Ideologie - Menschenfeindlicher Humanismus

Gegen Menschlichkeit spricht nichts. Doch gerade bei den Linken hat sich ein Hyperhumanismus entwickelt, der an realen Menschen nicht mehr interessiert ist. Die Folgen sind fatal. Von Alexander Grau

Teilnehmer einer Demonstration protestieren am 02.06.2017 in Nürnberg (Bayern) mit Schildern mit den Aufschriften "Menschenrechte gelten für alle Menschen" und "Kein Mensch ist illegal" gegen die bayerische Abschiebepraxis von Flüchtlingen.
In innergesellschaftlichen Debatten äußert sich dieser übergriffige Kollektivismus in Gerechtigkeitsrhetorik / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Oktober erscheint sein Essay „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer“ bei zu Klampen.

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Alexander Grau

Humanität ist der Fetisch der spätmodernen Mediengesellschaft. Jede Talkshow, jede Diskussionsrunde zeigt: Wer das Studio unbedingt als Sieger verlassen möchte, der zieht die letzte rhetorische Karte die Menschlichkeit. Sie sticht alles. Ihr gegenüber verblasst jedes vernünftige Argument. Eventuelle Kontrahenten stehen zwangsläufig als kalt oder empathielos da. Deshalb auch wird dieser Trumpf gern in Form der Anklage ausgespielt. Es geht darum, das Gegenüber und seine Ansichten als unmenschlich oder inhuman zu brandmarken.

Intensiv zu beobachten war dieses Ritual in den vergangenen Wochen, als der Streit über die Einwanderungs- und Asylpolitik hochkochte. So kritisierte schon vor Wochen die Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, Söders geplante Ankerzentren als „unmenschlich“. Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, blies angesichts der Neuregelung des Familiennachzugs in das gleiche Horn, und Luise Amtsberg, flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, geißelte denselben Gesetzentwurf als „inhuman“.

Links und menschlich

Doch nicht nur im Rahmen der Migrationsdebatte wird gerne die Humanitäts-Keule aus dem Schrank geholt. Auch bei sozialpolitischen, forschungspolitischen oder ökonomischen Debatten schwingt man sie mit Hingabe. Denn wer die Menschlichkeit auf seiner Seite hat, der ist im Recht. Und wer es wagt, dem Furor der Humanität entgegenzutreten, der entlarvt sich selbst als Unmensch oder Zyniker.

Selbstredend spricht nichts gegen Menschlichkeit, im Gegenteil. Doch um Großherzigkeit, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft oder das Ablehnen von Grausamkeit geht es den modernen Inquisitoren der Menschlichkeit mitnichten. Vielmehr hat der Begriff der Humanität durch seine eifrigsten Apologeten eine ideologische Neuausrichtung erfahren: Wahrhaft menschlich ist, so wird deutlich suggeriert, was links ist. Mehr noch: Links und menschlich, so versucht man dem Publikum weiß zu machen, ist quasi deckungsgleich. Und je linker jemand ist, umso menschlicher ist er. Der Umkehrschluss gilt sowieso. 

Basis dieses linken Hyperhumanismus ist der Gleichheitsgedanke. Demnach sind alle Menschen gleich, nicht faktisch, aber ideell. Da aber Menschen im ideellen Sinne gleich sind, ist jede Form faktischer Ungleichheit zu beseitigen. Das Resultat: Menschen werden nicht als reale Menschen behandelt, sondern als Konstruktionen, als Sinnbilder oder Verkörperungen einer abstrakten Menschlichkeit. 

Übergriffiger Kollektivismus

Das hat fatale Folgen. Weil der Hyperhumanist eigentlich gar nicht an realen Menschen interessiert ist, sondern an einem Idealbild, neigen linke Menschenfreude schnell zur Menschenverachtung. Denn die Menschlichkeit realer Menschen entspricht bei weitem nicht ihrem abstrakten Ideal von Humanität. Also beginnt man umzuerziehen und versucht aus Menschen wahre „Menschen“ zu machen. Menschen also, die dem eigenen Bild von Menschlichkeit entsprechen.

Da dieser Hyperhumanismus im Kern auf einen radikalen Gleichheitsdenken beruht, zielt er darauf ab, jede Unterscheidung zwischen Menschen aufzuheben und als unmenschlich zu diskreditieren. Die grundlegendste Unterscheidung, die Menschen treffen, ist jedoch die zwischen mir und dir, zwischen mein und dein, zwischen uns und den anderen. Hier liegt aus Sicht linker Hyperhumanisten der Kern allen Übels. Denn wer zwischen sich und den anderen unterscheidet, der reklamiert für sich Autonomie. Wer aber für sich Autonomie in Anspruch nimmt, der diskriminiert, da er auf Selbstbestimmung pocht, also nur sich selbst Verfügungsgewalt über sein Leben zubilligt, nicht aber anderen.
 
Im Zentrum jedes radikalhumanistischen Aktivismus steht daher der Kampf gegen das Eigene und das Einzigartige. In innergesellschaftlichen Debatten äußert sich dieser übergriffige Kollektivismus zumeist in penetranter Gerechtigkeitsrhetorik. Auf globaler Ebene in Parolen wie „no nations, no borders“. Das Menschenbild, das hinter diesem aufgesetzten Humanismus steht, ist jedoch zutiefst menschenverachtend. Denn hier geht es nicht um reale Menschen aus Fleisch und Blut, sondern lediglich um die kalte Exekution abstrakter Prinzipien. Und die gründen eben nicht in Menschenliebe, sondern in Ressentiments.

helmut armbruster | Sa, 23. Juni 2018 - 09:40

der Satz von Karl Marx "das Sein bestimmt das Bewusstsein" zeigt den ganzen Grundirrtum linker Denke.
Denn hätte Marx Recht, dann müsste man ja nur das Sein verändern um ein geändertes Bewusstsein zu erhalten. Also mit ein bisschen Engineering hier und dort ließe sich Welt, Mensch und Gesellschaft verändern.
Aber so einfach sind die Welt und der Mensch eben nicht gestrickt. Das alles ist sehr viel komplexer.
Weil alle Linken diese Komplexität niemals verstanden haben ist auch der Versuch den Kommunismus aufzubauen überall kläglich gescheitert.
Und ebenso scheitern wird der jetzige Versuch der linken Ideologen eine heile, humanitäre Welt aufzubauen.

Joachim Wittenbecher | Sa, 23. Juni 2018 - 09:42

Herr Grau beleuchtet das Wirken der Hypermoralisten richtigerweise an der gegenwärtigen Flüchtlingskrise: "no nations, no borders" heißt deren Motto. Staats-und Gesellschaftsauflösung: bedeutet für den Nomalbürger den Entzug des demokratischen Rechtsstaates und seines Trägers, der Nation; bedeutet vollständigen Entzug des existenzsichernden Schutzraumes. Bedeutet Anarchie, Rechtlosigkeit, Unfreiheit.
Das Gegenteil ist richtig: Ja zum demokratischen Staat, zur Nation, zur Verantwortungsethik. Ja zur Zusammenarbeit (Vernetzung) dieser Staaten untereinander, ja zu kulturellen Gemeinsamkeiten in Europa.

