1979 - Die reaktionäre Renaissance des Islam

1979 war ein Jahr der Umstürze in der muslimischen Welt. Im Iran errichtet Ayatollah Khomeini einen schiitischen Terrorstaat, Afghanistan versinkt im Bürgerkrieg und Israel und Ägypten schließen Frieden. Wer die Krisen von heute verstehen will, sollte zurückblicken

Pro-Regime-Protestanten bei einer Demonstration im Iran.
Dieses Jahr feiert das Regime in Iran 40 jähriges Bestehen. Was können wir für Lehren daraus ziehen? / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Ernst lebt als Schriftsteller bei Hamburg. Sein jüngster Roman heißt „Mareks Liste“ (Leda-Verlag). Seine Romane „Im Spiegellabyrinth“ (Hallenberger-Media-Verlag, 2015) und „Dunkle Schatten“ (Pendragon, 2012) kreisen um Antisemitismus. 

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Christoph Ernst

Manche Jahre stehen für historische Wendepunkte, eine Zäsur, das Ende einer Epoche, einen Bruch oder Neubeginn, der den Lauf der Geschichte ändert und die Karten völlig neu mischt. 1979 war so ein Jahr für die muslimische Welt. Um zu begreifen, was heute geschieht, lohnt sich vor Augen zu führen, was damals geschah.

Als der damalige Ministerpräsident Israels Menachem Begin und Anwar as-Sadat, damaliger Präsident Ägyptens, im März 1979 das zuvor in Camp David ausgehandelte Friedensabkommen unterzeichneten – das den seit 1948 herrschenden Kriegszustand zwischen ihren Ländern und die Besetzung des Sinai beendete –, machte das nicht nur den Golf von Akaba und den Suez-Kanal wieder zu internationalen Seewegen. Es erzürnte auch die gesamte Region. Prediger schäumten über die angebliche imperialistisch-zionistische Verschwörung. Ägypten flog aus der Arabischen Liga und der Organisation für islamische Zusammenarbeit. Mit Ausnahme von Oman, Sudan und Somalia brachen alle arabischen Staaten die diplomatischen Beziehungen zu Ägypten ab. 

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Markus Michaelis | Di, 5. Februar 2019 - 17:01

Khomeini war ein Einschnitt, aber er kam nicht aus dem Nichts. Der Westen/Europa war eine Zeit lang dominierend an Bevölkerungszunahme, militärisch, kulturell, technisch. Die islamischen Hauptstädte und Eliten waren zunehmend westlich geprägt - die Masse der Bevölkerung aber nicht. Die Entstehung und der Aufstieg der Muslimbrüder ab den 20er Jahren von Ägypten aus ist wohl (vielleicht neben einer innerislamisch/arabischen Erneuerung) als Reaktion auf eine Verwestlichung der islamischen und arabischen Welt zu sehen. Khomeini ist ein Baustein in einer bis heute anhaltenden Gegenbewegung (mit allen inneren Widersprüchen, die jeder Gang der Geschichte hat).

Ernst-Günther Konrad | Di, 5. Februar 2019 - 17:15

Und jetzt haben wir sie hier im Land. Alles nur Flüchtlinge vom Krieg politisch verfolgte. Es hat noch nie gut getan, wenn westlich geprägte Kulturnationen in den islamischen Staaten versucht haben, Einfluss und des Öl's wegen Kriege zu schüren. Alle schimpfen auf Trump, aber er will die Soldaten dort raus holen. Wir lassen unkontrolliert Menschen aus eben diesem Afghanistan und anderen islamischen Staaten ins Land und hoffen, wir könnten deren Glauben und Kultur hier irgendwie intergrieren. Natürlich gibt es sie, die Menschen die dort tatsächlich verfolgt werden. Nur, wie wollen wir sie erkennen? Die wirklich wenigen, die sich intergrieren wollen, die als Vorführbeispiele Merkel dienen, ja die haben wir doch alle irgendwie lieb oder? Und wer sagt uns, dass sie nicht genau deswegen hier sind? "Schläfer", die bei Bedarf geweckt werden und hier bomben. Frauen und Kinder zuerst heisst es auf einem sinkenden Schiff, doch es kommen hauptsächlich 15jährige und älter mit ihrem Glauben.

Romuald Veselic | Di, 5. Februar 2019 - 22:11

wieso kann man islamische Revolution, als Revolution bezeichnen? Was ist an einer Islamrevolution revolutionär oder progressiv?
Dass noch man bigotter/abergläubischer wird, als vorher?
Nie hätte mir gedacht, dass Zbigniew Brzezinski, ein US-präsidialer Berater, für die Vorgänge aus dem Anno 1979, für den ganzen Unheil im Vorderen Orient/Mittelasien bis heute, verantwortlich werden sollte.
Ein starker Tobak.
Dieses "Was wäre wenn", dürfte auch daran liegen, dass die Menschheit nur deshalb entstehen könnte, weil die Dinos durch eine kosmische Katastrophe vernichtet wurden.

Herr Ernst hier schreibt. Es ist s e i n e Interpretation der Geschichte. Meine Sicht :Das Land drohte ein Vasall der Sowjets zu werden. Das sehr fortschrittliche Königshaus der Mohammedzai und später der Khan wurde gestürzt ,eine am Kommunismus ausgerichtete Republik wurde installiert. Googeln Sie mal "Saurrevolution" ,dann wissen Sie warum die USA nicht amüsiert waren .Es war der typische Stellvertreterkrieg. Den Djhadismus haben die Afghanen jedenfalls nicht erfunden ,wie hier nahe gelegt wird ,den gibt es seit es das "Modell Medina" gibt .Mithin seit fast 1400 Jahren.

gabriele bondzio | Mi, 6. Februar 2019 - 09:52

werden endgültig frei sein.“ ...nein, sie haben sich von einer prekären Situation in die Nächste begeben. Der auferstandene Islam den viele Leute aus der Unterschicht herbeisehnten, hat sich als engmaschiger Kontrollmechanismus ergeben und nichts an ihrer wirtschaftl. Situation geändert. Das religiösen Mittelalter wurde ausgerufen und aufgezwungen. Die Gefängnisse füllten sich für geringe religiöse Vergehen Eine Flucht der Oberschicht vieler Intellektueller, war das Ergebnis. Eine entsprechende Zeitbeschreibung fand ich im Roman „Flucht aus dem Iran/Sousan Azadi.“ In Afghanistan wollte man eine westl. Demokratie aufpfropfen, was bis heute nicht gelang. Und aktuell in Malaysia, wo Sport (welcher verbinden sollte) trennt.„Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1957 ist der Islam die offizielle Religion der Malaiischen Föderation. Hobbys, Geschmack und selbst Wertvorstellungen wurden durch eine neue Hinwendung zur Religion geprägt." (Chandra Muzaffar)