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Folgen des Farbanschlags vom 8. März: Bunte Flecken auf der Fassade der St.-Martini-Kirche / Jens Gyarmaty

Homosexualität und die Kirche - Der Sündenfall

Unter Missbilligung der Deutschen Bischofskonferenz finden dieser Tage katholische Gottesdienste statt, in denen sich homosexuelle Paare segnen lassen können. Aber auch Teile der Protestanten haben damit noch ihre Schwierigkeiten. Rund um eine evangelikale Gemeinde in Bremen eskaliert um die Homosexuellen-Frage ein Kulturkampf.

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin bei Cicero.

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Antje Hildebrandt

Ist das Kunst – oder ein Anschlag?“ Ratlos bleibt ein Tourist vor der St.-Martini-Kirche stehen. Es ist eine der ältesten Kirchen in Bremen, sie liegt wie ein Schiff mitten in der Stadt, am Ufer der Weser. Ihre Fassade wurde bespritzt. Sie leuchtet neuerdings in den Farben des Regenbogens blau, rosa, lila.

Es ist ein irritierender Anblick. Die St.-Martini-Gemeinde steht nicht in dem Ruf, ein Herz für Homosexuelle zu haben. Im Gegenteil. Ihr Pastor Olaf Latzel legt die Bibel so aus, wie sie schon vor Hunderten von Jahren ausgelegt worden sein könnte. Homosexualität, hat er mit Blick „auf die Verbrecher vom Christopher Street Day“ gesagt, sei eine Sünde, zumindest die offen ausgelebte, eine „Degenerationsform“, vergleichbar mit Sodomie. Derzeit darf er solche Äußerungen nicht mehr verbreiten. Das Amtsgericht Bremen hat ihn wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 8100 Euro verurteilt. Deshalb hat ihn die Bremische Evangelische Kirche (BEK) auch vorläufig vom Dienst suspendiert. Es gibt Menschen, die die bunten Flecken auf der Fassade mit einer gewissen Schadenfreude erfüllen. 

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Karl-Heinz Weiß | Mo, 10. Mai 2021 - 19:07

Bisher dachte ich beim Einfluss Evangelikaler eher an die USA mit entsprechend langer Tradition. Dass die sonst so
an den Rechten von Minderheiten interessierte EKD sehr hinhaltend taktiert: irgendwie doch nicht erstaunlich. Auch Kirchen sind überwiegend Glashäuser....

Markus Michaelis | Mo, 10. Mai 2021 - 19:27

wir leben in keiner theokratischen Gesellschaft, was die Bibel (in verschiedenen Interpretationen) sagt, ist für das geltende Recht irrelevant und Homosexualität ist gesellschaftlich breit akzeptiert - Diskussionen gehen noch darum in wieweit sie als möglicher Lebensentwurf mehr staatlich gefördert präsent sein sollte. So wie man in Kinderbüchern etc. das Bild einer Ehe mit Kindern positiv besetzt hat oder ähnliches.

Das letztere Beispiel zeigt aber schon, dass es jenseits des politischen Heute nicht ganz so einfach ist: es geht immer auch um Lebenformen, Ideale, die man Kindern mitgibt, und da wird es schnell bunt und sensibel. Würde man auch mit dem eisernen Besen durch muslimische Gemeinden gehen - da prallten zwei Maximen aufeinander? Darf man überhaupt Zweierbeziehungen als Rolemodell gesellschaftlich so stark aufwerten (egal ob hetero oder homo) - auch das sind Festlegungen, die andere Entwürfe abwerten/nicht fördern. Mehr Lust am freien Denken und Wählen fände ich gut.

Egal ob Pandemie oder andere Grenzen, wie auch Inhalte, egal wo. Deswegen sage ich als konventionsloser Christ & Humanist, hätte Gott gewollt & wäre es ihm mehr wie wichtig gewesen, jeder Eskimo oder Einsiedler in Sibirien oder auf einer einsamen Insel hätte Gottes Wort erfahren & es wäre, wie Gott gewollt. Nur wie immer legt die religiöse & weltliche Obrigkeit egal wo & wann Zahlen, Verfügungen, Zitate immer nach IHREN WÜNSCHEN UND VORSTELLUNGEN aus.
Nein, selbst zu tiefster DDR-Zeit gab es Schwule, denen man es an sah, dass sie auch Schwul sind. Und schon damals war meine Meinung, was können diese Geschöpfe Gottes dafür, wenn Gott das blaue mit dem roten Kabel verwechselt? Das wichtigste ist doch, das die Ehe sowie auch die Sexualität von LIEBE angefüllt ist & man diese schönste Sache der Welt nicht als "OLYMPIA" sieht. Nein, egal WAS - egal WO,

DIE EHRLICHE LIEBE OHNE MISSGUNST, GIER ODER FORDERUNGEN.

