Deutsche Bank und Commerzbank - Die Zwangsfusion, die niemandem nützt

Deutsche Bank und Commerzbank sollen fusionieren, so will es zumindest Finanzminister Olaf Scholz. Doch warum eigentlich? An den fundamentalen Problemen der Banken in Deutschland würde sich kaum etwas ändern. Andere Maßnahmen könnten viel besser helfen

Deutsche Bank-Gebäude in Frankfurt
Die dunklen Wolken über der Deutschen Bank würde eine Fusion mit der Commerzbank nicht vertreiben / picture alliance

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war er bei der Boston Consulting Group (BCG). Sein neues Buch heißt „Das Märchen vom reichen Land“.

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Nun scheint es doch so weit zu kommen. Deutsche Bank und Commerzbank sollen nach tatkräftiger Hilfe aus dem Bundesfinanzministerium zur Fusion schreiten. Finanzminister Olaf Scholz treibt das voran zur Sicherung deutscher Wirtschaftsinteressen und damit als Beispiel für die neue Industriepolitik der Regierung. Für jeden anderen, der sich nur ein wenig mit den Problemen des (deutschen) Bankenmarktes beschäftigt, ist es aber eine Aktion, die keines der vorhandenen Probleme löst und stattdessen weitere schafft.

Dazu muss man sich zunächst die Frage stellen, warum es den deutschen Banken denn so schlecht geht. Warum wir trotz der unstrittigen Stärke der deutschen Wirtschaft allgemein im Bankwesen schon seit Jahrzehnten nicht in der ersten Liga spielen. Warum deutsche Banken im internationalen Vergleich so klein und vor allem so unprofitabel sind.

Der Markt in Deutschland ist unattraktiv

Deutsche Banken verdienen im Schnitt nur 0,2 Prozent auf ihr Vermögen, während Banken in Frankreich und den Niederlanden mehr als doppelt so viel verdienen, in den USA sogar fünfmal so viel. 

Der erste und wohl auch entscheidende Grund für die schwache Profitabilität deutscher Banken ist die Struktur des Bankenmarktes hierzulande. Ein Bankenmarkt ist umso profitabler, je konzentrierter er ist, also je weniger Marktteilnehmer es gibt. Damit ist keine Monopolbildung gemeint, sondern das Entstehen von Banken, die groß genug sind, um Größenvorteile zu realisieren und so Kosten zu senken. Der deutsche Markt ist der fragmentierteste in Europa. Und auch eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank würde an dieser Tatsache nichts ändern.

Dies hat mit einer weiteren deutschen Besonderheit zu tun. Der hohe Anteil staatlicher und genossenschaftlicher Spieler im Markt: Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken führen nicht nur zu einer weiteren Fragmentierung des Marktes, sondern verfolgen auch nicht ausschließlich das Ziel der Gewinnmaximierung. Sie sehen ihre Aufgabe auch in der Förderung der regionalen Wirtschaft und in der Unterstützung ihrer Mitglieder. Damit senken sie das Preisniveau im Markt und reduzieren die Profitabilität für alle Banken in Deutschland.

Aus Sicht der Kunden mag dies zunächst erfreulich sein. In Wahrheit verhindert dies aber die Realisierung von Kostenvorteilen durch Größe und Fokussierung. Das führt zu strukturell höheren Kosten für alle Beteiligten – Banken wie Kunden. Auch daran würde eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank nichts ändern. 

Politik der EZB setzt Banken unter Druck

Zu diesen strukturellen Besonderheiten des deutschen Marktes, kommen seit mehreren Jahren die Nebenwirkungen der Politik der Europäischen Zentralbank. Mit immer aggressiveren Maßnahmen versucht die EZB, den Euro zu „retten“. Das führt zu immer tieferen Zinsen angesichts der ungelösten strukturellen Probleme der Eurozone (Verschuldung, divergierende Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsländer) und dem Versagen der Politik, diese Probleme zu lösen. Niedrigere Zinsen sind aber nicht nur für Sparer ärgerlich, sondern für Banken existenzbedrohend. Sie verdienen an der Differenz zwischen den Zinsen, die sie ihren Kunden für die Einlagen oder der EZB bezahlen und den Zinsen, die sie für Kredite bekommen.

