Cicero im Juli - Urlaub extrem

Schwimmen im Mittelmeer, Wandern in den Alpen oder Krabbenpulen in Büsum – ohne Frage gute Ideen für den Sommerurlaub. Aber wie wär's stattdessen mit Entgiften in Tschetschenien? In unserer Juli-Ausgabe stellen wir Ferienorte vor, auf die Sie vielleicht noch nicht gekommen sind

Illustration des Cicero-Titels im Juli
Weil Reisen bildet, ist Wagemut gefragt / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Ein Titel über die schönste Zeit des Jahres, über den Urlaub also, in einem Magazin für politische Kultur? Aber ja. Urlaub ist politische Kultur in reiner Form. Immerhin verbringt man diese Ausnahmewochen in einem Land oder einer Region seiner Wahl und gibt sich deren Kultur hin. Jedenfalls dann, wenn man nicht gerade in ein umzäuntes Ferienklub-Ghetto geht, das einem die gewohnten Annehmlichkeiten bietet, nur eben mit Sonnengarantie. Urlaub ist schon deswegen politisch, weil die Wahl des Zieles eine Art politisches Statement ist: Ich unterstütze dieses Land oder diese Region mit meiner Gegenwart und meinem Geld. Ich fahre nicht in die Türkei, wenn ich den Eindruck habe, dass Erdoganistan nicht mehr das Land ist, in das ich früher gern gereist bin. 

Schröders Urlaubspolitik

Ein ehemaliger Bundeskanzler, Gerhard Schröder nämlich, hat seine Landsleute sogar einmal indirekt aufgefordert, nicht in Italien Urlaub zu machen. „Alles hat Grenzen“, grollte der Kanzler im Sommer 2003 nach einer despektierlichen Äußerung des italienischen Tourismus Staatssekretärs. Stefano Stefani hatte deutsche Touristen als „einförmige, supernationalistische Blonde“ bezeichnet, die im Sommer „lärmend“ über die italienischen Strände herfielen. Der deutsche Regierungschef strich daraufhin seine Sommerfrische in Pesaro und urlaubte stattdessen im bekanntlich geradezu toskanischen Hannover. Aus der Wahl des Urlaubsziels war ein politischer Akt geworden – und Staatssekretär Stefani wurde vom damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gefeuert. Noch Fragen?

Baden in Somaliland, entgiften in Tschetschenien

Cicero-Autoren haben sich für diese Ausgabe an Orte begeben, die Ihnen vermutlich kaum einfallen würden als Urlaubsziel: Baden unter Militärschutz in Somaliland; Angeln auf der himmlisch langweiligen Insel Poel; Wandern im krisengeschüttelten Afghanistan; Chillen in Beirut – oder im Freibad von Budapest, der Hauptstadt eines Landes, das viele Deutsche nur noch mit Argwohn sehen. Oder auch: Entgiften im wilden Tschetschenien, Schlemmen bei den Mullahs in Teheran. Die Welt kann so schön sein. Gerade da, wo wir es wegen der permanent schlechten Nachrichten kaum vermuten würden. Urlaub extrem: Trauen Sie sich auch. Wir wünschen gute Reise.

Dieser Text stammt aus der Juli-Ausgabe des Cicero, die Sie ab morgen am Kiosk oder heute schon in unserem Onlineshop erhalten

Außerdem in dieser Ausgabe:

