Alfred Dregger - Haltung und Herz gefragter denn je

Der CDU-Politiker Alfred Dregger war einst prominenter Vertreter des nationalkonservativen Flügels der CDU. Acht Gründe, warum einer wie er heute in der deutschen Politik vermisst wird

Alfred Dregger
Der Politiker Alfred Dregger (CDU) aufgenommen mit seiner Frau Dagmar und seinem Boxer "Ingo" im Jahr 1974 in seinem Garten im hessichen Fulda / picture alliance

Autoreninfo

Dieter Weirich ist gelernter Journalist und war als Sprecher und später Abgeordneter ein enger Weggefährte Alfred Dreggers. Nach seiner politischen Tätigkeit als Landtags-und Bundestagsabgeordneter war er zwölf Jahre Intendant der Deutschen Welle und Kommunikationsdirektor der Fraport AG. Er hat gerade eine Dregger-Biografie mit dem Titel „Haltung und Herz“ im Frankfurter Societätsverlag herausgebracht.

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Dieter Weirich

Seit dem schwindelerregenden Abstieg der Unionsparteien in der Wählergunst erinnert man sich wieder an Alfred Dregger. Unter dem ebenso grundsatztreuen wie legendären Wahlkämpfer wäre Merkels Flüchtlingspolitik, der Aufstieg der AfD und die Sozialdemokratisierung der Union nicht möglich gewesen, sagen die einen. Die anderen verweisen auf den veränderten Zeitgeist, die Herausforderungen der Migration, die Probleme der Globalisierung. Die Zeit sei über die Dreggers hinweggegangen, weshalb dies überflüssige Restromantik sei.

Was Dregger heute wohl in der aktuellen Politik propagieren und  ob er sich im Grabe umdrehen würde, damit will ich mich in dem wohlfeilen Streit über sein geistiges Erbe nicht äussern. Als sein einstiger Pressemann meinte ich nach seinen Elogen auf die SPD-Ikone Kurt Schumacher, der Kommunisten noch als „rot lackierte Nazis“ bezeichnet hatte, leicht zynisch: „Nur tote Sozialdemokraten sind bei der Union gute Sozialdemokraten“. Es gebe genügend aktuelle Spitzengenossen, die eine harte Auseinandersetzung verdient hätten.

Wenn ich aber gefragt werde, ob Persönlichkeiten mit dem geistigen Kompass und dem Werteverständnis Dreggers in der heutigen Politik vermisst und deshalb gebraucht würden, antworte ich mit einem klaren Ja. Dregger war – so der frühere Welt-Chefredakteur Herbert Kremp – ein „der Mode enthobener Staatsmann“. Mit anderen Worten: Seine Werte und auch Visionen sind von zeitloser Gültigkeit.

Dies hat vor allem acht Gründe:

1. Haltung

„Man darf alles verlieren, nur seine Haltung nicht“ sagte Dregger nach seiner Niederlage bei der hessischen Landtagswahl, mit der sein Traum von der Übernahme der Staatskanzlei endgültig geplatzt war. Er war ein Mann des aufrechten Gangs, der um die Bedrohung des Rückgrats als gefährlichstes Körperteil in der Politik wusste. Schmeichler, Opportunisten, „Polit-Chamäleons“ waren ihm zuwider.

2. Mut
Er schielte nicht ständig nach demoskopischen Resultaten, ließ sich durch Kritiker in Medien bei der Durchsetzung seiner  Überzeugungen nicht beirren. Der Athener Staatsmann Perikles war sein Vorbild und er folgte seiner Empfehlung: „Wisset, dass das Geheimnis des Glücks die Freiheit, der Freiheit Geheimnis aber der Mut ist“.

3. Glaubwürdigkeit
Dregger war bis zur Naivität hin ehrlich. Darin begründete sich seine Glaubwürdigkeit. Sein Wort galt, man konnte sich auf ihn verlassen. Intrigen waren ihm fremd.Betrachtet man sich die Vorbehalte der heutigen Bevölkerung gegenüber Politikern ganz allgemein in Umfragen, so hätte diese Eigenschaft ihren besonderen Wert.

