Israelische Panzer rücken im Juni 1967 auf der Halbinsel Sinai auf ägyptische Stellungen vor / dpa

Nahostkonflikt und kein Ende - Warum Moral nicht weiterhilft

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern flammt mit aller Gewalt wieder auf. Es ist immer leicht, die eine oder andere Seite moralisch zu verurteilen, wenn man das Schicksal der beiden nicht teilt. In Wahrheit ging es schon immer um geopolitische Interessen.

Autoreninfo

George Friedman, 72, ist einer der bekanntesten geopolitischen Analysten der Vereinigten Staaten. Er leitet die von ihm gegründete Denkfabrik   Geopolitical Futures und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Der Sturm vor der Ruhe: Amerikas Spaltung, die heraufziehende Krise und der folgende Triumph“ im Plassen-Verlag.

So erreichen Sie George Friedman:

Die Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern intensivieren sich. Dennoch wäre es ein Fehler, dies als einen weiteren Krieg zu betrachten. Der Krieg wurde schon geführt, bevor Israel formal ein Staat war – und ging auch weiter, nachdem der Rest der arabischen Welt das Interesse an dem Konflikt verloren hatte. Jede Seite sieht sich selbst als Opfer, und stets wird darüber debattiert, wer das aktuelle Kapitel in diesem schon so lange anhaltenden Konflikt begonnen hat.

Die Position der Palästinenser ist einfach: Dies ist das Land, das sie besaßen, als ausländische Siedler es ihnen wegnahmen und eine Regierung einsetzten, die sie an den Rand drängte. Die israelische Position lautet, dass man nach der Shoah nirgendwo auf der Welt hingehen konnte, wo man vor einem abermaligen Holocaust sicher sein würde – also kehrten sie in ihre alte Heimat zurück.

Das moralische Argument ist mit der Zeit komplexer und bitterer geworden. Die Palästinenser argumentieren, dass sie nicht den Preis für einen europäischen Völkermord zahlen sollten. Die Israelis argumentieren, dass es so etwas wie einen palästinensischen Staat nie gegeben hat, dass er allenfalls immer eine Provinz anderer Mächte war.

Diese Argumente sind nicht füreinander bestimmt, sondern für den Rest der Welt. Bei seiner Gründung brauchte Israel andere Nationen, um sein moralisches Argument zu akzeptieren und somit seine Existenz als Staat zu legitimieren. Jetzt sind es die Palästinenser, die Unterstützung von außen fordern. Beide Seiten erhielten immer wieder Unterstützung aus dem Ausland, das sich allerdings weniger um ihr jeweiliges Schicksal kümmerte, sondern seinen eigenen zynischen politischen oder geopolitischen Vorteil suchte.

Hintergrundrauschen der Geopolitik

Es ist immer leicht, die eine oder andere Seite zu verurteilen, wenn man das Schicksal der beiden nicht teilt. Wenn der israelisch-palästinensische Krieg eine moralische Frage ist – und moralische Fragen als handlungsbestimmend angesehen werden –, dann scheint es, dass noch viele Kämpfe ausgefochten werden müssen. Moralische Haltungen, die nicht das Eingehen persönlicher Risiken beinhalten, sind das ewige, irrelevante Hintergrundrauschen der Geopolitik.

Die geopolitische Frage ist einfach. Israel wurde auf Land gegründet, auf dem Palästinenser lebten; es ging um die Notwendigkeit, einen verteidigungsfähigen Standort zu finden. Die Palästinenser wollten weder enteignet werden noch das Recht auf Selbstbestimmung in einer Welt verlieren, die es angenommen hatte. Die Angst vor dem Fremden ist überall verbreitet, und in jedem Land lauert diese Angst. Moralisten, die fordern, dass diese Angst aufzugeben sei, mögen sich besser fühlen. Aber sie tragen selbst nichts zur Lösung bei.

