Migration - „Es gibt keine Flüchtlinge, nur Menschen“

Bei der Integration von Migranten müssen Städte und Gemeinden ausbaden, was die Landesregierung entschieden hat. Das ist überall in Europa so. In Paris haben sich jetzt Vertreter der Kommunen getroffen. Die zentrale Frage. Wie kann sich das Zusammenleben mit den Neubürgern verbessern?

In der Nähe der Metrostation Stalingrad in Paris, Frankreich, stehen am 13.9.2016 Zelte von Migranten. Seit Monaten bilden sich in der französischen Hauptstadt immer wieder solche ungenehmigten Elends-Camps unter Hochbahnlinien oder unter freiem Himmel. Foto: Nina Bärschneider/dpa
Elendsquartier mitten in Paris: Europas Bürgermeister bitte ihre Regierungen um Unterstützung bei der Integration / picture alliance

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Kay Walter arbeitet als freier Journalist in Frankreich

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„Die Gemeinde ist der Ernstfall der Demokratie“, so zitiert Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker Johannes Rau, der mit diesen Worten im Juni 1987, damals Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, seine Rede auf dem Deutschen Städtetag in Köln beschloss. Zugegeben, der Satz ist alt. Er gilt aber unverändert bis heute und weltweit. In den Städten und Gemeinden muss sich beweisen, ob und wie Zusammenleben funktioniert.

Insofern ist das Thema „Die Rolle von Städten in der Asyl- und Migrationspolitik“, das diese Woche auf einer Tagung der Böll-Stiftung in Paris diskutiert wurde, klug gewählt. Ob in Italien oder Schweden, Deutschland oder Frankreich, die Städte und das unmittelbare Umfeld machen den Unterschied. Hier entscheidet sich für Neu-Ankommende, wie sie aufgenommen werden.

Der Anteil der Fremdenfeindlichen ist überall gleich

„Zuallererst ist das eine Haltungsfrage“, befindet Damien Careme, Bürgermeister von Grande-Synthe, eine nordfranzösische Gemeinde mit knapp 25.000 Einwohnern am Ärmelkanal, direkt an der belgischen Grenze. Und zwar „unabhängig davon, ob es sich um Langzeittouristen, Asylbewerber oder Arbeitsmigranten, um Europäer, Afrikaner oder arabischstämmige Menschen handelt“.

Zumindest darüber herrschte Einigkeit unter Kommunalvertretern unterschiedlicher politischer Couleur, Politikwissenschaftlern und Vertretern von NGOs. Ansonsten: das klassische Strukturproblem aller Debatten zum Thema Einwanderung.

– immer diskutiert nur eine Seite untereinander, niemals grundsätzliche Gegner von Zuwanderung und deren Befürworter, und so schmoren alle im eigenen Saft.

– selbst in dieser Einseitigkeit ist man nicht auf dem gleichen Stand, was „objektive“ Zahlen und Daten angeht.

– internationale Einigkeit wird vorgegaukelt, indem die nämlichen Begriffe benutzt, aber unterschiedlich definiert werden.

Dabei bieten die Fakten Spannendes: in nahezu allen Staaten gleichermaßen bekommen Parteien, die vor zu hoher Zuwanderung warnen zwischen 10 und 20 Prozent der Stimmen. In Deutschland engagieren sich demgegenüber genauso viele Menschen für Flüchtlinge. Eine Allensbach-Studie von 2018 weist aus, dass weiterhin 11 Prozent der deutschen Bevölkerung aktiv Hilfe leisten und 19 Prozent Sach- und Geldspenden. Zudem: Das größte Problem selbst des knappen Viertels der Helfer, die sich von ihrer Umgebung für diese Hilfestellung angefeindet fühlen, sind nicht Beschimpfungen oder Bedrohungen, sondern bürokratische Hürden, angefangen bei fehlenden Übersetzern bis zu mangelnder Flexibilität und Arbeitstempo von Behörden.