4. Konservativer Streiter
Mit ihm war der rechte Flügel der Unionsparteien nicht verwaist wie heute, sondern mit ihm und CSU-Chef Strauß,aber auch mit Karl Carstens, Gerhard Stoltenberg und  anderen als Angebot an national denkende Wähler hervorragend besetzt. Eine Volkspartei sollte seiner Auffassung nach in ihrer ganzen Breite ein interessantes Angebot machen. Konservativ zu sein hieß für ihn, Bewahrenswertes zu pflegen und allem Neuen aufgeschlossen zu sein oder – wie Strauß zu sagen pflegte – an der Spitze des Fortschritts zu marschieren. Er wollte den streitigen Diskurs innerhalb der Partei, nach dessen Beendigung aber die Geschlossenheit, die für den Wähler von besonderem Wert ist. Der Streit sollte aber innerhalb der Unionsfamilie ausgetragen werden,eine vierte Partei lehnte er immer ab, verwies auf skandinavische bürgerliche Parteien, die nach ihrer Aufsplitterung bedeutungslos geworden waren

5. Engagierter Europäer
Wer die Reden des im Monnet-Komitees frühzeitig mitarbeitenden Dreggers liest, erkennt in ihm einen europäischen Visionär, der frühzeitig für eine gemeinsame Außen-und Sicherheitspolitik, aber auch für ein subsidiäres Europa,in dem die Partner ihre nationalen Identitären bewahrten, eintrat. Helmut Kohl hat ihn zu Recht einen deutschen Europäer und europäischen Deutschen genannt.

6. Geschichtsbewusstsein
Wie Helmut Schmidt stammte Dregger aus der Kriegsgeneration. Nie wieder Krieg hieß für beide die Motivation für eine vernünftige Politik des Äusseren wie im Innern.Sein umfassendes Geschichtsbewusstsein ließ es nicht zu, dass die Geschichte des deutschen Volkes auf die unseligen zwölf Jahre des braunen Unrechtsregimes reduziert wurden. „Die Geschichte unseres Volkes umfasst nicht nur zwölf, sondern 1200 Jahre. Sie begann nicht mit Hitler und sie führte auch nicht notwendig auf ihn hin. Vor Hitler war Bismarck und nach Hitler war Adenauer“ sagte er. (Anmerkung der Redaktion: Alfred Dregger trat 1940 in die NSDAP ein.)

7. Stil
Dregger war ein Mann von Bildung und guten Manieren, ein Herr. Er führte sachpolitisch harte Auseinandersetzungen, zu persönlichen Verletzungen ließ er sich nie hinreißen. Ein Stil, der auch heute noch Schule machen könnte.

8. Charisma
Dregger war ein Wahlkämpfer von Format, Haudegen und Publikums-Magnet zugleich. Der Mittelpunkt des Menschen ist das Herz und nicht der Kopf, pflegte er zu sagen. Deswegen waren seine Botschaften emotional, seine Sprache einfach und verständlich. Für die Wiederbelebung des konservativen Flügels in der Union wäre die Typologie Dregger ein Hoffnung schaffendes Element.
Bleibt die Frage: Ist die politische Evolution in der CDU weitergegangen und für einen wie Dregger gebe es keinen Platz mehr? Die Frage beantworte ich mit Nein. Eine Partei lebt von starken Persönlichkeiten, die mit den ihr zur Verfügung stehenden Begabungen versuchen, den Zeitgeist zu prägen und sich ihm nicht anzupassen. Dregger wäre ein Streiter wider den Zeitgeist, den Anpassungsbereiten in der Union zum Trotz.

Thomas Glauninger | Mo, 9. September 2019 - 14:34

Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 7.721.518) seit 1940 war er.

Wilfried Düring | Di, 10. September 2019 - 12:07

In reply to by Thomas Glauninger

Dregger wurde mit knapp 20 Jahren Mitglied der NSDAP. Ihm wird es bis heute vorgeworfen. Die medialen 'Weiss-Wäscher' verteidigten IHN nicht. Aber sie glätteten und schönten die 'dunklen Punkte' und 'Jugendsünden' derjenigen 'Intellektuellen', die 'aus der Vergangenheit gelernt' hatten: Alfred Andersch, Walter Jens, Dieter Hildebrandt ... . Soll ich weitere Namen nennen?
Höhepunkt einer verkommenen Doppelmoral: Günther Grass. Dieser ehemalige Soldat der Waffen-SS 'distanzierte' sich während der 'Bitburg-Affäre' von seinen gefallenen Kameraden (überwiegend: Mannschaftsdienstgrade, 'jugendliches' Alter, z.T. zur Waffen-SS gepreßt), die man in Bitburg beerdigt hatte.
Dazu Alfred Grosser im August 2006: '... Grass hätte aufstehen sollen, um zu sagen: >>"Wenn ich getötet worden wäre, wäre mein Grab zwischen diesen hier gewesen"<<.'
Fazit:
Linke, Grüne und Gute haben in diesem Land keine Vergangenheit - egal ob sie Jens, Grass, Kahane oder Fischer heißen! Und Dregger war ein 'Nazi'!