Die meisten Verwechseln Liebe mit einen Geldautomaten.
Die stecken etwas oben

Der Teil Freiheit scheint mir sehr in Ordnung. Probleme habe ich immer mit der Forderung nach Anerkennung von " anders " als " gleich ". Reproduktionsrechte, Elternrechte, Versorgungsrechte usw. usw. und auch das Recht auf klerikalen Segen in der Kirche, nicht als gläubige Einzelperson, was ich noch verstehen könnte, sondern ausdrücklich als Liebespaar. Ich habe in 55 Jahren Ehe noch nie das Bedürfnis gehabt, und würde auch nie den Anspruch/ die Forderung erheben, vor einer Gemeinde einen besonderen Segen zu erfahren.

Wolfgang Jäger | Mo, 10. Mai 2021 - 20:28

"Lässt sich der Rat der EKD von einer Minderheit tyrannisieren?"
Ich denke, man müsste sich mal darüber verständigen, welche Minderheit wen oder was tyrannisiert. Außerdem könnte sich ja in naher Zukunft eine Minderheit zur Mehrheit entwickeln, die das Problem der Homophobie aber völlig anders sieht. Und dann wären diese Diskussionen ein für alle Mal beendigt. Um welche Minderheit es sich handelt, müsste auch Frau Hildebrandt klar sein.

... auch schon offen zu Tat, siehe Dresden. Eine Tat aus Schwulenhaß. Ich begreife die LGBT-Community absolut nicht, die immer noch mit "Welcome"-Plakaten rumläuft..
Bei allem Protest finde ich es daneben, ein jahrhundertealtes, denkmalgeschütztes Gebäude mit Farbe zu beschmieren! Da fehlt mir jedes Verständnis!

Christa Wallau | Mo, 10. Mai 2021 - 20:50

Jedenfalls ist es weder die EKD noch eine andere
Institution, die m. E. für sich beanspruchen kann, sie allein sei genau das, was Christus (auf den sich alle berufen) mit "Kirche" gemeint hat.

Für mich ist Jesu "Kirche" die ideelle Gemeinschaft aller Menschen, die sich ehrlich bemühen, das zu glauben, was Jesus (laut NT) gepredigt hat, vor allem also das seelisch-geistige, EIGENTLICHE LEBEN nach dem Tode.
Fragen der Sexualität (Bitte, nicht mit LIEBE verwechseln!) sind dabei zweitrangig, allerdings nicht der Umgang damit, z. B. das Ausleben von Lust u. Begierde. Um der Liebe u. des Vorbilds für andere willen eigene Wünsche zurückzustellen (= Opfer bringen), das gehört für mich unbedingt zum christlichen Menschenbild.
Der Ordnungsrahmen, den das NT vorgibt, muß für Christen Leitbild sein und bleiben.
Nicht-Christen mögen ja gerne anders leben. Das ist u. bleibt ihnen doch unbenommen. Warum greifen sie also immer wieder Christen an, die ihre
traditionelle Lebensweise verteidigen?

Es scheint, der Mensch braucht Tröstliches, um mit der eigenen Existenz einigermassen klarzukommen. Und so flüchtet er sich in seine Religion, vielleicht in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Ende alles Irdischen. Und ist sogar bereit, die einzige sichere Existenz dafür einzuschränken.
Jeder nach seiner Facon, nur bitte im heimischen Stübchen. Das Christentum hat nicht aus Demut die Bevormundung des Individuums weitgehend aufgeben müssen. Es war die Aufklärung, die Religion als das entlarvte, was sie ist: ein persönliche Angelegenheit. Der man Gewicht gibt, oder auch nicht.

Allerdings ist unsere westliche Gesellschaft auch da, wo Kirche längst nichts mehr zu sagen hat, von christlichen Einflüssen geprägt. Darunter gibt es viele alte Hüte.