Einwanderung als Chance 

Auch der statistisch belegte Befund, dass Deutschland nicht Weltmeister bei der Aufnahme von Flüchtlingen ist (selbst im Jahr des Flüchtlingspeaks 2015 nicht), sondern vor allem für  Arbeitsmigranten aus anderen EU-Staaten attraktiv ist, verdiente mehr Beachtung. Ebenso, dass nahezu alle europäischen Regierungen Kommunen und Wirtschaft mit den daraus resultierenden Fragestellungen weitgehend allein lassen, von Arbeitsplatz über Schule bis Wohnraum, weil sie die Zuwanderung nicht gesetzlich regeln. Anders Kanada: dort sind  zwei Drittel aller Zuwanderer Familien mit staatlicher Arbeitserlaubnis und Arbeitsplatz. Exakt das macht dann den Unterschied. 

Und immer wieder das Thema Haltung: „Köln würde es doch ohne Migranten überhaupt nicht geben“, betont die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. So betrachtet ist Einwanderung, ganz egal von wem, nicht in erster Linie ein Problem, sondern eine Chance. Weil das das Kölner Selbstverständnis sei, habe die Domstadt selbst die Sylvesterkrawalle 2015/16 vergleichsweise schnell überwunden. 

Haltung ist die Antwort 

Einen Schritt weiter geht Leoluca Orlando, Mafiajäger und seit 1985 nahezu ununterbrochen Bürgermeister von Palermo, der Stadt also, in der seit Jahren die meisten außereuropäischen Flüchtlinge anlanden. „In Palermo gibt es keine Flüchtlinge. Nicht einen Einzigen. Es gibt nur Menschen, Palermitaner“. Seine städtische Kampagne heißt: Io sono uomo. Noi siamo Comunitá. Ich bin ein Mensch. Wir sind eine Gemeinschaft. 

Wie lächerlich banal, hätten Kritiker gelästert, erklärt der ehemalige Christdemokrat. Aber auf die Entgegnung, warum sie anderen diese „Banalität“ streitig machen würden, dann eben keine Antwort gehabt. Haltung eben. Und außerdem sei Sizilianern weder die Flucht vor Armut noch vor Gewalt ein fremdes Phänomen.

Kein „Wir-Gefühl“ ohne Teilhabe 

Bürgermeister und Wohlfahrtsorganisationen erklären unisono, das größte Problem sei das zwangsweise per Gesetz verordnete Untätigkeit der Menschen in Aufnahmelagern. Ein „Wir-Gefühl“ könne aber nur da entstehen, wo Teilhabe stattfinde. Probleme müssten benannt, kriminelle Zuwanderer abgeschoben werden, „aber doch nicht Menschen, die sich integrieren, mit Ausbildungsplatz, Lehrstelle oder im Deutschkurs, nur weil sie vielleicht nur den Status Duldung haben“ (Reker). 

Duldung und staatlich verordnete Untätigkeit sind in Frankreich Fremdworte. Den berühmten „Dschungel von Calais“ und vergleichbare Elendsquartiere am Rand der Pariser Périf gab und gibt es vor allem deshalb, weil der Staat, der so gerne vollmundig die Menschenrechte einfordert, sich um Flüchtlinge so gut wie gar nicht kümmert. Nach französischen Rechtsverständnis sind Menschen, die über die Balkanroute, Griechenland oder Italien ins Land gekommen sind, schlicht Illegale und haben keine Ansprüche. Darum kümmern sich bestenfalls Privatinitiativen.

Bürgermeister fordern ein europäisches Asylrecht

Die Kommunen fordern ein europäisches Flüchtlings- und Asylrecht, schon um nicht mehr gegen die eigenen nationalen Regierungen Politik betreiben müssten. Die italienischen Bürgermeister von Palermo, Neapel, Rom und anderen Städten müssten dann nicht mehr entgegen der Vorgaben von Innenminister Salvini Flüchtlinge aufnehmen; Damien Careme müsste nicht gegen jedes französische Recht ein Flüchtlingslager in seiner Gemeinde bauen. 

Das Diktum von Johannes Rau kannten weder Orlando noch Careme. Aber sie handeln danach. Weil Bürgermeister wissen, dass die Gemeinden der Ernstfall der Demokratie sind.

Leon Reimann | Mi, 13. März 2019 - 08:57

Kontrollierte Zuwanderung wäre kein Problem. Die zu lange geduldete illegale Migration in einigen europäischen Ländern, darunter Deutschland an der Spitze, hat zu gesellschaftlichen und kulturelle Verwerfungen geführt. Jetzt erst beginnen diejenigen Länder, die dafür hauptverantwortlich sind, mit einer Rückbesinnung auf den zwingend notwendigen europäischen Grenzschutz.