Zitat Wikipedia: >>'Unter den ... Toten auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg befinden sich 43 Soldaten, die eindeutig der Waffen-SS zugeordnet werden können, darunter ein Offizier (ein 23-jähriger Untersturmführer, der niedrigste Offiziersdienstgrad) und neun Unteroffiziere. Bei den übrigen SS-Männern handelt es sich überwiegend um Wehrpflichtige im Alter von 17 bis 19 Jahren.'<<
Alfred Andersch (bekannt durch 'Kirschen der Freiheit') ließ sich als 29-Jähriger im Jahre 1943 - die Deportationszüge rollten ! - von seiner jüdisch-stämmigen Ehefrau Angelika Albert scheiden, weil die Ehe 'zerrüttet' war. Die Schwiegermutter von Andersch starb in Theresienstadt.
Hätte da ein so guter Antifaschist - wie Andersch - mit der Ehescheidung nicht besser noch ein paar Jahre warten können?
Wie sprach doch Herr Grass:
'... Unwissenheit spricht … nicht frei. Sie ist selbst verschuldet, zumal die ... Mehrheit wohl wusste, dass es KZ's gab … . ALLE wussten, konnten wissen, hätten wissen müssen.'

Auch aus jüngster Vergangenheit wären da Namen zu nennen, die heute mit Fleiß mit ihren rot/roten/grünen Fingern nach rechts zeigen, um von den finsteren Machenschaften der Linken Einheitsfront abzulenken. Der nette und ach so volksnahe Genosse Grysgram (PDS/DIE LINKE): war er es nicht, der nach der Wende 1989 die SED/MfS-Milliaren und auch die kommunistische Ideologie hinüberrettete in das seinerzeit noch demokratische Deutschland? Wurden nicht mit diesen Milliarden gewisse Stiftungen finanziert, die von MfS-MitarbeiterInnen geleitet werden und schon wieder "Sprachhygiene" (Gesinnungsterror zu deutsch!) betreiben auf Steuerzahlers Kosten? Die Wahrheit sollte schon bei den richtigen Namen benannt werden. Auch wenn es gefährlich zu sein scheint … ?! Namen sind leider nicht wie Schall und Rauch, denn "der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem es kroch!"

die gerne verschwiegen werden. Von Wem geht das aus? Die nächste Frage is dann: wer hat soviel Macht, die Wirklichkeit schon wieder so unkenntlich zu machen, dass es schon an Geschichtsklitterung grenzt? Wer hat ausschließlich mit der Methode Geschichtsfälschung gearbeitet? Namen und viele offene und unbeantwortete Fragen seit 1989??! Herr Düring, danke! Superkommentar 1 + 2 !

Sie stellen wichtige und bewegende Fragen, über die ich immer wieder nachdenke. Ich habe in den letzten 30 Jahren gelernt:
Die 'Bewältigung' von Vergangenheit und auch Schuld ist schon eine prima Sache - vorausgesetzt es ist NICHT das eigene Leben und die eigene Vergangenheit - sondern IMMER die Vergangenheit und das Leben anderer, fremder Leute. Die (beabsichtigte ?) 'Nebenwirkung' einer solchen 'Bewältigung' ist: Die 'Ankläger' selber werden - ganz wunderbar und von allein - ENTLASTET.
Die Kunst scheint zu sein: Selber im Schatten zu stehen, und von dort aus andere Menschen ins Scheinwerferlicht zu zerren, und DEREN Vergangenheit zu bewerten, zu zensurieren und zu 'bewältigen'.
Leute wie Grass, Jens und Andersch hatten das frühzeitig begriffen. Respekt!

G. Schöne (DDR-Liedermacher) formulierte:
'Schutzlos stehst Du jetzt am Pranger.
Man darf Dich bespei'n.
Die sonst nie den Munde auftaten, niemals aus dem Schatten traten,
DIE werfen ihren Stein'.
(Lied 'Bruder Judas')

Günter Johannsen | Do, 12. September 2019 - 09:52

In reply to by Thomas Glauninger

Waren sie bei´m Ministerium für Staatssicherheit (MfS)?

