Nathanael Liminski - Laschets Kanzlermacher

Sollte Armin Laschet Kanzler werden, hieße sein Kanzleramtsminister Nathanael Liminski. Bis dahin arbeitet der 35-Jährige im Hintergrund als Schattenmann der Politik am Erfolg seines Chefs.

nathanael-liminski-armin-laschet-kanzlermacher-cdu-parteivorsitz-nrw-ministerpraesident
Armin Laschet (links) und sein Kanzlermacher Nathanael Liminski (rechts) /dpa

Autoreninfo

Volker Resing ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz und Autor in Berlin. Er ist Spezialist für Kirchenfragen und für die Unionsparteien. Von ihm erschien im Herder-Verlag „Die Kanzlermaschine – Wie die CDU funktioniert“.

So erreichen Sie Volker Resing:

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen live in der Talkshow von Sandra Maischberger, die Porno-Rapperin Lady Bitch Ray tätschelt grinsend Ihr Knie, und Sie sollen dabei die Sexualmoral der katholischen Kirche verteidigen: kein Sex vor der Ehe, keine künstliche Verhütung, Homosexualität schwierig. So eine harte Feuerprobe denkt sich noch nicht mal ein Medientrainer aus. Die meisten Politiker würden scheitern. Nathanael Liminski war 24 Jahre alt, als er sein mediales Meisterstück hinlegte. Als Gründer der Initiative Generation Benedikt lobte er vor großem Publikum lässig den Papst, redete fröhlich über seine persönliche Haltung zur Sexualität und ließ die Spötterei des selbst ernannten Luders neben ihm freundlich abtropfen. 

Das ist zehn Jahre her. Man könnte es eine Jugendsünde nennen. Nathanael Liminski ist heute Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei, der wichtigste Mann von Ministerpräsident Armin Laschet, und viel mehr noch: Strippenzieher, Ein-Mann-Thinktank – Politgenie gar. Doch den entwaffnenden Charme von einst, den er gegen Lady Bitch Ray einsetzte, den hat er immer noch. 

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Ernst-Günther Konrad | Di, 27. Oktober 2020 - 08:12

Ich gebe es zu, ich bin ein Star Wars Fan.
"Immer zu zweit sie sind. Keiner mehr, keiner weniger… Ein Meister und ein Schüler.“
Die Regel der Zwei beschreibt eine Ordnung, nach der sich der Orden der Sith aufstellt. Sie wurde vom Sith-Lord Darth Bane aufgestellt und besagt, dass es immer einen Meister und einen Schüler gibt. Der Meister soll die Macht besitzen und der Schüler sie anstreben. Erlangt der Schüler sie, so muss er es beweisen, indem er seinen Meister tötet und somit dessen Platz einnimmt, bis er wiederum von seinem Schüler übertroffen wird.
Quelle: Yedipedia
Es stellt sich für mich die Frage, wer der Meister ist und wer sein Schüler?
Es gab schon mehr "graue Eminenzen" im Schatten von Politikern, die dann ganz schnell weg waren.
Was macht eigentlich Volker Kauder, dereinst Zuchtmeister der Kanzlerin?
Laschet als Kanzler? Kann Merkels Katastrophenpolitik noch poteneziert werden?

Herr Liminski mag ja durchaus seine Verdienste und Talente haben. Allerdings ist Laschets Aufstieg wohl vor allen Dingen den "Umständen" zu verdanken, und der schwachen Konkurrenz im Rennen um das Amt des CDU-Chefs. Talentierte, frische CDUler wie Daniel Günther aus SH oder Tobias Hans aus dem Saarland würden ihn sicher in den Schatten stellen.

Seit gestern hat Armin Laschet aber einen neuen Helfer: Friedrich Merz. Der tritt plötzlich als "Provinz-Trump"auf und hat das Partei-Establishment als neuen Gegner entdeckt. Merz, Millionär, aber sich selbst dem Mittelstand zurechnend, hat ja durchaus Talent dafür, in wichtigen Momenten das Falsche zu sagen.

