einen moralischen Ratgeber in meine Arbeit einzubeziehen, ging es mit dem Artikel ja gerade nicht darum, Lesben zu beschämen oder herabzusetzen, sondern das Recht auf ihre eigene Identität zu verteidigen. Die Antwort meiner Kontaktperson auf meinen Artikel war: „! Anmerkungen anbei. Gefällt mir gut.“ Die Anmerkungen beschränkten sich dabei auf Hinweise, an welchen Stellen ich aus ihrer Sicht zu wenig auf die weiblichen Formen geachtet hätte.

Soweit es erforderlich sein sollte, bin ich auch bereit, den Schriftwechsel mit meiner Kontaktperson vollständig zu übermitteln. Allerdings hat sie stets darum gebeten, dass ihre Anonymität gewahrt wird. Insoweit richte ich die dringende Bitte an Sie, den Petentinnen nicht zu offenbaren, dass ich stets Kontakt zu einer Organisatorin des „Lesbenfrühling“ hatte.

Rob Schuberth | Mi, 26. Mai 2021 - 13:28

...viel Blablah-Themen.

Seit einigen Tagen habe ich den Eindruck man hinkt hier im Cicero der tagesaktuellen Lage hinterher, resp. schreibt nicht darüber.

Ich will mal lieber kleine Absicht unterstellen, nur fragen warum das so ist und was das soll?

Das Thema dieses Artikels wäre m. E. passend für die TAZ, oder andere linke Blätter, aber hier eher eine krasse Fehlorientierung.

Und nun bin ich gespannt ob die Red. den Mumm hat das durchzulassen.
Eine Demokratie lebt ja vom Diskurs und den möchte ich einleiten.
Danke

Herr Brodkorb ist sehr belesen und auch sehr durchdacht, in der Schilderung "trotzdem" sehr lebendig, ohne vor den Kopf zu stoßen.
Die TAZ habe ich auch mal gelesen, viele Journalisten* haben dort mindestens zeitweise gewirkt.
Danke Herr Brodkorb für den interessanten Bericht und die politischen Reflexionen auf diese Bewegung/Gruppierung.
Debatte hat was!

..Herr Schuberth.
Manchmal cersuche ich aus det grössten Hirnrissigkeit noch etwas positives abzugewinnen.
Wenn demnächst die Lokalitäten wieder öffnen sollten und es gibt mal wiedet ein Schlange vor dem Frauenklo, werde ich mein Geschlecht ändern und auf's Männerklo gehen. (Männer können naturlich ähnlich verfahren) und sollte einer was sagen so wird er direkt in "transgenderkreuzundquer Phobe" Ecke gestellt. Notfalls mit metoo gedroht und wenn's zügig gehen soll halt Nazi.
Und der Wirt, falls er nicht zu mir hält, wird mit Klage gedroht weil er keine ich-weiß-noch-nicht-was-ich-bin Toilette hat.

Jedem da Seine. Aber dieses gehype dieser Mindeheit ist nur noch lächerlich. Insbesondere weil sich die Community selbst zerfleischt. Aber mir egal. Ich akzeptiere diese Menschen.
Von aussen betrachtet aber nur noch lächerlich. Weniger wäre mehr und zielführender.

Grandiose Idee liebe Frau Hein! Nur mit dem stehend pinkeln hab` ich noch so meine Probleme;) Die Teile jedoch in Kinderhöhe angebracht...Erinnert mich an das Gesicht meiner großen Schwester, die sehr pingelig ist was den Umgang mit sanitären Anlagen betrifft, als ihr Schwiegervater aus deren mit einem Bidet ausgestatteten Bad kam und sich beschwerte, wie verdammt niedrig das Klo ohne Deckel wäre und er fast eine Kniebeuge machen musste um die Treffsicherheit zu erhöhen;-). Da machte ich zum ersten Mal nachdem ich den Windeln entstieg vor Lachen fast in die Hose. Ähnliches könnte passieren wenn ich mir die Gesichter und das schnelle "wieder einpacken" der anwesenden Herren in ihrer mit Männlein versehenen Domäne bei meinem geschlechtsfluiden Einmarsch vorstelle;-). Frei nach Loriot bei Papa ante portas: " Ich möchte hier pinkeln!" LG

Hallo Frau Heim!

... tja, während in el Schüssell noch geschrubbt wird, läuft es in el Urinal schon wieder flüssig!

CICERO - Das Magazin für politische Kultur

Ein lesbisches Frühlingstreffen und interne Probleme im LGBTQ-circle,
why not?
Niemand wird gezwungen solche Artikel zu lesen, nicht wahr?
Toiletten - Klos?
"Politische Kultur eben!"

Wissen Sie, ich bin wahrlich kein Sagrotan-Typ, jedoch kam ich auch einmal an meine hygienischen Grenzen - es war nur krass!
Damals ein TT-Ausflug nach MÜ und der Zug voller Fußballfans aus Bremen!
Letztlich waren alle Toiletten abgeschlossen - verstopft => alles versifft!
Das war "lustig" und/aber krass-eklig zugleich!