Ernst-Günther Konrad | Mo, 9. September 2019 - 14:39

genauso wie ein Heiner Geissler überlebt hat. Er hätte den Konservativen Flügel in der CDu Stimme gegeben. Mit der Wahl Merkels wurden diese konservativen , nicht zuletzt wegen der Affäre der jüdischen Vermächtnisse nach und nach aus der Politik von Merkel weggebissen. Roland Koch, Wallmann, Kanther in Hessen und letztlich auch Merz kehrten der Partei den Rücken und suchten sich neue Einflussbereiche in der Wirtschaft oder gingen mehr oder weniger in den Ruhestand. Was der Autor beschreibt, dass er nie persönlich oder emotional reagierte in der politischen Streitdebatte kann ich bestätigen. Ich habe ihn in jungen Jahren bei Walkampfveranstaltungen gehört, wo er nicht selten als Feindbild der Linken sich einiges anhören musste. Hart in der Sache, aber niemals unter der Gürtellinie zählte er seine poltischen Widersacher ein ums andere mal aus. Ein Mann mit Bildung und Anstand. Das fehlt einigen Politiker in allen Parteien heute zu Tage immer mehr.
Er belebte die Streitkultur.

Josef Olbrich | Mo, 9. September 2019 - 16:10

Danke für diese offenen Worte. Ja, es fehlt ein Charakterkopf wie Alfred Dregger in der CDU. Nur AM würde ihm Steine in den Weg legen, will sie doch aus ihrer Sozialisation heraus, die CDU nach links ausrichten - was ihr auch soweit gelungen ist.

Günter Johannsen | Mo, 9. September 2019 - 16:22

Gegen die linke "Modernisierungs-Politik" der früheren FDJ-Sekretärin, die von rot-grauen Eminenzen wie von "Geisterhand" trotz mangelndem Gespür, Kompetenz und Sympathie für den Souverän in´s Amt gehievt wurde , hätten gestandene Persönlichkeiten wie Alfred Dregger gegenhalten können. Aber mit rückgratlosen Luschen um sich herum kann selbst der Dümmste wie ein Hochbegabter aussehen, oder?!

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 9. September 2019 - 16:48

egal jetzt in welcher Partei, kommen nicht wieder.
Die Nachkriegszeit war Aufbruch aber auch das Nachwehen einer absoluten Ausnahmesituation für Deutschland über die Zeit von zwei Weltkriegen, geführt in der technischen Moderne, also mit hohem Vernichtungspotenzial.
Ich weiss noch, welchen Stellenwert damals die politische Auseinandersetzung mit Herrn Dregger für meinen Großvater hatte, der eine zeitlang DGB-Kreisvorsitzender in Fulda war.
Ich gebe mir größte Mühe diese Ausserordentlichkeit und höchste Bedeutung, die Politik damals hatte, herunterzufahren.
Damals war sie angezeigt.
Heute gehe ich allgemein von einem hohen Politisierungsgrad der Bevölkerung aus mitsamt guter, weil historisch kritischer Selbstbetrachtung.
Das Bildungsniveau ist hoch.
Entsprechend stemme ich mich gegen alle Versuche, eine politische Endzeit herbeizureden.
Wie Herr Dregger, wenn in der Bundesrepublik Geborener, heute in der CDU agieren würde ist müßig zu fragen.
Für alle gilt
Sapere aude

Sind Sie sich da sicher, sehr geehrte Frau Sehrt-Irrek? Für einen Aufbruch ist kein vorangegangener Krieg nötig und damit auch keine Nachkriegszeit. Es reichen auch kleinere Katastrophen, und wer wollte behaupten, dass diese nicht eintreten werden - von der Möglichkeit größerer ganz zu schweigen. Die viel zitierte Spaltung unserer Gesellschaft ist per se vielleicht noch nicht katastrophal; ihre Konsequenzen, wendet man sie nicht ab, dürften es sein. Und dann brauchen wir die Dreggers.....

Frau Sehrt-Irrek. "Solche Leute wie Herr Dregger … kommen nicht wieder."
Natürlich kann Herr Dregger die Jahre nicht zurückdrehen und aus dem Ruhestand wiederkommen. Es geht darum, dass heute keiner der charismatischen Persönlichkeiten in Sicht ist, der/die den Geist und den Schneid hätte, der grün-linken Einheit-Suppe Paroli zu bieten. Es ist wie im Märchen "Des Kaisers neue Kleider": keiner getraut sich die Wahrheit bei´m Namen zu nennen: der grün-linke Kaiser ist ja nackt … : Keine Vision, keine Idee, kein Inhalt, keine Kompetenz … nur alter abgestandener Kaffee, den die grün-linken schon immer als "reinen Wein" einschenken, um die Menschen hinters Licht zu führen! Sicherlich lebt es sich ruhiger, wenn man nicht wahrnehmen muss, dass wir vielleicht gerade mit dem Hype um die schwedische Greta einer gigantischen PR-Strategie erliegen, welche die Angst vor den Folgen unkontrollierter Masseneinwanderung oder auch linksradikaler Straftaten überlagern soll. Ist wegschauen zielführend?

