Auf eine Currywurst mit Gerhard Schröder - „Trump ist ein Tollpatsch“

Gerhard Schröder und Christoph Schwennicke treffen sich einmal im Monat auf eine Currywurst. Dieses Mal geht um die Wahl-Aussichten von Donald Trump. Und der Altkanzler offenbart unerwartete Sympathie für einen amerikanischen Ex-Präsidenten.

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Gerhard Schröder über Trump: „Die Fehler waren ja massiv“

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

Herr Schröder, Sie haben mich bei unserer letzten Currywurst mit der Prognose überrascht, dass Sie von einem Wahlsieg Donald Trumps im November ausgehen. Bleiben Sie dabei?
Gerhard Schröder: In der amerikanischen Gesellschaft steckt mehr Trump, als sich viele bei uns erhoffen. Sie erklären ihn zu einer vorübergehenden Erscheinung. Das ist aber nicht so. Deswegen habe ich lange geglaubt, dass die Demokraten bei einem zwar respektablen, aber nicht mehr ganz jungen Kandidaten Biden und bei einer unklaren politischen Linie kaum eine Chance gegen ihn haben werden.

Sie klingen jetzt vorsichtiger als bei unserem letzten Treffen.
Trumps tollpatschiges Verhalten in der Corona-Krise hat die Lage so verändert, dass ich mir meiner Prognose nicht mehr sicher bin. Die Fehler waren ja massiv. Denken Sie an die Aussage, man könnte Menschen auch Desinfektionsmittel spritzen. Würde so etwas die Bundeskanzlerin oder der Bundespräsident sagen, wären sie oder er politisch erledigt.

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Christoph Kuhlmann | Mi, 29. Juli 2020 - 09:46

was richtet Trump noch alles an, wenn er weitere vier Jahre regiert. Einen Handelskrieg mit Deutschland und Europa zum Beispiel, wegen einer Osteepipeline oder Internetsteuern, die Auflösungstendenzen in der Nato und eine erhebliche Verschärfung der Koronakrise stehen da zur Wahl. Von erheblichen sozialen Verwerfungen in den USA mal ganz abgesehen, holen die USA Italien bei der Staatsverschuldung in Riesenschritten ein. Mag ja sein, dass sich ein Crash mit dem Einsatz finanztechnischer Mittel noch eine Weile aufschieben lässt, aber das dicke Ende kommt bestimmt. Es wird dann bei den Schwellenländern im Dollarraum beginnen und sich in der ohnehin schrumpfenden amerikanischen Mittelschicht fortsetzen. Wenn die USA dann endgültig von Oligarchen regiert werden, wird der Begriff Demokratie dann wohl völlig neu definiert werden.

Konrad Paukner | Mi, 29. Juli 2020 - 10:33

Zum Glück ist das bei unseren führenden Politikern durchweg anders - die haben noch Anstand.
Der Glückwunsch zu Trumps Wahlsieg von BK Merkel war ja ausgesprochen herzlich und mit vielen guten Ratschlägen an diesen verbunden. Selbst unser Bundespräsident hat es sich nicht nehmen lassen, dem neuen Präsidenten der USA zu gratulieren.
Trump hingegen verweigert unserer Bundeskanzlerin den Handschlag - was für eine Unverschämtheit. Ich mag Trump nicht - aber wie man in den Wald ruft....

Mit Ihren Worten zu den Glückwünschen der hiesigen „Diplomatenelite“ haben Sie völlig recht. Es wird von irgendwelchen Werten „geschwurbelt“ als Voraussetzung für Zusammenarbeit. Trump ist kein Diplomat, lässt sich also auch nicht aus „diplomatischen Gründen“ über den Tisch ziehen; weder von einer A. Merkel noch von Xi, Putin oder Erdogan. Was wäre in unserem Land los, gäbe es nicht die staatl. Vollversorgung, die arbeiten überflüssig macht – das Geld fließt weiter, solange der Staat es noch geliehen bekommt!
Der Amerikaner bekommt wg. Corona 600 $ die Woche, das ist mehr als die Hilfe hier. Während unsere Politiker die Wirtschaft mit Steuern aussaugen und mit immer neuen Auflagen das Überleben unmöglich machen, schafft Trump faire Verhältnisse für die US-Wirtschaft. Unsere Verkehrswege sind marode, die Schulden wachsen und wir reden vom „reichen Land“. Traum und Wirklichkeit klaffen derzeit bei uns weit auseinander. Schröder hatte recht: Sie (Merkel) kann es nicht.