Die Angst und der Hass der Palästinenser und Israelis vor dem anderen ist real. Israel hat Palästina besetzt, weil es wenig andere Möglichkeiten hatte – und weil es dazu in der Lage war. Die Palästinenser haben sich gewehrt. Es ist schwer, sich eine zeitgenössische Nation vorzustellen, die nicht durch die Inbesitznahme eines Teils oder der Gesamtheit einer anderen Entität entstanden ist.

Die Migration von Juden nach Palästina begann vor mehr als einem Jahrhundert, und der Staat wurde vor mehr als 70 Jahren gegründet. Von welchem Zeitpunkt an hat man auf Grundlage von Moral das Recht dazu, Land einzufordern? Nach einem Jahrhundert? Oder einem Jahrtausend?

Von den moralischen Parolen einmal abgesehen, stellt sich die Frage, warum die Juden militärisch überlegen sind, wo sie doch in den zurückliegenden Jahrhunderten kein besonders kriegerisches Volk waren. Die Antwort ist der Kalte Krieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg zerfiel das britische Empire, sodass es seine Besitzungen in Palästina aufgeben musste.

Wechselnde Verbündete

Der neu gegründete israelische Staat konnte die ihn angreifenden arabischen Staaten besiegen, weil die Briten sie unorganisiert und schlecht bewaffnet zurückgelassen hatten. Nach Israels Gründung leisteten die Sowjets, die das britische Empire ersetzen wollten, militärische Hilfe für Israel, dessen führende politische Kraft eine linke Partei auf der Suche nach einem Verbündeten war. Es gelang ihr nicht, einen solchen zu finden, und als es 1956 zur Suezkrise kam, ermutigten die Briten und Franzosen einen israelischen Angriff auf den Sinai.

Danach war Frankreich Israels größter Unterstützer – bis 1967, als die USA erkannten, dass Israel von Nutzen im Konflikt mit der Sowjetunion sein könnte, die in Ägypten, Syrien und im Irak als übermächtig angesehen wurde. Die Vereinigten Staaten sahen Israel als ein Gegengewicht. Ein Krieg im Jahr 1973 gegen die sowjetischen Verbündeten Ägypten und Syrien führte zu mehr US-Hilfe. Kurzum: Israel war ein Aktivposten für westliche Mächte, die andere Ziele verfolgten.

Palästinensische politische Organisationen waren ägyptische Einheiten. Der spätere PLO-Führer Yasser Arafat brachte eine enge Beziehung zu den Sowjets mit. Die PLO verband sich eng mit europäischen radikalen Gruppen, die Terroranschläge in Europa gegen jüdische und andere Ziele verübten. In den 1970ern und 1980ern war die PLO die dominierende arabische Gruppe, die mit dem sowjetischen Geheimdienst verbandelt war und eher zum Terrorismus neigte, als sich auf einen Territorialkrieg vorzubereiten.

Als die Sowjetunion zu kollabieren begann, war Israel dank seiner Partnerschaft mit den USA zu einer äußerst fähigen Militärmacht geworden. Die Ägypter und die Sowjets sahen in den Palästinensern ein Werkzeug, um ihre Feinde zu destabilisieren, versäumten es aber, eine moderne Armee aufzubauen, die Israel herausfordern konnte.

Die Schwäche der Palästinenser besteht darin, dass keine Großmacht sie als konventionelle militärische Kraft sah – besonders, weil die arabischen Länder keine so große militärische Kraft in ihren eigenen Ländern haben wollten. Also verlegten sie sich auf Entführungen und Bombenanschläge, trainierten aber keine konventionelle Kriegsführung.

Die Palästinenser können nicht gewinnen

Was sich heute in Gaza abspielt, ist ein modernes konventionelles Militär, das „Soldaten“ gegenübersteht, die von einer ganz anderen Kultur inspiriert sind. Die Hilfe, die Palästina heute vom Iran erhält, ändert das nicht grundlegend. Die Palästinenser können nicht gewinnen, aber sie können Israel Schaden zufügen.