Maja Schneider | Sa, 23. Juni 2018 - 09:55

Eine wieder einmal erhellende Analyse, die einem die Verlogenheit der linksliberalen sogenannten Elite mit ihrem Hyperhumanismus mehr als deutlich werden lässt. Gerade jetzt in dieser Zeit der endlich einmal aufkommenden Debatte über die verfehlte Migrationspolitik erleben wir eine steigernde Propaganda in der die "Menschlichkeit" gebetmühlenartig angemahnt wird, um eben diese Debatte zu verhindern.

Sven Stemmer | Sa, 23. Juni 2018 - 09:58

.. die Perversion gipfelt darin, dass dieser .. nein Humanismus kann ich nicht schreiben .. diese Lügenpackung jede Grausamkeit gegen solche rechtfertigt, die nicht der selben Ansicht ein. Angefangen beim '' Der in der Uniform, das ist kein Mensch'' bis hin zum letzten G20 Gipfel. Und mich peitscht der Ekel, wenn Schwätzer der Antifa dem mörderischen Antisemitismus Josef Stalins eine andere Qualität als dem Hitlers zusprechen, weil Stalin ja einen ganz anderen ''Grund'' gehabt habe die Juden zu hassen. (Das habe ich mit eigenen Ohren mehrfach hören müssen). Danke für diesen Artikel. Er rettet meinen Tag. #kantezeigen

Andreas Ulbrich | Sa, 23. Juni 2018 - 10:25

Kluge Worte.

Karoline Vomich | Sa, 23. Juni 2018 - 10:29

Chronik einer angekündigten Katastrophe

In letzten 60 Jahren hat sich in Afrika die Bevölkerung alle 30 Jahre verdoppelt! Auf heute 1,25 Milliarden Menschen! In weiteren 30 Jahren, aller spätestens in 35, werden dort mehr Menschen Leben, als vor 60 Jahren auf der ganzen Erde! Würden wir heute Europa komplett räumen, unsere afrikanischen Nachbaren hätten in kaum mehr als 10 Jahren die Lücke gefüllt! Wer immer helfen wollte oder es heute will hatte diese Fakten vor Augen!

Eure Karo V.

Ralph Lewenhardt | Sa, 23. Juni 2018 - 10:47

Eine philosophische Betrachtung die den Kern der Sache trifft und erklärt, warum die Linken, immer mehr sachorientierte Wähler verlieren, die mit deren ideologisch verallgemeinerten Humanitätsidealen im Lebensalltag nichts anfangen können. Dagegen wehren sich dann ohnmächtige "Linke Aufständige" zunehmend mit inhumanen plakativen Diffamierungen und Agressivität-leider gegen Menschen.

Gerdi Franke | Sa, 23. Juni 2018 - 10:50

Jeder Staat hat seine Hoheitsrechte. Und kein Mensch hat das Recht sich an diesem Staat eigenmächtig zu bedienen. Da gibt es Gesetz und Ordnung. Und das können auch einzelne Gruppierungen nicht aushebeln!

Jürgen Keil | Sa, 23. Juni 2018 - 10:51

Wenn ich über den oben beschriebenen Hypermoralismus, Gerechtigkeits- und Gleichheitsfanatismus der Grünen und Linken, sowie der halblinken CDU nachdenke, drängt sich mir, als geborenen DDR- Bürger, manchmal die Frage auf, was wohl Erich Honnecker, wenn er denn noch lebte und an der Macht wäre, dazu sagen würde.
Vielleicht würde er vor Freude die Genossen Bartsch, Habeck und Stegner zur Platzpatronenjagd in die Schorfheide und die Genossinen Kipping, Roth und Göring- Eckhardt als Gastredner zum 30. Parteitag der SED einladen. Als Ehrengast natürlich noch Kardinal Marx. Schon des Namens wegen.

gerhard hellriegel | Sa, 23. Juni 2018 - 10:54

Nein, nein, so einfach ziehen wir den Kopf nicht aus der Schlinge. Der Autor redet von Hyper-Humanität, Gleichheit, abstrakter Menschlichkeit, Idealbild.
Nun: Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst. Was Du Einem Deiner Nächsten getan hast, das hast Du mir getan. Wir sind alle Gotteskinder. Vor Gott sind wir alle gleich. Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr... Wir und Ihr: die Guten ins Paradies, die Bösen in die Hölle. --- Hier sind doch alle Motive versammelt. Ergebnis: alle "egoistischen" Impulse Sünde, alle "sozialistischen" Gottes Gebot.
These: es ist unser christliches Erbe, das alle sozialen Impulse verherrlicht, alle asozialen verdammt. Das ist die Quelle, hier ist die Spaltung. Und dem kann man natürlich nur noch abstrakt folgen, da die Natur uns - aus gutem evolutionären Grund - mit beiden ausgestattet hat. Es riecht nach Heuchelei. Die Linken sitzen in der christlichen Falle: love, love, love, ...

Wolfgang Tröbner | Sa, 23. Juni 2018 - 11:04

Hauptprobleme der Linken: "... ein Hyperhumanismus .., der an realen Menschen nicht mehr interessiert ist." Das ist allerdings nicht ganz neu. Schon 1969 schrieb der Dichter Reiner Kunze angesichts seiner Erfahrungen in der DDR: „Im Mittelpunkt steht der Mensch - nicht der Einzelne“. Es sind genau dieses Desinteresse am einzelnen realen Menschen und die Verachtung, die man dem realen Menschen entgegenbringt, dass die Linken in der Geschichte immer wieder versucht haben, den Menschen "umzuerziehen und .. aus Menschen wahre „Menschen“ zu machen." Mit den bekannten üblen Folgen. Schätzungen von Historikern reichen von mindestens etwa 3 Millionen Toten bis hin zu weit über 20 Millionen, die allein der Schreckensherrschaft des Genossen Stalin zuzuschreiben sind. Dazu kommen noch all die Opfer, die andere linke Diktaturen zu verantworten haben. Was erstaunt ist, dass das heute anscheinend vollkommen vergessen ist. Schade, auch aus diesem Teil der Geschichte könnte man viel lernen.

