Justizministerin Christine Lambrecht - Keine Frühstücksdirektorin

Seit gut einem Jahr ist Christine Lambrecht (SPD) Bundesjustizministerin. Zunächst belächelt als Verlegenheitslösung, versucht sich die Scholz-Genossin in einem Haus voller Volljuristen nun Respekt zu verschaffen. Nicht immer zum eigenen Vorteil.

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„Da war eine, die liest, die denkt und nicht nur schwätzt": Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) / picture alliance

Autoreninfo

Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Auch am Meer kann die Justizministerin mal entspannen. Ihre Leidenschaft aber sind die Berge. „Wenn ich aus dem Brennertunnel fahre und die Gipfel sehe, kann ich loslassen“, sagt Christine Lambrecht. Doch bevor sie in die Südtiroler Dolomiten in den Urlaub aufbricht, sitzt die Ministerin in ihrem Büro an der Mohrenstraße und möchte sich entschuldigen.

„Das tut mir leid“, sagt sie und meint die Debatte um härtere Strafen für sexuelle Gewalt gegen Kinder. „Ärgerlich“ sei nicht die Kritik an ihr, „sondern, dass dadurch Menschen verletzt wurden, die solche Verbrechen erlebt haben und den Eindruck hatten, ich sehe da keinen Handlungsbedarf.“ Das sei nicht der Fall gewesen. Das habe sie betroffen gemacht.

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gabriele bondzio | Mi, 29. Juli 2020 - 08:39

Leidenschaft für das Lesen und die für die Berge. Und absolute Abneigung/Widerwillen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie, sowie Abneigung gegen Speichellecker. Wenn ich lese was Erwachsene Kindern antun, bin ich entsetzt und sehr traurig. Es sind allerdings international, gut vernetzte Täter und auch Täter in sehr einflussreichen Positionen. Bestraft werden kann nur, wer auffliegt und hier liegt meiner Meinung der Hund begraben. Es muss vorrangig darum gehen die schon vorhandenen Instrumente zu nutzen und zu schärfen. Die Täter zu verunsichern.Und ich habe auch nichts dagegen, ein härteres Strafmaß anzuwenden. Obwohl eine krankhaften seelischen Störung vorliegt, gibt es auch Mittel und Wege der Therapie.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 29. Juli 2020 - 10:20

Ja, die ihre erste Reaktionen auf Strafverschärfungen und gesetzliche Änderungen nach weiteren drastischen Sexualdelikten aller Art, die waren wenig hilfreich und politisch instinktlos. Sie hat aber nach öffentlichem Druck eine Kehrtwende gemacht und dabei sollte man es auch belassen. Da gäbe es andere in der Regierung, die zurücktreten sollten/müssten.
Warten wir doch erstmal die konkreten Ausgestaltungen der "verschärfenden" Gesetze ab, bevor man die Frau in die Tonne tritt.
Bei aller Kritik an der Groko, sollte nicht jeder korrigierte Fehler zu Entlassungsforderungen führen. Möglicherweise war sie schlecht beraten. Wenn selbst die Juristen dort ein "Eigenleben" führen ist es schwer, fehlerlos zu bleiben. Das bei aller verständlicher Emotion bei diesem Thema, solche Drohungen und Wünsche in soz. Medien verschickt werden, zeigt allerdings auch, wo juristisch angemessen nachjustiert werden muss. Wenn nicht mal mehr die Familie "heilig" ist, muss sich auch die SPD fragen: Warum?

Christa Wallau | Mi, 29. Juli 2020 - 10:25

... Frau Lambrechts Sohn Arges wünscht, weil seine Mutter angeblich nicht hart genug gegen
Kinderschänder vorgehen will. Auf dieses Niveau ist leider Gottes die öffentliche Diskussion herabgesunken. Das kommt dabei heraus, wenn MORALISMUS die politische Debatte bestimmt, wie dies bei uns in DE inzwischen schon seit vielen Jahren der Fall ist!
Es brauchte viel mehr Raum, um die Ursachen dafür im Einzelnen zu beschreiben, aber eines ist klar: Die herrschende "Elite" (Politik u n d Medien) ist dafür maßgeblich verantwortlich.
Wenn ich "Gesinnung" zum höchsten Kriterium in der Auseinandersetzung mit politisch Andersdenkenden erhebe, anstatt SACH-ARGUMENTE sprechen zu lassen u. ruhig abzuwägen, dann begebe ich mich auf die Ebene des P e r s ö n l i c h e n - und das kann nur in widerlichen Schlammschlachten enden! Man kennt dies ja z. B. von Scheidungen. Ich fürchte, es wird sehr schwierig, aus der Falle, die selbsternannte "Moral-Apostel" in DE aufgestellt haben, wieder herauszukommen.