Das ist eine jämmerlich unzureichende Erklärung für die palästinensische Schwäche und die israelische Stärke. Es gibt kulturelle Fragen, es gibt die Sicht der arabischen Staaten auf die Palästinenser und noch vieles mehr. Aber Israels militärische Fähigkeiten waren 1948 schlecht ausgebildet. Sie entwickelten sich schnell aufgrund des sowjetischen Einflusses in den arabischen Ländern und wegen des Interesses von Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten, diesem Einfluss entgegenzutreten.

Die Palästinenser werden von vielen als Opfer gesehen. Das ist hier kein praktikabler Begriff – aber wenn man ihn schon verwendet, dann waren sie nicht nur Opfer Israels, sondern auch Ägyptens, Syriens und der Sowjets, die zwar alle eine Verwendung für sie als kleine Gruppen von verdeckten Agenten hatten. Aber kein Interesse daran, dass sie eine moderne palästinensische Armee in einem Nachbarland aufbauten. Außerdem gab es kein Nachbarland, das eine solche Armee willkommen geheißen hätte. 

Eine Intifada mit ein paar Selbstmordattentätern wird Israel weder zu Fall bringen noch an den Verhandlungstisch zwingen. Und die Palästinenser haben keine Verbündeten, die ihnen dabei helfen würden, sie in diese Lage zu versetzen.

Moralisches Empfinden ist mit vielerlei Problemen verbunden. Die Realität der Macht ist das größte davon.

In Kooperation mit

GPF

 

Romuald Veselic | Di, 18. Mai 2021 - 18:47

Die Palästinenser haben keine Verbündeten, außer Iran mit Faschokleriker-Clique als Machthaber, sowie Katar, der im Geld schwimmt, mit Streitkräften, die im Kampfeinsatz, gerade Zeitungspapier zerreißen können. Sowie Europas Linken, Rechten & Aktivisten, etc...
Warum dazu kam?
Denn als Saddam Hussein Anno dazumal Kuweit besetzte, stellte sich Arafat auf die Seite des Aggressors und flog nach Bagdad, um Saddam die Schulterstücke zu küssen. Interessant, dass diese Filmaufnahmen heute; im Georaum der Guten/Weltretter, nicht mehr gezeigt werden.
Die Kardinalfrage: Wie ist es möglich, dass die Palästinenser sich immer auf die Seite der Falschen/Looser stellen?

Bedeutet das nun für uns, das uns nach mehr als 15 Jahren der Trauer, Blumen und Sympathieerklärungen klar sein sollte, dass dies den Dschihad gegen uns nicht aufhalten wird?

►Das Bundesparlament und die Bundesregierung erklärt sich bereit, eine Million Palästinenser und Familien aufzunehmen. Die sprachliche, schulische und berufliche Bildung zu gewährleisten. Die kulturelle und gesellschaftliche Integration für alle Migranten zu ermöglichen. Dazu gehört auch eine auskömmlich bezahlte Erwerbsarbeit für alle palästinensischen Migranten: Mädchen und Jungen, Frauen und Männer.

PS: Dazu gehört auch die umfängliche und dauerhafte Gewährleistung der gesundheitlichen und sozialen Absicherung und Bereitstellung für menschenwürdige Wohnungen für alle aufgenommenen palästinensischen Familien in Deutschland.

●, alle arabischen Staaten und insbesondere Golf-Monarchien müssen sich dauerhaft an den jährlichen Milliardenkosten in Deutschland beteiligen [jährlich ab 50. Milliarden Euro aufwärts]!

PS: Wären doch die Golf-Monarchien, Saudi-Arabien, Kuwait und Katar infolge ihres leistungslosen Reichtums fähig gewesen, allen arabischen Völkern ein Auskommen zu sichern!