Werner Kirchhoff | Sa, 23. Juni 2018 - 11:39

Es lohnt sich, George Orwells "1984" nochmal zu lesen, da tun sich erschreckende Parallelitäten zur heutigen Realität in unserem Lande auf. Erschreckend auch deshalb, weil eine ehemals konservative Partei wie die CDU in das linke Lager abgedriftet ist und, falls Seehofer sein Anliegen durchzieht, eine Minderheitsregierung Merkels mit Grünen und Linken einen weiteren Linksruck vollzieht. Das dürfte dann auch die CDU weit unter die 30-%-Grenze drücken, das ganze letzlich geschuldet einer Humanität, die keine ist, zumindest nicht gegenüber denen, die hier schon länger leben. Die in Jahrhunderten erkämpften Freiheiten gehen heute schon sichtbar den Bach runter, und das bei einer muslimischen Bevölkerung von 5-8%. Kinderehen und Polygamie sind faktisch legalisiert und die mit den orthdox-islamischen muslimischen Verbänden zusammenarbeitende Regierung lässt noch Schlimmes befürchten. Bassam Tibi hat sich auch hier auf Cicero geäußert - sehr lesenswert: http://www.bassamtibi.de/?p=2811

Jürgen Lehmann | Sa, 23. Juni 2018 - 12:02

Leiber Herr Grau, ein sehr realistischer Beitrag zum Thema Humanismus „der Linken“.
Leider muss ich in unserer Gegend stark feststellen, dass das von Ihnen geschilderte Bild auch auf viele SPD-Anhänger zutrifft.
Dies würde doch letztendlich bedeuten, dass auch ein Teil der SPD sehr „linkslastig“ ist!?
Ich bin jedoch der Ansicht, dass diesen Klientel überhaupt nicht klar ist, weshalb sie sich so verhalten.

Es kristallisiert sich leider in der BRD immer mehr eine Einheitspartei heraus. Diese besteht aus LINKEN, GRÜNEN, SPD und der CDU, die mit diesen Parteien immer eine Mehrheit bilden würde – gleichgültig was dabei herauskäme.

Heinrich Niklaus | Sa, 23. Juni 2018 - 12:05

Es ist der menschenfeindliche Internationalismus der Linken, der auch immer noch die politische Szenerie beherrscht.
Er ist aktuell besonders gefährlich, weil er die globale Wirtschaft zum mächtigen Verbündeten hat. Zum Teil steuert sie aus dem Hintergrund das politische Geschehen und ist daran interessiert, Wachstumsmärkte jenseits nationaler Grenzen zu entwickeln.
Dass der auf Solidarität beruhende Sozialstaatsgedanke nicht international umsetzbar, sondern nur im Rechtssicherheit gewährenden Nationalstaat verwirklichbar ist, spielt auf dem Hintergrund von Profitmaximierung keine Rolle.
No border, no nation hört sich angesichts von Zig-Millionen Flüchtlingen humanitär an, ist aber in Wirklichkeit extrem zerstörerisch.

Erich Haug | Sa, 23. Juni 2018 - 12:13

Vorrangig Linke Grüne und SPD haben erheben diese Humanität zum einzig wahren Mensch sein.
Die Kosten dafür sollen aber mehrheitlich die tragen, die heute noch dem althergebrachten Leistungsprinzip frönen.
Ein kleiner Ausflug ins sprichwörtliche: Wer die Musik bestellt zahlt sie auch.
Könnte man dieses Prinzip auch auf die Gutmenschen anwenden wär's schnell aus mit Gutmenschlichkeit und Moralpredigten.

Jens Richter | Sa, 23. Juni 2018 - 12:30

Der Mensch denkt, und Gott lacht. Soll heißen, die Wirklichkeit bleibt völlig unbeeindruckt von irrwitzigen Ideologien, von "Sprechakten", die Realität konstruieren sollen. Ich habe nur die Wahl, zu verzweifeln oder über das alles zu lachen. Meine Familie braucht mich noch, also wähle ich das Lachen.

Christof Wechsler | Sa, 23. Juni 2018 - 12:31

...Herr Grau, für diesen hervorragenden Artikel. Im Hyperhumanismus ist jeder EINZELNE wichtig, die GEMEINSCHAFT zählt nichts. Im 3.Reich hieß es "Du bist nichts, dein Volk ist alles", heute "Dein Volk ist nichts, du bist alles". Diese Fixierung auf das Individuum führt zwangsläufig zu Egoismus, Hedonismus und Konsumismus, zum Zerfall der Familie, zu Kinderarmut, zu atomisierten Gesellschaften, die nicht überlebensfähig sind. Beide Extreme sind grundfalsch, es muss immer ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen den Interessen des "Einzelnen" und denen der "Gemeinschaft" bestehen. Es zählt nicht nur das Wohlstandsinteresse jedes einzelnen Afrikaners und Arabers, es zählt genauso das Interesse der Gemeinschaft der Deutschen, die ihr Land, ihr Leben, ihre Sicherheit und ihren Besitz erhalten wollen.

Paul Alexy | Sa, 23. Juni 2018 - 12:37

Die primäre Genese des Humanismus ist die Erkenntnis, daß eine sicherere Existenz für den Mensch nur durch zivilisierte gesellschaftliche Daseinsformen erreichbar ist. So weit so gut. Damit hilft man vor allem den Schwächeren . Dieser soziale Trend (nach dem Motto: was gut ist, sollte mehr werden) hypertrophierte in den Sozialismus, welcher wiederum die (auch biologische) Individualität des Menschen unterdrückt. Somit kommt es zur Gegenreaktionen vor allem bei den Stärkeren. Soziales ist wichtig, Sozialismus egal welcher Form hat auf die Dauer keine Chance. Der Mensch ist keine Ameise.

Paul J. Meier | Sa, 23. Juni 2018 - 12:45

"Wer es wagt dem Furor der Humanität entgegenzutreten", dieses Entgegentreten an sich ist ja in vielen der intellektuell geführten Diskussionen gar keines, sondern wird nur so kolportiert und instrumentalisierend suggeriert. Wenn man die aktuelle Asylpolitik kritisiert bedeutet das im Umkehrschluss doch nicht zwingend, dass man schutzbedürftigen Menschen keine Hilfe geben will, nur wird das genau so dargestellt. Die Linksautonomen haben in diesem Dissens ja genau ihren Hebel gefunden, mit dem sie dem erklärten Feind, den "Rechten", (jener ominöse Sammelbegriff, dem jeder Kritiker undifferenziert zugeordnet wird), so richtig weh tun können und erfahren dabei ausgerechnet Zustimmung vom Establishment, aus gewaltaffinen Gegendemonstranten, werden euphemistisch "Aktivisten". Was dieser ganzen Diskussion fehlt ist das Prinzip der Wertfreiheit, in dem bisher undurchschaute gesellschaftliche Zwänge erkannt und emanzipatorisch überwunden werden kann.

