Debattenkultur - Der politische Streit als Wellness-Veranstaltung

Ob im Alltag oder in der großen Politik: Die „Debatte“ ist überall. Unsere Kolumnistin Sophie Dannenberg schreibt über den Streit und warum er mittlerweile zu einer Wellness-Veranstaltung geworden ist.

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Was ist eigentlich ein politischer Streit? / dpa

Autoreninfo

Sophie Dannenberg, geboren 1971, ist Schriftstellerin und lebt in Berlin. Ihr Debütroman „Das bleiche Herz der Revolution“ setzt sich kritisch mit den 68ern auseinander. Zuletzt erschien ihr Buch „Teufelsberg“

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Nach Feierabend auf dem Spielplatz. Die Kinder tobten, die Eltern vom nahen Kinderladen unterhielten sich. „Wir finden das auch nicht gut, was in der Türkei passiert“, hörte ich eine junge türkische Mutter sagen. „Aber manche aus meiner Familie sind halt für Erdogan. Darum spreche ich mit denen nicht über Politik.“ 

Ein deutsches Elternpaar, nicht mehr ganz so jung, war irritiert. „Wenn die für Erdogan sind, musst du doch mit denen reden!“, warf die deutsche Frau ein. „Nee, wieso?“, sagte die türkische Frau, „es gibt dann nur Streit, bringt doch nichts.“ „Aber wir streiten den ganzen Tag über Politik!“, rief der deutsche Mann, „also nicht nur als Paar, sondern auch im Beruf!“ „Obwohl wir ja alle im gleichen politischen Lager sind“, ergänzte die deutsche Frau.

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Walter Bühler | Do, 25. März 2021 - 18:10

Ja, so ist Berlin. Doppelstaatler wählen in Berlin grün oder links, aber in der Türkei Erdogan. Und die Biodeutschen können Demokratie und Toleranz predigen, um sie einer großen Zahl von Menschen von vorneherein besser absprechen zu können.
Det is Berlin.

Annette Seliger | Do, 25. März 2021 - 20:01

und dazu ein Bild von "Hart aber Fair".

Ich bitte Sie, "Hart aber Fair" hat doch mit einer Debatte nichts zu tun!
Der Herr Plasberg hat das Drehbuch, er bestimmt die Schauspieler und wenn einer einmal seinen Text vergisst, dann kommt der richtige Einspieler zur richtigen Zeit, versehen mit einer rhetorischen Frage, und weiter geht geht die Schmierenkomödie.
Jeden Montag das gleiche Stück, das aufgeführt wird und Dank dem immerwährenden Fluss an Zwangseinnahmen für den "Talkshow" Betrieb im Auftrag der Regierung, spielt die Quote keine Rolle mehr. Ich muss immer lachen wenn ich mir die Quoten anschaue. "Wetter im Ersten" hat regelmäßig eine höhere Einschaltquote als Plasberg.
Das sollte zu denken geben!