Die Krönung ist die musikalische Beschallung in Klos von Supermärkten!
Plötzlich Werbung!
"Heute im Angebot: Hackfleisch, frisch - 250 gr nur 1,11 €!"
(... und der Kunde in Zelle 3 möge sich bitte richtig herum auf das Klo setzen!"
- okay, so weit sind WIR noch nicht!)

Frau Heim, alles Gute und immer tapfer schreiben!

Schon beim Satz von Herrn Brotkorb: "Wenn es nach denen geht, dürfte man sich nämlich nur einmal im Jahr sein Geschlecht neu aussuchen und nicht alle drei Tage."...habe ich mich fast weggeschmissen vor Lachen. Aber ihr Text, werte Frau Hein, hat die Situation noch einmal getoppt.

Diskurs? Worüber? Ob die Cicero-Redaktion in Zukunft ihre Themenauswahl ausschliesslich an den politischen Zielen einiger politisierender Foristen ausrichtet?

Geht es noch?

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal des Ciceros ist die Vielfalt. Sowohl was Themen, als auch Meinungen angeht.

Sie würden es wahrscheinlich bevorzugen, den Cicero als meinungsmachenden Partner im Kampf gegen übliche "politische Feinde" an Ihrer Seite zu wissen.

Da könnte der Cicero ja gleich den Laden dichtmachen, so fernab jeglicher Seriösität. Im Übrigen können Sie sich Ihre "Neuigkeiten a la carte" ja gerne direkt von der AfD-Webrepresentanz besorgen. Oder sich auf irgendwelchen "alternativ-scharf-rechten" Seiten eindecken, die besonders sendungsbewusste Forenaktivisten hier verbreiten. Und da ist sicher nicht der Mainstream-Journalismus zu Hause..

Versuchen Sie wenigstens, sich dem Beitrag möglichst unvoreingenommen zu nähern. Ihr Horizont kann davon nur profitieren.

Karl Kuhn | Mi, 26. Mai 2021 - 17:23

In reply to by Gerhard Lenz

"Versuchen Sie wenigstens, sich dem Beitrag möglichst unvoreingenommen zu nähern. Ihr Horizont kann davon nur profitieren."

Herr Lenz, Sie selbst haben sich noch NIE der intellektuellen Mühe unterzogen, hier einen Beitrag zu kommentieren. Sie haben hier noch NIE etwas anderes getan, als andere Kommentatoren voreingenommen und autoritär runterzuputzen. Mit einem Abschalten der Antwortfunktion wären Sie hier weg, denn den Beweis, dass Sie den gerade von Ihnen rausposaunten Maßstäben genügen könnten, haben Sie bisher kein einziges Mal erbracht.

Rob Schuberth | Mi, 26. Mai 2021 - 19:00

In reply to by Karl Kuhn

Ich danke Ihnen, werter Herr Kuhn, und auch all denen die sich an m. Kommentar "gerieben" haben.
Sich zumindest dazu geäußert haben.
So in etwa hatte ich es mir vorgestellt.

Und ja, auch Dank an die Redaktion.

Tomas Poth | Mi, 26. Mai 2021 - 17:34

In reply to by Gerhard Lenz

... Hr. Lenz, sind Sie das denn?
Stefan Aust von der Welt, hat in einem Zeit-Interview von dem Mitläufer-Effekt in unserem Land gesprochen, der sehr stark ausgeprägt sei. Sie hatte er damit wohl nicht gemeint?

Andre Möller | Mi, 26. Mai 2021 - 14:15

und gleichzeitig noch Einblick in den "deep state" der Identitären und Lesben bekommen. Wobei Letztere noch ganz sympathisch rüberkommen und meinen Respekt haben. Kenne selber welche und weiß auch wen die wählen. Dauert nicht mehr lange und der Kampfbegriff "alte weiße Lesbe" wird ins Getümmel geworfen... die Spirale des Irrsinns dreht sich weiter...

Tomas Poth | Mi, 26. Mai 2021 - 14:16

in gewissen Kreisen: Aneignung einer falschen Identität, ergo rassistisch!
Na ja, nicht mein Urteil, schließlich soll Journalismus ja zu allen Bereichen, wegen der Transparenz, Zugang haben.
Die FDP und die Geschlechtszuordnung, nun, soll hier eine Verhandlungsposition für eine evtl. Ampelkoalition geschaffen werden?
Ansonsten, wenn wir für 0,x % der Bevölkerung so viel Aufmerksamkeit und Zuwendung betreiben, da frage ich mich wieviel mehr müßten wir es dann für 12,x % der Wählerschaft machen.
Hieraus läßt sich leicht der Ungeist unserer medialen Öffentlichkeit erkennen die dem MSM huldigt.

Bernd Muhlack | Mi, 26. Mai 2021 - 14:42

... war (ist?) ein oller Sänger von mMn eher seichten Trällereien ...
Nun ja, wer AC/DC, Metallica etc. hört kann nur zu diesem Schluss kommen.
Von ihm gibt es die Schnulze "Uschi mach kein Quatsch!"
Herr Brodkorb, mehr ist dazu nicht zu sagen.
So langsam nimmt (auch) hier dieses LGBTQ-Gehätschele überhand, nicht wahr?