Hans Herzberger | Sa, 23. Juni 2018 - 12:46

Die Linke und besonders die Grüne Menschlichkeit orientiert sich an Ihren eigenen Pragmatismen und verteufelt jedwede andere Anschauung als Unmenschlich und Rechtsradikal. Sie glauben, sie sind in den Gedanken der Menschen als die "Guten und Besseren" eingenistet und vermeiden vollkommen jeglichen Gedanken an Realität und Wirklichkeitssinn. Sie versuchen Ihre Vorstellungen radikal auf andersdenkede zu projezieren und wer die "Ideale" nicht annimmt wir gnadenlos in die Ecke der Unmenschen verteufelt. Doch beide Ideologien sind auch nur ein Atemzug der Geschichte und müssen noch lernen, das man andere Gedanken und Meinungen auch zu akzeptieren hat ohne Verunglimpfung und Beschimpfung. Sonst entlarvt sein eigenen Vostellungen vom Guten des Menschen.

Alexander Dummuy | Sa, 23. Juni 2018 - 13:30

Es gibt doch historische Beispiele, wohin dieser absolute Gleichheitsgedanke führt. Pol Pot und seine roten Khmer

Dieter Freundlieb | Sa, 23. Juni 2018 - 13:33

Der Hyperhumanismus, den Alexander Grau ganz zurecht anprangert und als eine rigide Ideologie ohne wirkliche Menschlichkeit entlarvt, ist leider nicht nur bei den Linken zu beobachten. Der Hyperhumanismus findet sich inzwischen ja gerade auch bei den Grünen, die in vielen anderen Hinsichten nicht politisch links zu verorten sind.

Was ich mich immer wieder frage, ohne eine einleuchtende Antwort darauf geben zu können, ist, was die Ursache für die ständige Verwendung der Humanitäts-Keule ist.

In Talkshows kann man immer wieder erleben, dass hypermoralische, rein gesinnungsethische Äußerungen den größten Applaus hervorrufen, ganz gleich wie schädlich die Konsequenzen wären, wenn die darin geäußerten Forderungen tatsächlich politisch umgesetzt würden. Ist der einzige Grund dafür, dass wir Deutsche uns jetzt, nach dem Holocaust, als die moralischen Weltmeister darstellen wollen? Oder ist es einfach mangelnde Urteilskraft als Folge mangelhafter Bildung?

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 23. Juni 2018 - 13:34

natürlich nur von Weitem, wer sich jedenfalls auch der Antifa zugesellte.
Das wird nicht besser geworden sein.
Da kann etwas losgetreten werden, wenn Intellektualität dazutritt, soweit man in die Geschichte schaut.
Das sehe ich heute nicht.

Markus Michaelis | Sa, 23. Juni 2018 - 13:58

Ich empfinde es zunehmend auch so, dass die Linke an einem abstrakten Ideal des Menschen und der Menschlichkeit interessiert ist und den realen Menschen zunehmend verachtet (ist das zu hart? die Angriffe sind jedenfalls scharf). Links ist wie alles ein großes Sammelbecken, auf das keine simple Beschreibung passt, aber dieser Aspekt wird mir zu stark. Auch Pro-Zuwanderung scheint an den meisten zuwandernden Menschen nicht interessiert, weil die außer dem Recht auf Zuwanderung meist nationaler, identitärer, auf jeden Fall meist nicht links denken. Anti-Rassismus gleitet selber oft in simples Wir-Die-Denken mit klaren Feinbildern ab. Für micht erscheckend ist etwa die ZEIT-Campus-Reihe in dieser Richtung ("diese 33 Fragen über Rassismus ...", "20 Empfehlungen, um weniger rassistisch zu sein"). Ein echtes Interesse am Menschen in seiner Verschiedenheit und insbesondere auch Widersprüchlichkeit scheint mir da oft unterzugehen. Man kämpft für Europa - ob die Europäer folgen scheint egal.

Bernhard K. Kopp | Sa, 23. Juni 2018 - 14:26

Der Bischof, vielleicht sogar aus dem Erzbischöflichen Palais, der Bundestagsabgeordnete, u.v.a.m., die ihre Schäfchen bis zum Ende ihrer Tage im Trockenen haben, können leicht Menschlichkeit auf Kosten der 'Allgemeinheit' propagieren und sich dabei moralisch gut fühlen. Die Allgemeinheit sind dann immer diejenigen, die nicht wasserdicht abgesichert sind und bis ans Ende ihrer Tage mit steigenden Wohnungskosten, steigenden Energiekosten, höheren Krankenkassenbeiträgen, und sinkenden Leistungen des Staates und der Sozialkassen zu kämpfen haben. Diese sind aber mindestens die Hälfte der Bevölkerung, die von den Hyperhumanisten existentiell bedroht werden.

Jacqueline Gafner | Sa, 23. Juni 2018 - 14:48

die man nur teilen kann und der es kaum etwas hinzuzufügen gibt. Bis auf einen Punkt vielleicht, der meines Erachtens mit eine Rolle für die unter allen Titeln ungesunde Entwicklung spielt: der "Hyperhumanismus" der Linken entspringt mitnichten rein altruistischen Motiven, sondern ist über weite Strecken profan interessengetrieben. Die Beseitigung jeder Form von faktischer Ungleichheit unter Menschen, die sich die selbsterklärten "Hyperhumanisten"auf ihre rote Fahne geschrieben haben, fällt ja nicht einfach so vom Himmel, sondern will organisiert und gesteuert, betreut und kontrolliert sein. Da winken unerkannt viele aus Steuermitteln finanzierte neue Jobs für bekennende "Hyperhumanisten", die praktischerweise auf unbestimmte Zeit hinaus gesichert sind, da laufend neue Erdenbürger geboren werden, die es in das System zu integrieren gilt, das den genormten Einheitsmenschen der Zukunft hervorbringt, der als Gleicher unter Gleichen von der Wiege bis zur Bahre glücklich und zufrieden lebt.

Walter Rupp | Sa, 23. Juni 2018 - 14:54

Links sein bedeutet, die Erkenntnisse der Aufklärung auf das eigene Leben anzuwenden. Die eigene Freiheit endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Die von der eigenen abweichende Meinung ist zu achten. Das ist das Fundament. Somit sind viele sogenannte Linke rechts, genauso rechts wie die Reaktionäre. Der neoliberale Kapitalismus ist reaktionär. Die Identiätspolitik ist linksfaschistisch und reaktionär. Jeder Nationalismus ist, im Gegensatz zum Patriotismus reaktionär. Alle radikalen Übertreibungen sind es. Links sein bedeutet Mäßigung, das Achten aller Befindlichkeiten, der natürlichen Menschenrechte, die von keiner Regierung manipuliert werden können.

Maik Harms | Sa, 23. Juni 2018 - 14:54

Man könnte auch sagen:
Wer für sich die Position der Humanität in Anspruch nimmt und Gegenpositionen pauschal der Unmenschlichkeit zeiht, der erhebt einen quasireligiösen Absolutheitsanspruch, mit dem jegliche Debatte abgewürgt und ein politisches Ergebnis vorweggenommen werden soll.

