Seenotrettung - Der Walter-Ulbricht-Moment

Demokratie heißt, mit unterschiedlichen Meinungen um die Mehrheit konkurrieren. Politiker wollen dabei ihre Wahrheit als die richtige erscheinen lassen. Wenn Journalisten da aber mitspielen, produzieren sie Misstrauen. Damit tun sie der Demokratie auch beim Thema Seenotrettung keinen Gefallen

Seenotrettung
Menschen in Frankfurt demonstrieren für sichere Häfen / picture alliance

Autoreninfo

Bernd Stegemann ist Dramaturg am Berliner Ensemble und Professor an der Hochschule für Schauspiel (HfS) Ernst Busch. Er ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Die Moralfalle – Für eine Befreiung linker Politik“, Berlin 2018, Matthes & Seitz.

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Bernd Stegemann

Wer dreimal lügt, dem glaubt man nicht. So sprach einst der Volksmund. Leider ist das heute nicht mehr so einfach. Lügenpresse, Fake-News und Bullshit grassieren und werden heftig beklagt. Es ist aber nicht immer klar, was damit eigentlich gemeint ist. Gibt es so viele Fake-News, wie manch einer behauptet, oder ist der Vorwurf, etwas sei Fake-News, eine Methode, unliebsame Informationen abzulehnen? Während die eine Seite alles zu Fake-News erklärt, was ihr nicht passt, sieht die andere Seite darin die Axt einer radikalen, oft rechten Gesinnung, die an das Gemeinwesen gelegt wird. Wer lügt hier also?

Eine Antwort ist schwierig, und mit dem Philosophen Slavoj Zizek möchte man meinen, dass etwas nicht wahr ist, nur weil die Rechten es als Fake-News bezeichnen. Und leider hilft die klassische Definition von Bullshit hier auch nicht weiter. Denn es handelt sich nicht um prätentiöses Sprechen, das seine eigenen Lügen für wahr hält. Ein solches Blabla findet man zum Beispiel auf Vernissagen, wo eine tiefe Betroffenheit durch die Kunst erlogen wird, um als Reicher auch gefühlvoll zu erscheinen. Solange man das nicht glaubt, tut es niemandem weh.

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Stefan Jurisch | So, 11. August 2019 - 08:21

Und, ich staune, von einem eher links verorteten Mitbürger. Offenbar aber einem, der denken kann und das auch nicht versteckt. Sehr gut, so sollte man mit Fakten umgehen.

Hans Jürgen Wienroth | So, 11. August 2019 - 10:48

Der Autor schreibt: „Geschlossene Grenzen sind also mit ihrer (Merkels, eig. Hinweis) gewählten politischen Meinung als Bundeskanzlerin unvereinbar“. Wo bitte schön war diese Meinung Teil eines Wahlprogrammes? Das ist bei mir nicht im Gedächtnis. Auch haben wir eine parlamentarische Demokratie und kein Präsidialsystem. Das Parlament wurde zu dieser Frage allerdings nicht konsultiert.
Aktuell steht das Thema Klima auf der Tagesordnung. Wieder gibt es keine Diskussion. Die Maßnahmen werden wahrscheinlich einen wesentlichen Einfluss auf unser Leben haben. Wieder wird entschieden, ohne dass die Mehrheit der Wähler ein „Mitspracherecht“ bekommt, auch wenn hier eine an der Summe der Wähler kleine Anzahl Menschen für einen radikalen Wandel auf die Straße gehen. Spricht es für eine gute Demokratie, wenn ein paar laute „Aktivisten“ den Weg bestimmen?

Das wir eine parlamentarische Demokratie haben ist schon ein Fake.
Wir haben eine Parteidiktatur. Erkennbar an die Bildung von Koalitionen, die keine grundgesetzliche Grundlage haben. Nach der letzten Bundestagswahl wurde das W-Ergebnis in der Form ausgelegt, dass der Wähler angeblich eine Jamaikakoa will. Nachdem die gescheitert ist, hieß es, der Wähler will eine Groko. Unterstützt wurde diese Auslegung durch die Mainstreammedien, die mit der Politik in gegenseitiger Abhängigkeit stehen.
Künftig wird es noch schlimmer werden. Dann werden zwei Parteien zur Bildung einer Koa nicht mehr ausreichen. Im BT sitzen über 700 Abgeordnete, von den über 400 über eine Parteiliste zu Ehren kamen. Das Grundgesetz bestimmt, dass die Abgeordneten „UNMITTELBAR“ vom Souverän gewählt werden. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich zu einer Zusammenstellung der Liste der Abgeordneten gefragt wurde. Hieraus ergibt sich eine Abhängigkeit. Man erinnere sich was Kauder gesagt haben.

