Debattenkultur - Moral ist einfacher als Sachanalyse

Die Automobil- und Maschinenbauer stecken in der Krise und streichen immer mehr Stellen. Der IWF senkt erneut die Wachstumsprognose. Statt sachlich zu analysieren aber dreht sich das Medien-Empörungskarussell gelangweilt um andere Themen

Tunnel
Wir können den Weg wählen: Emotionalisierung oder Sachlichkeit / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Deutschland im Sommer 2019: Die Daimler AG, immerhin der drittgrößte Automobilhersteller mit weltweit knapp 300.000 Angestellten, gibt die zweite Gewinnwarnung in Folge heraus und schreibt im zweiten Quartal einen operativen Verlust von 1,6 Milliarden Euro. Passend dazu kündigt Autozulieferer Bosch, ein Gigant der Branche, massive Stellenstreichungen an – nicht das erste Mal in diesem Jahr. Mitbewerber Continental wartet ebenfalls mit einer Gewinnwarnung auf.

Ein weiterer bekannter Name der Automobilzulieferbranche, die Rietheimer Marquard GmbH, wird 600 Stellen von Baden-Württemberg nach Rumänien, Mazedonien und Tunesien verlagern. Der Maschinenbauer Schuler in Göppingen kündigt die Streichung von 500 Stellen an. Ebenfalls in Göppingen werden auch WMF und Fysam massiv Jobs streichen. Der Anlagenbauer Eisenmann in Böblingen muss in die Insolvenz, davon betroffen sind über 1.400 Mitarbeiter in Deutschland. Der VDMA, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, verkündet einen Rückgang der Bestellung von neun Prozent in der ersten Jahreshälfte, gemessen am entsprechenden Vorjahreszeitraum.

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Christoph Kuhlmann | Sa, 10. August 2019 - 10:38

und nun schreiben sie halt. Worüber aufregen? Moral ist die Waffe der Uninformierten gegenüber den Informierten. Sie ist billig, weil in der Mediengesellschaft niemand mehr kontrolliert, ob der Moralisierende selbst seinen Ansprüchen gerecht wird und sowieso die Gesellschaft zur Kasse gebeten wird. Was hat Merkel die Willkommenskultur gekostet? Nun gut, sie hat kaum noch Einfluss
in Europa und die CDU ist arg geschrumpft. Aber finanziell? So ähnlich geht es der schreibenden Zunft auch. Man kann ohne großen Aufwand Zeilen füllen und verdient noch daran. Das die Auflage schrumpft wird den bösen sozialen Medien in die Schuhe geschoben. Weiter denken sie nicht. Es ist heutzutage problemlos möglich sich wochenlang bei allen großen Zeitungen über ein Thema zu informieren, ohne von den wichtigsten Hintergründen überhaupt gehört zu haben. Insofern lässt das Interesse dann nach. Auch eine Form der asymmetrischen Demobilisierung.

Hans Page | Sa, 10. August 2019 - 10:39

Dieser Artikel ist eine gerechtfertigte und notwendige Medienschelte. Das Problem ist das wir inzwischen in zwei Welten leben, der Welt in der wir leben und die Welt die in den Medien abgebildet ist. Und das bezieht sich auf alle Bereiche die direktes oder indirektes aktives und passives Regierungshandeln betreffen. Wo immer etwa hochkommt das kritisch für die Regierung sein könnte wird (gefühlt) abgewiegelt. Früher hätten sich die Medien bei den gegenwärtigen Wirtschaftsinformationen überschlagen die „Wirtschaftskrise“ zu analysieren etc. Aber es ist wie bei Kriminalität, Zuwanderung, Rente, Euro, Sicherheit und Beziehungen zu USA, F, R, GB, Energiekrise, usw dass abgewiegelt und sogar verschwiegen wird. Natürlich gibt es hier und da einzelne Berichte aber im wesentlichen werden die Bürger eingelullt und abgelenkt mit irren Themen: CO2 Steuer, Fleischsteuer, eMobilität, Verbot von Flugreisen und eigentlich Vergnügen im Generellen, irren Rassismusdebatten, FfF usw.