Die Hautverantwortung eines Volkes, das 5+ Millionen ermordet hat , ist die es soweit wie möglich, alle diejenigen, deren kulturellen Erbe "Judenhass" als lobenswert betrachtet wird, eben von diesem Lande / Volke fernhält. Nicht mehr, nicht weniger!
Die Frage die sich nun seitens Vieler ( mit militärischen Erfahrung in Israel, M/W ) aus dem jüngerem deutschen Judentum stellen, ob nun eine JDL für DE notwendig ist!

Tomas Poth | Mi, 19. Mai 2021 - 13:20

In reply to by Ron Barker

Waren Sie daran beteiligt, dann sind Sie verantwortlich!
Sie können nachfolgende Generationen nicht verantwortlich machen, für Taten die Vorgängergenerationen verübt haben.

Wie ist es möglich, dass die Palästinenser sich immer auf die Seite der Falschen/Looser stellen?...
Die könnte im Grunde auch derzeit in DE gestellt werden.
Mit dem Fazit von Friedmann: "In Wahrheit ging es schon immer um geopolitische Interessen."...und dazu die passenden "Führungspersönnlichkeiten", die geschickt installiert werden. Um diese Interessen (über die Bevölkerung) dorthin zu lenken, wo sie nützlich sind.

Christa Wallau | Di, 18. Mai 2021 - 18:55

Ja, Herr Friedman, genau darum geht es.
Daß der Staat Israel auf palästinensischem Gebiet
von vornherein umstritten war, kann wohl niemand bezweifeln. Die Briten als Realpolitiker wußten schon, warum sie die Staatsgründung nicht befürworteten, weil sie sahen, welch gordischer Knoten da geknüpft wurde.
Es gab damals keineswegs eine eindeutige Rechtslage. Die Israelis hätten m i t den Palästinensern eine Modus vivendi finden müssen.
Stattdessen wurden sie durch ausländische Hilfe
militärisch stärker und stärker.

Jetzt - mehr als 70 Jahre nach der Gründung des Staates Israel - wäre es an der Zeit, daß die
Palästinenser einsähen, daß sie die Unterlegegen im Machtkampf sind - warum auch immer.
Und - ähnlich wie die Deutschen -, die ihre von den Gegenern eroberten Ostgebiete den Siegern überlassen haben, müßten sie einsehen, daß sie - um des besseren Lebens für ihre Menschen willen - die Vormachtstellung Israels anerkennen und sich mit ihnen arrangieren sollten.

„[...] die ihre von den Gegenern eroberten Ostgebiete den Siegern überlassen haben [...]“
Sie wollen also ernsthaft die Deutschen nach 1945 mit den Palästinenser vergleichen?
Welche Schuld haben dann Ihrer Meinung nach die Palästinenser auf sich geladen, wegen der sie ihre Gebiete demütig an Israel abgeben sollten?

Leider dominieren derzeit wieder die Hardliner über die Gemäßigten, die es auf beiden Seiten gibt und die ein friedliches Miteinander wollen. In diesem Konflikt, haben beide Seiten furchtbare Dinge getan - industriell organisierter und rassenideologisch motivierter Massenmord gehört aber nicht dazu. Von daher ist Ihre Frage absolut berechtigt.
Bei Frau Wallau handelt es sich indes um jemanden, der den 8. Mai 1945 für den "Tiefpunkt der deutschen Geschichte" hält - nicht die 12 Jahre davor! Von daher fürchte ich, die Antwort auf Ihre berechtigte Frage könnte einen neuen Tiefpunkt in der Kommentarhistorie dieser Frau markieren...

flüchteten bzw, vertrieben wurden (teilweise unter grausamsten Bedingungen) etwa
Schuld auf sich geladen? Ist Ihnen nicht bekannt, daß Vertreibung i m m e r ein Verbrechen ist?
Fakt ist allerdings, daß sie x-mal in der Geschichte vorgenommen wurde und immer erneut geschieht, so daß die Vertriebenen, wenn sie nicht die MACHT haben, ihr Land zurückzuholen (-zuerobern) oder die Sieger es ihnen (was kaum jemals vorkommt) großherzig zurückgeben, sich damit abfinden müssen.