Andreas Zimmermann | So, 11. August 2019 - 11:07

Jede Unwahrheit oder Lüge produziert einen kurzfristigen Vorteil und langfristige Folgen. Der Lügner hofft das ihn die Folgen nicht betreffen und nimmt bedenkenlos in Kauf, das diese Folgen sehr wohl aber andere treffen können.
Nun kommen wir mal auf Ulbricht zurück, denn seine Lüge und deren Folgen haben 327 nachgewiesene Tote an der innerdeutschen Grenze produziert. Diese Toten waren mit ein Grund, warum die DDR nach 40 Jahren als Unrechtsstaat letztlich hochverdient untergegangen ist.
Es ist interessant anhand der Statistiken des "Bundeslagebild - Kriminalität im Kontext von Zuwanderung" festzustellen, das seit 2015 mehr Deutsche als in den 40 Jahren DDR-Grenzsicherung umgekommen sind. Wohlgemerkt Menschen welche sich nicht freiwillig auf den Weg machten um eine schwer bewachte Grenze zu überwinden.
Glauben die Verantwortlichen der ungeregelten Einwanderung allen Ernstes, das sie für diese Toten nicht irgendwann verantwortlich gemacht werden? Nun, politisch passiert das gerade...

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 11. August 2019 - 12:09

sein, innerhalb einer durchaus stringenten Argumentation politische Sichtweisen zu transportieren.
Und werde misstrauisch.
Nicht die Türkei sicherte ihre Grenzen, sondern Kurz hatte die Balkanroute geschlossen.
Das Geld der EU für die Flüchtlinge in der Türkei tat evtentuell ein Übriges.
Vielleicht versucht es der Autor mal nicht mit der Idee, Frau Merkel politisch gut dastehen zu lassen?
So bleibt ein schaler Geschmack bei mir.
Es hätte Frau Merkel auch nicht besser dastehen lassen, wenn sie es geschickter formuliert hätte - da war sehr viel Luft nach oben - und doch genau das politisch durchgesetzt hätte, was ihre ungeschickten Äusserungen eher vermuten liessen.
So kann man sich immerhin noch streiten, ob sie wirklich politisch so unbedarft ist, wie das für mich klingt oder tatsächlich alles geplant war.
Ich rechne die vom Autor dargebotene Alternative des umsichtigen Sprechens auch zu den "DDR-Varianten".
Auch in der DDR mußte man auf die Verpackung des "Diktats" achten.

Christa Wallau | So, 11. August 2019 - 12:28

die uns CICERO-Lesern l ä n g s t bekannt sind und über die wir uns in unzähligen Kommentaren
geäußert und bitter beklagt haben.
Was Herr Stegemann hier an Erkenntnissen von sich gibt, müßte ihm seit Jahren klar sein!
Wenn er sich so ausdrückt: "Produzieren Journalisten aber selbst mit Absicht Halbwahrheiten...., tun sie dem Vertrauensverhältnis in einer Demokratie keinen Gefallen", zeigt deutlich, daß er nicht im geringsten begriffen hat, wie sehr sich bereits jetzt das Vertrauen in Politik und Journalismus verflüchtigt hat.

Ja, Herr Stegemann, Sie schreiben zutreffend: "Die meisten Menschen reagieren sensibler auf Manipulationsversuche, als Journalisten und Politiker glauben mögen."
Das ist wohl wahr!

Und auch das ist wahr: Je länger es dauert, bis die
hochnäsigen Halbwahrheiten-Verbreiter ihren Mund halten, umso wütender werden die
Betrogenen, und sie verlangen nach immer drastischeren Methoden, um sie endlich loszuwerden.
Das ist die voraussehbare, logische Konsequenz.

Gisela Fimiani | So, 11. August 2019 - 12:38

„Leider sind die liberalen Demokraten häufig näher an einem solche Denken.......“ Handelt es sich wirklich um „liberale Demokraten“ , oder liegt hier die Wurzel des Übels? Der wirklich liberale Demokrat verachtet und bekämpft jede Art eines autoritären, relativistischen Aberglaubens, der nicht Unrecht haben kann, nicht Unrecht tun kann. Er will der Wahrheit näher kommen durch die Selbstbefreiung vom Irrtum, vom Irrglauben durch die Kritik an den eigenen! Ideen. Es tut Not, uns zu liberalen Demokraten zu erziehen. Es tut vor allem Not, uns nicht einfach Demokraten zu nennen, sondern uns eine Antwort auf die fundamentale Frage zu geben: In welcher Demokratie wollen wir leben? Beschreiten wir derzeit den Weg zu einer gelenkten (paternalistisch despotistischen) Demokratie, die jede politische Freiheit, jedes kritisch rationale Denken, durch vergewaltigenden Moralismus erstickt? Wir mangeln des Fundamentes und des Mutes den Mangel einzugestehen. Wir „doktoren“ nur an den Symptomen herum.