gabriele bondzio | Sa, 10. August 2019 - 10:52

was uns bevorstehen kann."...meine Rede in anderen Kommentaren. Überspitzt ausgedrückt, das Ende einer Party, wo sich der Gastgeber überwiegend mit Dekoration befasst, aber für das Essen kein Geld mehr übrig ist. Aber Moral macht nicht satt!
Was schon Brecht zum Satz: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral" inspirierte. Zum Verzicht aus moralischen Gründen sind die Wenigsten bereit. Auch auf Seiten derjenigen, die sich stets nur zu bereichern wussten, wird sie kaum zu finden sein.
Eine durch um durch verfahrene Lage baut sich auf. Es ist 5 vor 12 für sachliche Orientierung, das Sollen auf das Können zu reduzieren. Das gilt auch für die ganze Migrations-und Umweltpolitik.
Sonst fliegt uns der ganze Laden um die Ohren.

Hans Page | Sa, 10. August 2019 - 10:56

Es gibt inzwischen einen unglaublichen Fokus auf zwei Themen Klima und Migration: man versucht die Bürger massiv zu beeinflussen (manipulieren) dass nur die totale Askese das „Klima retten“ könne und dass Migration vor allem aus Afrika/Nahost eine herrliche Sache sei. Was ich an der ganzen Sache nicht verstehe ist: früher haben sich die (deutschsprachigen) Medien die Themen selbst gesucht und die „Herrschenden“ zur Rechenschaft gezogen, heute scheinen die Medien als mehr oder weniger subtile Multiplikatoren der Regierung zur Lenkung der Bürger zu einem regierungsfreundlichen Verhalten. Woran liegt das? An der Ausbildung der Journalisten, an der Linie der sie beschäftigenden Medienkonzerne oder an einer raffinierten Medienpolitik der Regierung? Wieso bekommt jemand wie Habeck soviel Visibilität und jemand wie Linnemann oder Bosbach so wenig? Haben wir jetzt die berühmte „Formierte Gesellschaft“.

Ich danke dass Cicero dieses wichtige Thema anspricht.

<<Woran liegt das?>>
Die Medien verkörpern in unserem System die vierte Macht. Aus diesem Machtanspruch heraus sind sie von einander abhängig.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 10. August 2019 - 10:59

sürechen Sie wieder aus. Ich schrieb schon an anderer Stelle, ständig wird eine neue Sau durch das Dorf getrieben, immer mehr "neue" Ideologiephrasen werden ins Land gesät, bei denen eine Ernte nicht zu erwarten ist. Das was aber diese Gellschaft u.a. als wichtige Säule trägt, eine gesunde, stabile, kontrollierte, aber frei Marktwirtschaft, das ist aus dem Blick geraten. Die Ideologen mit ihren Forderungen auch an die Wirtschaft, sie überfordern uns alle. Die Wirtschaft reagiert mit Entlassungen, Standortwechseln und Insolvenz. Wer soll die Steuern denn aufbringen, um diesen Staat in Gang zu halten? Unternehmenssteuern und Gewerbeabgaben sind für den Staat unabdingbar. Nur wer soll es zahlen, wenn die Wirtschaft gegen die Wand gefahren wird.
Merkel hat ganze Arbeit geleistet. Im Ausland die Chefin geben, unser Geld verteilen, alles und jeden einladen zum Brunch an den Sozialkassen, aber für das Volk und die eigene Wirtschaft nichts. Außen Hui und innen Pfui sagt der Volksmund.

Urban Will | Sa, 10. August 2019 - 11:02

überrascht das alles ja niemanden mehr, trotzdem ist es gut, die Dinge immer wieder anzusprechen.
Auch wenn, Herr Grau, Sie sich damit in Schmuddelecke begeben, so ist es doch eben Ihr Job, den Sie gut machen.

Andere weniger.

Ob und in welchem Maße das im ersten Teil des Artikels Angesprochene bereits die Folge der Mainstream – Politik ist, weiß ich nicht, aber klar ist, es juckt derzeit die wenigsten der moralischen Trommelschläger wie die Industrie läuft.

Man sitzt im richtigen Boot, so zumindest die Einbildung und alles andere zählt nicht.

Der „Gutseinsviruns“ greift immer mehr um sich.
Er macht blind und taub und dusselig im Kopf.

Erschreckend finde ich das Tempo, mit dem dieses Land politisch, moralisch, emotional gespalten wurde.
Wie selbstverständlich und schnell man Menschen ausschließt und trotz der seitens der Evolution eigentlich gegebenen Fähigkeit freiwillig seinen Verstand in die Mülltonne geworfen hat.

