Großbritannien nach dem EU-Austritt - Prinzip der fünf Augen

Mit dem Austritt der Briten aus der Europäischen Union stellt sich die Frage: Wo verorten sie sich künftig als souveräne Nation. Es spricht einiges dafür, dass es zu einem Bündnis mit den USA, Australien, Kanada und Neuseeland kommt. Denn man kooperiert schon jetzt auf geheimdienstlicher Ebene.

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Wer braucht schon die EU, wenn man die „Five Eyes“ hat? / dpa

Autoreninfo

George Friedman ist einer der bekanntesten geopolitischen Analysten in den Vereinigten Staaten. Der 71 Jahre alte Politologe leitet die von ihm gegründete  Denkfabrik Geopolitical Futures und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Flashpoints – Pulverfass Europa“ im Plassen-Verlag.

So erreichen Sie George Friedman:

Am 1. Januar hat Großbritannien den Prozess des Austritts aus der Europäischen Union abgeschlossen. Die EU hat allen versichert, dass schlimme Folgen auf die Briten zukommen werden. Sicherlich wird es wirtschaftliche Konsequenzen für Großbritannien geben, aber es ist schwer vorstellbar, dass der Austritt der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas nicht auch erhebliche Konsequenzen für des Rest Europas haben wird. Zumindest erschüttert der Vollzug des britischen Austritts einen Mythos über die Europäische Union.

Der Name „Europäische Union“ war nämlich zum Synonym für „Europa“ geworden. Diese Gleichsetzung war nie korrekt, weil es europäische Nationen gibt, die nicht Mitglied in der EU sind und auch kein Interesse daran haben, es zu werden – etwa die Schweiz oder Norwegen. Aber ohne Großbritannien ist das Gefühl, dass die EU für Europa spricht, jetzt tatsächlich verschwunden.

Ein „anderes Europa“

Großbritannien ist ein grundlegender Teil Europas, einer der Befreier Europas im Zweiten Weltkrieg und, beginnend mit der römischen Invasion Englands, Europas gelegentlicher Feind und Retter. Großbritannien war eine prägende Kraft in Europa, und nun hat es die Europäische Union verlassen. Das wird den verbleibenden Block in vielerlei Hinsicht herausfordern, denn jetzt gibt es ein „anderes Europa“, nämlich Großbritannien.

Seit dem Referendum gab es zwei große Themen. Das erste war, ob die britischen Brexit-Gegner das Ergebnis des Referendums rückgängig machen könnten. Das zweite war, ob die EU das könnte, ohne gegenüber dem Rest der Europäischen Union übermäßig versöhnlich zu erscheinen. Zeitweise schienen diese beiden Kräfte zusammenzuarbeiten, um den Brexit zu blockieren. Am Ende scheiterten sie, obwohl Brüssel wahrscheinlich weiterhin versuchen wird, die Daumenschrauben anzuziehen – bis die Briten irgendwann lieber Lexus statt Mercedes kaufen. An diesem Punkt wird die zentrale Macht Europas, Deutschland, den Strafmaßnahmen ein Ende setzen, und die EU wird weiterziehen.

Das eigentliche Problem ist nun, dass Großbritannien seinen Platz in der Welt definieren muss. Das ist eine seltsame Aufgabe, denn im Moment gibt es in Europa wenig Krieg, und militärisch ist von den europäischen Mächten wenig zu befürchten. Es ist eine merkwürdige Situation. Zwischen 1945 und 1991 war Großbritannien mit der sowjetischen Bedrohung konfrontiert. Von 1914 bis 1945 war Großbritannien mit der deutschen Bedrohung konfrontiert, mit einem Waffenstillstand dazwischen. Jetzt ist die Bedrohung, die es gibt, weit weg und eher theoretischer Natur.

Wichtiger Nato-Partner

Großbritannien ist nach wie vor Mitglied der Nato, die nicht wirklich eine europäische Einheit ist, auch wenn die meisten ihrer Mitglieder Europäer sind. Die Vereinigten Staaten stellen das militärische Rückgrat der Nato, und Großbritannien ist eine der wenigen europäischen Bündnisnationen, die über eine signifikante militärische Kraft mit globaler Reichweite verfügen.