Je tiefer das Zinsniveau, desto geringer auch die Zinsmarge und damit der Druck auf die Profitabilität der Banken. Zwar haben sie in den vergangenen Jahren verschiedene Gebühren deutlich erhöht, um die Einnahmenseite zu verbessern, dennoch bleiben die Gewinne nachhaltig unter Druck. Eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ändert auch an diesen Umständen nichts. Wenn sich die Bundesregierung um die deutschen Banken sorgt, sollte sie lieber der EZB helfen und die Krise der Eurozone an der Wurzel packen. 

Die Banken stehen vor technologischem Umbruch

Zu allem Überfluss steht das Bankenwesen vor einem radikalen Wandel, getrieben von den neuen technologischen Möglichkeiten. Innovatoren wie die Internetbank N26 und Vermögensverwalter wie „Scaleable“ und „Liqid“ zeigen, dass das bestehende Geschäftsmodell der Banken keine Zukunft hat. Niemand braucht in Zukunft eine Bankfiliale mit persönlicher Betreuung für seine täglichen Bankgeschäfte. Für die etablierten Spieler im Bankenmarkt bedeutet dies eine zweifache Herausforderung. Sie müssen neue internetbasierte Dienstleistungen aufbauen und zugleich die vorhandenen alten Strukturen abbauen. Die Erfahrung aus anderen Industrien zeigt, dass es nur wenigen Unternehmen gelingt, einen solchen Wandel erfolgreich zu bewältigen. Zu groß sind die Beharrungskräfte der alten Strukturen. Auch hieran ändert eine Fusion von Deutscher und Commerzbank nichts. 

Folgen des Missmanagements

Nicht vergessen dürfen wir in diesem Zusammenhang die Fehlleistungen der verantwortlichen Manager in den vergangenen Jahrzehnten. Gerade die Deutsche Bank hat zunehmend Zuflucht in den internationalen Märkten und im Investmentbanking gesucht angesichts der schwierigen Marktstruktur hierzulande. Verkannt wurde dabei aber, dass auch in diesem Markt Größe eine entscheidende Rolle spielt. Eine besondere Herausforderung ist zudem, die besten Mitarbeiter zu finden und zu halten. Letzteres führt bei allen Banken dazu, dass ein Großteil der erwirtschafteten Gewinne nicht bei der Bank landen, sondern als Bonus ausgeschüttet werden.

Die Risiken für Verluste verbleiben aber bei der Bank und den Aktionären. Besonders schwierig wird es dann, wenn man fehlende Größe und Präsenz dadurch zu kompensieren versucht, dass besonders hohe Risiken eingegangen werden. Dass der IWF die Deutsche Bank als die gefährlichste Bank der Welt bezeichnete, ist nicht als Lob, sondern als vernichtendes Urteil zu sehen. Zwar ist das aktuelle Management bemüht, die Risiken abzubauen. Dies dauert aber an und wird durch eine mögliche Fusion mit der Commerzbank nicht beschleunigt, sondern eher behindert. 

Es gäbe Alternativen

Es ist also offensichtlich, dass eine Fusion der beiden Banken nichts an den grundlegenden Problemen der beiden Institute und des Bankenmarktes hierzulande ändert. Im Gegenteil steht zu befürchten, dass die Fusion so viel an Energie, Managementkapazität und -aufmerksamkeit bindet, dass es den beteiligten Banken mehr schadet als nutzt. 

Wollte die Politik den deutschen Bankenmarkt stärken, sollte sie Konzentration und Professionalisierung fördern, zum Beispiel, indem sie den Sparkassensektor konsolidiert. Dieser könnte dann perspektivisch mit der Deutschen Bank fusioniert werden, weil dann ein starker nationaler Spieler mit entsprechender internationaler Verflechtung entstehen würde. 

Stattdessen konzentriert sich die Politik darauf, zwei Banken in eine Fusion zu zwingen, deren Manager wissen, dass sie ihnen nichts nutzt. Am Ende werden – allen Beteuerungen zum Trotz – Steuergelder fließen, um die Fusion und die Sanierung zu ermöglichen. So bleibt auch dies ein weiteres Beispiel für die fehlgeleitete Politik hierzulande, die lieber an Symptomen herumdoktert, anstatt die Ursachen zu adressieren. 