Markus Michaelis | So, 11. August 2019 - 13:12

Ich denke, wirklich alle Meinungen zuzulassen ist den meisten Menschen zu bunt. Soviel Offenheit haben die Allerwenigsten. Es gibt glaube ich auch keine geschichtlichen Beweis, dass soewtas funktioniert. Jede Gesellschaft hat ihr unausgesprochenes Meinungsspektrum, das zulässig ist und das demokratisch verhandelbar ist.

Deutschand (und andere Länder) sind in einer Umbruchsphase, wo sich (schneller als sonst die letzten Jahrzehnte) die Koordinaten des zulässigen Meinungsspektrums (also die Weltbilder) verschieben. Es ist nur ziemlich offen in welche Richtung. Das verunsichert natürlich alle.

In jedem Fall sind die wenigsten Menschen nur einfach demokratisch offen für jede Meinung, sondern ein zulässiges Meinungsspektrum wird üblicherweise als *die* Wahrheit verteidigt.

Wahrscheinlich muss das für eine funktionierende Gesellschaft so sein. Neu ist eher, dass durch äußere Einflüsse in D nicht mehr so klar ist, was das zulässige Spektrum ist.

Bernd Muhlack | So, 11. August 2019 - 15:56

Von A bis Z hervorragend, gleichwohl möchte ich einen Absatz hervorheben, insbesondere den letzten Satz:
Zitat:
"Von einer einfachen Lüge reingelegt zu werden, ist alltägliche Erfahrung. Man ärgert sich und versucht, das nächste Mal besser aufzupassen. Wird man hingegen gezwungen, einer Behauptung zu glauben, die einem nicht einleuchtet, führt das nicht nur zu Misstrauen, sondern zu Wut. Denn die Ohnmacht, die man erlebt, wenn man der nur halbwahren Behauptung nicht mehr widersprechen darf, verletzt tiefer als der Ärger, wenn man auf eine Lüge hereingefallen ist."
Zitat Ende.

"Wahrheit ist Lüge und Lüge ist Wahrheit"
George Orwell, 1984
Wir haben es in der 10. Klasse in 1978 gelesen, ich habe das Büchlein noch! Es liegt lesebereit in der Warteschleife auf der Kommode.
(Da sind noch die damaligen Anmerkungen, Unterstreichungen sowie "Zettel" mit zusätzlicher Info drinne!)
Um es mit Frau Katrin Göring Eckhardt zu sagen: "Ich freu mich drauf!"

Juliana Keppelen | So, 11. August 2019 - 17:23

Herr Stegemann ist mir mit seinem Bericht "Die andere Hälfte der Wahrheit" schon wohltuend aufgefallen. "Die andere Hälfte der Wahrheit" ist am 31. März 2016 bei Zon erschienen also noch während dem Willkommensrausch zu dem Zeitpunkt war es fast schon mutig sich so kritisch zu äußern. Aber ich sehe er ist kritisch geblieben.

Juliana Keppelen | So, 11. August 2019 - 17:33

die man erlebt, wenn man der nur halbwahren Behauptung nicht mehr wiedersprechen darf, verletzt tiefer als der Ärger, wenn man auf eine Lüge hereingefallen ist."
Genau so ist es.

Heinz Maier | So, 11. August 2019 - 18:31

Gut erkannt, jedoch gibt es unterschiedliche Interessen. Reschke will (mehr) Zuwanderung, andere nicht. Dazwischen ist Propaganda.
Merkel will Zuwanderung und deshalb die Grenzen nicht schließen. Die Aussage „Grenzen lassen sich nicht schließen“ war propagandistisch bedingt eine debile Aussage. Propaganda hat immer auch erstmal eine verdummende Wirkung. Sie will einer Gegenmeinung den Boden entziehen. Dem Empfänger bleibt der Mund offen, er ist sprachlos.
Eine Diskussion ist nicht möglich.

dieter schimanek | Mo, 12. August 2019 - 01:46

Wie weit Politik und Medien damit kommen, kann man an den Wahlergebnissen ablesen. Auch die Glaubwürdigkeit der meisten Medien hat das Pinoccio Level längst erreicht. Je näher Wahlen kommen umso mehr wird gelogen. Die Spaltung der Gesellschaft und Europas läßt sich nicht mehr aufhalten. Es wird versucht mit weiteren Lügen zu kitten, ein Witz!