Die USA waren im Ersten und Zweiten Weltkrieg, im Kalten Krieg, in der Operation „Desert Storm“, im Irak und in Afghanistan mit Großbritannien verbündet. Einige dieser Kriege mögen nicht klug gewesen sein, aber sie zementierten die Beziehungen zwischen den Militärs. Für die kontinentaleuropäischen Länder, die von den Weltkriegen zerrüttet und vom Kalten Krieg verängstigt waren, geht es in erster Linie um die Wirtschaft und die Vermeidung von Konflikten. Großbritannien liegt auf der anderen Seite des Ärmelkanals und sieht sich einer Region gegenüber, die es historisch in Konflikte hineingezogen hat, aber ein Jahrtausend lang nicht in Großbritannien einmarschiert ist. 

Großbritanniens Geschichte ist geprägt von der Notwendigkeit, in Europa aufgrund seiner Zersplitterung zu intervenieren. Was für Europa unvorstellbar ist, ist für Großbritannien eine historische Realität.

Das Problem Großbritanniens ist, dass es die Entwicklung Europas nicht allein kontrollieren kann. Im Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten Großbritannien seines Imperiums beraubt und sowohl seine Macht als auch seine Reichweite eingeschränkt. Die Briten ärgerten sich über die US-Nachkriegspolitik, aber sie lernten damit zu leben – denn Großbritannien ist ein Meister darin, mit dem Unvermeidlichen klar zu kommen. Also verbündete es sich mit den Vereinigten Staaten, und im Großen und Ganzen funktionierte das gut.

Waffenbrüder Amerikas

Während des Falkland-Krieges waren es US-Satellitenbilder, die Großbritannien einen schnellen Sieg ermöglichten. In den zurückliegenden Kriegen kämpften die Amerikaner und die Briten mit einer Leichtigkeit zusammen, wie es sie nie mit anderen Ländern gegeben hatte. Von militärischen bis hin zu geheimdienstlichen Operationen waren die beiden Länder so eng aufeinander abgestimmt, wie es sich nur souveräne Nationen erlauben können. Unabhängig davon, wie halsstarrig die USA gegenüber dem Empire waren, kämpften die beiden Länder ein Jahrhundert lang gemeinsam gegen die Deutschen und trotz Reibereien mit den Franzosen oder anderen Verbündeten. Kürzlich schickten die Briten einen Flugzeugträger zur Unterstützung der US-Operationen in den Westpazifik.

Die Allianz der Briten und Amerikaner geht aber noch tiefer. Gemeinsam sind sie Teil der „Five Eyes“, einer Gruppierung von fünf Staaten (die anderen sind Australien, Kanada und Neuseeland), die sich dem Austausch von Geheimdienstinformationen verpflichtet haben. Militärische Zusammenarbeit ist wertvoll, aber nicht außergewöhnlich. Die Bereitschaft dieser fünf Länder hingegen, einander Einblick in die gesammelten Geheimdienstinformationen zu gewähren, ist außergewöhnlich. Sie folgt auch der militärischen Zusammenarbeit. Die Kanadier wechseln sich mit den Amerikanern bei der Führung des North American Aerospace Defense Command ab. Die Australier operieren in der gleichen Region wie China. Die Neuseeländer tauschen (mit minimalen Kräften und weitaus mehr Vorsicht) Geheimdienstinformationen aus. Aber alle diese fünf Länder haben in den Weltkriegen und anderen Konflikten gekämpft.

Die „Five Eyes“

Wenn man die Frage stellt, wo sich Großbritannien verortet, ergeben sich folgende Antworten. Erstens: Handel ist wichtig, aber die nordamerikanischen Märkte sind genauso groß wie die EU. Zweitens ist Kontinentaleuropa höchst unberechenbar und häufig unbeständig, während Großbritanniens Präsenz in der Nato es in Europa an der Seite der Vereinigten Staaten und damit bedeutend hält. Und schließlich fokussieren sich die „Five Eyes“-Länder auf etwas, das oft wichtiger ist als alles andere: Krieg und seine Verhinderung durch Geheimdienstinformationen.