So sieht die Realität aus, und wer vernünftig ist, richtet sich danach -
zähneknirschend, aber im eigenen Interesse.
Denn ein Leben, wie es die meisten Palästinenser nun schon viele Jahrzehnte führen müssen (in Armut, Unbildung und kriegerischen Zuständen) ist keine menschlich
vertretbare Alternative. Mir tun alle Kinder leid, die hier in dritter Generation aufwachsen und keine gute Lebensperspektive haben. Ihre "Regierungen" bestehen aus Verbrechern, die sich selbst bereichern u. ihre Bürger in Geiselhaft halten.

Ein Palästinenser-Diplomat begründet bei einem Interview bei der BBC das Unrecht in der Balfour-Deklaration von 1917. Er und die PLO für die er steht, ignorieren völlig, dass mehrere Staaten in der Region reine Kunststaaten sind, die alle von den Briten und Franzosen nach dem 1. Weltkrieg gezeichnet wurden. Palästinenser gab es eigentlich nie. Selbst die haschemitischen Könige (Kunststaaten) von Amann und Bagdad bekämpften vehement, dass die Araber im Mandatsgebiet eine Ethnie seien. " Palästinenser " wurden überhaupt erst von den PLO-Terroristen erfunden. Die Öl-Araber haben in den letzten Jahrzehnten, rotierend, mehr als 10 Millionen Arbeitskräfte aus Asien in ihre Länder geholt. Für die Araber aus Palästina hatten sie, absichtsvoll, wenig oder keinen Platz. Die Bevölkerung von Jordanien ist zu ca. 60% palästinensisch und dem haschemitischen Königtum. Es ist der Staat der " Palästinenser ". Einen zweiten brauchen sie nicht.

Das fragen Sie im Ernst ?

Beispiele:
-Palästinensischen Führer benutzen ihre Kinder und Frauen als menschliche Schutzschilde; sie lagern ihre Waffen in Krankenhäusern und Schulen.
- Ganz bewusst setzt die Hamas das Leben der Menschen im Gazastreifen aufs Spiel, um an der Grenze israelische Soldaten als Mörder zu verunglimpfen. Nicht Israels Soldaten sind in dieser Lage die Täter, es sind die Verantwortlichen im Gazastreifen.
- Wer hassverzerrt mit Tausenden von brennenden Reifen auf eine Grenze zurennen lässt, um sie zu stürmen, der kann nicht als Opfer gelten.

Zu den Ereignissen der letzten Tage:
Palästinenserorganisationen wie die Hamas und der Islamische Dschihad mehr als 1.500 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israelische Wohngebiete abgefeuert.

Wenn die Palästinenser die Waffen niederlegen, wäre Frieden. Wenn die Israelis dies täten, gäbe es kein Israel mehr. (Golda Meir)

Wie wäre es damit, dass die Araber mit 5 Armeen am 15.5.48,einen Tag nach der israelischen Staatsgründung, das Land angriffen? Diesen Krieg den sie vom Zaum gebrochen haben, dann verloren. Da ergeben sich durchaus Parallelen zu Deutschland, auch da gab es Gebietsverluste nach einem Angriffskrieg. Eine Tatsache, die in der Geschichte durchaus häufiger vorgekommen sein soll. Nach dem verlorenen Krieg wurde das Westjordanland und Ostjerusalem dann für fast 20 Jahre jordanisch besetzt. Heute wollen die PAL-Araber genau das Land westlich des Jordans, das sie beim Teilungsplan 1947 strikt abgelehnt haben. Die Spur der verpassten Gelegenheiten zieht sich von dort, über das 3x NEIN in Khartoum bis Camp Davids.