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 19. März 2019 - 12:33

Autor.
Sein Artikel beginnt nicht mit vorüberziehenden Wolken, zaghaftem Zwitschern der Vögel über den nahen Frühling - ich hatte gedacht diese Art der Berichterstattung sei seit "Relotius" out, Herr Laabs belehrte mich eines Besseren -, mir aber sagt der Artikel, dass Scholz richtig liegt, wobei ich die Komponente der Volks- und Sparkassen interessant finde.
Dazu würde ich aber lieber einen Vertreter dieser von mir sehr geschätzten "Kassen" lesen.
Das eine tun, das andere nicht lassen.
Die Idee, ersteinmal die Finanzwelt zu ändern, bzw. neu aufzubauen, anstatt sich mit ihr zu verändern, kann mich nicht überzeugen.
Die Deutschen werden auch nie wie die Amis "zocken".
Ich setze auf UNSERE finanztechnische Intelligenz.
Als interessierte Beobachterin, versteht sich.
Hoffentlich bedenkt Scholz auch den Wegfall von Arbeitsplätzen.

Das im Artikel genannte Argument der zu vielen nicht gewinnorientierten Banken wird sehr gerne von Dt. Bank und Co genannt. Im Interesse der Bürger und Kreditnehmer wäre eine oligopolistische Bankenlandschaft aber nicht. Es fehlen in dem Text auch weitere Argumente: Bei einem Aktientausch würde die Dt. Bank den Hauptaktionär Deutschland bekommen, was einer Übernahme von einer ausländischen Bank verhindern könnte. Erinnert sei an den kürzlichen Kauf von Daimler-Aktien durch einen Chinesen. Man stelle sich vor die Chinesen würden die Dt. Bank kaufen. Das ist das Argument zwei: Übernahme unserer nur noch kleinen kommerziellen Banken. Was im übrigen gerne als Alternative zu dieser "deutschen" Fusion genannt wird. Keine Ahnung was ich selber befürworte, denn ohne eine deutsche Großbank wäre auch das Bankenrisiko für die Deutschen niedriger. Hinzu kommt, dass man das Problem der zu vielen Banken auch durch das Verschwinden von Dt. Bank und Commerzbank/Dresdner Bank lösen kann.

Günter Johannsen | Di, 19. März 2019 - 12:37

Eine vom Staat erzwungene Einheits-Bank erinnert mich sofort an die erzwungene Einheitspartei und die Zwangsvereinigung von SPD & KPD zur SED, die sich heute erfolgreich wiederholt hat!

Ernst-Günther Konrad | Di, 19. März 2019 - 15:36

ich finde diesen Artikel sehr informativ, mir fehlt nur ein Ende dieser Geshichte. Das die Leidtragenden am Ende die Arbeitnehmer durch Verlust des Arbeitsplatzes sind und die Steuerzahler ohnehin immer haften, das leuchtet mir ein. Nur, es fehlt mir Ihre Einschöätzung Herr Stelter, der sie ausgewiesener Fachmann sind, wem es denn nun tasächlich den groeßn Nutzen bringt. Banken fusionieren doch nicht aus Lust an der Freude. Der Nebeneffekt sich gesund zu schrumpfen müsste doch mindestens anvisiert werden oder? Nur sagen Sie selbst, es bringt denen gar nichts. Also, Cui bono? Kann es sein, dass diese Fusion deshalb statfindet, um so ganz nebenbei unliebsame Banker zu entsorgen, in dem man die in Stellung bringt, die der Politik am genehmsten sind? Das wäre für mich durchaus ein Grund eine solche Fusion zu betreiben. Die Regierung besetzt Richterposten, ernennt angepasste Behördenleiter, da schreit es doch geradezu noch linientreuen Bankern, die einer Regierung unter der Hand mal helfen.

Hallo Herr Konrad,

wieder ein schöner Kommentar von Ihnen. Diese geben mir sehr viel.
Wie Sie richtig konstatieren, passiert dies nicht einmal so. Ein schlei-
chender Prozeß. Man trifft sich und mag sich. Es gibt exclusive Restaurants,
da läßt es sich gut verhandeln, versprechen, das Verbum "intrigieren"
lasse ich momentan noch außen vor. Ganz richtig, "die Regierung klün-
gelt mit Posten für sich gewogene und manipulierbare Richter, für Übrigge-
bliebene ohne Karrierechancen und diese benötigen ihrerseits unsere frag-
würdige Regierung.

Mein regierungsbedingtes Phlegma läßt mich nur noch sagen:
"tit for tat", "visa versa" und Merkel mit Scholz frohlocken: Unsere willigen
Steuerzahler schaffen das.

Wolfgang Z. Keller | Di, 19. März 2019 - 21:11

Nanu? Heisst es nicht immer, die "wahren Mächtigen" in Industrie, Wirtschaft und Banken bestimmen (auch in D), was Politik machen soll bzw. darf? Und jetzt sucht sich "die Politik" plötzlich genehme Banker? Ja, wie jetzt?!