Die Probleme mit Irland, Schottland und Wales werden sich wahrscheinlich in Grenzen halten. Großbritannien ist nicht mehr der Herrscher über ein globales Imperium. Es ist nicht mehr in der EU und muss sich folglich mit anderen zusammenschließen. Die „Five Eyes“ als geheimdienstliche und militärische Allianz ist bereits existent und muss nicht verhandelt werden. Das Bündnis ist so locker, dass niemand verpflichtet ist, mehr zu tun als Informationen auszutauschen. Diese fünf Nationen können eine Kraft sein, mit der man rechnen muss, ebenso wie ein Markt, der bereits geteilt und bereitwillig geöffnet wird. Und jedes Land hat ein Interesse daran.

Man darf nie zu enthusiastisch sein. Reibung liegt in der Natur der Sache. Aber diese Allianz besteht bereits, und sie auf die Wirtschaft auszudehnen (mit vielen bereits bestehenden Freihandelsabkommen) ist der logische nächste Schritt.
 

helmut armbruster | Sa, 9. Januar 2021 - 16:59

der Austritt Englands aus der EU hat bei mir die Frage aufgeworfen, ob wir dasselbe auch tun könnten.
Die Antwort war ein glattes Nein.
Wir konnten nicht wie andere per Plebiszit abstimmen ob wir in die EU eintreten wollen oder nicht, wir wurden eingetreten am Volk vorbei, und konsequenterweise ist auch kein Plebiszit möglich über den Austritt.
Dasselbe Procedere gilt für den Euro.
Die EU selbst kennt keine Austrittsregeln. Austritte sind nicht vorgesehen.
Wir sind daher gefangen in der EU und im Euro und wir kommen da erst wieder raus, wenn die Sache kollabiert.
Wie anders England. Es kommt zu einem Plebiszit und Austrittsverhandlungen beginnen. Denn ein Plebiszit kann auch Brüssel nicht einfach ignorieren.
Ich wollte wir wären so frei wie England und nicht eingebunden in Dutzende von (Zahlungs-)Verplichtungen aller Art.

...und kommen da erst wieder raus, wenn die Sache kollabiert."

Lieber Herr Armbruster, das müßte nicht zwangsläufig so sein. Wir deutschen Bürger sind nur deshalb nicht so frei wie die Engländer, weil wir es in der Mehrheit offenbar nicht sein w o l l e n.
Seit 2013 gibt es eine Partei, welche die Rückeroberung unserer Souveränität u. damit der Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben hat, aber was passiert?
Die meisten Deutschen wählen sie nicht!
Stattdessen bestätigen sie eine Regierung im Amt, die 2020 - ohne daß ein Gegenwind sich erhoben hätte - die gemeinsame Schuldenhaftung in der EU anerkennt u. damit alle Bundesbürger dazu v e r p f l i c h t e t, für die Schulden von Italienern, Griechen, Franzosen etc. gerade zu stehen. Das muß man sich mal plastisch vor Augen führen! Deutsche gehen ca. 7 Jahre später in Rente als Franzosen o. Griechen, stehen aber 1:1 für deren Staatsschulden gerade.
Anscheinend sind wir ein Volk von Masochisten. Anders kann ich es mir nicht erklären.

sollten Sie mit dieser Aussage Recht haben, Frau Wallau, dann wären die Deutschen ein dummes Volk, das nichts besseres verdient als Unfreiheit.
Wenn man bedenkt wie vielen falschen Fahnen, die in die Katastrophe geführt haben, die Deutschen schon hinter gelaufen sind, dann könnte man fast meinen sie wären ein dummes Volk.

Mal wieder plumpe Wahlwerbung für die AfD.
Wer die nicht wählt - das waren bekanntlich 87,4 % der Wähler, Tendenz gegenwärtig
steigend - bekommt die übliche verbale Abreibung gleich dazu. Und selbstverständlich sind im AfD-Universum die Deutschen nur der ewige Zahlmeister, während die Anderen auf unsere Kosten frühzeitig in Rente gehen! Die üblichen nationalistischen Halb- und Unwahrheiten, das übliche Zeugs.
Ob es den "freien" Briten jetzt besser geht, darf bezweifelt werden. Die Lösung von der EU, begleitet von nationalem Pathos, füllt noch keine Teller.
Ansonsten gilt: Nur Leichtgläubige und glühende Nationalisten können wohl nicht verstehen, dass nur ein auch politisch integriertes Europa mit Staaten wie Russland, China oder den USA mithalten kann!