Jens Rotmann | Mo, 12. August 2019 - 08:49

Lässt sich leicht an den Auflage-Verlusten der MSM ablesen. Dabei ist der "Relotius-Verlag in Hamburg" nur die Spitze vom Eisberg. Bei ARD / ZDF überprüfe ich sogar die Uhrzeit, dazu habe ich so einen Atom-Wecker gekauft.......;-)
Ich höre wohl die Botschaft - Schlüsse zieh ich selber ! Basta ! Beim Cicero ist es noch einigermaßen erträglich.

Dirk Weller | Mo, 12. August 2019 - 08:51

Einerseits bin ich immer wieder begeistert über solch intelligente und wunderbare Artikel wie den obigen.
Andererseits bin ich genau so wütend und traurig, das der Rest der ehemals deutschen "Qualitätsmedien" so etwas nicht mehr zustande bringt.
Mehr gibt es da nicht zu schreiben.
Weiter so, CICERO.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 12. August 2019 - 09:35

" Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der Empfänger sie trotzdem glaubt." (Quelle Wiki)
Es sind nicht alles nur erfundene Geschichten, wie bei C. Relotius, die man einer "Lügenpresse" zuordnen kann. Es ist genau wie Sie es sagen, das Verbreiten und bestätigen von Halbwahrheiten, das hinführen zu einer Denkrichtung, das Vorenthalten der gesamten Geschichte, aller Argumentationspunkte zu einem Sachverhalt.
Dies haben viele Menschen erkannt und nennen diese journalistische Form der parteiergreifenden und moralisierenden Form der Berichterstattung eben auch "Lügenpresse".
Ich unterstelle der Presse nicht, dass sie Dinge grundsätzlich erfindet, das bleibt wenigen Ausnahmen der Journalisten überlassen. Ich sage aber, dass viele Redaktionen politisch einseitig versuchen durch eigene Meinung selbst Politik zu machen und die Politiker treiben an oder lassen sich treiben im medialen Himmel.

Christoph Kuhlmann | Mo, 12. August 2019 - 10:12

Widerspruch erhöht die Intelligenz von Entscheidungen. Aus dem einfachen Grund, dass Widerspruch begründet werden muss, darauf der Widerspruch zum Widerspruch usw.. Erst so werden umfassend viele relevante Informationen eingebracht und normalerweise bei einer Entscheidung berücksichtigt. Das heißt im Umkehrschluss, eine Gesellschaft, die auf vom Widerspruch geprägten Debatten verzichtet, trifft dumme Entscheidungen. Das geht den Diktaturen ebenso wie Demokratien, die große Teile des Widerspruchs diffamieren und ausgrenzen.

Josef Olbrich | Mo, 12. August 2019 - 11:44

Herr Stegemann, ihr erster Satz verrät Sie schon wes Geistes Kind Sie sind. Wer dreimal lügt, dem glaubt man nicht - so der Volksmund. Nun, als Kind habe ich gelernt: wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht - so der Volksmund meiner Kindheit. Und der hat bis heute recht, so meine Erfahrung. Es fällt heute so manchen Journalisten schwer bei den Fakten zu bleiben und nicht seine Meinung geschickt dazwischen zu lancieren. Dem Leser fällt so etwas auf - und die Gedanken sind frei.

Rob Schuberth | Di, 13. August 2019 - 01:20

In reply to by Josef Olbrich

sehr richtig Herr Olbrich.

Daher fand ich den hier im Cicero zum 1. Mal gelesenen Begriff der Lückenpresse auch wesentlich passender als den der Lügenpresse.

Denn plump lügen, das machen die wenigsten Journalisten u. ä.

Aber mittels Framing u. Haltungs-Journalismus uns nur das zu "verkünden" was Sie (die Journalisten) uns denken lassen wollen, dazu passt dann Lückenpresse.

Ingo Kampf | Mo, 12. August 2019 - 19:28

Der Autor hat intellektuell super herausgearbeitet, was viel im Bauch haben. Deshalb gib‘s ja bei ARD und Co. auch einen Leitfaden für Framing.
Der DDR-Funk hat brutal gelogen. Unsere ÖR Medien sind subtiler aber kaum weniger unwahr.
Es gibt ein altes Motto aus den Unfallverhütungsvorschriften: Gefahr erkannt - Gefahr gebannt.