Natürlich handelt es sich meist nicht um Asylbewerber und Flüchtlinge, sondern um illegale Migranten die zu großen Teilen werde mental noch von der Sozialisation her befähigt wären,oder gar ausbildungsfähig, sich europäischen Anforderungen wenigstens mittelmäßig anzupassen. Das realitätsverzerrende Geschwätz solcher Moralexperten ist einfach nur überflüssig.

..das Sie die genauen Hintergründe kennen. Ich schlage vor, man löst das BAMF mit sofortiger Wirkung auf, und engagiert sie als generallbevollmächtigen, unversalzuständigen Besserwisser.

Karl Müller | Do, 14. März 2019 - 17:30

In reply to by Gerhard Lenz

Freut mich Sie beim Besserwissen gestört zu haben. Die Bewertung einer Behörde vom Zuschnitt der BAMF ist schon eine Sache für sich, Selbst Sie als Betroffenheitsapostel sollten deren Einstufung der Petenten ja wohl nicht übersehen haben?
Also?

Wolfgang Raub | Do, 14. März 2019 - 17:53

In reply to by Gerhard Lenz

Genau, das BAMF auflösen, diese unfähige Gurkentruppe, die sich auch jetzt noch an einer liebesdienerische Umsetzung der Merkel-Ideen versucht und dabei die gesetzlichen Vorgaben und Aufgaben fast vollständig außer Acht läßt - das BAMF auflösen und durch einen gesetzestreuen Leiter zu ersetzen, das wäre eine Wohltat. Insofern ist Ihr Vorschlag Hr. Lenz sehr gut.

Bettina Jung | Fr, 15. März 2019 - 10:43

In reply to by Gerhard Lenz

dieser Job würde schon von Ihnen, Herr Lenz, ausgefüllt

Ernst-Günther Konrad | Mi, 13. März 2019 - 09:48

sie beschreiben es sehr richtig Herr Walter. Die Menschen vor Ort werden alleine gelassen und jede Kritik wird moralisch als Ausländerfeindlich beschimpft. Bei jeder Veranstaltung - insbesondere nach Duisburg- werden Gefahrenanalysen gemacht, werden Zuströme kanalisiert und die Anzahl der Besucher festgelegt. In jedem Bus und Bahn, sowie Flieger gibt es begrenzten Zugang. Nur in der Asylpolitik galt das in D nicht. Nun sind se halt mal da. Niemand will ernsthaft echten Flüchtlingen im Sinne Artkel 16,16a GG die Hilfe verweigern. Nur können wir nicht alle Wirtschaftsmigranten aufnehmen und die Menschen vor Ort, die durchaus hilfsbereit und emphatisch handeln, mit Bürokratie und Hemmnissen in der praktischen Umsetzung allein lassen. Ich spende auch Kleider für alle hilfsbedürftigen und trete Flüchtlingen neutral entgegen. Nur müssen diejenigen, die sich hier nicht an Regeln halten und eben keine Flüchtlinge sind oder kriminell sofort raus. Nur findet keine kritische Diskussion statt.

Petra Führmann | Mi, 13. März 2019 - 09:54

das ist ein genauso dämlicher Satz wie "Kein Mensch ist illegal". Totschlag"argument"; das ist nicht mal ein Argument. Meine Haltung hat sich nicht verändert: Ich will kein besseres Zusammenleben, auch keine Integration, ich will, dass alles rückgängig gemacht wird und man sich bei uns wieder an Recht und Ordnung hält und auf der anderen Seite diese Unverschämtheit unterlässt. Diese Schönfärberei und die Meinung, man könnte das nicht mehr rückgängig machen, nun sind sie halt da, stattdessen sogar noch immer mehr Leute ins Land lassen... ich muss aufhören... ich verliere leider die Contenance. "Haltung", Dummheit und Zwang vs. Vernunft... nicht zu ertragen.

Wie schon so oft... ich bin so froh, dass es ihn, seine Autoren und Kommentatoren gibt. Und ich bin dankbar, dass ich meine Meinung hier wirklich äußern darf.