Die Leichtgläubigkeit, die träumerischer Vorstellung auf eine politische Union, wird allein schon dadurch konterkariert daß nur ein Teil der EU-Mitglieder auch im Euroverbund sind.
Als die Bundesrepublik in die EU, wie sie in der jetzigen Form existiert, geführt wurde gab es die AfD noch nicht! Aber offensichtlich ist sie mit ihrer Haltung auf Linie mit jenen EU-Mitgliedern die andere Vorstellungen haben als unsere seit langen Regierenden.
Insofern sind Ihre verengten Beiträge auch immer gegen andere europäische und EU-Staaten gerichtet.
Ihr EU-Großmachttraum ist schon merkwürdig, die EWG/EG hat sich bestens halten können.

... Großbritannien wieder in die EU zu lotsen. (Br-entrance?) Wann beginnen Ihre Beitrittsverhandlungen mit Norwegen und der Schweiz?

Scherz beiseite, Stabilitätsverhandlungen mit Ungarn und Polen, mit Frankreich und Italien sind noch dringender, auch wenn glühende rot-grüne Nationalisten das nicht verstehen wollen und lieber noch mehr Staaten hinausekeln wollen.

wieder mal ein K. der so hier gar nicht mehr erscheinen dürfte lt. CICERO-Netiquette!
Geschenkt.
Wenn sie schon von "glühende Nationalisten" sprechen, dann haben sie ja drei Musterbeispiele par excellence aufgeführt: Russland, China ,USA!
Und womit soll denn Europa mit diesen Staaten mithalten? Etwa in ihrem Nationalstolz?, mit ihren mustergültigen Demokratieverständnis (Russland, China)?
oder als "Weltpolizei" (USA)?
Europa werden nie die "Vereinigten Staaten" (von Europa) werden und sollen sie auch nicht-die Vielfallt soll bestehen bleiben.
Kulturell, Sprachlich und Historisch kann man nicht Europa mit den USA gleichsetzen, schon gar nicht mit R. oder C.
Zu Wahlen...Auch haben 23,8 % überhaupt nicht gewählt ("größte Opposition"), und NUR 28,8 % haben andere Parteien (FDP,Linke,Grüne) als die jetzige Koalition gewählt und 5% sonstige.
Alles Relativ

Nicht sofort, aber die Neudefinition des Staatenbundes, und die Abwendung von der irren Idee des Bundesstaates, ist möglich. Es ist denkbar, dass eine Neuordnung über den Euro erfolgen kann und muss, weil die Währungsunion in ihrer derzeitigen Konstruktion und Realität nicht lebensfähig bleiben kann. Über das Geld wird auch breiten Bevölkerungsschichten klar werden, dass für EU-27/Euro keine repräsentative, parlamentarische Demokratie, kein Rechtsstaat und kein Sozialstaat möglich sind.

Walter Bühler | Sa, 9. Januar 2021 - 17:04

Die Frage ist, ob unsere deutschen Schönwetter-Politiker die Notwendigkeit erkennen können, dass die Rest-EU nicht weiterhin irgendwelchen Fata Morganas nachjagen darf, sondern sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und überhaupt auf das Machbare in der EU konzentrieren muss. Geschieht das nicht, ist der weitere Zerfall programmiert.

Es wäre auch zu wünschen, dass in der deutschen Gesellschaft, besonders in den Medien, die Einsicht zunimmt, dass es dringend neuer wirtschaftlicher Impulse bedarf, wenn sich die Zukunft nicht sehr schnell verdüstern soll.

Die EU sollte nicht vergessen, die Verkehrsanbindung der Republik Irland in der neuen Situation schnell zu verbessern.

Am schlimmsten wäre es, wenn so weitergewurstelt wird wie bisher.

