Andrea Breth - „Theater wirkt oft so belanglos“

Wie hat sich in den letzten 50 Jahren das Schauspiel verändert? Warum wird auf allen Bühnen geschrien? Ein Gespräch mit Andrea Breth, die Schauspiel und Oper inszeniert und die Berliner Schaubühne leitete, über politischen Kitsch und deutsches Unterforderungstheater

Die Theaterregisseurin Andrea Breth aus Wien (Österreich) erhält von Bundespräsident Joachim Gauck am 01.10.2015 im Schloss Bellevue in Berlin einen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Die Theaterregisseurin Andrea Breth erhält 2015 von Joachim Gauck einen Verdienstorden der Bundesrepublik / picture alliance

Autoreninfo

Irene Bazinger ist Theaterjournalistin und lebt in Berlin. Zuletzt gab sie das Buch „Regie: Ruth Berghaus“ heraus (Rotbuch-Verlag)

So erreichen Sie Irene Bazinger:

Frau Breth, Sie haben 20 Jahre regelmäßig am Wiener Burgtheater inszeniert. Nun hat Ihnen der designierte Intendant Martin Kusej per SMS gekündigt. Warum?
Das ging so zwar durch die Medien, aber es ist völliger Unsinn. Eine Kündigung per SMS wäre juristisch gar nicht haltbar gewesen. Nein, Kusej hat mir einen Zweizeiler durch die jetzige Intendantin zugeschickt und ihn nicht selbst unterschrieben, mit der Begründung, er würde mich vielleicht noch einmal brauchen können … Das ist schlechtes Benehmen, wir kennen uns ja, ich habe bei ihm am Residenztheater München 2014 Pinters „Der Hausmeister“ inszeniert. Das hätte man auch persönlich abwickeln können. Ich war von 1992 bis 1997 selbst künstlerische Leiterin der Berliner Schaubühne und weiß, dass beim Neuanfang eines Intendanten meist Ensemble und Regisseure ausgetauscht werden. Das ist ganz normal. Nur die Art und Weise hat mir hier nicht gefallen.

Sie haben sich Ende März von der Burg mit einer großen Inszenierung verabschiedet, nämlich Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“. Am Schluss haben Sie sich persönlich an die Zuschauer gewendet. War das abgesprochen?
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Wolf-Dieter Hohe | Mi, 10. Juli 2019 - 18:27

Vielen Dank Frau Bazinger für die auch für die, auch für den sozialen wie politischen Alltag verwendbaren, herausgearbeiteten Nachdenklichkeiten Ihres Interviewes.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 12. Juli 2019 - 07:45

Herrlich ehrlich wird hier eine wie ich meine gegen den Strom schwimmende und unangepasste Regisseurin dargestellt.
Sie will nicht im Mainstream schwimmen, sie hat eigene Visionen, sie kümmert sich um die Dinge selbst, sie hat einen diskussionsfördernder Stil. Was ist daran verkehrt? Der Zuschauer mag im Einzelfall, so er ein Stück und sein Zustandekommen versteht, beurteilen und sich selbst entscheiden, ob und wie er sich auf eine Inszinierung einläßt.
Sie prägt ihren eigenen Stil, läßt sich nicht treiben vom Mainstream und hat den Anspruch, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und dazu zu bringen, sich wenigsten noch kruze Zeit nach der Aufführung mit dem Inahlt auseinander zu setzen. Was ist daran falsch?
Das Politik die Freigeister schmäht und nicht fördert, zeigt deren Arroganz. Sich in VIP-Lounges zeigen, den Verständnisvollen geben, dann aber sich abwenden, ob der Kritik an der Gesellschaft.
Ihr Ansatz, die Menschen zum selber- und zum mitdenken anzuregen vorbildlich.

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