Christa Wallau | Mo, 9. September 2019 - 17:19

Wenn er unbedarft und ohne Erinnerung an seine
frühere Zugehörigkeit zur CDU plötzlich wiederkäme, dann träte Alfred Dregger der AfD bei - niemals der heutigen CDU. Davon bin ich überzeugt.
Denn die heutigen sog. Christdemokraten haben ihre konservative "Haltung", auf die Dregger so viel Wert legte, total verloren.
Immer sind sie hinter dem Zeitgeist her gehechelt und haben sich bis zur Unkenntlichkeit der SPD und den Grünen angepaßt.
Mit einer Kanzlerin, wie wir sie leider Gottes nun seit über einem Jahrzehnt ertragen müssen, hätte Dregger niemals zusammenarbeiten können.

Woher sollen denn starke Persönlichkeiten (wie Dregger zweifellos eine war) kommen, die der Autor zur Gesundung für die CDU anmahnt? Merkel hat doch alles weggeekelt, was nicht
auf ihrer Linie lag. Wenn überhaupt, dann kann sich die CDU nur noch durch Leute aus der "Werte-Union" erneuern. Es bleibt abzuwarten, ob dies geschieht.

AfD!
Er wäre in der CDU und Merkel bei den Grünen, wenn es hochkommt.
Nur überlegt.
Damit möchte ich Ihren guten Willen in der AfD/für die AfD nicht diskreditieren, aber ich denke doch, dass Herr Dregger in einer anderen politischen Liga spielte.
Eben der, von der ich herunter will, weil für unsere Zeit nicht mehr angemessen, wenn sie es je war.
Auf Untergänge/Übergänge kann man reagieren wie Ernst Jünger mit seinen Marmorklippen, die mich sehr verschreckt haben oder man überblickt die Lage und fragt, what comes next, wohin kann die Reise gehen.
Ich plaudere kein Geheimnis aus, wenn ich schreibe, dass mein Großvater von der politischen Ausrichtung und Haltung Herrn Dreggers nicht begeistert war.
Er war ohnehin in der SPD, aber auch sehr religiös.
Ich erkläre mir die AfD einzig mit Merkel/DDR und hoffe, dass sie bald politisch Geschichte ist.
Sie verdrängt meinem Empfinden nach jegliche Tiefe und Höhe ff. aus der CDU.
So wie sie kann man es sicher auch machen, aber in der CDU?

Sehr geehrte Frau Sehrt-Irrek !
Die Marmorklippen von Ernst Jünger, erschienen im Herbst 1939, also fast auf dem Höhepunkt von Hitlers Macht im Reich, war ein sehr mutiges Buch. Erschreckend war vielleicht damals der prophetische Inhalt und je nach Geschmack der kalte Stil des Autors, aber er spiegelte die Verhältnisse des Dritten Reiches wieder, wenn auch, in verständlicher Weise, verschlüsselt geschrieben. Es war das einzige Buch in der Nazi-Zeit, das sich gegen die damaligen Machthaber richtete.
Ernst Jünger hätte, aufgrund seiner Kriegerlebnisse im 1.WK, der Vorzeigeliterat in Deutschland werden können, quasi ein Günther Grass oder Heinrich Böll der Nazizeit. Er zog es aber vor die Reichsschriftgutkammer vor den Kopf zu stoßen und nur noch unpolitische Bücher mit geringen Auflagen zu produzieren oder aber die Marmorklippen. Er hatte mehr Mut an den Tag gelegt als die damaligen Nazis Grass, Hildebrandt, Jens, v. Weizäcker (Vater des BP), Schwerte, Fritz Fischer ...

Wilfried Düring | Do, 12. September 2019 - 22:04

In reply to by Budde Peter

Teilweise Widerspruch! Es ist den 68'ern und den mit ihnen verbundenen Literaturwissenschaftlern und Kolumnisten leider gelungen, die Erinnerung an die Autoren der 'inneren Emigration' fast auszulöschen. Es gab eine 'regimekritische Literatur' im 'Dritten Reich'! Ich nenne Werner Bergengruen ('Der Großtyrann und das Gericht', auch Lyrik), Reinhold Schneider ('Las Casas vor Karl V.'), Stefan Andres ('El Greco malt den Großinquisitor'), Ernst Wiechert ('Hirtennovelle', 'Das einfache Leben'), die 'Grand Dame' Ricarda Huch (mutiger Akademie-Austritt 1933 mit großartiger Begründung), Otto Flake, Ernst Penzoldt, den Lyriker Oskar Loerke. Es gibt weitere Beispiele, nur ein paar ganz wichtige und bleibende Namen und Werke habe ich erwähnt.
Zum Thema gibt es ein großartiges Buch vom Weilheimer Germanisten Friedrich Denk. Der Autor konnte dieses Buch leider nur im Selbstverlag veröffentlichen:
Friedrich Denk: 'Die Zensur der Nachgeborenen' (1995).
Das Vorwort zum Buch ist online verfügbar.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 13. September 2019 - 12:49