Christoph Kuhlmann | Sa, 9. Januar 2021 - 18:33

Aber wer will schon Amerikas Pudel sein wenn die USA sagen, spring übers Stöckchen und sich in sinnlose, ja schädliche Kriege verwickeln lassen, die den gesamten nahen und Mittleren Osten destabilisiert haben. Iran wäre nie so mächtig geworden ohne den Irakkrieg von Bush jr. und nun steht der Krieg mit Iran vor der Tür
. Von den verheerenden Folgen des Libyenkrieges ganz zu schweigen. Auch mit der Militärmacht wird es bei dem Handelsbilanzdefizit und der Staatsverschuldung nicht weit her sein. Jedenfalls ist mir noch nicht zu Ohren gekommen, dass UNICEF bei der Ernährung der Unterschicht-Kinder in der EU behilflich ist. Die Frage ob aus Großbritannien Britannien wird ist auch noch nicht geklärt. Wir werden sehen.

Wenn Zeitgenossen wie Sie irgendwann realisieren würde, dass in Kerneuropa ungebräuchliche Wendungen wie "Amerikas Pudel" so gut wie eine politische Absenderadresse sind, wären Sie mit Ihrer versuchten Stimmungsmache gegen die USA und den angelsächsisch geprägten Teil von Europa und der Welt möglicherweise ein klein wenig erfolgreicher. Im Übrigen würde aus "Großbritannien", wenn schon, kaum "Britannien", dagegen dürfte namentlich Frankreich mit der Bretagne etwas einzuwenden haben :)

Bernd Muhlack | Sa, 9. Januar 2021 - 18:42

Man sollte die israelischen Geheimdienste nicht vergessen: sie sind wohl Top of the List!
Auch der BND profitiert von ihnen.

EU - Europa ist nicht dasselbe, kongruent.
Genau meine Rede!
Die EU ist mMn das System Brüssel, welches sich sinnfreier Weise gar zwei Parlamentssitze gönnt.

Wenn eine Frau Dr. vdL oder zuvor Herr Juncker etwas verlautbaren, fühle ich mich selten angesprochen, schon gar nicht gefragt, involviert. Sie leben in ihrer eigenen Welt, halten sich nicht einmal an die EU-Verträge.
Unsere Kanzlerin ist bei diesem bunten Reigen stets rautierend dabei, immer das Portemonnaie griffbereit. Man trägt ja die Erbsünde und muss folglich unendlich Ablass leisten.

Qua Corona regt man sich just ob unseres Förderalismus auf und will gleichzeitig EIN Europa?
Das ist grenzdebil, sorry!

UK wird nicht untergehen und sei es letztlich nur noch England. UK ist multi-kulti, wie auch FRA.
Davon träumen doch hier so viele, oder?

Warten WIR es ab ...

... und SCHALKE hat gewonnen!✌👍

Ernst-Günther Konrad | So, 10. Januar 2021 - 09:45

Es gibt gemeinsame Interessen und je nach Interessenlage und Intensität der gemeinsamen Zielsetzung auch enge Zusammenarbeit.
Die nur einseitige Darstellung möglicher signifikanter Nachteile durch den Brexit für GB durch gerade auch deutsche Medien soll darüber hinweg täuschen, dass auch die Rest EU durch den Austritt erhebliche Probleme hat und weiter bekommen wird. GB wird einen schleichenden Abnabelungsprozess in allen wirtschaftlichen Bereichen einleiten und sich ganz souverän nur da mit der EU abgeben, wo es für sie noch keine anderen Lösungen gibt. Es ist keine Reform in der EU in Sicht, ein "back to the roots" wäre wünschenswert, ist aber nicht gewollt. Solange die Geldhähne der Geberländer, insbesondere des Haupthahnes DE geschmiert und offen bleiben, machen die so weiter. Die leben in einer eigenen Welt in Brüssel und Straßburg. GB wird sich befreien und selbst Brexit Gegner werden mit der Zeit, wenn alles wieder läuft, wenn auch anders, ihre wieder gewonnene Freiheit lieben.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 10. Januar 2021 - 11:56