Zu Ihrer Anmerkung: Habe ich mich womöglich im Ton vergriffen? War ich zu deutlich? Sollte es doch mal mit mir durchgehen - und das kann sein, denn ich bin sehr emotional - dann unterbindet die Moderation hier auch meine Beiträge. Leider verfügte ich nicht über die Gabe, die z. B. Herrn Kissler oder auch Herrn Schwennicke und anderen zu eigen sind: Hervorragende Formulierungskunst. Ich denke aber, es ist gut, auch mal etwas deutlicher zu werden, denn in vielen Leuten rumort es, wenn man sie privat hört. Ich habe keine Sorge, dass das Niveau hier nachlässt, dafür wird gesorgt. Ich fühle mich wohl hier.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 13. März 2019 - 09:57

und das geht nur in einem ideologisch freien, realen und pragmatischen Diskurs. Wer allen helfen will, hilft niemand. Zuerst müssen die Wahrheiten und Verantwortlichkeiten der Misere benannt werden und ehrliche Auseinandersetzung danach stattfinden. Die Praktiker müssen der Politik sagen wie es geht und die muss auch endlich zuhören und nicht immer nur ideologisch verblendet nach Wahlergebnissen schauen. Es sind, wie das richtig im Artikel beschrieben wird, die Menschen in der Kommune vor Ort, die alles organisieren und oft aufgrund unsinniger Vorschriften nicht wirklich helfen können oder dürfen. Es fehlt oftmals der gesunde Menschenverstand. Ein wirklich verfolgter Flüchtling ist froh darüber in Sicherheit zu sein, ein Dach über dem Kopf und Essen zu haben. Der hat weder ein neues Handy und reist Monate später ins Fluchtland zu Besuch der Verwandtschaft. Die klagen auch nicht durch alle Instanzen Wohltaten ein, sondern nehmen das an, was sie bekommen und ordnen sich ein.

helmut armbruster | Mi, 13. März 2019 - 11:53

Alle Flüchtlinge sind Menschen. Wer bezweifelt das? Ich denke niemand.
Aber mit einer solchen Aussage allein und isoliert ist nichts anzufangen. Und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, die irgendwelche Folgen für Nicht-Flüchtlinge haben ist Unsinn.
Die Probleme mit Flüchtlingen sind da und bleiben bestehen und die Aussage, dass Flüchtlinge Menschen sind führt zu keiner Lösung und ändert an der Problemsituation gar nichts.

Dass es Probleme bei der Zuwanderung durch Flüchtlinge gibt, steht außer Frage. Manche mögen im kulturellen Hintergrund des Flüchtenden begründet sein, andere in der fehlenden Empathie bzw. der Unfähigkeit einheimischer Bevölkerungsteile, mit Flüchtlingen umzugehen. Da wird der Fremde schnell aus Unwissenheit und Vorurteil zum gefährlich-unbekannten Feind, und der Hund des Nachbarn scheint mehr menschliche Aufmerksamkeit zu verdienen als der mittellose Mensch mit dunklerer Hautfarbe.
Wahr ist, dass weder Bevölkerung noch öffentliche Einrichtungen auf eine derartige Herausforderung vorbereitet waren, sie konnten es gar nicht sein, weil es ähnliche Erfahrungen nicht gibt.

Insgesamt ein sehr guter Text, geeignet, die zunehmende Schlagseite des Cicero-Dampfers (nach rechts) ein wenig abzumildern...

was Sie so für die Migranten einnimmt, wird Ihr Geheimnis bleiben; für mich kann ich sagen, dass meine Ablehnung keinesfalls in Angst oder Vorurteilen begründet ist. Alle anderen Gründe sind hinreichend genannt worden, aber auf die gehen Sie und andere Befürworter nicht ein; unsereins aber immer wieder auf die Gefühligkeit der Befürworter. Ich tue das nicht mehr.

Eine andere Frage ist, ob Sie bei anderen Publikationen auch mit erhobenem Zeigefinger deren Linkslastigkeit ankreiden. Ist es nicht jedem Medium selbst überlassen, welche Richtung es einschlägt? Ist es nicht jedem Bürger selbst überlassen, was er liest? Dem Cicero Unausgewogenheit zu unterstellen, zumal in eine Richtung, kann ich absolut nicht unterschreiben. Linke Blätter, die nichts als "Haltung" und Moral unters Volk bringen - nein danke. Außerdem steht es den Lesern nicht zu, die Zeitungen zu belehren, eine Ausrichtung zu fordern; nur Kritik darf man üben, sofern sie begründet wird.