In reply to by Günter Johannsen

wären.
Es gibt sie, aber sie bilden nicht mehr die Politik, sondern machen Politik.
Diese Normalität bitte ich mir aus.
Ich bin keine Freundin von Ausnahmezuständen, vor allem weil ich glaube, dass sie immer politisch abgewendet werden können und sollten!
Was heisst/bedeutet denn Dregger?

Die Nachkriegs-Union hatte in Staat und Gesellschaft reichlich " Adenauer's schmutziges Wasser " war aber deshalb keine Partei der " alten Kameraden ". Mit Politikern wie Dregger, u.a. nach 2005 hätte es wahrscheinlich nie eine AfD gegeben.

Bernd Muhlack | Mo, 9. September 2019 - 18:20

"Haltung" wird ja bekanntlich wieder gerne genommen, ist trendy. Insbesondere Herr Heiko Maas ist ein Freund dieser Vokabel.
Wenn ich diesen Zeitgenossen mit Alfred Dregger vergleiche verliere ich meine Haltung, was die Aktualität betrifft.
Zu meiner Abi-Studienzeit war Dregger für mich eher ein "Gefährlicher". Gleichwohl war er mir "sympathisch"; vielleicht wegen seinem schwarzen Humor, seinen tollen Stiefeln?
Der Mann war gerade aus, redete Tacheles: "Ein Idiot ist ein Idiot, was gibts da zu beschönigen?"

Hielte er aktuell eine Rede im BT, würde das Glöckchen in Frau Roths, Frau Paus Händen vor panischem Bimmeln glühen, gar schmelzen!
"Ich rufe Sie zur Ordnung, ich ermahne Sie, ich bringe das vor den Ältestenrat - ISCH weiß nicht mehr weiter - Ton, Mikro aus!"
Genau das ist unsere aktuelle Demokratie!

Dr. Rainer Barzel sollte, muss in diesem Zusammenhang auch genannt werden!
Ein wahrer Demokrat; man frage dazu Helmut Schmidt.
Ja wie, die beiden leben nicht mehr? Schade.

"Haltung" ist nur ein anderes Wort für Gesinnung, das als linker Kampfbegriff offensichtlich nicht mehr taugt, da es den wahren Charakter des so bezeichneten als linken Ideologen entlarvt. Aufgrund der häufigen Benutzung ist aber auch der inhaltlich entleerte linke Kampfbegriff "Haltung" zunehmend verschliessen, ähnlich wie "Toleranz", "Nazi", "Hassrede" und leider sogar "Demokrat", da sich selbst die Kommunisten von der "Linke" heute lautstark als "Demokraten" bezeichnen.

ist weder demokratisch, noch links: nur SED & MfS! Punktum!

Dennis Staudmann | Mo, 9. September 2019 - 20:53

dass es damals in den Parteien und der Regierung Leute gab, die aufgrund ihrer Fähigkeiten, ihres Backgrounds in der Partei und auch ihres Selbstbewusstseins aufstiegen. Das ist heute anders. Jeder CDU-Minister der Regierung ist von Merkels Gnaden im Amt. Diese hat ganz klare Kriterien, wer aufsteigen darf. Zunächst müssen es Menschen sein, von denen sie keinen Widerspruch zu erwarten hat. Dabei geht es nicht um Loyalität sondern um Unterwürfigkeit. Ausserdem sollte die Person wenig Charisma haben und ihr intellektuell unterlegen sein. Da sich Merkel gern der "einfachen Sprache" bedient und ihre Grammatik oft "eigenwillig" ist, kann man natürlich nur spekulieren, was es in der Realität heisst, dass jemand ihr intellektuell unterlegen sein muss. Dieser Stil Merkels hat sich auch auf andere Parteien übertragen und das ist definitiv ein wichtiger Grund, warum es heute keine streitbaren Politiker wie Dregger und andere gibt, die nicht zuerst an sich selbst dachten.

Stefan Jurisch | Di, 10. September 2019 - 06:52

heutzutage selbst im konservativen Flügel der CDU nicht mehr unter. Er würde als AfD-nahe oder gleich als Nazi bezeichnet. Leute, sorry, aber die konservativen Zeiten sind alsbald vorbei, kniet doch alles in der Politik mit Rang (und Namen?) huldvoll vor der linken und grünen Moral und betet die politisch geschaffenen Ersatzreligionen der Moderne an.