Davon profitieren dann Leute wie ein Laschet, der 2017 nur Ministerpräsident wurde, weil den Linken ein paar Hundert Stimmen zum Einzug in den NRW-Landtag fehlten. Und der schon zeigte, dass er mit der Corona-Pandemie überfordert ist.

Egal. Laschet will be the winner. Dank Friedrich Merz.

Hallo Herr Konrad,

ich liege auf dem Felde Star Wars vollkommen brach, das ist nicht mein Genre.
Luke Skywalker sagt mir etwas, jedoch nur weil der Freund meiner Tochter Luke heißt.
Sein Vater hatte übrigens einige Nebenrollen in diesen mir unbekannten Filmen.
Es gibt insoweit schrille Fotos.

Ohne solche graue Eminenzen kommt kein Spitzenpolitiker aus; die Kanzlerin hat einen elitären kleinen Beraterkreis, u. a. Frau Christiansen.
Das Bundeskabinett ist wie auch das Parlament nur noch ein Abnickverein des Merkelismus.

"Immer zu zweit ..."
Terence Hill & Bud Spencer
Danny Wilde & Lord Brett Sinclair (wie das vorm Kopf, O-Ton)
Larry Hagman & Barbara Eden, die bezaubernde Jeannie - "Meister was kann ich für dich tun?"
Master & Servant - Depeche Mode
Master & Slave - harddisks
etc.

Also Parteitag in 2021 - cum tempore.

Ich würde gerne auch dem Foristen Lenz antworten, jedoch ist nur eine Replik erlaubt. Das finde ich nicht gut, hindert den Diskurs.
Sperren kann man doch immer!

gabriele bondzio | Di, 27. Oktober 2020 - 08:48

Wird als junger Shootingstar der konservativen Katholiken beschrieben, mit gutem rhetorisches Talent. Quasi ohne Schaum vor dem Munde über konservativ-katholisch Themen reden.
Man schreibt auch von Ihm, dass er Laschet erst zum Ministerpräsidenten gemacht hat. Und auch bei quirligen Situationen Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Wenn alles Geschriebene stimmt, ist es doch schade, dass er nicht direkt antritt und dem farblosen Laschet die Lorbeeren überlässt. Ok...Parteihierarchie lässt grüssen, der Bessere arbeitet im Dienst für den Schlechteren.
Andererseits hat Liminski, auch den damaligen Innenminister Thomas de Maizière und von der Leyen beraten. Da hat es aus meiner Sicht , gehakt. Maizière ist gegangen worden Von der Leyen hat die BW gründlich abgewirtschaftet.

Norbert Heyer | Di, 27. Oktober 2020 - 09:33

Man kann unschwer erkennen, dass die CDU alles unternimmt, um den ziemlich blassen, unscheinbaren Herrn Laschet erstmal zum Vorsitzenden zu küren und anschließend zum Nachfolger der (hoffentlich) ausscheidenden Kanzlerin zu machen. Sein Manager ist mir bisher nicht bekannt, scheint Herrn Laschet aber bisher ganz gut beraten zu haben - wenn da nicht die mageren Umfrageergebnisse wären. Herr Merz kann in der Partei beliebter zu sein, er kann in öffentlichen Umfragen führen soviel er will: Die Kanzlerin will ihn nicht, sie will keinen Nachfolger, der vielleicht ihr politisches Erbe ignoriert und einen eigenen Politikstil kreiert. Obwohl ... wenn schwarz-grün erwartungsgemäß kommt, wird sowieso grün-linke Politik das politische Geschehen bestimmen. Aus dieser Sichtweise ist es eigentlich egal, ob Laschet oder Merz das Rennen machen, die Richtlinienkompetenz liegt dann bestimmt nicht beim Kanzler sondern bei den Grünen, die sich teuer verkaufen werden. Es kann sogar noch schlimmer kommen ..

Holger Jürges | Di, 27. Oktober 2020 - 09:42

Wenn Liminski an der Strippe zieht, hampelt Laschet also im vorgegebenen Takt: Das sind wahrlich herausragende Qualitäten um ein Land zu führen.
Ich glaube, Merz ist strippenfrei und folglich in der Lage sich selbst zu bewegen.