Petra Nitzsche | Sa, 23. Juni 2018 - 15:05

Im Februar 2016 wollte der Eigentümer eines 8000 qm Grundstückes in Berlin mit einer Flüchtlingsunterkunft bebauen. Zu diesem Zeitpunkt lebten dort 20 linke Bauwagenbewohner, die eine ganz geringe Miete zahlen. Diese - doch so humanen - Menschen stellten sich dem Vorhaben quer und verhinderten den Bau der Unterkunft.

FD Günther Koller | Sa, 23. Juni 2018 - 15:11

Sind die Grundlagen für menschenverachtung.

Johann Kowalski | Sa, 23. Juni 2018 - 15:13

Ein pakistanische Aktivist Feroz K. spricht Klartext über die massive Schieflage in Deutschland, die durch die Regierung verursacht wurde.

Er sagt: „Die linke Politik der letzten Jahrzehnte hat stets beansprucht, sich für Migranten einzusetzen, diese zu schützen und deren Interessen zu vertreten.“ Doch tatsächlich habe diese Politik ihr Ziel nicht nur verfehlt, sondern obendrein den Migranten auch noch geschadet.

In Richtung SPD, den Linken und den Grünen sagte er: „Ihr seid maßgeblich mitverantwortlich, dass Deutschland ein Eldorado für kriminelle Zuwanderer geworden ist. Es gibt nur eine Gruppe, die von Eurem politischen Einsatz profitiert. Das sind nicht die deutschen Einheimischen, das ist nicht die hiesige Polizei, das sind nicht angepasste und verfassungstreue Migranten und Migrantenkinder, die einzigen die von Eurer undifferenzierten Politik profitieren, sind kriminelle Ausländer.“

Holger Busekros | Sa, 23. Juni 2018 - 16:10

solange die Menschen im eigenen Land egal sind kann man wohl nicht von Humanismus reden. Kranke, Alte, Pflegebedürftige und Arme werden von der Linken Politik ignoriert. Man hat durch diverse Gesetze von SPD und Grünen viele Menschen in die Armut getrieben. Und wenn man dann noch die Mitmenschen, die diese Politik kritisieren, noch als Nazis hinstellt, ist es vorbei mit Moral und Glaubwürdigkeit. Ich bin ein sozial eingestellter Mensch und helfe wo ich kann. Aber mit diesen "Sozialisten" aus SPD, Grünen und Linken kann ich nichts mehr anfangen.

Rolf B. Greven | Sa, 23. Juni 2018 - 16:32

Dieser von Alexander Grau so bezeichnete Hyperhumanismus kann nicht einfach pauschalisierend auf alle Linke bezogen werden. Ich erinnere z.B. an Sahra Wagenknecht, die von den sogen. Hyperhumanisten als AfD light dargestellt und bezeichnet wird oder als nationale Sozialistin, nur weil sie die Binsenwahrheit aussprach, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge übernehmen KANN.
Ich denke sogar, dass der sogen. Hyperhumanismus infolge der Verschiebung politischer Koordinaten nichts mit links zu tun hat. Auch die Grünen sind weit weg von einer linken Politik. Lafontaine nannte diese Leute "progressive Neoliberale". Die no-border-Leute haben z.B. keinen Widerstand zu erwarten von Arbeitgebern, die den Zuwachs von Billiglöhnern begrüßen.
Der sogen. Hyperhumanismus ist m.E. eine unpolitische Lebenseinstellung der Menschen, die in hippen Milieus sich ständig selbst vergötzen. Die Menschen, die in Deutschland keine bezahlbare Wohnung finden, sind den sogen. Hyperhumanisten völlig egal.

Manuela Armenat | Sa, 23. Juni 2018 - 16:41

Gesinnungsethiker aller Coleur vereinigt euch und wenn die ganze Welt zusammenbricht - das ziehen wir durch...

Auch wenn viele das Gleiche wollen - wollen viele nicht das Gleiche (meinereiner)!

"Es gibt zu viele Sorten von Menschen, als daß man für alle fertige Antworten bereithalten könnte."
(Erasmus von Rotterdam)

Heidemarie Heim | Sa, 23. Juni 2018 - 16:47

Ging und geht bis heute in all seinen Ausprägungen immer mit Zwang einher. Und mit Unterdrückung sowie dem Beseitigen jeglichen, der Ideologie zuwider laufenden Individualität. Nichts anderes als eine Form der Meinungsdiktatur.Wer sich diesem entzieht wird
sofort als Feind der kollektiven
Scheingedankenwelt deklariert. Danach folgend ziemlich " unabstrakt ", bestenfalls nur sozial eliminiert. Vollends unerträglich wird es m.E., wenn bestimmte Vorbilder aus der Vergangenheit, durch die Reihe Verbrecher bis hin zu mörderischsten Regimen immer noch zu ideologischen Teilen als Grundlage dienen.Diese und jede andere Form extremistischen Imperativs waren und sind von großem Übel. Deshalb kann ich mit meinen nunmehr 60 Jahren Lebenserfahrung (West), wahrscheinlich ebenso wie meine Mitbürger aus dem ehemaligen Osten, auf diese "Neokollektivisten" und deren Einordnung betreffs Anspruch auf Individualität, sehr gut verzichten. MfG

Gerhard Böttger | Sa, 23. Juni 2018 - 16:48

Sehr gute, trotz des ernsten Inhalts, erfrischende, angesichts der divergenten Grosswetterlage mutige und insbesondere glasklare Analyse des wesentlichen derzeitigen Grunddilemmas. Die Problematik fokussiert sich auf:

... "Im Zentrum jedes radikalhumanistischen Aktivismus steht daher der Kampf gegen das Eigene und das Einzigartige. In innergesellschaftlichen Debatten äußert sich dieser übergriffige Kollektivismus zumeist in penetranter Gerechtigkeitsrhetorik. Auf globaler Ebene in Parolen wie „no nations, no borders“. Das Menschenbild, das hinter diesem aufgesetzten Humanismus steht, ist jedoch zutiefst menschenverachtend." ...

Besonders gut herausgearbeitet ist der Zusammenhang zwischen dem dominierenden Gleichheits- / Gerechtigkeitsbestreben, Links und dem aufgekommenen Pseudo- / Hypermoralismus. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das dringende Problem, wie dieser starke, nachteilige Einfluss in D - jedoch nicht ausschließlich - gebremst werden kann, besteht jedoch zunächst fort.

Michaela Diederichs | Sa, 23. Juni 2018 - 17:09

Im Freundeskreis wird die Merkelpolitik diskutiert. Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik wird abgeschmettert mit dem Argument, nun hätten wir in der Welt aber ein ganz anderes Ansehen. Es ist wohl doch nicht immer der humanistische Ansatz, der die Menschen umtreibt. Das Bild - das Selbstbild und das Fremdbild - bestimmt offenbar die Handlung. Da spielt es dann auch keine Rolle, wie hoch der Preis ist. Hauptsache das Bild ist schön. Das soll ja auch Frau Merkels Ansatz gewesen sein: die Vermeidung hässlicher Bilder.

