Entschädigung für Ernteausfälle - Mais in Meckpomm ist wie Ananas in Alaska

340 Millionen erhalten die Landwirte von Bund und Ländern, um die Ernteausfälle zu kompensieren. Keine andere Branche bekommt so viel Unterstützung. Dabei müssten die Bauern ihre Art zu wirtschaften radikal ändern

Infolge lang anhaltender Trockenheit haben sich die Blätter von Maispflanzen schon teilweise gelb gefärbt.
Wie lange wird der Mais noch die ideale Pflanze in Deutschland bleiben? / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Laut klagen, um viel zu kriegen – das ist seit jeher das erprobte und erfolgreiche Vorgehen der Landwirte, denen der Volksmund eine bodenständige Klugheit nachsagt. Das Wörtchen „bauernschlau“ leitet sich so her.  

Auch nach diesem für Flora und Fauna erbarmungslosen Hitzesommer hat die Lobby der Landwirte wieder gute Arbeit geleistet. Eine Milliarde Euro Entschädigung für die Ernteausfälle durch die Trockenheit hatten ihre Lobbyisten gefordert. 340 Millionen Euro hat ihnen die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Ende bewilligt, jeweils zur Hälfte aufgebracht von Bund und Ländern. 

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Michaela Diederichs | So, 26. August 2018 - 14:04

Bei einigen Bauern setzt das Umdenken schon ein. Allerdings macht es mir Sorge, dass der Bauer bei dem ich früher einmal im Jahr immer mein 1/8 Rind und mein 1/4 Schwein (Bio) bestellt habe, schon vor Jahren auf Eventbauernhof umgestellt hat. Erst parallel und jetzt nur noch Event. Begründung: Landwirtschaft ist zu aufwändig und zeit intensiv. Arbeitskräfte für die Ernte sind auch immer schwerer zu finden. Da gibt es viele Aspekte zu bedenken - nicht nur das Wetter.

Michaela Diederichs | Mo, 27. August 2018 - 22:22

In reply to by Michaela Diederichs

Und nicht zu Letzt: Bauer sucht Frau ;-). Aber im Ernst: die Großbetriebe sind meistens bestens organisiert, haben ihre Stammbelegschaft und für die auch Unterkünfte und Verpflegung und wässern ihre Äcker. Preis geht an den Verbraucher. Die kleineren Betriebe sind es, die oft in solchen Situationen beidrehen müssen. In MeckPomm haben wir Bekannte, die mit Bioschweinchen, Ferienwohnung, Reiten ihr persönliches Ökoparadies aufgebaut hatten. Die Bioschweinchen waren zwar sauglücklich und kerngesund, aber der Betrieb hat sich nicht rentiert. In Masse sind die Großbetriebe auch in Sachen Bio überlegen. Versuchen Sie mal als Kleinbetrieb an den Endverbraucher zu kommen. Das ist heute ohne mediale Unterstützung fast unmöglich.

Ines Schulteh | So, 26. August 2018 - 20:47

Wie wär's wenn Branchen, denen das Wetter zugute kommt, z.B. Strandkorbvermieter, Bootsverleiher, Eisdielenbesitzer, ect. einen Soli zahlen? Falls es mal wieder dauerhaft regnet, zahlen die Bauern an die Vorgenannten! Nennt man Umverteilung. Hier bestens aus anderen Bereichen bekannt.

Jörg Schiepanski | Mo, 27. August 2018 - 12:31

Wenn man der Höhe der bewilligten Hilfen die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland gegenüberstellt (275.400 im Jahre 2016 lt. destatis), wird schnell erkennbar das sich die Subventionshöhe pro Betrieb im vierstelligen Bereich bewegen wird. Das läßt mich vermuten, daß es sich hierbei um zinsvergünstigte Darlehen handelt. Das erscheint mir angesichts der dramatischen Ausfälle nicht unangemessen und hebelt auch nicht das Prinzip der Eigenverantwortung aus. Jedenfalls wird es nicht annähernd die Verluste kompensieren.
Man darf auch nicht übersehen, daß die in den letzten Jahrzehnten entstandenen Raps- und Maiskulturen als Bioenergieträger für die Energiewende politisch gewollt waren. Das kann man den Bauern nicht vorwerfen.
Und nicht zuletzt betrafen die Ernteausfälle nicht nur die Bioenergieträger sondern alle pflanzlichen Landwirtschaftsprodukte. Der Schaden wäre auch bei einem anderen Produktmix enstanden.

Johann Dostthaler | Mo, 27. August 2018 - 14:51

Grüß Gott Herr Schwennicke, diese Alimentierung der Landwirtschaft wurde erst Im 20 Jahrhundert Gang und Gäbe. Im 19. Jahrhundert war es noch völlig normal, dass ein schlecht wirtschfatender Bauer auf die "Gant"kam. (Nachzulesen bei Ludwig Thoma)

Kistner, Gerd | Mo, 27. August 2018 - 20:50

Mais in Meckpomm
Ihr Titel hat es in sich. Gründlicher kann man sich nicht blamieren. Sich sachkundig machen vor dem Schreiben sollte auch für Sie gelten. Erkundigen Sie sich bei Landwirten in Mecklenburg -Vorpommern, dann wird dieser Titel Ihnen peinlich sein. Kontakte kann Ihnen sicher Frau Müller von der SVZ vermitteln.

Christine Sander | Mo, 27. August 2018 - 23:24

schlimm ist, daß die Weiden verdorrt sind, daß die Milchkühe kein Futter mehr haben, daß die Bauern ganze Bestände schlachten, daß die Kühlhäuser voll sind und die Milchkühe, also die, die aktuell Milch liefern, als Schlachtvieh in Massen in Drittländer, vorzugsweise Libanon zum Schächten in Rotterdam verladen werden.