Nord Stream 2 - Kalter Krieg auf Rügen

Die umstrittene Pipeline Nord Stream 2 steht auf der Kippe. Nicht erst seit dem Fall Nawalny – sondern auch, weil die USA deutschen Unternehmen mit Sanktionen drohen. Auf der Ostseeinsel Rügen bangen Firmen deshalb um ihre Existenz. Ein Ortsbesuch.

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Warten auf Vollendung: Rohre für Nord Stream 2 / Jens Gyarmaty

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

Sie sagt, es habe ihr die Sprache verschlagen. Christine Zillmer ging es wie den meisten Menschen auf Rügen, die den offenen Brief der drei US-Senatoren Anfang August lasen. Schockstarre. Verwunderung. Fassungslosigkeit. Der Hafen in ihrer Heimatstadt Sassnitz solle wirtschaftlich zerstört werden, wenn die Betreiber weiterhin die Bauarbeiten an der Pipeline Nord Stream 2 unterstützten, stand darin. 

Sassnitz auf Rügen ist Christine Zillmers Heimatstadt, 10 000 Einwohner, das industrielle Herz einer Insel, die sonst vom Fremdenverkehr lebt. Sie ist Marathonläuferin. Eine zierliche Frau mit festem Händedruck und ansteckendem Lachen. Ein silbernes Kreuz baumelt an ihrer Halskette. Sie ist hier aufgewachsen, zur Schule gegangen. Mit 41 lebt sie noch immer in Sassnitz, mit ihrem Mann und ihrem Sohn. Seit 2009 engagiert sich Zillmer für die CDU in der Kommunalpolitik. 2017 wäre sie um ein Haar Bürgermeisterin geworden. Sie ist derzeit stellvertretende Leiterin der CDU-Ortsgruppe.

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Klaus Peitzmeier | So, 11. Oktober 2020 - 18:54

Wenn Deutsche u Russen es nicht schaffen 160 km Rohrleitungen zu verlegen um das Projekt zu Ende zu bringen, haben sie es auch nicht verdient.
Das klingt u ist so lächerlich, daß man es nicht glauben mag.
Gute Sitte ist, daß Verträge eingehalten werden, egal was zwischenzeitlich passiert.
Gute Sitte wäre es, für die Zukunft Klarheit zu schaffen wie man reagiert, wenn Politik mit Gift u Hackmesser durchgesetzt wird.
Nicht klar ist mir, warum man im Falle Nawalny die Russen wegen versuchten Mordes abstrafen und die Amerikaner wegen schwerer räuberischer Erpressung belohnen sollte. Ausserdem haben die amerikanischen Geheimdienste in ihrer mörderischen Vergangenheit schon so viele Politiker umgebracht, daß die Russen auf dieser Mordskala wahrscheinlich noch einige Morde im Vorteil sind.
Wie man es dreht u wendet. Es läuft alles auf die Erbärmlichkeit Europas hinaus. Man läßt sich zum Spielball zweier brutaler, konkurrierender Mächte machen u ist nicht gewillt Rückgrat zu zeigen.

ist unser Heiko Josef Maas nicht auf dem richtigen weg,
sonder er trat in die falschen Fußstapfen des Ex
US-Außenminister Colin Powell. Dasselbe zirkus usw ohne beweisen.
"Eigentlich müssten nur die in Russland und Deutschland entnommenen Blut- und Urinproben unabhängig geprüft werden. Derweil versinkt die Flaschen-Hypothese des Nawalny-Teams in Fake-News-Dimensionen, während der OPCW-Befund wohl gezielt vage blieb"
"Ist ein Szenario denkbar, in dem die Befunde sowohl des Omsker Krankenhauses als auch der Charité und sogar des Bundeswehrlabors korrekt sind?"
Weiter hilft nur Google.
Falschen Fußstapfen sollte man vermeiden. Und auch können...

Fritz Elvers | So, 11. Oktober 2020 - 20:33

einer unglaublichen Erpressung durch die USA. Von Versuch kann schon keine Rede mehr sein. Egal wie die US-Wahl ausgeht, die Demokraten müssen NS2 ebenfalls verhindern und Europa von US-Gas abhängig machen.

Mutmaßlich stecken Koch Industries und Co. dahinter, die eigentlichen Herrscher der USA, nicht die Nachtwächter. Eine Lehrstunde in Kapitalismus.

Ich habe natürlich keine Ahnung wer oder was da noch dahinter stecken könnte, bin aber trotzdem dafür, die NS-2 fertigzustellen und möglichst in Betrieb zu nehmen. Die Amerikaner haben in den nächsten Monaten so oder so andere Sorgen.

jede Entscheidung ist moralisch gesehen eine falsche. Andererseits: Würden wir nur noch mit Demokratien Handel treiben, wären so manche Regale gähnend leer, und die Deutschen würden im Winter im Kalten sitzen. Und Gulaschsuppe dürfte es, dank der kulturellen Verbindungen zum illiberalen Orban auch nicht mehr geben.

Entweder die Pipeline wird, zur Freude Putins, gebaut, oder sie wird es nicht, was die Amerikaner dann wahrscheinlich als Bündnistreue bezeichnen dürften.

Es zeigt sich mal wieder, dass ein kleiner europäischer Staat in der Auseinandersetzung mit den Großen über die Rolle des "Hans-Wurstes", dem man Anweisungen gibt, kaum herauskommt.

Wäre Europa wirklich politisch vereint, könnte es gegenüber Russen und Amerikaner ganz anders auftreten.

Da sieht man, was das "deutsche Wesen" im Alleingang in der Weltpolitik noch wert ist.

