Donald Trump - Der Stimulant

Die Macht von Donald Trump, mit seinen Ansagen die Stimmung im Land zu beeinflussen, gleicht bisweilen der einer Droge. Doch etwas ist noch stärker als seine Schnellschüsse in Worten. Denn was als Zahlen-Echo aus der Wirtschaft jetzt real zurückschallt, ist ein ohrenbetäubender Hilfeschrei.

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Daumen hoch, Daumen runter: Donald Trumps Einfluss erschüttert die Wirtschaft / dpa

Autoreninfo

Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Einen Monat vor den Präsidentschaftswahlen hat Donald Trump die US-Wirtschaft in einen Schock-Zustand versetzt. Ob er sich darüber vorab im Klaren war, ist unbekannt. Fakt jedoch ist, dass seine öffentliche Äußerung, er werde bis zur Wahl in vier Wochen keinen weiteren Cent Corona-Staatshilfen für Firmen und Bürger bewilligen, ließ die US-Börse rasant einbrechen. Auch, dass der amtierende US-Präsident in Aussicht stellte, direkt nach der Entscheidung im November werde es weitere massive Hilfen geben, konnte daran nichts ändern. Donald Trump weiß, dass er mit jedem Tweet die Macht besitzt, als Stimulant in chief die wirtschaftliche Stimmung im Land zu lenken. Und er spielt mit dieser Macht – wie eine Katze mit einem Wollknäuel oder wie mit einer gerade noch so lebenden Maus.

Zwar bleibt es Spekulation, was seine Beweggründe dieses Mal waren. Es liegt aber im Bereich des Wahrscheinlichen, dass er aus wahltaktischen Gründen die Demokraten als Schuldige einer vollkommen überzogenen 2,2-Billionen-US-Dollar-Forderung präsentieren will. Druck aufbauen und hoch Pokern sind sein Stil und seine Strategie. Tatsächlich hätten die Demokraten das 1,6-Billionen-Dollar-Angebot der Republikaner auch einfach annehmen können. Aber so funktioniert Politik nicht, schon gar nicht vier Wochen vor dieser Wahl und ganz besonders nicht in Zeiten von Corona. Doch sollte all dies Trumps Plan gewesen sein, so ging er gründlich daneben. Börsen-Realität ist gnadenlos. In Sekundenschnelle repräsentieren die fallenden Kurse, was Analysten und Anleger befürchten – und das war nicht weniger als ein weiterer drastischer Einbruch der Wirtschaft durch private Pleiten, Armut und Insolvenzen.

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Holger Jürges | Mi, 7. Oktober 2020 - 18:51

das ist keine Frage: Zu welchen positive Veränderung die plakativen Handlungen und Raubautzigkeiten Trumps hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklungen in den USA in der Vergangenheit geführt haben, wird hierzulande gern kleingeredet, verfälscht oder verschwiegen. - Und wie nebenbei stiftet Trump einen historischen Friedensverlauf in Nahost bezüglich der Vereinbarung zwischen Riad und Jerusalem: Das wird hierzulande nun fast gänzlich verschwiegen; bei Obama hätten die Kirchenglocken geläutet !
Vielleicht ist die gute Resilienz bei Trump nicht nur körperlich ausgeprägt, sondern auch Trump-systembewahrend.

Hubert Sieweke | Mi, 7. Oktober 2020 - 23:45

der DAX legte heute 1,5% zu und liegt bei atemberaubenden 28.185!!!!
Fakten sind meist besser als Gesinnung...

Man muss ihn nicht mögen, doch die Wirtschaft in der NachObama Phase hat rasant zugenommen. Covid bremst überall, auch in D massiv, nur die Presse spült es weich. Horrormeldungen über die D. Wirtschaft liest man selten und Merkel ist hier auch nicht Schuld an der Pandemie, wie man es Trump nachsagt. Macron ist auch sakrosankt...

Ich beziehe mich nicht auf den Deutschen Aktienindex, sondern auf die Börsen in den USA zu diesem Zeitpunkt.

Hubert Sieweke | Do, 8. Oktober 2020 - 22:49

In reply to by bbrauns

natürlich den Dow Jones mit 28.500, denn der DAX hat bisher 13.200 erreicht.
Also, die Mär vom Fall des Dows ist vielleicht gewünscht, aber eben nicht real.
Ob der Dow nach eines Wahl Bidens in den Keller rauscht ist zu befürchten, aber man muss es abwarten.

Ernst-Günther Konrad | Do, 8. Oktober 2020 - 07:32

sondern die Politik. Ob ihre Entscheidungen sachgerecht sind oder künftig sein werden hängt davon ab, ob sie auch kritische und sachlich begründete Einwände berücksichtigen oder "ihr" Corona Ding machen und weiter mit Hysterie und Panik, mit Angst und Strafen ihr jeweiliges Volk lenken wollen. Das Virus bestimmt gar nichts. Der Mensch an sich entscheidet, ob und wie er den Corona Weg gehen will oder nicht.
Insofern ist Trump weiterhin konsequent im Handeln und verfolgt seinen Weg. Ob der richtig oder falsch ist, mag der US-Bürger beurteilen. Nur, wir hier DE haben so viele Probleme und täglich wird ein neues Trump-Bashing durch die Medien gepeitscht.
Wenn die Amis Biden wollen, sollen sie ihn wählen. Sie müssen ihre Präsidenten selber aushalten.
Und das künstliche Gebilde Börsen ist mir persönlich wurscht.
Alles nur Zahlen auf Papier bzw. in einer Software als Drohkullise genutzt.
Von Aktien kann man nicht satt werden und stirbt die eine Firma, kommt die nächste. "c'est la vie"

Karl Kuhn | Do, 8. Oktober 2020 - 12:41

... und Trump hat kaum Befugnisse, irgendwelche lokalen Coronamaßnahmen zu dekretieren. Bitte mal fair bleiben. Ob die Wirtschaft eines Bundesstaates leidet oder nicht, hängt noch viel mehr als in D von der Staatregierung und nicht der Bundesregierung ab. Dass Staaten, die sehr viele Businesses dichtmachen, einen stärkeren Einbruch haben, sollte man erwarten. Man müsste sich aber einen ziemlich großen Haufen an Zahlen anschauen, um da etwas Klarheit zu bekommen. Aber bei den Mortalitätszahlen sehen die Lockdownstaaten in den USA ja auch bislang schlechter aus als die 'lockeren', wobei man da mit kausalen Zuweisungen vorsichtig sein sollte - Henne-Ei-Problem. Aber die insgesamt hohe Mortalität in den USA hat vor allem mit Mängeln des dortigen Gesundheitssystems zu tun, nicht mit dem, was Trump daherredet, wenn der Tag lang ist.