Cornelia Karopka | Di, 18. Mai 2021 - 19:06

Die Problematik, die der Staatsgründung Israels vorausging, wird meiner Meinung nach gar nicht und zu oberflächlich behandelt. Es gab in der Geschichte keinen Staat Palästina, es gab Nomaden (Beduinen), die durch die Wüsten dieses Gebietes zogen und ein ärmliches Leben fristeten. Bis 1918 gehörte das Gebiet über Jahrhunderte zum osmanischen Reich. Dann übernahm es GB, die Balfour Deklaration war da schon erledigt, europaweite Pogrome schon in den Jahrhunderten davor, besonders in Frankreich und auch in Russland. Die Juden, denen das Handwerk verboten blieb im Mittelalter verlegten sich auf Handel als Einnahmequelle, ein Teil wurde damit wohlhabend, aber nicht anerkannt- das waren die Voraussetzungen, warum ein Herr Herzl den Traum vom jüdischen Staat überhaupt träumte. Man schaue sich das Land vor der Gründung Israels an, vorwiegend Wüste- und was sie daraus gemacht haben. Es gibt viele Artikel zur Geschichte dieses Gebietes/Landes, man sollte sie lesen, dann versteht man mehr.

Hans Meiser | Mi, 19. Mai 2021 - 09:32

In reply to by Cornelia Karopka

Wenn ich also mein Feld brach liegen lasse, hat jeder andere das Recht, es mir wegzunehmen - mit der Begründung, dass er ja etwas darauf anbauen möchte?
Sie haben eine krude Rechtsauffassung!
Bevor Sie widersprechen: das eine Unrecht - der Umgang mit den Juden - erlaubt nicht automatisch Unrecht an anderen, unbeteiligten (!) Dritten.

Wenn Sie so argumentieren, will ich das alte d. Reich .....
In den 90-er Jahren hatte ich in Frankreich zum ersten mal Kontakt zu konservativen Juden, wo ich viele Erfahrungen & Meinungen von diesen hörte, die schon damals nicht in unser Presse standen & ich nicht verstand, worum es dort keinen Frieden gibt. Bei der Gründung Israel gab es gerade mal über 100.000 ansässige Palästinenser, wovon über 2/3 christlich waren. Heutzutage bei Schätzung (über Müll / 2-5 Mio Palästinenser, wovon 1000 bis 5000 nur noch christlich sind). Energie,Wasser-Abwasser von Israel gebaut & finanziert, wird laufend durch die Tunnelgrabungen der Hamas zerstört. Schafe lässt man an zerstörten Trinkwasserleitungen trinken, ohne Reparatur. Dafür sind Israelis gut genug. Der Hauptbevölkerungzuwachs der Palästinenser entstand damals nach dem 7-Tage Krieg. Die Armee hatte sich wieder zurück gezogen, die Palästinenser nicht. Und die, die wirkliche schmutzige Finger haben, sitzen weit weg im Penthaus, wie überall.

Tomas Poth | Di, 18. Mai 2021 - 19:53

Ein aufklärender, umfassender Beitrag der das Dilemma vor Augen führt.
Und dennoch es muß eine Lösung gefunden der den Israelis und den Palästinensern Luft zum Leben gibt, die beide nicht zum Spielball und Geiseln von Geopolitik machen.

Tobias S. | Di, 18. Mai 2021 - 19:56

Ich mag ihren Artikel, weil sie die Wahrheit nüchtern Aussprechen: Es gibt kein Gut und Böse, man kann beide Seiten verstehen, wenn man denn will.

Für mich geht daher um die Art, wie beide Seite agieren.
Während die Palästinenser als Antwort auf diverse gewaltlose Restriktionen wahllos mit Raketen auf Bewohner schießen, arbeitet Israel mit Präzisionsschlägen gegen Militärs.

Während die Unterstützer der Palästinenser hasserfüllt durch die Straßen ziehen und den Juden den Tod wünschen, hört man von der anderen Seite nur Bitten um Verständnis.

Für mich wird hier mit unterschiedlichen Mitteln gearbeitet, und diese Mittel sind der Grund, weshalb ich Israel unterstütze. Für die palästinensische Gewalt habe ich kein Verständnis.