Ich hatte damals als Zivi eine lesbische Kollegin - wir waren ein Dream-Team!
👍

Romuald Veselic | Mi, 26. Mai 2021 - 15:01

den Artikel zu ende zu lesen.
Der aktuelle Hype wird hochgekocht, die im Focus der Evolution, nur eine mickrige Eintagsfliege ist u. bleibt. Andere Kulturen (99% der Weltbevölkerung) werden niemals diese Ansichten u. Thesen akzeptieren, was nicht nur mit verbalem Austausch enden wird, wenn man damit Anti-LGBT Lager überstrapaziert.
Die Westlerinnen mit ihrem LGTBQ + X Gehabe u. Konstrukten, haben keine Überlebenschance auf der geschichtlich-gesellschaftlichen Bühne. Wenn jemand aus einer marginalen Exklusivität eine Weltbewegung machen will, erzeugt wenig Zustimmung. Ich hoffe, dass die ablehnende Haltung der Genderverweigerer nicht mit einem Bürgerkrieg im Sandkasten enden wird.
Wer u. wie man sich geschlechtlich fühlt, ist gleich Privatsache, wie Religion. Was ich nicht ausstehen kann, damit behelligt zu werden.
Ich wünsche mir, dass der Roman "Die geschützten Männer" v. Robert Merle, endlich zur Tatsache wird.
MfG Skyjack

Manfred Klein-Ilbeck | Mi, 26. Mai 2021 - 15:44

Die Berichte und Diskussionen über auswechselbare Geschlechterzugehörigkeiten, die "me-too"-Bewegung, geschlechtsbezogene Diskriminierungen, Homo-, Trans- oder Lesbenphobie usw. hängen mir allmählich zum Halse heraus.

Lisa Werle | Mi, 26. Mai 2021 - 22:50

Lesbe Patricia hat absolut recht: in dieser ganzen Gender-Diskussion geht es tatsächlich und in Wahrheit nur um eines: Männerinteressen im Gewande der Genderideologie.
Dass die Grünen da mitmachen: nichts noch so Absurdes ist denen zu blöd. Aber die FDP? Schon wieder eine Wahlalternative weniger. Ich werde sicher keine Partei wählen, die dafür sorgt, dass Männer in Frauenkleidern zum Beispiel im Sport für das Aus von echten Frauen sorgen. Das Schlimmste und Verantwortungsloseste aber: dass sie es ermöglichen wollen, dass Jugendliche sich alleine (ohne Eltern, ohne Beratung) für Eingriffe entscheiden 'dürfen', die sie in den Auswirkungen häufig nicht überblicken und die sie u.U. ein Leben lang belasten. Entsprechende Fälle und Klagen vor Gericht gibt es inzwischen genug. 50 % der Bevölkerung in diesem Land werden diskriminiert und sollen sich nach dem Willen der Transgender nicht mehr 'Frauen' nennen dürfen, sondern "Menschen, die menstruieren". Ist das zu glauben? Obszön trifft es.

Gerhard Hellriegel | Do, 27. Mai 2021 - 09:11

Ach ja, der Mensch kommt als tabula-rasa, als unbeschriebenes Blatt auf die Welt und dann ritzt die Kultur ihre Zeichen ein? An Letzterem ist schon etwas Wahres: die Gesellschaft war es, die mich zum Schwäbisch vergewaltigt hat. Aber die Evolution entwickelt nie ein tabula-rasa, das hat keine Chance, die Entwicklung verläuft immer in kleinen Schritten zwischen Destabilisierung (es gäbe sonst keine Transgender) und Stabilisierung (es gäbe sonst keine Arten). Und auch Kulturen fallen nicht vom Himmel, sondern modulieren in Varianten das bereits Vorhandene, genau so gefangen zwischen De- und Stabilisierung. So modulieren Kulturen auch den Orgasmus, aber glaubt jemand im Ernst, das sei deswegen ein kulturelles Phänomen, eine Erfindung der Kultur?
Oder sollte, dass wir uns um unsere Kinder kümmern, etwa ein Produkt aus dem Hause Christentum sein? Leute, Leute, der Braten war schon Millionen und Abermillionen von Jahren in der Röhre, wenn der kleine Erdenbürger seinen ersten Schrei tut! :-)

Kurt Kuhn | Do, 27. Mai 2021 - 12:07

So pflegten es meine Großeltern und Eltern zu sagen.
Die Menschen in D sollten dankbar sein, dass sie hier und jetzt das sein dürfen was sie sind bzw. sein möchten! Sich deswegen zu streiten ist Unsinn.

In jeder Statistik (Gauß-Glocke) werden ein paar Zehntel Prozent von den Rändern weggelassen, da man sonst nie „zu Potte kommt“.
Bei allem Respekt für die Diversität, sollte man auch hier die Kirche im Dorf lassen.

Vielen Dank für den interessanten Beitrag, Herr Brodkorb!