Corona und die Sparkassen - „Das nimmt uns zunehmend die Luft zum Atmen“

In der Pandemie horten Menschen so viel Geld wie nie auf ihren Girokonten. Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis erläutert, warum das in der Welt der Niedrig-, Null- und Negativzinsen für beide Seiten zum Problem wird und welche alternativen Anlegeformen er Kunden stattdessen empfiehlt.

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Während der Coronapandemie haben die Deutschen fleißig gespart / dpa

Autoreninfo

Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online und bei der Stiftung Warentest. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Helmut Schleweis ist seit 2018 der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) und Vizepräsident des Weltinstituts der Sparkassen (WSBI). Der gebürtige Heidelberger ist außerdem Mitglied des Verwaltungsrats der Bankengruppe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der weltweit größten nationalen Förderbank.

Herr Schleweis, im März haben Sie die Jahresbilanz der Sparkassen vorgelegt. Wie läuft es nach einem Jahr mit Corona

Helmut Schleweis: Eine Pandemie, die uns alle mittlerweile seit über einem Jahr beschäftigt, hatte wohl kaum jemand so in seinen Planungen für das Geschäftsjahr 2020. Für uns war früh klar: Jetzt geht es darum, was das mit unseren Kunden macht – mit den gewerblichen wie mit den privaten, wie können wir helfen? Alles andere musste zurückstehen.

Die Sichteinlagen sind massiv gestiegen. Haben Sie jemals erlebt, dass Ihre Kunden so viel Geld auf Girokonten gehortet haben? 

Nein, das ist ein Rekordwert, den wir historisch in dieser Größenordnung noch nie gesehen haben. Unsere Kundinnen und Kunden haben uns neue Einlagen in Höhe von 79,1 Milliarden Euro zur Verwahrung anvertraut, 7,9 Prozent mehr als 2019. Das liegt in hohem Maße daran, dass sie wegen des Lockdowns viele Ausgaben, wie Urlaub, schlicht nicht tätigen konnten. Wir freuen uns über dieses Vertrauen, ich habe es als eine „liebevolle Umarmung“ bezeichnet. Aber in einer Welt der Niedrig-, Null- und Negativzinsen ist das für beide Seiten ein Problem.

Wie sieht diese Lose-lose-Situation aus? 

Die Kunden haben reale Wertverluste über den Kaufkraftverlust durch Inflation, die derzeit ja wieder steigt. Wir Sparkassen haben natürlich unsere grundsätzlichen Kosten. Hinzu kommt, dass wir auf jeden Euro, der frisch reinkommt, draufzahlen – für die Absicherung, mit der Bankenabgabe und nicht zuletzt bei negativen Zinsen am Markt oder bei der EZB. Darum nehmen uns die steigenden Einlagen zunehmend die Luft zum Atmen. Es ist für uns immer mehr eine echte Herausforderung, mit diesen Einlagen betriebswirtschaftlich sinnvoll und stabilisierend für alle umzugehen.

Und was rät der Sparkassen-Präsident seinen Kunden, mit dem Geld auf den Girokonten zu machen, statt es weiter zu horten? 

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helmut armbruster | Mo, 5. April 2021 - 13:21

Cicero hat erst vor wenigen Tagen einen Artikel gebracht, in welchem angedeutet wurde, dass ein Schuldenschnitt nicht mehr auszuschließen ist.
Bei einem Schuldenschnitt müssen auch die Sichteinlagen den Schnitt mitmachen und z.Zt. sind diese so hoch wie noch nie.
Ein Schelm, wer jetzt etwa denkt, dass Corona+Rekordsichteinlagen+Schuldenschnitt etwas mit einander zu tun haben könnten.