Mit dem Abstieg der Amtskirchen basteln sich Christen, oder solche, die sich dafür halten, lieber ihren eigenes Christentum. Mit zuweilen fragwürdigen Ergebnissen: Man bedenke, wie unbarmherzig angebliche Christen über Migranten urteilen!

Herr Lenz, Sie werden es nie verstehen wollen!!! Es gibt in D k e i n e n Anspruch
auf illegale Einwanderung!!!.Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen Asylberechtigten und Personen, die allein aus wirtschaftlicher Not nach D illegal einreisen.

... das gilt noch mehr im Umkehrschluß!
Man bedenke, wie unbarmherzig angebliche Migranten über Christen/Ungläubige urteilen! Und es bleibt nicht beim Urteilen/Denken, es wird auch mehr als genug gehandelt! >:-(

hätte mich auch gewundert wenn sie Herr Lenz auch zu diesem Thema ihre Sachkenntnisse nicht zum besten gegeben hätten.
Da ich nicht weiß - ob und welche Kontakte oder Berührungen sie mit ReligionsGEMEINSCHAFTEN haben-fällt es mir schwer ihren unqualifizierten Text zu bewerten.
Frage; was bezwecken sie mit ihren Zeilen die ich in der Regel überspringe??
Und doch;Ein Jeder darf seine Meinung kundtun.
Mittlerweile ist es aber für viele Leser einfach nur noch lächerlich was und wie sie ihre Doppei Moral aufsässig an den Mann oder an die Frau bringen wollen.
Meine Erkenntniss: mache es teilweise nun wie die Linken aber ohne zu diffamieren;
IGNORIEREN

... denn Herr Lenz macht klar, das die Unterwerfung der Kirchenführungen unter den grün-linken Zeitgeist der Kirche und den Christen im Lande gar nichts nützt.

Kern-Grüne wie Herr Lenz werden trotz aller Anbiederung, trotz aller "Seenotrettung" beim alten atheistischen-marxistischen Bekenntnis bleiben: Religion ist für grüne Fundamentalisten "Opium fürs Volk", ein "Trostpflästerchen", eine Ansammlung von alten Hüten - mehr nicht.

Und wenn solche Kern-Grünen wie Volker Beck gegen eine Kirchengemeinde aktiv werden, dann ist es - wie man in Bremen zu sehen bekommt - mit der "Toleranz", "Kultur" und "Aufklärung" vorbei, die die Kern-Grünen sonst so gerne im Munde führen. Man kann sehen, wie unbarmherzig, mit welchem Hass LGBTQIA+-Netzwerke über Andersdenkende urteilen - und sie tätlich angreifen. Der Hass tobt sich an einer sehr kleinen Minderheit aus, die für den herrschenden Zeitgeist und für die gesellschaftliche Macht des LGBTQIA+-Netzwerk keine wirkliche Gefahr darstellt.

Sehr geehrte Frau Wallau,
vielen Dank für Ihre Worte. Sie entsprechen genau dem, was Christen im Wort Gottes finden. Wer anderer Ansicht ist, dem sei dies unbenommen. Sich aber dann auf Christus zu beziehen, ist heuchlerisch. Dass unsere EKD sich häufig nicht daran hält, und gerne mit dem Zeitgeist paktiert lässt sich nun mal leider nicht ändern.

Es ist für mich schon etwas seltsam ,dass bei Jesus, der sich mit einer reinen Männergruppe umgibt, die er auch gerne als Geliebte bezeichnete, jegliche Art von homoerotischem Gedanken generell nicht aufkommt. Und zu Füßen eines sportlichen, muskulösen, halbnackten Mannes zu beten, als auch die diversen Kuschelszenen mit seinen geliebten Jüngern, deuten nun nicht darauf hin, dass es damals eine homophobe Gesellschaft war.
Also, was ist das Problem einer christliche, Kirch, bei der, einer der größten Götter kein Problem mit homosexuellen Neigungen hatte (und warum sollte er auch)?

Da kommt mir die Kirche wie der Fußball vor: auf dem Platz wird sich geherzt, geküsst und miteinander, aufeinander, untereinander bei jedem Tor rumgebalgt, bevor es nach Spielende gemeinsam zum Duschen geht. Aber es schafft dann tatsächlich kein Profi, sich zu outen, aus Angst vor Mobbing und weil der Fußball noch nicht "reif" für eine tolerante Gesellschaft ist.