Christoph Kuhlmann | Di, 18. Mai 2021 - 20:20

gelesen. Ein Buch über die Entstehung des Staates Israel aus jüdischer Sicht. Die Vertreibung der Palästinenser fand nach einem Massaker von ca. 200 Einwohnern aus einem palästinensischen Dorf statt. Danach haben sich Millionen auf dem Weg gemacht, das Versprechen der arabischen Staaten in den Ohren, man werde die Juden bald ins Meer treiben ... - Ich kann als Deutscher Israel nach der Ermordung von 6 Millionen Juden und dutzenden vergleichbaren Massakern von Wehrmacht und Waffen SS im zweiten Weltkrieg keinen Vorwurf machen. Sie waren vom Holocaust hochgradig Traumatisiert und waren nicht länger bereit die Opfer zu sein. Täter brauchen nun mal ein Staatsgebiet mit einer konventionellen Armee und zwischen diesen beiden Extremen hat man im Krieg keine Wahl. Ich nehme an, die hohe Akzeptanz Israels in Deutschland liegt daran, dass die Juden aus einer Wüste ein blühendes Land geschaffen haben. Die militärischen Erfolge waren nur Voraussetzung für Existenz und Fortbestand des Staates.

Gerhard Hellriegel | Di, 18. Mai 2021 - 22:06

Auf den ersten Blick ein befreiender Gedanke. Gut so. Auf den zweiten merkwürdig. Also, die Palästinenser sollen aufgeben. Machen die. Wie soll das aussehen? Übernimmt Israel ganz Palästina? Gottes Geschenk endlich eingelöst. Prima. Raten Sie mal, wer das nicht will. Israel könnte das doch schon heute, die Macht haben sie. Staatliche Gebilde kann man auflösen, Menschen nicht so leicht. Was tun mit den Palästinensern? Zweitklassig im eigenen Land oder in Homelands? Das erste verschiebt Machtverhältnisse, das zweite nicht. Und jetzt wendet sich seine moralfreie Sicht gegen seinen eigenen Vorschlag. Also bleiben die in ihren Homelands und werden friedlich. Warum sollten sie? Sollen sie bis in alle Ewigkeit am Tropf der Geldgeber und Israels hängen? Die Homelands sind allein nicht lebensfähig - egal, mit welcher Politik. Lebensfähig wäre ein ungeteiltes Palästina. Ben-Gurion wusste das schon vor 70 Jahren. Konnte sich aber nicht durchsetzen.

Helmut Bachmann | Mi, 19. Mai 2021 - 06:38

dass es auch geopolitische Aspekte gibt. Wo gibt es die nicht? So zu tun, als gäbe es gerade derzeit keine moralischen ist einfach falsch. Lösen können den Konflikt nur die Araber, die in Gaza leben. Sie müssten aus der ihnen zugedachten Rolle entkommen und einsehen, dass ihr Kampf nicht zu gewinnen ist.

Urban Will | Mi, 19. Mai 2021 - 08:58

Der Staat Israel ist Fakt. Da kann man noch so lange über die Umstände seiner Entstehung streiten.
Die Hamas möchte Israel bedingungslos und dauerhaft zerstören.
Ein Ende dieses Staates wäre nur denkbar als Folge eines Krieges, bei dem Israel bedingungslos kapituliert. Und dann hätten rund 6 Mio Juden keine Heimat mehr.
Das ist undenkbar und weiterhin an dem Existenzrecht Israels zu rütteln in jeglicher Hinsicht unsinnig und selbstzerstörerisch.

Solange sich die Palästinenser von der Hamas bestimmen lassen, wird es keinen Frieden geben.

Ich möchte mir nicht anmaßen, eine Lösung zu finden, aber obiges halte ich für gesetzt.
Ebenso wie die Tatsache, dass Israel als Staat durchaus sehr erfolgreich ist und ein friedliches Zusammenleben auch für die Palästinenser u.a. wirtschaftlich nur Vorteile hätte.
Die Hamas bedeutet Steinzeit – Islam, Rückständigkeit und Armut.