eine jugendliche Prägung, aber da mag noch mehr sein.
Jedenfalls eine brillante Analyse von Ihnen, Herr Friedman.
Wenn ihr Name aussagekräftig ist, würden Sie souverän UND friedliebend sein.
Ich schätze eigenständiges und zu Teilen offenes Denken.
Ich halte Johnson, nach anfänglichem Widerwillen - Zurückhaltung ist nicht sein zweiter Nachname -, für einen ausgesprochenen Multitasker, sicher nicht nur politisch.
Die USA brauchen Länder, aus denen ihre Träume stammen, da wäre neben israel vor allem England.
Kanada bedeutet aber auch Schutz vor den USA, sie sind zudem im Commonwealth.
Europa/NATO dürfte den Schutz vor Russland geben, wie Sie selbst sagen und Neuseeland und Australien schützen vor China.
Kurz, England ist auf dem Weg, als Weltmacht in diversen Bündnissen auf die Weltbühne zurückzukehren.
Die EU hätte man so durchlässig gestalten müssen, dass dies zusammengepasst hätte.
Polen wird mit Balten, Skandinaviern, bestens friedlich mit Prussen und Visegrad sehr stark werden->multi

Tomas Poth | So, 10. Januar 2021 - 17:41

Tja, unsere Freunde von der Insel, Insel der Seeligen, scheinen sich wieder stärker auf ihre alte Politik, Commonwealth und besonderes Verhältnis zu den USA, besinnen zu wollen? Ein Rückschritt hin zur besonderen Rolle als Vermittler zwischen Neuer Welt und Kontinentaleuropa, so wie sie sich immer gesehen haben, trotz EWG-Beitritt in den 70zigern!
Deutschland vor allen, muß seine Verteidigungsfähigkeit neu denken, nicht gegen Europa, sondern mit allen Staaten Europas im Einvernehmen, vielleicht sogar als Garantiemacht zusammen mit Frankreich für dieses Europa, um die USA ablösen?
Warum nicht, wir dürfen nicht feige sein, die eigene Stärke scheuen, wir könnten das.
Aber dazu müssen wir erst mal das alte Denken der letzten Jahrzehnte überwinden. Die Welt ordnet sich immer wieder neu, da dürfen wir nicht falsche Hemmungen haben.

Ingo frank | So, 10. Januar 2021 - 20:56

Das ist doch nicht die Frage mit wem auf welcher Ebene die Briten zusammenarbeiten.
Viel interessanter ist zumindest für mich ist, ob der vielfach (gerade von den deutschen Medien) vorausgesagter Niedergang Englands eintrifft oder nicht. Sollte der britische Weg eine Erfolgsgeschichte werden, was würde aus dem Rest der EU? Und, wie es am Ende ausgeht ist meiner Meinung nach noch völlig offen.
Da die EU sich immer mehr zu einem bürokratischen Monster aufbläht und erforderliche
Reformen nicht in Sicht sind stehen die Chancen für eine englischen Erfolg doch nicht schlecht.

Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

positiver sehen als verfasste Strukturen.
Brüssel als Ort politischer Handstreiche lehne ich ab.
Ebenso jeden unnötigen und nicht gemeinsam entwickelten Zentralismus.
Die EU hat aber einen unschätzbaren Vorteil, wenn sie sich einigen kann, den der Wertschöpfung, sowohl fiskalischer als auch kultureller Art etc. als europäischer.
England kann Weltmacht werden, aber nicht zu EU als Europa.
Ich hatte gehofft, dass diese Aussicht bei den Engländern stärker wäre als die nur eigenen Möglichkeiten. Andererseits haben sie die eben und nicht zu knapp.
Es ist aber gerade durch Machtpolitik(+-) eher auch unwahrscheinlich, dass die EU zu einem neuen Europa wird.
Dann bleibt Europa eben multilateraler.
Ich mag das sowieso lieber, weil besser/produktiver als eine falsche Einheit bzw. den Zwang dazu.
Dabei rührt Zwang evtl. von zuwegebringen her.
Unterschlägt man oder verhindert man das sinnige Prozessuale, sieht man an dieser Substantivierung evtl. das Kippen in strukurelle Gewalt?