Christa Wallau | Sa, 10. August 2019 - 11:50

Ja, faktisch stimmt das. Insofern müßten die Realisten eigentlich die begehrtesten Ratgeber sein. Aber so ist es leider nicht. Die Attraktivität der Utopisten, Idealisten und Moralisten ist immer viel höher. Selbst dann, wenn die Realität den Menschen mit aller Härte ihre Bedingungen setzt, gibt es Leute, die darüber, w a r u m es so kommen mußte, wie es kam, die fantastischsten Theorien in die Welt setzen. Und ihnen wird gern geglaubt!
Es scheint vielen Menschen nicht leicht zu fallen, den - zumeist harten - Realitäten dieser Welt ins Gesicht zu sehen, sie zu akzeptieren und sich danach möglichst vernünftig auszurichten.
Lieber macht man sich etwas vor, so lange es eben
geht.
Diese Haltung ist in D besonders verbreitet. Das beste Beispiel dafür liefert der deutsche Durchhaltekampf bis zum bittersten Ende im letzten Krieg. Die Italiener haben es geschafft, früher die Notbremse zu ziehen.

Es dürfte also auch jetzt mit der rettenden Wende in D so schnell nicht zu rechnen sein...

Robert Steiner | Sa, 10. August 2019 - 22:32

In Anbetracht der baldigen Wahlen ist es nötig über Moral zu reden und auf diskriminierende und rassistische Äußerungen aufmerksam zu machen, um einen politischen Wechsel zu verhindern, der Protektionismus auf Kosten der Freiheit ausübt. Ist doch gerdae dieser Protektionismus und das Verschließen nach außen für globale Unternehmen kontraproduktiv. Des Weiteren war nach dem Dieselskandal mit einer Krise der Autoindustrie zu rechnen, welche erst dadurch verursacht wurde, dass die Konzerne durch ihr „rationales“ Handeln, wie es im Wirtschaftslehrbuch steht, die Moral für mehr Wachstum außen vor ließen. Es sollte sich nicht nur auf eines, die Moral oder die Rationalität, beschränkt werden, sondern beides verknüpft werden.

Alexander Mazurek | Sa, 10. August 2019 - 23:08

… der vereinfachende Schreiberling Grau: Die Moral ist kein beliebig-esoterisches Konstrukt, sondern pure positive Logik, nachzulesen bei Plato, Aristoteles, Epiktet, Seneca, Augustin, Maimonides, Thomas von Aquin und sowieso im Tanach bzw. den Evangelien. Der Verstand soll demnach über die Triebe herrschen, nicht umgekehrt, denn "der Mensch hat so viele Herren, wie Triebe und Laster" und "freiwillige Sklaverei ist am wirksamsten wie am schändlichsten". Und - den Untergang des Abendlandes haben neben Dr. Luder & friends insbes. protestantische Angelsachsen wie Hume, Malthus, Hobbes und zuletzt Darwin und Galton eingeleitet. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem es kroch ...

helmut armbruster | So, 11. August 2019 - 08:37

immer feste druff, denn bis das Feuer den Keller erreicht sind entweder aller besoffen oder das Fest ist sowieso zu Ende.
Dieser Vergleich ist nicht so weit her geholt wie es scheint. Deutschland, seine Medien, seine Politik und große Teile seiner Bevölkerung leiden an einer Wirklichkeitsverweigerungs-Neurose.

Heidemarie Heim | So, 11. August 2019 - 10:31

Ach, werter Herr Dr. Grau! Der Einschlag kommt auch ohne grausige Wahrheit früh genug!
Was sollen unsere "Leitmedien" denn machen? Darüber schreiben, das uns unsere Politiker mit Leitsätzen wie "Wir profitieren am meisten von der EU!", "Alle Welt beneidet uns um unser Land, in dem wir gut und gerne leben!", Den Menschen ging es noch nie so gut wie heute!",
"Wir schaffen das!","Die Steuereinnahmen waren noch nie so hoch!" Blabla , mit dankbarer Unterstützung von ÖR und den eigenen journalistischen Erzeugnissen ohne Tamtam in die nächste Konjunkturkrise führen? Gar denen ein Gesicht und Stimme geben, die demnächst ihre betriebsbedingte Kündigung kriegen, weil nationale Regierung und auch die EU ihre Politik nur noch an Interessen der Wirtschaftslobby und Interessenverbänden ausrichten? Ups! Muss ich jetzt in die linke, rechte oder diverse Ecke mit meiner Meinung?Man sollte wieder mehr runde Zimmer bauen!Am besten gleich einen Redaktions-Elfenbeinturm mit VERLIES fürs wahrhaft Grobe!