Hans Page | Di, 13. August 2019 - 10:40

Ich wohnte bis 2016 im nicht-deutschsprachigen Ausland, habe aber die deutsche Politik aus der Ferne beobachtet (Spiegel bis 2016 und Satelliten-TV). Dadurch entging ich ein wenig der politisch konformen Informationsberieselung, dem Umfeldkonformismus und könnte mir ein unabhängiges Urteil bewahren, auch weil ich mich über nicht deutsche Medien informierte. Dann so ab 2010 Teilnahme an verschiedenen Online Kommentarforen in Spon, welt, Zon and faz. Gegen die zunehmende Kampagnenisierung seit 2010 (Brüderle, Wulf, Sotchi, Sarrazin, Migrantenkriminalität, Kampf gegen Rechts etc etc) in den Medien versuchte ich in den Foren anzuschreiben, da mir schon 2010 etliche Analogien zur Pressepolitik 1933ff und DDR (Schwarzer Kanal) auffielen. Dabei entdeckte ich dass es in deutschen Medien feste Tabus gibt und dass die Moderatoren Erziehungs- und Zensurfunktion hatten.

Hans Page | Di, 13. August 2019 - 10:56

Die Erfahrung dass bestimmte Schlussfolgerungen aus guter Geschichtskenntnis nicht mehr erlaubt sind (bez zB dem Verhalten der Antifa, die mangelnde Toleranz für abweichende Meinung, der Willen Menschen mit anderer Meinung Reputation und Existenz zu vernichten oder einfach offensichtliche Fehlentwicklungen mit Rassismusvorwürfen totzuschweigen etc etc) erzeugt das Gefühl gegängelt zu werden. Es sind diese zwei Trends: Konformisierung der Medien Information innerhalb einer erlaubten Bandbreite und gleichzeitig die Gängelei in Foren durch Moderatoren einschließlich computergesteuerter Zensur die empörend sind und massives Misstrauen gegenüber Regierung UND Medien erzeugen. Es ist diese Kumpanei zwischen Herrschenden und den Medien (die eigentlich die Regierung in ihrem Allmachtswahn begrenzen sollten) die das wirkliche Problem ist und die Wut erzeugt. Es gibt natürlich die löblichem Ausnahmen wie Cicero aber ich denke diese Regierung ist inzwischen immun gegen Kritik aus der Nische.

Natürlich schreiben die Journalisten des Cicero und wir "Nischenhocker";-)an gegen eine konformistische Übermacht aus vom Staat abhängigen ÖR-TV und Verlagshaus-Redaktionen mit naher Verbindung zu den Mächtigen. Um Kritik außerhalb dieser "Komfortzone" braucht man sich deshalb auch nicht zu kümmern. Man hat das Gefühl, das die Politik bzw. Parteipolitiker nur reagieren wenn die Kritik aus den eigenen Reihen kommt.Was ein Herr Tauber eindrucksvoll bewies, als er sinngemäß mit "Wer meckert ist ein A....l..h und kann gehen!" parteiinterne Anfragen abbügelte. Was ihre "Kunden" auch Wähler genannt betrifft, so kommen diese im politischen Alltag nur noch in den "Umfragen" von INSA & Co vor, die am Morgen vor dem Tagwerk als erste und wichtigste Lektüre! bei nahezu jedem Parlamentarier bzw. Parteivorsitzenden gehört! Hinterher noch das Tageshoroskop und der Tag kann kommen;)! Die bösen Apps von Cicero, NZZ oder T.E. mit unbotmäßigen Leserkommentaren wurden prophylaktisch gelöscht. MfG

Lisa Werle | Di, 13. August 2019 - 17:07

Wie konnte dieser unsägliche Gesinnungsjournalismus aus den unguten Jahren des vorigen Jahrhunderts es schaffen, sich heute wieder zu etablieren - als 'Haltungsjournalismus'? Stolz vor sich hergetragen von Personen wie u.a. Reschke und Restle im ÖR. Und warum schämen sich diese Journalisten nicht, einen solchen Fehler aus unserer historischen Erfahrung heraus zu wiederholen und sich dabei offenbar auch noch gut zu fühlen? Die Erklärung kann nur sein: diese 'Journalisten' bilden sich sein, im Besitz DER einzig richtigen moralischen Gesinnung/Haltung zu sein - und werten damit wie selbstverständlich alles andere ab. ÖR anschauen geht für mich inzwischen gar nicht mehr - unerträglich. Wenn Information und Meinung nicht mehr klar getrennt werden, dann hat jede sog. öffentlich-rechtliche Einrichtung ihre Existenzberechtigung verloren.

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