 Ein persönlicher Nachruf auf Angela Merkel 

 Ein Interview mit Thomas Oppermann über den Zustand der großen Koalition

 Eine Reportage über Flüchtlingscamps in Griechenland

 Ein Report über das zunehmend ökonomisierte Gesundheitswesen

 Ein Interview mit dem Schriftsteller Bodo Kirchhoff  

Bernd Muhlack | Mi, 27. Juni 2018 - 12:19

Ja, in der Tat gibt es unzählige wunderschöne Orte auf diesem unseren Planeten, jedoch zieht es immer mehr Menschen nach Europa, insbesondere Deutschland wird gerne gebucht! Vollpension sowie Taschengeld und im Zweifel sofort bei der Chefin beschweren => Ja wie, kein Alkohol im Aufnahmecamp? … " do gittet ohne sprech direkt med der flesch!" (der olle Jürgen Zeltinger aus Kölle / Müngersdorfer Stadion, you surely know?) --- Ich werde zeitnah Costa Rica besuchen, mal vor Ort Informationen qua eines Familien-Resettlements einholen --- "Buenos dias Costa Rica, er war lang mein Weg zu dir …" --- Ja, früher hat DIE MANNSCHAFT noch knüppelhart gesungen, den Regensburger Domspatzen nachgeeifert!
und jetzt ab nach Kasan; Schland! Wir werden die Koreaner aus dem Stadion fegen! --- (oder auch nicht?)

Joachim Wendel | Mi, 27. Juni 2018 - 14:38

"Auf Büsum" hört sich doch tatsächich wie eine Insel an. Büsum ist jedoch eine Hafenstadt in Dithmarschen an der Nordsee.

Maria Czerny | Mi, 27. Juni 2018 - 15:41

"....oder im Freibad von Budapest, der Hauptstadt eines Landes, das viele Deutsche nur noch mit Argwohn sehen."
Herr Schwennicke, ich weiß nicht, was Sie für einen Umgang haben, aber ich kenne niemand (persönlich), der Ungarn mit Argwohn sieht. Im Gegenteil ist es bei den meisten so, dass schon ein ähnliches Dankbarkeitsgefühl wie 1989 vorhanden ist. Insofern würde mich wirklich interessieren, wer die vielen Deutschen sind, auf die das zutrifft. Nur Herr Kauder, Frau Roth, Herr Junker und noch ein paar andere Supereuropäer sind noch nicht "viele"!

Tomas Poth | Mi, 27. Juni 2018 - 17:00

Einfach zu hause bleiben, statt in fernen "Urlaubsghettos" die Ressourcen der Erde zu verbraten. Tourismus ist Umweltzerstörung.

Michaela Diederichs | Mi, 27. Juni 2018 - 21:34

In reply to by Tomas Poth

Wie verheerend es sein kann, wenn der Tourismus wegbricht, zeigt Ägypten sehr gut. Tunesien erholt sich gerade langsam vom Einbruch nach den Terroranschlägen. Die Türkei leidet massiv. Manche Länder - insbesondere auch in Afrika - sind stark von Tourismus abhängig. Botswana, Namibia, Sambia u. v. m. gehen sehr schonend und rücksichtsvoll mit ihrer Umwelt um. Bricht der Tourismus weg, dann ist zappenduster. Ob Badeurlaub in Urlaubsghettos, Backpacker oder Safarigast - alle bringen Geld und sichern Arbeitsplätze insbesondere in der 3. Welt. Aber in einem stimme ich Ihnen zu: Zuhause ist es am schönsten und es schont in jedem Fall Ressourcen.

Eberhard Rademeier | Do, 28. Juni 2018 - 08:39

In reply to by Tomas Poth

des Menschen auf der Erde bedeutet Umweltzerstörung. Empfehlen Sie deshalb kollektiven Massen-Suizid?

Mathias Trostdorf | Mi, 27. Juni 2018 - 21:29

"...oder im Freibad von Budapest, der Hauptstadt eines Landes, das viele Deutsche nur noch mit Argwohn sehen."

Warum kann man sich nicht wenigstens in einem Reisebericht sowas verkneifen?
In jedem Land kann man auf tolle Leute treffen und tolle Landschaften finden, da kann man doch das politische vielleicht auch einfach mal beseite lassen?

Dorothe Gaede | Do, 28. Juni 2018 - 10:48

Da ist es, das heutige Bashing!
Mal trifft es Trump oder die AFD, heute ist eben Ungarn an der Reihe.
Same procedure as every day.........
Meine Erwartung wurde erfüllt.