Urban Will | Di, 10. September 2019 - 09:09

Alles darin ist richtig und gut geschrieben.

Herr Dregger hatte das Glück in einer Zeit ohne medialen Hype zu leben und zu agieren.
Zu seiner Zeit wussten die meisten Journalisten noch, was ihre Aufgabe war, wohl auch, weil sie ein gewisses Maß an Bildung und Vernunft pflegten.

Heute würde man Dregger zu vernichten versuchen, ihm täglich seine Vergangenheit vor die Füße werfen.
Als Linker darf man Backsteine auf Polizisten werfen und wird dafür gehuldigt, aber gegenüber „Rechten“ gibt es keine Gnade.

Die Herrn Dregger zugeschriebenen acht Punkt erkenne ich mehr oder weniger bei Leuten wie Herrn Gauland, den ich sehr schätze.
So ist das unter dem Punkt „Geschichtsbewusstsein“ Geschriebene genau das, was dieser in seiner „Vogelschiss“ - Rede sinngemäß auch gesagt hat.
Es wurde und wird nach wie vor – wohl bewusst – falsch interpretiert.

Mit dem Niveau vieler Politiker ist auch das vieler Medienvertreter ins Bodenlose gesunken.
Oder umgekehrt.

Herr Weirich, ein Aufschrei?

meinte, aber dann muss er das sehr vorsichtig und reflektiert tun.
Nicht anders war es m.E. in der politischen Nachkriegszeit, vor allem, weil der Krieg noch allen in den Knochen steckte, sowie davor die schweren Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten, wie auch der Niedergang der Monarchie als zwar autoritärer, aber gesittetster Form der Verfasstheit eines Staates.
Um diese Höhe der Debatte waren meiner Erinnerung nach eigentlich alle bemüht, die öffentlich tätig werden konnten.
Ich sage nicht, dass alle sie erreichten, aber sie bemühten sich und prägten so ein neues Selbstverständnis der Deutschen als Teil einer europäischen, wenn nicht Weltgemeinschaft.
Politics went global.
Politik ist jetzt global und der Rahmen, in dem sich jeder Politiker bewähren muss, was fast naturgemäß von Einzelpersonen kaum mehr zu schaffen ist..
Umsomehr muss m.E. Politik raus aus den Hinterzimmern, gehört medial aufbereitet und damit einer Überprüfung durch den Souverän, ALLE, vorgelegt.

Da fragen sich vielleicht manche, wie ich jetzt, für mich relativ bestimmt, zu solchen Aussagen komme, die ich doch erst in der Nachkriegszeit geboren wurde?
In meinem Elternhaus, aber auch dem des besagten Opas gab es eigentlich nur Politik.
Natürlich hat niemand mit mir so früh debattiert, ich habe zugehört und im Fernsehen lief bei uns fast nur Politik.
Die überall spürbare Anspannung und das Ausmass der Zerstörung und Tode/Morde zeigte mir jedenfalls schon als Kind, dass dies keine leichte Zukunft für Deutschland würde, auch weil NIEMAND es sich leicht machen wollte.
Und genau diese ERNSTHAFTIGKEIT der politischen Haltung vermisse ich bei Herr Gauland, die wenigen Male, die ich ihn mitbekomme und ganz sicher bei vielen AfD´lern.
Frau Wallau hingegen kommt mir vor als um diese Ernsthaftigkeit bemüht.
Deshalb """greife ich sie nicht an", auch nicht die AfD-Wähler im Forum.
Ich spreche hier mit ernsthaft politisch orientierten Menschen, nicht mit Ideologen/Populisten etc.

ich denke, gerade weil die Ernsthaftigkeit einer Beliebigkeit weichen musste, ist die AfD entstanden.
Das wird mir niemand abnehmen, der diese Partei ablehnt, da bin ich realistisch.
Natürlich irrlichtern dort Gestalten, deren Aussagen man besser nicht allzu ernst nimmt, aber das muss eine Demokratie aushalten.
Diese Irrlichter sind in allen Parteien zu finden.

Ich teile Ihre Einschätzung Herrn Gaulands in keiner Weise.
Ich kenne ihn nicht persönlich und auch nicht alle seine Reden, aber die, welche ich mir angehört habe, waren sehr gut und deutlich „ernsthafter“ als das, was ich von anderen Parteienvertretern hören durfte.
Von niemandem höre ich Reden, die sich so intensiv an der Geschichte orientieren. Und er liefert sie sehr reflektiert ab.