Stefan Sopp | Mo, 5. April 2021 - 13:48

Was ist das denn? Ein in ein Interview gekleidete Sparkassenwerbung? Oder hat der S-Chef nur die Gelegenheit dazu ergriffen, mal loszuwerden, wie toll die Sparkassenwelt in der Not zur Seite steht? Verbunden mit dem obligatorisch erhobenen Zeigefinger, dass Deutschland und seine Verwaltung besser werden muss. Und natürlich müssen auch noch der EZB im Vorüberschwadronieren die Leviten gelesen werden. Bla Bla Bla.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 5. April 2021 - 13:49

Mir wäre daran gelegen, dass deren "gemeinnütziger" Auftrag, Unternehmen und Start-ups in der Region zu unterstützen, gelingt und weiter ausgebaut wird.
Ich möchte in einer starken und produktiven Region leben.
Da wäre es schön, wenn die Sparkassen einen "Sparkassenfonds" auflegen würden, der sich diesem Ziel widmet.
Das gibt es im Ansatz, wenn man einen Anteil für 10 Euro kauft, 8 Euro spart und 2 Euro spendet.
Ich würde gerne in diese innovative Kraft der Sparkassen investieren, nicht sparen.
Gehts an die Börse oder legt diesen Fonds auf, der nicht risikolos sein muss, sprich Rendite nur, wenn die Sparkassen auch etwas zu verteilen haben.
Okay, wahrscheinlich muss ich mich doch erst etwas mehr mit Sparkassen beschäftigen, bevor ich darüber schreibe.
Man glaube mir aber bitte meine Begeisterung für unsere Sparkassen und meine Zufriedenheit mit geringer Rendite, Hauptsache ich lebe in "blühenden Landschaften".
Frohe Ostern

Bernd Muhlack | Mo, 5. April 2021 - 16:00

"Nach allem, was wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, habe ich mich daran gewöhnt, gar nichts mehr auszuschließen. Der Umgang mit der Staatsverschuldung ist eine Debatte wert. Allerdings müssen Staatsschulden ja nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt in Gänze zurückgezahlt sein, denn Staaten sind ja nicht auf Endlichkeit angelegt. Für sie geht es in der Regel immer irgendwie weiter."

Es klingelt am Tor der Wilhelmstraße 97 in Berlin; der Gerichtsvollzieher X.
"Guten Tag, ich bin GV X und habe einen Vollstreckungsbescheid; darf ich reinkommen?"
"Gerne!"
Der Hausherr empfängt ihn mit seinem gewohnten schlumpfigen Grinsen.
Nach einem Käffchen verabschiedet sich GV X unverrichteter Dinge.

Mir sind etliche Kleinunternehmer bekannt, die "dicht" machen mussten, jetzt Grundsicherung erhalten.
"Selbst schuld!" - Nö, im Gegenteil!
Beratung auf PKH-Niveau, gar pro bono!
Bitte - Danke - Gerne

=> "Alles läuft nach Plan!"

um Muttern, 86, zu zitieren:
"Wat bin ich fruh, dat ich so alt bin!

Ernst-Günther Konrad | Di, 6. April 2021 - 09:02

Ich war von 1974 bis 2012 Kunde der örtlichen Sparkasse. Ich ging dort hin, weil meine Schwester dort damals arbeitete. Von anfänglichem Kundenfang mittels kleiner Präsente und anderen Lockmitteln, verließ ich die Bank 2012 erbost, weil dort inzwischen alles Geld kostete, was mit Gebühren beim "Normalo" offen oder verdeckt einzuziehen möglich war, von der Kontoführung bis zur Überweisung, Abhebungsgebühren usw.
Kaum noch persönlicher Kontakt möglich und keine persönliche Betreuung mehr. Erst als ich zur Unterschriftenleistung zur Aufhebung aller Bankengeschäfte dort persönlich erschien, fiel einem noch älteren Bankangestellten auf, dass sie hier wieder einen ihrer "Altkunden" verloren und der fragte trotz mehrfachen Briefverkehr vorher, erstmals nach den Gründen. Da war es zu spät.
Bei meiner neuen Bank zahlte ich erst ab letztes Jahr erstmals einen geringen Betrag für die Bankleistungen. Sparkasse - nie wieder.