Carola Schommer | Mi, 29. Juli 2020 - 10:52

ist unhöflich und unsouverän. Man sollte allerdings dabei berücksichtigen, dass die Frau Merkel zuvor meinte, den frisch gewählten US-Präsidenten an die Einhaltung demokratischer Grundwerte gemahnen zu müssen. Auch hatte ihr Außenminister ihn als Hassprediger bezeichnet. Diese beiden Fehltritte sind nicht nur grandios unverschämt sondern bezeugen eine vermessene Überheblichkeit, die im Gesamtkontext weitaus schwerer wiegen.

Heute bei T-Online zu lesen: Trump beschwert sich in routiniert-infantiler Weise darüber, dass ihn "keiner mag!"

In einem Anflug von relativ relevanter Selbsterkenntnis fragt er sich, ob das wohl an seiner Persönlichkeit liegen könnte..

Herr Lenz, man kann so etwas wie einen Konflikt um eine konkrete Sache hier nicht führen. Wenn Sie sich auf eine Widerlegung einlassen, müssen Sie sich auf dieses Niveau begeben. Das ist so wie mit der Kommunikation von Trump. Man darf sich nicht auf dieses Niveau begeben.

Grüße

Christa Wallau | Mi, 29. Juli 2020 - 11:05

Im Gegensatz zu vielen Politikern in Deutschland und auch anderswo ist Schröder mit einer gehörigen Portion "common sense" (gesundem Menschenverstand) ausgestattet, der es ihm ermöglicht, immer Realist zu bleiben.
Leider ist dies bei den allermeisten in seiner Partei u. auch in den anderen deutschen Parteien, besonders bei den Linken und Grünen (!), überhaupt nicht der Fall.
Schröder schätzt die derzeitige Lage Trumps und der USA richtig ein. Er besitzt einen guten
"Riecher" für die Empfindungen von Menschen, die
im täglichen Lebenskampf stehen u. sich keine
esoterischen Eskapaden erlauben können. Seine Freundschaft mit Putin resultiert m. E. aus der Gleichheit ihrer Lebensläufe: Beide entstammen einfachen Verhältnissen u. mußten sehr kämpfen, um nach oben zu kommen. Sie besitzen die Härte, die dazu notwendig ist, sich Macht zu verschaffen. Beide sind keine Geistesgrößen, aber lebensklug u. bodenständig. Das ist wichtig, weil Politik nur so zum Wohl der Menschen funktioniert.

Am Anfang, wo ich im C. ihre Kommentare gelesen habe, fand ich es als Verschwendung, dass sie Lehrerin & nicht eine Journalistin waren. Zu mal ich bei einem gewissen "typischen Lehrertyp" immer Probleme mit Gedankenaustausch hatte. Aber wenn ihre Saat aufgeht, kann das Wort HOFFNUNG wieder eine neue Bedeutung gewinnen & dieses Wort ist für uns beide wie auch vielen Lesern in mehrfacher Weise ein "besonderes Wort", welches wiederum bei anderen Menschen nur als "Hokus-Pokus" gesehen wird.
Alles Gute & Gott schütze Sie.
PS: Schröder war mir etwas zu "kantisch", aber sehr erdgebunden & absolut ehrlich & offen, ohne über die Konsequenzen seiner Rede/ Inhaltes nachzudenken.
Für mich persönlich aber einer in der falschen Partei, denn die SPD hatte schon kurz vor der Wiedervereinigung einen sehr starken Schwenk nach links gemacht. Bei der CDU fing es erst nach der Wahlniederlage Schröders an.