Frank Grundmann | Sa, 23. Juni 2018 - 17:37

Danke Herr Grau für diese detailgenaue Beschreibung der Situation. Hyperhumanismus ist aktuell relativ verbreitet kann aber signifikant bestimmen politischen Gruppen zugeordnet werden. Meiner Erfahrung nach befindet sich das Epizentrum dieser exaltierten Gesellschaftsgruppe mitten im Bereich von Bündnis90/Grüne. Ihre Ausführungen festigen mich in der Überzeugung, dass es genau diese Gruppen sind, um die sich der Verfassungsschutz dringend kümmern muss, denn wie Sie richtig feststellen, ist das Menschenbild das hinter diesem Pseudohumanismus steht menschenverachtend und volksverhetzend.
Übrigens:
Natürlich ist kein Mensch illegal!
Aber der Ort an dem er sich aufhält oder aufhalten will kann es sein. Oder die Art und Weise wie er sich irgendwo aufhält oder die Umstände unter denen er sich irgendwo aufhält, können durchaus illegal sein.

Heiner Hannappel | Sa, 23. Juni 2018 - 18:06

Eine gestochen scharfe Analyse der Hysterie in Deutschland und anderswo, die das normale Rechtsempfinden der Bürger ignoriert, um uns ein selbstzerstörerisches Gutmenschentum zu implantieren.Auf Menschen , die es sich erlauben ihren Verstand einzusetzen, hetzen diese Hyperhumanisten, (die auch im Bundestag sitzen), zur deren Einschüchterung dann die von ihnen finanzierte und gesteuerte ANTFA.

Gabriele Rentrop | Sa, 23. Juni 2018 - 18:33

Ein hervorragender Kommentar!
Sind es doch gerade die Linken, die unter der Maxime der Gleichheit und sozialen Gerechtigkeit jeder Individualität den Garaus machen wollen! Damit aber generieren sie eine unfreie Gesellschaft. Wie hieß es in den sozialistischen Diktaturen so schön: Du bist nichst, das Kollektiv ist alles!

Guido Schilling | Sa, 23. Juni 2018 - 19:20

ist es, die selbstgemachte Überbevölkerung auf einen anderen Kontinent zu exportieren. Wenn der geplante Familiennachzug (jeder kann dahin einreisen wo er schon eine Ankerperson hat) Wirklichkeit wird, wird die Masseninvasion Europa in wenigen Jahren auf den Stand eine 4. Weltlandes zurückkatapultieren. Wer soll dann noch für die armen Schutzsuchenden das Asylgehalt erarbeiten? Was ist wenn die Schutzsuchenden selbst alt geworden sind? Woher kommt das Geld für die Rente, Krankenversorgung und Pflege der Hilfsbedürftigen?

Willi Mathes | Sa, 23. Juni 2018 - 19:25

Zustimmung Herr Dr. Grau !

" Je weniger wir die Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen "
E.von Rotterdam

Danke und freundliche Grüsse

Karin Zeitz | Sa, 23. Juni 2018 - 19:31

will man “Ankerzentren“ einrichten. Der Begriff “Flüchtlingslager“, mit dem jahrzehntelangen die ersten Anlaufstellen für die deutschen Umsiedler aus dem Osten und die DDR-Flüchtlinge bezeichnet worden sind, gilt plötzlich als inhuman und nicht mehr gut genug für die heutigen Flucht- und Migrationsbewegungen. Diejenigen, die sich besonders stark machen für Humanität gegenüber Migranten und die Ausweitung von deren Rechte lassen das Mitgefühl für das Leiden der Opfer von Gewalttaten oftmals völlig vermissen. Es geht ihnen nur darum, dass diese nicht “instrumentalisiert“ werden. Daraus resultieren Verschweigen und Vertuschen von Gewaltverbrechen, der inflationär benutzte Terminus “Einzelfall“ und der oftmals unwürdige Umgang mit den Opfern. Das Gedenken für Totesopfer sollte nach ihrer in der Öffentlichkeit nach ihrer Auffassung entweder gar nicht erst stattfinden man sorgt dafür, dass sie schnell vergessen werden.

Horst Liener | Sa, 23. Juni 2018 - 19:35

Verteilt diesen Artikel bei der Antifa und im Bundestag. es Wird nichts Helfen aber Lesen dürfen die auch mal etwas vernünftiges.

Dimitri Gales | Sa, 23. Juni 2018 - 19:57

Ich habe den Eindruck, das hier beschriebene Phänomen ist ein Produkt der Underdog-Denke. Viele, die sich unterprivilegiert, benachteiligt etc. fühlen, wollen, dass alle gleich sind - eine idiotische Vorstellung, denn wie arm wäre das Leben in diesem Fall, ein rein vegetatives Leben". Natürlich sympathisieren dann diese Underdog-Ideologen mit jenen Populationen, die sie auch dazu zählen, wie Migranten. Die Gleichheitsapostel agieren aus egozentrischen Gründen, an "Nächstenliebe" (woraus besteht die eigentlich?) glaube ich nicht, nicht alle sind überzeugte Christen.

Fritz Gessler | Sa, 23. Juni 2018 - 21:53

in der aktuellen debatte (so sie so zu nennen) ist aber das schlagwort 'humanität' nichts als eingeständnis des mangels an rationalen argumenten. das gutmenschentum ist nicht einmal links. wir sollten nie vergessen, dass z.b. alle real-sozialistischen staaten ihre grenzen fest gechlossen hielten.

Per L. Johansson | Sa, 23. Juni 2018 - 22:19

Zitat. „Da dieser Hyperhumanismus im Kern auf einen radikalen Gleichheitsdenken beruht, zielt er darauf ab, jede Unterscheidung zwischen Menschen aufzuheben und als unmenschlich zu diskreditieren.“

Vielen Dank für diese klaren Worte!
Deshalb ist deren übliche (Selbst)beschreibung als „Linksliberales Bürgertum“ auch grundfalsch.
Links mögen sie, wenn man denn dieser Gesäßgeographie folgen will, ja sein, aber garantiert nicht liberal, eher im Gegenteil.

Zitat: “Das Resultat: Menschen werden nicht als reale Menschen behandelt, sondern als Konstruktionen, als Sinnbilder oder Verkörperungen einer abstrakten Menschlichkeit."

Und genau dies verursacht desaströse Fehlentwicklungen in unserem Land. Von der bedingungslosen Masseneinwanderung bis zur erzwungenen Inklusion im Schulsystem. Man ignoriert die Realitäten, allen voran die Natur des Menschen.
Und genau deshalb ist diese Politik selbst das, was sie anderen vorwirft, nämlich inhuman.