Sie sollten nachdenken, was ihnen wichtiger ist, Symbolik (Staatsgebiet, Hauptstadt) oder ein Leben in Würde.

durchaus sehr erfolgreich ist und ein friedliches Zusammenleben auch für die Palästinenser u.a. wirtschaftlich nur Vorteile hätte." Eigentlich die einzig zukunftsfähige Lösung – wenn ich mir die Aussage erlauben darf. Wenn das Problem der ultraorthodoxen Juden, die in zahlreichen Splitterparteien eigentlich immer an einer Regierung beteiligt sind – und auf ihre Forderungen (Siedlungsbau etc.) nicht verzichten werden. Fanatismus auf beiden Seiten also – wie soll das gehen? Die Religion ganz ausblenden? Nur noch säkulare Israeli bzw. Juden und ebenso welche auf palästinensischer Seite?

ich setze mich ein für das Existenzrecht aller Israelis und Palästinenser. Das Existenzrecht von Staaten halte ich für sekundär. Wo ist das Existenzrecht eines kurdischen Staates? Sagen Sie's mir.
Ich fühle mich (zu meinem Teil) mitverantwortlich für die Sicherheit aller Menschen in Deutschland. Für israelische oder palästinensische Politik bin ich nicht verantwortlich.
Siedlungspolitik ist nicht die Schnapsidee einiger Ultra-Orthodoxer, sondern offizielle israelische Politik. Ostjerusalem ist Siedlungspolitik Teil 2, nichts anderes. Keine Bange, die Israelis sind schon dabei, das Problem zu lösen. Sie vertreiben einfach die Palästinenser -Schritt für Schritt. "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."

Ernst-Günther Konrad | Mi, 19. Mai 2021 - 10:09

ich stimme Ihnen völlig zu Herr Friedman. Das Wollknäuel an Interessen wird sich nicht entknoten lassen, wenn nicht beide Seiten die Fäden abschneiden und gemeinsam miteinander verknüpfen. Man darf nur einen gewichtigen Punkt nicht vergessen. Die Hardliner bei den Juden und bei den Islamisten wollen keinen Frieden, sondern wollen auch aus Glaubensgründen "ihren" Sieg. Die Hamas hat das palästinensische Volk in Geiselhaft genommen und versteckt sich dahinter. Die Ausbildung der Kinder erstreckt sich auf Judenhass und Auslöschungsgedanken. Die älteren Palästinenser leben gerade auch im Grenzgebiet friedlich mit den Israelis, können in Israel arbeiten und vom Lohn ihrer Arbeit die eigene Familie ernähren. Es gibt viele Ehen untereinander. Das Volk ist schon lange müde, von dem diesem Konflikt. Die Hamas braucht den Hass und die Gewalt, Frieden würde sie obsolet machen. Und warum auch Frieden? DE und die EU und der Iran finanzieren ja die Waffen. Dreht denen den Geldhahn zu, dann geht was.

Markus Schumann | Do, 20. Mai 2021 - 03:15

ist offiziell die bekannte "Staatsräson". Das seit 1968 links penetrant getragene Palästinensertuch zeigt aber klar, was Israel von der linken Hälfte dieses Landes erwarten darf: Nichts (außer evtl. U-Boote). Merkel steht auch hier letztlich links.

Peinlich nur noch der unermüdliche Hinweis auf "Antisemitismus von rechts" - als Feigenblatt, NICHTS gegen den (absichtlich!) importierten zu tun.

Ja, es ist (auch) Geopolitik. Es ist aber v.a. der Versuch, den Juden die Zufluchtsstätte zu nehmen. Hitler ohne Israel, ohne USA - das wäre noch einmal schlimmer geworden. Allerdings gilt auch: Zionismus ohne britische Blockade - und die Juden hätten sich retten können.