Ich maße mir nicht an zu beurteilen, ob es sich bei Putin und Schröder um "Geistesgrößen" handelt oder nicht. Ob Sie das besser beurteilen können, halte ich nicht erst seit Ihren jüngsten analytischen Gehversuchen für höchst fragwürdig.
Wenn man sich die politische Bilanz Schröders anschaut (fanden Sie den zwischen 1998 und 2005 auch so lebensklug, bodenständig und vernünftig?), so ist die m. E. eher durchwachsen, nicht zuletzt was die soziale Ungleichheit angeht, die durch die Agenda-Politik forciert wurde, von der vor allem Unternehmen und Sehr-gut-Verdiener profitiert haben.
Putin ist ein ehemaliger KGB-Agent, der fremde Gebiete annektiert, politische Auftragsmorde im In- und Ausland durchführen lässt und dabei tatsächlich "das Wohl der Menschen" im Auge behält - vor allem seins und das seiner Clique:

https://www.theguardian.com/news/2016/apr/03/panama-papers-money-hidden…

Die "Freundschaft" der beiden ist auch eine lukrative Geschäftsbeziehung, aber das nur nebenbei.

Karla Vetter | Do, 30. Juli 2020 - 21:17

In reply to by Gast

als ehemalige Kommunalpolitikerin sehe ich die Ära-Schröder positiver. Die beiden nebeneinanderlaufenden Systeme Arbeitsamt/Sozialamt waren sehr ineffektiv. Die Zusammenführung beider war notwendig. Zumal bei über 5 Millionen Arbeitslosen. Was nicht heißt, das nicht eine Modifizierung nach einiger Zeit von Nöten wäre. Die Agenda 2010 konnte nur die SPD durchsetzen und hat uns die mehrfach gewendete "Linke" beschert. Französische Politiker beneiden uns heute um unsere Reformfähigkeit. Schröders Gasprom -Verwicklungen und die Männerfreundschaft mit dem" lupenreinen Demokraten" sehe ich auch kritisch.

Ich schätze Ihre Kommentare. Auch sehe ich in der AfD eine Art Notbremse, um die ideologiegetriebene Politik der Altparteien - allen voran die CDU, SPD und FDP - wieder aufs richtige Gleis zu setzen. Insofern stehe ich Ihnen wohl ziemlich nahe, obwohl ich mich einzig und allein der Meuthen-Fraktion verbunden fühle. Nun aber zum eigentlichen Punkt. Wie können Sie einen Herrn Putin bloß so rosarot zeichnen? Dafür bin ich Ihnen gram. Putin ist ein höchst krimineller Geselle, daran gibt es überhaupt nichts zu deuteln. Und von einem Herrn Schröder, der diesem Kriminellen die Füße küsst, kann man sowieso nichts halten. Für mich ist der Altkanzler nur peinlich. Deshalb sollten Sie sich in diesen Dunstkreis nicht hineinbegeben. Wer sich mit Putin gemein macht, der begibt sich nach Hitler, Stalin, der Atombombe, dem Kalten Krieg auf ein äußerst zwielichtiges Feld. Fällt es Ihnen etwa so schwer, an die vielen ermordeten Journalisten und politischen Gegner dieses Menschen zu denken?

Romuald Veselic | Mi, 29. Juli 2020 - 11:13

Er sagt: "Wo hätte man in dieser Pandemie besser und sicherer leben können als in Deutschland? Unser Gesundheits- und Sozialsystem hat sich bewährt, das gilt auch für die Politik auf allen Ebenen."
Ihm die Laune nicht zu verderben, haben einige Länder wie Taiwan oder Japan die Pandemie besser gemeistert, als der Goldhamster-Kabinett. Die Baltenländern, sowie CZ/SK (Ex-Ostblock) sind auch besser wie D. Aber gut, ein Teil der D-Politeliten und deren Jünger, halten sich generell für alles besser zu sein, als Rest der Welt und neigen ungebetene Ratschläge/Ideen zu verteilen. Mir kommt vor, als ohne D & Angela M, wurde die Welt untergehen.
Was stimmt, dass hiesiges Gesundheitssystem Weltklasse ist. Hat aber mit Politik eher wenig zu tun, denn die D-Ärzte haben einen besseren Bezug zur Realität, als die Polit-Gutmenschen. Sie sehen/hören auch das, was den Politikern nicht gefallen würde. Und erstellen keine fiktiven Statistiken über Beliebtheit von Angela M + ihre Suite.
LG Agent 20-10

Urban Will | Mi, 29. Juli 2020 - 11:58

eines „elder statesman“.
Merkel (Thüringen, Migration) und Steinmeier (Hofieren einer linksfaschistischen Musikgruppe) haben sich deutlich größere politische Fehltritte geleistet als Trump mit seinen Desinfektionsmitteln und sind noch fest im Sattel.