Willi Sempf | Sa, 23. Juni 2018 - 22:55

Diesem Artikel stimme ich 100% zu . In der realen Welt gibt es zwei Probleme , die Europa nicht lösen kann , weil sie ihren Ursprung in anderen Ländern haben . Die Bevölkerungsexplosion und die Aggressivität des Islam . Humanität besteht nicht darin diese Probleme zu verschweigen . Es hilft auch nicht , das langsam Sterben der europäischen Völker zu ignorieren. Einwanderung aus völlig fremden Kulturen in denen Gleichberechtigung der Frau und gewaltfreie Erziehung der Kinder unbekannt sind - ist natürlich schon eine Bereicherung - aber im Wesentlichen an Problemen . Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben , das die Vernunft kommt und Frau Merkel endlich geht .

Stine Bading | Sa, 23. Juni 2018 - 23:52

Der Kampf gegen das eigene Denken und Handeln läuft aber leider meist so ab, dass die eigene, oft unbewusst erworbene Einstellung auf den anderen projiziert wird. Da kann man seine eigene Einstellung dann bekämpfen, ohne sie sich
bewusst machen zu müssen. Und man kann sich selbst als moralisch tadellos bewerten. Ob der andere tatsächlich die gleiche Einstellung hat, ist dabei irrelevant. Hauptsache er darf bekämpft werden.
S. Freud würde wahrscheinlich die psychische Kontrollinstanz der heutigen Hypermoralisten als Überüber- Ich bezeichnen. Die meisten moralischen Debatten haben für mich nichts mehr mit Moral zu tun, sondern sind nur traurige Versuche, sich selbst aufzuwerten, sich wichtig zu machen. Eigentlich sind das ganz arme Socken, aber leider laut, nervig und penetrant.

Joost Verveen | So, 24. Juni 2018 - 03:45

Es geht nicht mal um Ideologie, sie ist auch hier nur billige Fassade. Nein, es geht darum afrikanische und arabische Männer im deutschen Sozialsystem unterzubringen.

Warum auch immer, aber das ist der eigentliche Zweck des ganzen Humanismusgefasels. Jede Begründung ist dafür recht, sogar der Klimawandel. Dabei weiss jeder (auch die Linken), dass es sich nicht um Flüchtlinge handelt, sondern um Abenteurer, bestenfalls um Siedler, manchmal auch nur um ganz gewöhnliche Kriminelle.

Jens Herrmann | So, 24. Juni 2018 - 08:19

Der Grundsatz vom dem argumentiert wird ist nicht die Gleichheit, sondern die Gleichberechtigung. Die Gleichberechtigung ist in Artikel 3 unseres Grundgesetzes, dem Fundament unseren Staates, verewigt.

Ansonsten habe ich zu dem Artikel nichts zu sagen, die Argumentation ist genau so vage wie die Sprechblasen die sie versucht anzugreifen.

Andreas Geisenheiner | So, 24. Juni 2018 - 09:02

mit einem sehr begreiflichen Bild hat das Arthur Schopenhauer schon 1851 beschrieben. Man google einmal unter Schopenhauer/ Stachelschweine

Dieter Zorn | So, 24. Juni 2018 - 10:55

Treffender Kommentar. Leider sind es nicht nur ein paar jugendliche Idealisten, die Menschenrechte und Gleichheit radikal unsetzen wollen und damit alle faktischen Unterschiede negieren, nein, diese Geisteshaltung ist inzwischen offizielle Politik der UN und der EU. Erst damit wird sie gefährlich, weil sie politisches Handeln bestimmt, wöhrend die Mitte der Gesellschaft verwundert zuschaut, ist sie doch auf das Gegenteil getrimmt: Excellenz und Unterschiede. Nichts Neues für Deutschland. Schon Heine formulierte: England gehört das Meer, Frankreich das Land, Deutschland hat die Herrschaft im Luftreich der Träume. Der Deutsche Idealismus ist wohl das gefährlichste Merkmal im Volkscharacter, weil er immer wieder von den Rattenfängern von Links und Rechts ausgebeutet werden kann. Aber nun hat er auch internationale Gremien erreicht. Eine geföhrliche Lage.

Gisela Fimiani | So, 24. Juni 2018 - 10:55

Hinter der liberalen Idee der Gleichheit vor dem Recht steht das Menschenbild der Fallibilität und Einmaligkeit der Person. Das Menschenideal, welches die persönliche Freiheit als grundlegenden Wert ansieht. Im Hintergrund der Totalisierung der Idee der Gleichheit der Lebensbedingungen und der Utopie der möglichst gleichen Schicksale steht die Ideologie des Menschen als Nur-Gattungswesen. Der Mensch wird Teil einer amorphen, disponierbaren Masse. Die Geschichte liefert genügend Beispiele für diese, in Wahrheit, menschenverachtende, grausame und verblendete politische Ideologie, die in verachtenswerter Weise das Ideal des Humanismus missbraucht.

Harro Meyer | So, 24. Juni 2018 - 12:17

Der Ruf nach den Humanismus ist nur der Versuch seinem Tun einen moralischen Überbau zu geben, nachdem die "sozialen Menschlichkeit" in die Irre geführt hat, da die Begriffe wie Sozialdemokratisch und Christlich unvereinbar sind. Aber auch hier kritisieren christliche Kritiker die glaubensferne, teils religionsfeindliche Haltung moderner Humanisten, sodass außer einiger Schönrederei in der Sache nichts gewonnen ist und im englischsprechenden Raum der Begriff "secular humanism" geradezu zum Kampfbegriff in Auseinandersetzungen der demokratischen Grundidee mit der Religion (Christentum, Islam, Judentum) geworden ist. Eine Gemeinsamkeit ist da ausgeschlossen. Das hat schon Kant erkannt und kam deshalb auf den Index.

Klaus Gerster | So, 24. Juni 2018 - 12:24

Vielen Dank für diese in meinen Augen sehr treffende Analyse Herr Grau! Sie schreiben, dass im Sinne der Hyperhumanisten " ... alle Menschen gleich (sind), nicht faktisch aber ideell." Hierbei soll über das Ideelle faktische Gleichheit erzwungen werden. Hierzu müsste die Welt in jeder Beziehung aufteilbar sein. Wenn soetwas überhaupt möglich ist, wären wir in der Folge keine Menschen mehr, wie wir sie kennen, sondern nur noch Träger von ihnen zugebilligten vom Zentralkommitee gerecht verwalteten Potentialen. Des Weiteren widerspricht der Hyperhumanismus sich selbst. Er fordert auf der einen Seite den Schutz des Individuellen (z.B. unbedingte Religionsfreiheit), feiert es geradzu und verortet in dieser Abgrenzung gleichzeitig sein Feindbild.