Norbert Heyer | So, 11. August 2019 - 11:34

Wenn eine Gesellschaft gezielt zu einem Thema geführt wird, kann man davon ausgehen, dass die wirklichen sich abzeichnenden Krisen auf Sparflamme gekocht werden. Wir haben jetzt das Klima als größte Herausforderung favorisiert, alles andere ist außen vor. Mit Klima kann man auch wunderbar alles verbinden: CO-2 Steuer, höhere MWST. auf Fleisch, Fahrverbote, kein Plastik, Flugscham (ausgenommen Grüne), Kohlekraftwerke, Atom und umweltgerechte
Landwirtschaft. Wer solche Pläne hat, will unserer Wirtschaft Schaden bis zum Zusammenbruch zufügen. Grüne Politiker können Blödsinn jeglicher Art verbreiten, nirgendwo regt sich qualifizierter Widerspruch. Wo sind wir gelandet, hat Moral, Emotion und Gefühl die Realität und das Auge für das Machbare bedingungslos abgelöst? Keine Diskussion mit widersprüchlichen Meinungen ist möglich, ohne das die Ansicht jenseits der politischen Korrektheit verteufelt, verleugnet, geschmäht oder einfach nur lächerlich gemacht wird, oft mit grossen Nachteilen.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 11. August 2019 - 12:40

SACHANALYSE und ohne eine solche werte ich Moral als Befindlichkeit, die ich respektiere..., aber eine solche Analyse kann ich guten Gewissens nicht leisten und sie mir daher nicht leisten.
Haben Sie ausreichend die Unterschiede der Clinton Ära samt Subprimes zur jetzt Trump-Ära des ökonomischen Aufbaus der USA verglichen?
Auf Schulden sitzen wir alle, wegen Bill Clinton, würde ich meinen, aber ich glaube zuletzt dann doch an die fast höchst einzuschätzenden Expertisen der Ökonomen Deutschlands - gerade bei Wirtschaft, aber eigentlich generell setze ich auf den Wissenschafts/Wirtschafts-Standort Deutschland - von denen einer der profiliertesten unserer Zeit, Herr Harald Uhlig Professor für Makroökonomie in Chicago ist.
Wenn die USA es "mit ihm" nicht schaffen und in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit unseren `Expertissimi´, dann weiss ich es nicht.
Nu?

Gisela Fimiani | So, 11. August 2019 - 23:45

Eine von ihrer überlegenen Moral und sich selbst berauschte romantische Horde ist zur „Sachanalyse“ unfähig, da man der Anstrengung des Denkens längst entsagt hat. Man ist der Realität inzwischen enthoben. Fatalerweise reißt die irrationale Horde das gesamte Land in den Abgrund. Geschichtsvergessenheit und Realitätsverweigerung zeitigen entsprechende Folgen.

mich erinnert das an die Woodstock-Zeit – man himmelte einen Timothy Leary an, verschlang seine Bücher als Bibeln. Jahre später erfuhr man, dass er der Kopf eines riesigen Drogenkartells war, der eben mit diesen Drogen – die er als die Befreiung anpries – Geld verdiente. Aus und vorbei war der Mythos, man fing wieder an zu denken, selbstständig.

dieter schimanek | Di, 13. August 2019 - 16:56

......Medienlandschaft findet man in jedem totalitären Staat. Es ist die Voraussetzung um Bürger und Parlament zu entmachten. Bei jedem Putsch werden zuerst die Sendeanstalten gekapert. Wenn hier Brecht zitiert wird "zuerst das Fressen, dann die Moral" sind wir genau auf Linie. Man stelle sich vor, eine AFD würde an Einfluß gewinnen, die GEZ wäre einfach weg und mit ihr die Pfründe der Sender. Die Printmedien verlieren durch das Netz zwangläufig an Einfluß, erschwerend hinzu kommt eine verlogene Berichterstattung.
Wo stehen wir heute? Demokratie?