Was Trump und Merkel angeht: nach ihrem arroganten Auftritt am Tag nach dessen Wahl, kann ich voll verstehen, dass er ihr den Handschlag verweigerte.

Wer Wahlen rückgängig zu machen befiehlt, weil sie ihr nicht passen, der sollte andere nicht zu demokratischen Grundwerten ermahnen, auch wenn letzteres zeitlich vor ersterem lag, aber es zeigt eben Merkels seltsames Demokratieverständnis.

Auch mit George W hatte Merkel ihre „besonderen“ Momente...

Trump wird nach einer Niederlage anstandslos seine Koffer packen und das Weiße Haus verlassen. Akzeptanz einer demokratischen Entscheidung...

Sein demokratischer Nachfolger kann sich der huldvollen Unterwürfigkeit der deutschen Intelligenz sicher sein.

Und alles ist wieder gut...

Tomas Poth | Mi, 29. Juli 2020 - 12:53

Egal wie man ihn einschätzen oder auch verdammen möchte, Corona wird einen Einfluß bei der Wahl haben. Am Ende der Stimmenauszählung werden wir mehr wissen.
Er wird aber auf alle Fälle später einmal als beispielloser Kämpfer gegen den RotGrünen-Gesinnungsmief der Demokraten stehen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 29. Juli 2020 - 14:19

einschätzen können, tendierte fast dazu, ihn für einen halt als Geschäftsmann, aber erfolgreichen Demokraten zu sehen.
Vielleicht weiss er es selbst nicht.
Ich weiss es nach wie vor nicht.
Er wirkt auf mich "bullig" und "ungelenk", nein, das ist zu negativ. Er wirkt kantig, nicht geschliffen und geradeaus.
Da verbindet ihn viel mit Schröder, der mir bitte nicht erzählen sollte, was Merkels Mutter sagte.
Das ist genau der Zusammenhang, in dem ich sie sehe, in einem persönlichen, ja privaten, eben in keinem politischen Umfeld.
Dabei hat Schröder anfangs instinktiv "richtig" gelegen.
Was Merkels Mutter dazu wohl gesagt hat?
Ich vermute, dass Merkels m.E. authentisches Auftreten Trump irritierte, schreibt man nicht ab und zu etwas von "Unterwürfigkeit"?
Da war Trump evtl. klar, dass Merkel keine Konservative sein kann.
In der Zeit hätte er ihr eigentlich die Hand geben müssen, dadurch hat er es verpasst.
Er war dann immer höflich.
Das sollte er generell sein.
Er ist US-Amerikaner first

Juliana Keppelen | Mi, 29. Juli 2020 - 14:22

steckt mehr Trump als sich viele bei uns erhoffen.
Der Satz trifft haarscharf den Punkt.
Unter Trump wird das Amerika sichtbar das schon immer da war und nach Trump noch da sein wird.
Unter Herrn Trump wurde uns ohne diplomatisches Gedöns die rosarote Brille abgenommen und nun ist der Jammer und die Hoffnung groß, dass mit einem Wechsel die rosarote Brille uns wieder zurück gegeben wird. Nun läge es an uns und der EU das Richtige daraus zu machen. (Allerdings habe ich bei dem derzeitigen politischen Personal insbesondere bei uns wenig Hoffnung).

Fritz Elvers | Mi, 29. Juli 2020 - 18:48

scheint es ähnlich zu sein, wie bei der SPD.

Beide Parteien bekommen keine anständigen Führungsfiguren gebacken.
Ein seniler Biden ist nicht weniger gefährlich, als ein tumber Trump.

Herrliche Aussichten.