Klaus Moser | Di, 11. Mai 2021 - 13:46

Frage mich schon länger warum Schwule und Lesben
einen kirchlichen Hochzeitssegen wollen.
Gründe?
Geht es ihnen um Glauben oder einfach nur um das
Event?
Leider lassen sich auch viele Paare kirchlich trauen ohne einen Bezug zur Kirche u. Glauben zu bekunden. Kenne zu viele Paare die kurze Zeit nach der Trauung der Kirche wieder den Rücken kehren.
Kirchenaustritte - zeitnah nach dem Event in u. vor der Kirche in Sektlaune- bestätigen meine Vermutung.
Kirche ist keine Spielwiese- und sollte den Menschen
die es mit dem Glauben ernst meinen - überlassen werden.
Möchte mit meinem Beitrag niemanden verletzen.
Und ..jeder soll nach seinem Glauben selig werden.

Frage mich auch schon länger, warum heterosexuelle Paare einen kirchlichen Hochzeitssegen wollen.
Und ich frage mich, warum Sie diese Frage nun ausgerechnet bei homosexuellen Paaren stellen? Gleiches Recht für alle, davon schon gehört?

ich glaube zudem, dass der Anteil der homosexuellen und heterosexuellen Paare, die es mit dem "Glauben ernst meinen" ziemlich identisch ist.
Zudem verwechseln sie kurz Glaube mit Kirch(gang). Es gibt genug homosexuelle und heterosexuelle Menschen, die gläubig im christlichen Sinne sind und trotzdem ungern in einer Gruppe in der Kirche beten, bei einer Hochzeit dies aber gerne machen würden. So what?

Oder ist nun eine kirchliche Hochzeit etwas, für das man ein Bonusheftchen braucht, in dem abgestempelt wird, wie häufig man vorher in der Kirche war? Und homosexuelle Paare bekommen so ein Bonusheftchen nicht mal.

Bernd Muhlack | Di, 11. Mai 2021 - 17:46

"Äh, wer ist Jesus?
Ey, REAL! - Jetzt JUVE?"
"Nee, das war Ronaldo."

Ich wurde christlich erzogen, bin darob sehr bibelfest.
Nein, geschadet hat das nicht, im Gegenteil!
Mit etwa 13/14j wurde mir das zu jedoch "blöde"; was soll das?

Ich zahle keine KirchSt u besuche selbst an Ostern/Weihnachten keine Gottesdienste.
Immerhin bin jährlich beim Tag der "Offenen Moschee" dabei, why not?
Wieso aber zeitgleich am "Tag der Deutschen Einheit"?

"Gebt dem Kaiser was des Kaisers und gebt Gott was Gottes ist!"
... soll Jesus (INRI) gesagt haben.
Das ist ne Weile her, nicht wahr?

Christenverfolgung - dann Staatskirche:
"in diesem Zeichen wirst du siegen!"
312 n. Chr. - Konstantin
Schisma, Doppel-/Mehrfach-Päpste - etc.
Nein, ich bin kein Experte des KirchenR.

Nein, damals keine kirchliche Trauung.
Tochtern ist weder getauft noch konfirmiert, kommuniziert(?)
WOZU?

War Jesus schwul?
Ein "Segen" für Homo-Ehen" seitens rk/ev?
Warum, qui bono?

Es gibt mMn immer mehr sinnfreie Debatten!

Karla Vetter | Di, 11. Mai 2021 - 20:08

auf Gottes Segen, wenn er das möchte. Darum geht es aber den Homo-Hochzeitern gar nicht. Sie möchten den Segen, die kirchliche Legitimation, ihrer Beziehung. Das kann die Kirche wenn sie glaubwürdig bleiben will, nicht leisten. Auch für meine( evangelische)Kirche gilt die Bibel. Das homosexuelles Verhalten Gott ein Greul ist, steht nun mal bei Moses. Paulus hat das Übrige, angesichts römischer Dekadenz, dazu gesagt. Deswegen muss man von Seiten der Kirchen Schwule und Lesben nicht beleidigen oder gar verfolgen. Aber Klartext über das was die Bibel dazu sagt, darf schon sein. Jeder muss sein Verhalten mit seinem Gewissen vereinbaren können. Ansonsten bleibt Christen: Helfen wenn gewünscht und barmherzig sein wie unser Vater barmherzig ist.