Russland gehört auch zu Europa Hr. Lenz. Das blenden Sie bei Ihrer "europäischen Idee" immer wieder aus.
Die Repressionen die die USA hier aufbauen richten sich gegen Unternehmen innerhalb der EU und würden auch in einem von Ihnen so gedachten "EU-Machtblock" vollzogen werden. Siehe auch das Verhalten der USA gegen China (auch Atommacht).
Ihre so heiß geliebten "Vereinigten Staaten von Europa" sind da kein Heilmittel. Den Mumm den es braucht können wir auch jetzt schon aufbringen!

lieber Herr Lenz, konnte meine Mutter bereits sehr gut kochen, als Ungarn noch Mitglied im Comecon war.
Militärisch gesehen, wenn auch absurd, brauchen die USA uns noch. Auch ohne 2%-Ziel. Die EU wird es nicht wagen, den USA zu widersprechen, weil man weiß, wie rücksichtslos die USA bzw. Koch Industries ihre Ziele durchsetzen. Dafür hat man Polen auch einen LNG-Hafen geschenkt.

Googeln Sie mal.

Christoph Kuhlmann | So, 11. Oktober 2020 - 23:31

Eber der Wahltag kommt bestimmt und dann wird es auch wieder Gespräche geben. Einen Zwei-Fronten-Wirtschaftskrieg können sich die USA auch nicht leisten. Doe deutsch-russischen Gaslieferungen wurden mitten im Kalten Krieg als Teil einer umfassenden Entspannungspolitik begonnen. Zu der Zeit war Deutschland das potentielle Schlachtfeld für einen Krieg, bei dem nicht viele von uns übrig geblieben wären. Insofern ist Trumps Argumentation ebenso lächerlich wie die Rüstungspolitik der Bundesregierung seit der Wiedervereinigung.

Walter Bühler | Mo, 12. Oktober 2020 - 09:12

... wie wenig souverän unser Land 75 Jahre nach dem verlorenen Krieg in Wirklichkeit ist. Trump zeigt uns unzweideutig, dass der Hammer immer noch da hängt, wo er immer gehangen hat: Die Macht kommt aus den Gewehrläufen und aus den Atomwaffen-Arsenalen, auch wenn uns das nicht gefällt. Süße Träumereien vom moralischen, grünen und demokratischen Schlaraffen-Land, das für die ganze Welt ein leuchtendes Vorbild sein will, helfen da leider recht wenig, zumal wenn man gleichzeitig die Vernunft und den Realitätsbezug aus der Außenpolitik verbannt.

helmut armbruster | Mo, 12. Oktober 2020 - 09:29

als dass man keine hat.
Zwei Gasanbieter sind auf jeden Fall besser als einer.
Kaufmännisch, weil man als Kunde kann den einen gegen den anderen ausspielen kann um bessere Preise zu erhalten.
Aber auch politisch steht man immer besser da, wenn man Alternativen hat. So nimmt die US-Flüssiggas-Alternative den Gastransitländern Osteuropas die Macht den Gashahn zudrehen zu können um eigene Forderungen durchsetzen zu können.
Kaufmännische und politische Argumente sprechen also dafür, dass Nordstream zu Ende gebaut werden muss, aus dem einfachen Grund, weil uns das mehr Alternativen in die Hand gibt.

Walter Müller | Mo, 12. Oktober 2020 - 12:40

Das Hickhack zu Nord Stream 2 kann man aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und beurteilen. Dazu gehören auch die wirtschaftlichen und machpolitischen Interessen der USA und einzelner europäischer Länder. Merkel hatte hier ganz offensichtlich kein Interesse an einer Abstimmung unter Partnern, sondern sie wollte hier einfach ihr Ding durchsetzen. Und wo wir gerade bei Merkel sind: der gleichzeitige Ausstieg aus Kern- und Kohlekraft ohne gesicherten Ersatz erscheint jedem halbwegs vernünftig denkenden Menschen als Schildbürgerstreich: Deutschland fehlen 20 Prozent seiner Energie. Deshalb werden Gas und andere Energieträger wichtiger. Und deshalb will die Regierung den legalen Widerstand gegen Ausbau der Windkraft mittels Gesetzesanpassungen (nationale Sicherheit) de facto unmöglich machen. Das Recht des kleinen Mannes hat hinter vermeintlich nationalen Interessen zurückzustehen. Irgendwie fühle ich mich dabei unangenehm an das Ermächtigungsgesetz von 1933 erinnert.

gabriele bonzio | Mo, 12. Oktober 2020 - 13:58

Sehe ich auch so! Man muss sich schon wundern über das ganze Versteckspiel, dass in ihren Artikel zu Geltung kommt. Ist ja auch ein Ausdruck vom Zustand in der Politik.
Es wäre ja der größte Witz, wenn aus der USA das teure Fracking-Gas zum Zuge kommt. Da würde ich sämtlichen Umweltschützern in DE kein einziges Wort mehr glauben, Frau Merkel und der EU vor allem. Das Fracfluid ( z.B. Säuren, Biozide)was in Gesteinsschichten gepresst wird, ist enorm umweltschädlich. Ein giftiger Cocktail. „Auch gibt es bereits wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Fracking die Gefahr von Erdbeben in den USA erhöht hat und Erkenntnisse der Universität Innsbruck, dass Fracking die Luft mit gesundheits- und klimaschädlichen Gasen belastet.“ Zwar ist die USA weit entfernt, aber es ist eine bewusste ERDSCHÄDIGUNG. Die sollte nicht unterstützt werden. So skeptisch ich sonst der Klimadiskussion gegenüberstehe.

Zu dieser USA-Erpressung kann man nur einen veralteten, doch heute wieder aktuellen Spruch hervorholen:
Ami go home!
Wir brauchen Euch nicht, UND nehmt auch gleich die Atomwaffen mit - aber alle.