Roland Artus | So, 24. Juni 2018 - 13:32

Ein sehr guter Beitrag von A. Grau, der zeigt, wo die eigentliche Bruchkante in unserem Land verläuft, nämlich zwischen Links und dem Rest der Gesellschaft. Bedauerlicherweise kriecht auch ein links liberales sozialromantisches Bürgertum den Ideologen roter und grüner Provenienz mit ihrem marxistisch/leninistisch/maoistischen Phantasien auf den Leim. Zu lange hat die Mitte diesen Leuten die ethische Deutungshoheit überlassen. Wenn da nicht wahrhaftiger gegengesteuert wird, und damit meine ich ausdrücklich nicht durch die AFD, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir eines Tages in einem weiteren autoritären System erwachen.

Marcus Wiegand | So, 24. Juni 2018 - 14:02

warum die Menschlichkeit und ein entgleisender Hyperhumanismus (ebenso wie radikaler Pazifismus) immer nur gegenüber westlichen, aufgeklärten Gesellschaften in Stellung bringt und hier die Menschlichkeit und die Umsetzung pazifistischer Ideologie gerade gegenüber denjenigen Regimes anmahnt, die eben dieses Weltbild nicht teilen, sondern an Menschenverachtung und Bellizismus nicht sparsam sind, sondern diese gerade als Mittel staatlicher und individueller Ziele rücksichtslos nutzen.

Solche radikalen Weltbilder und Menschenbilder scheinen jedoch nur in denjenigen Gesellschaften sich herauszubilden und nachdrücklich zur wirkmächtigkeit geltend gemacht zu werden, die über einen erhöhten Standard an Humanismus und pazifistischer Grundhaltung bereits verfügen. Die gesellschaftliche evolutionsrichtung soll hin zu einer totalitären Allgültigkeit und unhinterfragbarkeit hin ausgerichtet werden, die sich jedoch nur auf den eigenen Kulturkreis als Betätigungsstätte der Aktivisten beschränkt.

Bernd Muhlack | So, 24. Juni 2018 - 15:00

non, rien ne rien! --- Ich weiß nicht, ob Edith Piaf für oder gegen Grenzen wäre, jedoch sind ja viele Künstler oder solche die sich dafür halten Vertreter dieser sehr schön beschriebenen Hypermoralität; man kann sich dann sooo toll fühlen und sich in der prall gefüllten Filterblase gegenseitig auf die Schulter klopfen. "Du ich hab jetzt den neuesten NO-AfD-Button; der ist aus Zuckerrohr und ächt tootaal recyclebar!" - "Du, tooolll ey; gibt's den auch in jamaika, das passt besser zu meinen Schals/Tüchern..." --- Nein, ich kann und will dieses sinnfreie Geschwätz nicht mehr hören und hoffentlich gibt es bald den finalen Merkel/EU-Knall!!! - & Herr Grau wie immer schlau und "au Point"; prima.

Ich schließe mit den besten Wünschen an die Rettungsärztin sowie den Sanitäter in Ottobrunn; sie wurden "Opfer" eines (fahrlässigen) Fehlverhaltens (SIC!) zweier unsere geschätzten Gäste von Frau Merkel - Die Gedanken sind frei, aber soll/darf ich sie schreiben? Mein lieber Scholli: quo vadis D?

Matthias Barth | So, 24. Juni 2018 - 17:30

Wenn man den Satz auf dem Foto: „Kein Mensch ist illegal“ ernst nimmt, löst sich das Prinzip der Legalität auf. Nehmen wir mal an, dies sei so. Wie gehen wir dann vor, um die Güter zu verteilen? Nach Regeln? Wenn ja, erzeugen wir dadurch wieder Legalität und Illegalität. Wer sich an die Regeln zur Verteilung der Güter hält, verhält sich in diesem Sinne legal und wer sich nimmt, was ihm nach diesem Regeln nicht zusteht, verhält sich illegal. Wir könnten dieses neu begonnene Spiel wieder eine Weile betreiben, bis es wieder zu Protesten kommt, weil die Verteilung nicht funktioniert, denn alle Systeme, die Menschen entwerfen und die widerspruchsfrei und gerecht sein sollen, werden dies am Ende nicht sein. Das ist schon systematisch bei Systemen, die auf einer zweiwertigen Logik basieren, nicht möglich (vgl. gödelscher Unvollständigkeitssatz). Am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durchsetzen wird, dass wir uns nicht von, sondern nur inmitten der Dinge befreien können.

Henry W. Donner | So, 24. Juni 2018 - 18:20

mir bleibt nach der Lektüre Ihrer Kolumne nur eins zu sagen: DANKE!

Georg Czerwinski | So, 24. Juni 2018 - 23:00

Es ist ziemlich leicht sich auszudenken, wie die Welt sein sollte aber langwierig und anstrengend zu erkennen, wie sie tatsächlich ist.
Obwohl ständig Dinge passieren, die es nach linker Ideologie nicht geben dürfte führt das nicht zur Einsicht.
Trotzdem wird die Wahrung seiner Interessen als charakterlicher Defekt und politischer Extremismus ausgelegt.
Masseneinwanderung drückt auf Löhne und schwächt die Position von Arbeitnehmern.
Wen vertreten die Linken eigentlich, die Arbeiter und sozial Schwachen oder ihr eigenes Machtinteresse?
Offene Grenzen bedeutet unbegrenzte Ausgaben bei begrenzten Einnahmen.
Je größer der moralische Anspruch, desto größer die eigenen Interessen.
Und was die braunen und die roten Sozialisten von Menschlichkeit hielten sobald sie an der Macht waren, haben sie in der Vergangenheit eindrücklich bewiesen.

Tomas Poth | So, 24. Juni 2018 - 23:20

Unser Planet ist begrenzt, auch die Anzahl der Menschen die er tragen kann. Am Ende steht die Humanität der Selbstverantwortung und der Selbstzerstörung gegenüber.
Die nötigen Schritte gegen Übervölkerung und die Lösung der hausgemachten Probleme in den Herkunftsländern der Migranten können nur von den dort Lebenden angegangen werden.
Wer die jetzigen Migrantenströme, das Ausweichen vor der eigenen Verantwortung befördert, verzögert und verschlimmert alles nur.

Birgit Fischer | Mo, 25. Juni 2018 - 08:47

Der Autor liegt richtig. Vermeintliche Humanität ist zum Fetisch geworden. Human ist, wenn Menschen in ihrer Heimat bleiben. Afrikaner gehören nach Afrika. Die organisierte Massenwanderung nach Europa gehört ein für allemal gestoppt. Ungarn hat vorgemacht, wie es geht. Afrika vermehrt sich immer mehr. Die dritte Welt produziert immer mehr Menschen ohne die Ressourcen zu haben, diese zu ernähren, in Arbeit zu bringen, zu bewirtschaften. Europa kann nicht Auffangbecken des afrikanischen und orientalischen Bevölkerungswachstums sein. Deswegen ist Zuwanderung aus der dritten Welt zwingend zu unterbinden, notfalls mit allen Mitteln. Es muss aufhören. Europa den Europäern!