Auf Parteiveranstaltungen kann man auch ihm zugestehen, dies etwas zurückzustellen.
Er hat mehrfach betont, dass er dies heute so nicht mehr formulieren würde.

Ihre in einem anderen Beitrag hier gemachte Aussage bzgl. des „hohen Politisierungsgrades“ und einer „historisch kritischen Selbstbetrachtung“ kann ich keiner Weise nachvollziehen.
Ich wäre sehr froh, Sie hätten Recht, glaube aber, das Gegenteil ist der Fall.

Der historische Bildungsgrad der Bevölkerung nimmt in hohem Maße ab.
Leider.
Wir werden zunehmend oberflächlicher, halten ernsthafte Diskussionen kaum mehr aus.

Und unsere Politiker formen wir hierdurch mit oder lassen uns von ihnen formen.
Nehmen Sie das „wir“ bitte nicht wörtlich, es gibt viele Ausnahmen.

Vielleicht ist es in der Tat die Globalisierung, die Unüberschaubarkeit der Medien, die Unmittelbarkeit von Handlungen, Aussagen, etc. und deren Verbreitung, die diese Politikergeneration erschaffen hat.

Wir sollten lernen, mehr auszuhalten, dann würde man uns auch mehr zumuten und Dinge aus den Hinterzimmern holen.

Sapere aude, da haben Sie vollkommen recht.

Ein sehr guter und zutreffender Kommentar!
Deutschland wurde von Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Franz-Joseph Strauß und Hans-Dietrich Genscher regiert und hatte einen vorbildlichen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker. Alfred Dregger gehört auch dazu! Die Idee von Europa ist auf diesem Grund – mit diesen Persönlichkeiten erwachsen. Und heute? Man fragt sich doch als deutscher Demokrat mit Gefühl für Anstand und Niveau, wie konnte es passieren, dass unser Land und diese EU so tief gesunken ist? In Kirchen, Politik und Gesellschaft gibt heute leider nur noch das Mittelmaß den Ton an. Da macht auch der gegenwärtige Bundespräsident keine Ausnahme!
Die meisten der „führenden Politiker“ sollten besser in der Kreisklasse, statt auf Bundesebene spielen. Nach Kreisklasse-Spielern sieht gegenwärtig auch unser Land und die EU auf allen Ebenen aus … !

Jürgen Keil | Di, 10. September 2019 - 10:31

"Sein umfassendes Geschichtsbewusstsein ließ es nicht zu, dass die Geschichte des deutschen Volkes auf die unseligen zwölf Jahre des braunen Unrechtsregimes reduziert wurden. „Die Geschichte unseres Volkes umfasst nicht nur zwölf, sondern 1200 Jahre." Weil Höcke und Gauland dies auch so sehen und sagen; Höcke fast wörtlich so, und Gauland, ungelenk mit seiner "Vogelschiß"- Rede, sind sie Holocaustleugner und Rechtsextremisten. Wäre Gauland, wie Dregger, gar Mitglied der NSDAP gewesen, würde er schon lange vom Verfassungsschutz überwacht. Herr Weinrich schrieb eine sachliche, historisch wertende Betrachtung. Von dieser unaufgeregten Art der Bewertung würde ich mir mehr wünschen.

Jürgen Keil | Di, 10. September 2019 - 13:07

Sorry. Da hat sich doch ein linker Kampfbegriff in meine Feder geschlichen. Ich wollte natürlich Holocaustverharmloser schreiben.

Budde Peter | Do, 12. September 2019 - 09:02

In den Achtzigern gab es mal ein eher linkes Zeitgeistmagazin mit dem Namen "Tempo". Die Redaktion erlaubte sich mal mit prominenten Politikern einen Spaß und ließen einen gefakten selbstmordgefährdeten Loser bei diversen Politprominenten anrufen. Mit dem Motto "Ich kann nicht mehr weiter, will nicht mehr, bitte um konkrete Hife". Das Resultat war interessant, alle linken Politiker beließen es mit Floskeln oder reagierten erst gar nicht. Der einzige der sofort einen Referenten losschickte um konkret zu helfen war der böse und ominöse "Faschist" Dregger. Otto Schily & Co. kamen bei diesem Spaß aus Vor-Böhmermanns-Zeiten schlecht bis sehr schlecht weg. Theorie und Praxis. Die Redakteure waren damals wohl selbst fassungslos, aber das Ergebnis wurde veröffentlicht. Vielleicht findet jemand mal die alte Ausgabe des längst vergessenen Blattes :-) !