Alfred Simon | Di, 19. März 2019 - 21:36

Eine Fusion Deutsche Bank und Commerzbank macht aus zwei kranken Banken eine Bank, die ist doppelt krank.
Wie groß das "Sponsoring" der Bundesregierung aus Steuergeldern der Deutschen Bevölkerung sein wird,werden wir so bald oder nie erfahren. So weit, so richtig.
Aber warum der Sparkassensektor, mit dem großen
Rückhalt von Städten und Kommunen, konsolidiert
werden muß, ist mir unverständlich.
Warum soll ein "Kerngesunder" mit dem "Kranken"
sich ins Bett legen?
Kein Gedanke doch auch an den anderen "Kernge-
sunden", die Genossenschaftsbanken. Sie stehen
weiter für Millionen "Kleinkunden".
Ich sehe keine zwingende Notwendigkeit, vorerst
mit Gewalt vom "Dreisäulenprinzip" der deutschen
Bankenwirtschaft abzurücken.
Herr Stelter, über das Fehlen Ihres geeigneten Vor-
schlages bin ich verwundert!

Frauke Zimtmöller | Di, 19. März 2019 - 22:03

Logisch stimmig ist diese Argumentation leider nicht.
Würde die Fragmentierung tatsächlich zu (spürbar) höheren Kosten führen, so hätten die großen Privatbanken (wie Deutsche und Commerzbank), erst recht aber die großen ausländischen, in Deutschland tätigen Geldhäuser (z.B. Santander, ING) die Genossen und Sparkassen, die einzeln ja viel kleiner sind als die großen Monolithen, längst vom Platz gefegt. Tatsächlich aber behaupten alle drei Gruppen seit langen ähnliche Marktanteile. Die kleinen Institute können also nicht das Problem sein.

Wenn eine spezielle Branche wie die Banken deutlich höhere Margen erreicht als andere, geht dies stets mit Kosten für die gesamte Volkswirtschaft einher. Ein gutes Gegenmittel ist Konkurrenz - und die funktioniert auf dem deutschen Bankenmarkt hervorragend.

Brigitte Simon | Mi, 20. März 2019 - 11:09

Scholz hindert es nicht, Steinbrücks Mißerfolg von vor ca.10 Jahren, eine Zusammenlegung der Commerzbank und der Dresdner Bank, zu wiederholen.
Es sollte damals der Finanzsektor Deutschland
gestärkt werden. Wenig später mußte der Staat, der deutsche Steuerzahler, mit 10 Milliarden des Bundes und 15 Milliarden Garantierahmen die
Fusion retten. Nun würden für Scholz die Bäume
in den Himmel wachsen. Scholzen´s Fantasie
treibt Frühlingsblüten. Die Fusion Deutsche Bank
und Commerzbank ist ein rein deutsches Unter-
nehmen. Diese Fusion würde die Übernahme der
Deutschen Bank durch eine französische Bank
verhindern. Aber eine politisch getriebene Ban-
kenfusion a la´ Steinbrück wäre falsch. Der Staat
muß sich fernhalten. Ein "too big to fail" als Be-gründung, die Wirtschaft benötige ein großes In-
stitut in Deutschland, ist so nicht angebracht.
Ureigenstes Bankenengagement ist Pflicht.
Kapitalerhöhung!

Heidemarie Heim | Mi, 20. März 2019 - 12:13

Hat man doch schon lieber Herr Konrad! Sonst kann ich mir die tätige wie "untätige"(Cum Ex;) Finanzpolitik der letzten Regierungsperioden ja gar nicht mehr erklären;-). Ob unsere Folgsamen in EZB, Kaffeekränzchenpartner und Geburtstagfeiern im Kanzleramt wie anno dunnemals Ackermann, bzw. die letzten noch wahrscheinlich erfolglos Widerstand leistenden und aufrechten "Gallier" von den genossenschaftlich organisierten Banken und Sparkassen betreffs einer europäisch zentralisierten Schuldenhaftung.
Die kuriose Heilmethode "1 Kranker + 1 Kranker= 1 Gesunder" erschließt sich wohl nur den Akrobaten der berühmten schwarzen Null. OP gelungen, Patient leider tot, die Beerdigungskosten übernimmt der Steuerzahler. Klappt immer! Alles Gute! MfG