...sie beschreiben eine vermeintliche Elite, richtigerweise als "Elite" und verorten diese in (Politik und Medien). Nun, daß sehe ich anders. Wenn es eine sogenannt"Elite" geben sollte, dann ist diese doch wohl eher im Wirtschaftsbereich zu sehen, qua ihrer finanziellen Möglichkeiten. Ich sehe hier ausschliesslich wirtschaftliche Macht, die ohne wirklich elitär zu sein, zum bestimmenden Diktum unseres Daseins, in ganz offensichtlicher Weise, geworden ist. Politik und Medien sind zu Ausführungsorganen mit beschränkten Befugnissen, degradiert. Soweit es Politik und hier den Themenbezug zum Text anbelangt, geht es für mich, um innerparteiliches Geplänkel, nicht ohne Einfluss auf die Gesellschaft. Es ist, ob dieses unheilig, ewig währenden Spiels, fortwährend Vorsicht geboten. Geld regiert, nach wie vor, die Welt und der Knüppel die Leute, wobei der Knüppel aus der Wirtschaft heraus geschwungen wird. Es gibt allerdings auch genügend gerade, klare Menschen, in Wirtschaft, Politik, Medien

Ihre Argumentation ist geradezu bedrückend unlogisch! Jemand wünscht dem Sohn einer Politikerin etwas sehr Schlimmes, und Sie machen als Ursache für solche Exzesse einen "Moralismus" aus, für den Medien und Politik verantwortlich seien, weil diese einen Diskurs förderten, der auf Gesinnung basiere, nicht auf Sachargumenten. Was diese, wie immer, völlig unbelegte Kritik mit dem vorliegenden Fall zu tun haben soll, ich weiß es nicht!
Es liegt ja wohl ganz offensichtlich ein eklatanter MANGEL an Moral bzw. moralischer Integrität vor, wenn jemand einem anderen Menschen wünscht, Opfer sexueller Gewalt zu werden!
Und wenn Sie die Rolle der Medien ansprechen, so hielte ich es für sinnvoll, darüber nachzudenken, inwiefern speziell soziale Medien (und Leserforen!) zu einer Besorgnis erregenden Verrohung beigetragen haben. Hier treffen sich im Schutze der Anonymität Extremisten jeder couleur, bestärken sich und spornen sich an. Ein Korrektiv gibt es entweder gar nicht oder nur verzögert.

Wolfgang Beck | Fr, 31. Juli 2020 - 10:39

In reply to by Gast

Herrn Hügle ist hierein diesbezüglich voll und ganz zuzustimmen. Von einem Detmolder Regisseur stammt dieses Zitat: „Chemnitz Mauer um Sachsen, Afd rein, Dach drüber, Napalm und Tür zu“. Aufforderung zum Massenmord - und das nicht mal anonym. Mehr Verrohung ist wohl nicht denkbar. Und hinterher zu behaupten, das sei ironisch gemeint gewesen. Das in angemessener Form zu kommentieren - naja, das überlasse ich jetzt Herrn Hügle, der freundlicherweise das Stichwort geliefert hat.

Gunther Freiherr von Künsberg | Mi, 29. Juli 2020 - 13:53

.
Die Freiheitsstrafen für den sexuellen Missbrauch von Kindern wie sie in den §§ 176 und 176 a StGB vorgesehen sind, sind schon heute erheblich. Trotzdem halte ich eine Verschärfung für richtig. Trotz dieser Ist-Situation werden die Straftatbestände immer wieder erfüllt. Ich glaube nicht, dass eine Ausweitung des Strafrahmens zu einer Eindämmung dieser Verbrechen führen wird. Das Phänomen ist doch, dass viele Verbrecher glauben raffinierter und klüger zu sein als die Ermittlungsbehörden. Auch wissen Sie, dass Sie der Datenschutz schützt und dass er den Ermittlungsbehörden einschränkende Schwierigkeiten bereitet. Hier ist anzusetzen. Der Datenschutz müsste für die Ermittlungsbehörden dann, wenn es sich um bestimmte Delikte wie zum Beispiel Kindesmissbrauch handelt, erheblich zurückgefahren werden. Auch müssen IP-Adressen länger zurückverfolgt werden können. Wer sich nichts zuschulden kommen ließ hat doch nichts zu befürchten. Oder?

zu meinem bereits veröffentlichten Kommentar ist ergänzend auszuführen, dass ich vor allem deshalb für längere Haftstrafen bin, weil die Täter dann länger außer Gefecht sind und damit keine weiteren Opfer missbrauchen können. Hinzu kommt noch ein weiterer Effekt: Sexualtäter die Kinder missbraucht haben, haben im Knast einen untergeordneten und damit schweren Stand unter den Mitgefangenen. Dies führt zu einer tatsächlichen Verschärfung der Freiheitsstrafe.

Bernd Muhlack | Mi, 29. Juli 2020 - 19:53

Ich hatte so ein "Bauchgefühl" dass eine Ergänzung kommt, deswg erst jetzt mein Kommentar.

Genau diese Hierarchie in JVAs ist eine weitere Strafe, das kann zum "Wahnsinn, Horror" führen.
Man sagt inzwischen "Traumatisierung".

"Das ist genau das Richtige für diese Schweinekerle! Hut ab, Kopf ab, Schwanz ab, alles ab!"
"Das hätte es damals nicht gegeben, wenn das der Führer wüsste!"

Natürlich gibt es diese sinnfreien Sprüche, es wird sie immer geben!

Während der Referendarzeit - ewig her - besuchten wir eine JVA.
Die Anstaltsleiterin hielt einen Vortrag, dann war "Besichtigung".
Spätestens im Zellentrakt trennte sich unsere Gruppe.
Ich war Teil der Klientel welche nicht die Zellen sehen wollte.
Warum?
Egal warum der Täter hier sitzt, das ist sein letztes Refugium, das geht uns nichts an!
Und ich bin, war nie ein "Gutmensch, Allesversteher", ganz im Gegenteil!

Na klar: Kantine!
Eine "sämige" Erbsensuppe mit Wurst. Die war echt prima!
Wer einmal aus dem Blechnapf frisst
Hans Fallada