Hier ein Zitat aus "Über das Marionettntheter" von HeinricKleist:

[...]Inzwischen glaube er, daß auch dieser letzte Bruch von Geist, von dem er gesprochen, aus den Marionetten entfernt werden, daß ihr Tanz gänzlich ins Reich mechanischer Kräfte hinübergespielt, und vermit-telst einer Kurbel, so wie ich es mir gedacht, hervorgebracht werden könne."

Welch eine treffende Metapher: Laschet - willenlos - als Mechanik steuernder Kräfte !

Kleist schreibt auch:

"Doch das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen,ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist."

Möge Friedrich Merz die offene Pforte finden und hinter dem Eingang in ein neues Kapitel der CDU schreiten..

Wolfgang Henning | Di, 27. Oktober 2020 - 12:07

Das charakteristische Eingangsbild zu dieser Personenbeschreibung erinnert unwillkürlich an Gründgen's Mephisto und Faust als gefährlicher Einflüstere. "Das also ist des Pudels Kern" - Laschet, die tumbe Galionsfigur und dahinter Liminski als Strippenzieher, der schon Andere in den Abgrund gerissen hat. Politik als Ränkespiel. Man schaut betroffen zu und ist entsetzt.

Christa Wallau | Di, 27. Oktober 2020 - 12:42

... dürfte Nathanael Liminski in meinen Augen ein guter Berater für jeden CDU-ler sein, der konservative Werte überhaupt noch hochhält.
Seinen Vater, Jürgen Liminski, habe ich bei einer Podiumsdiskussion persönlich kennengelernt. Er war viele Jahre beim Deutschlandfunk als Journalist beschäftigt - ein vernünftiger, ausgeglichener und mutiger Mann; der es wagt, sich gegen den Zeitgeist zu stellen. Familie Liminski hat 10 Kinder.
Daß Nathanael Liminski als relativ junger Mann sich zunächst im Hintergrund hält, statt sofort ins Parlament zu streben, sehe ich als gutes Zeichen an: Erst Erfahrungen sammeln, dann mehr Verantwortung übernehmen - das ist der richtige Weg. Sonst ergeht es einem wie Philipp Amthor, der in die Fallen der Lobbyisten getappt ist.
Armin Laschet hat sich mit Liminski wohl einen kompetenten Berater ins Boot geholt. Laschet selbst ist mir als Kanzlerkandidat nicht geheuer: zu wenig substantiell, klar und verläßlich! Ein typischer Schönredner aus Merkels Entourage.

Andreas Berlin | Mi, 28. Oktober 2020 - 07:59

...ist, dass ein Journalist das "Installieren" eines offensichtlich überforderten Politikers zunächst als Ministerpräsidenten und alsbald vielleicht als Kanzler ausschließlich durch Strippenziehereien einer einzigen Person im Hintergrund wie einen tollen sportlichen Erfolg feiert. Und damit nicht genug, den Konstrukteur im Schatten auch noch als genial darstellt. Auch wenn es naiv erscheinen mag: ich würde mir bei der Bewertung solcher "demokratischer Prozesse" mehr kritische Distanz wünschen. Denn genau diese Vorgehensweise ist es, die nach meiner Überzeugung unter dem so genannten "schmutzigen Teil" des politischen Geschäftes subsummiert wird. Dafür hier ein verbales Bundesverdienstkreuz zu vergeben, ist m. E. unangemessen.

Cornelia Oles | Mi, 28. Oktober 2020 - 09:51

Dass Herr Laschet Kanzler nicht kann hat er bereits öfter bewiesen als einem lieb ist. Da können seine Hintermänner manipulieren und Strippen ziehen wie sie wollen. Laschet ist ein ungeschickter Redner und schwankend in seinen Handlungen. Mit Laschet kann die CDU nur verlieren. Die Wähler entscheiden am Ende und nicht die 1001 Delegierten.