Gerhard Lenz | Do, 14. März 2019 - 15:58

In reply to by Petra Führmann

Fordern das rechte Blätter nicht auch, nur in anderem Gewand? Allein Ihre Frage ist suggestiv: Was mich für Migranten "einnimmt"? Der Glaube, jeder Mensch habe in diesem Lande Anspruch auf anständige Behandlung, gleich, wo er herkommt?

Sie mögen "Ihre Gründe" haben, ich muss diese nicht richtig finden und schon gar nicht teilen.
Weiter: Linke Blätter - was ist für Sie eigentlich links - werden von Ihnen rundherum abgewatscht, rechte Tendenzen im Cicero, die von vielen (auch ehemaligen) Lesern beklagt werden, sehen Sie dagegen nicht?
Davon abgesehen: Ich lese den Cicero gerne. Manche Meinung teile ich nicht, manchmal wird es schon mal arg rechtslastig, aber oft gibt es immer noch so viel Meinungsvielfalt, dass der Begriff "Debattenmagazin" nicht ins Leere läuft. Solange das so bleibt, lese ich auch weiter, auch wenn ich auch in Zukunft, wenn ich es mal wieder besonders schlimm finde, Kritik üben werde.

Wenn Sie das mit "Belehren" gleichsetzen, ist das eher Ihr Problem.

Markus Michaelis | Mi, 13. März 2019 - 12:30

"keine Flüchtlinge, nur Menschen" ist vielleicht ein zentraler Satz. Für die Gesellschaft ist es ein zweitrangiger Punkt, ob jemand als Flüchtling oder als umworbener Herzchirurg (oder beides) kam. Am Ende sind alles gleichberechtigte Mitbürger und alle zusammen können gleichberechtigt die Zukunft der Gesellschaft entscheiden. Das scheint mir der relevante Punkt. Es geht also um die Idee, ob beliebige Menschen eine gemeinsame Gesellschaft aufbauen können - nicht als abstrakte Idee irgendwann und irgendwo, sondern heute, hier mit den Menschen, die da sind und kommen.

Diese Frage scheint mir nicht trivial. Auch die größten Befürworter offener Grenzen sind sich einig, dass man mit größeren Teilen der Menschen keine Gemeinschaft bilden kann oder dabei zumindest große Gefahren bestehen (AFD, Trump, LePen, Orban etc.). Mir scheint oft ein Denken zugrunde zu liegen, dass es klappen muss, weil dahinter universelle Werte stehen. Das ist aber demokratisch und realpolitisch heikel.

Natürlich ist jeder Flüchtling/Zureisende/Migrant/Einwanderer ein Mensch mit den gleichen Grundrechten wie im GG beschrieben. Andererseits kann diese Person nicht gleichberechtigt im Zugang zu den Ressourcen in dem Ankunftsland sein in dem schon Menschen leben. Diese Ressourcen gehören entweder Privatleuten/Firmen oder dem Staat. Es gibt keine freien Güter, sondern diejenigen, die schon da waren müssen abgeben, von dem was sie selbst oder die Generationen davor angespart oder erwirtschaftet haben. Und das kann sich auf Geld (Sozialkosten), Wohnraum und auch Arbeitsplätze beziehen. Und selbst NGO jobs oder Sozialhilfejobs werden durch die Umverteilung/Steuern von den schon da gewesenen finanziert, direkter Mehrwert wird durch die Sozialhilfeindustrie nicht geschaffen, sondern es wird nur umverteilt. Die neu Ankommenden kommen ja nicht in ein unbesiedeltes Land, das wird in Ihrem Beitrag übersehen.

Tomas Poth | Mi, 13. März 2019 - 13:07

Es ist zuerst eine Frage der Kulturen, was geht und was nicht geht oder was passt und nicht passt!

Tomas Poth | Mi, 13. März 2019 - 16:50

In reply to by Tomas Poth

definiert sich zuerst über Herkunft und Kultur, über die Wurzeln.

Willy Ehrlich | Mi, 13. März 2019 - 13:17

Es ist schon richtig: Alle aktiv und passiv Betroffenen verstehen unter "Flüchtlingshilfe" etwas völlig Unterschiedliches.
Deshalb glaube ich auch nicht, dass sich hier auf europäischer Ebene irgend etwas "regeln" lässt. Dazu sind schon die nationalen Gesetze und die damit verbundenen Alimentierungsmöglichkeiten viel zu verschieden.
Sinnvoll erscheint mir - ganz pauschal - nur der Negativausschluss. Soll heißen: Ich darf mich nicht strafbar machen, wenn ich freiwillig und auf eigene Kosten einem Flüchtling helfe.

gabriele bondzio | Mi, 13. März 2019 - 14:25

"Weil das das Kölner Selbstverständnis sei, habe die Domstadt selbst die Silvesterkrawalle 2015/16 vergleichsweise schnell überwunden."...wenn Haltung so aussieht,dass Merkel zwar die Übergriffe damals „widerwärtig“ bezeichnete und eine „harte Antwort des Rechtsstaats“ ankündigte.Die harte Hand so aussieht, dass von 1.300 Anzeigen – nur drei Urteile, davon zwei auf Bewährung ausgesprochen werden.Ist die dieser Skandalnacht eine einzige Groteske für die Opfer und die Stadt.
Ein „Wir-Gefühl“ kann man da kaum erwarten, wenn ein Rechtsstaat(?) dermaßen versagt.
Dem Staat scheint es Wurst zu sein, wie die da unten mit "rein was reingeht" zu recht kommen. Sonst würden nach 3 Jahren, nach dieser Silvesternacht nicht monatlich 10 Tausend und mehr Migranten über unsere Grenze spazieren.
Jung-ohne Papiere-muslimisch-auf der Suche nach Status...irgendwie.

Norbert Heyer | Mi, 13. März 2019 - 15:11

Wir unterscheiden ja noch nicht einmal nach Asyl oder Migration. Alle anerkannten Asylbewerber können solange bleiben, bis in ihrer Heimat wieder für sie sichere Verhältnisse herrschen. Alle nicht anerkannten Flüchtlinge müssten wieder zurück. Das wird aber aufgrund der großen Anzahl nicht klappen. Diese Menschen sind Migranten, die keine Aufenthaltsberechtigung haben. Deshalb scheint es beschlossene Sache, dass sogst wie alle bleiben können, zumal ja auch der Familiennachzug völlig unbemerkt weiterläuft. Bei jährlichen Zuwächsen im Bereich von 200000 Menschen muss von den Gemeinden eine Herkulesaufgabe gelöst werden: Integration, Wohnungsbau, Infrastruktur, Sozialarbeiter, Lehrer, Sicherheit. Hier ist abzusehen, dass hier ein Scheitern unvermeidlich ist. So eine Aufgabe - auch noch über viele Jahre - ist auf keinen Fall zu stemmen. Es ist auch zu erwarten, dass die schon länger hier Lebenden nicht für alle Zeit diesen Wahnsinn weiterhin so unkritisch hinnehmen werden.

Heiner Hannappel | Mi, 13. März 2019 - 17:15

Denn der größte Teil derer, die zu uns "flüchten", obwohl sie schon vorher in Sicherheit waren sucht sich doch die besten sozialen Netze aus. Und hier ist Deutschland bis zur Selbstverleugnung Spitze.Überdies gehört der größte Teil derer zum Islam, der unsere Lebensform und Gesetze ablehnt, da dieser selbst außer seiner Religion eine eigene Gesellschaftsform ist, die hier wohl etabliert werden soll. Und wir wollen das einfach nicht begreifen.

Romuald Veselic | Mi, 13. März 2019 - 21:05

nur Menschen. Es gibt keine Tiere, nur Lebewesen.
Wenn Johannes Mario Simmel noch gelebt hätte, würde sein Roman "Alle Menschen werden Brüder", neu benennen: "Alle Menschen werden Schwestern". Angenommen, Anton P. Tschechow noch leben würde, hätte er Deutschland als Ebenbild seiner Erzählung "Krankenzimmer Nr. 6"
diagnostiziert.
Ein Teil der hiesigen Bevölkerung o. Europas, hat sich vom gesunden Verstand verabschiedet.
Man könnte auf die Idee kommen, dass der Einzelhaft überhaupt nicht so schlimm sein kann, man ist wenigstens geschützt vor dem Wahnsinn da draußen.
Gute Nacht, Deutschland.

man sollte doch immer mal wieder Weltliteratur lesen und das ganze versuchsweise gendern. Wäre etwas für die Kabarettisten.