Donald Trump und Kanye West - Auch Schwarze können Trump mögen

Ausgerechnet der erfolgreiche schwarze Rapper Kanye West unterstützt Donald Trump. Die liberale Elite zeigt sich empört. Doch schon einmal bekam sie die Quittung dafür, dass sie abweichende Meinungen einer Bevölkerungsgruppe verdammte

Trump und Kanye West posieren für ein Bild
Kanye West musste harsche Kritik für seine Unterstützung Donald Trumps einstecken / picture alliance

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Andreas Backhaus studierte Volkswirtschaftslehre in Deutschland, Polen und Frankreich. Derzeit promoviert er an der LMU München.

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Andreas Backhaus

Ein prägendes Merkmal der Person und des Präsidenten Trump ist, dass er keinen Respekt davor zu haben scheint, was er laut Meinung seiner Mitmenschen tun kann und was nicht. So wandte er gegenüber Nordkorea eine neue Form der Diplomatie an. Wie es scheint, durchaus erfolgreich. Während diese Weigerung zur Selbstbeschränkung gewiss auch ihre Schattenseiten hat, so sollte ihre Wirkung auf einer breiteren gesellschaftlichen Ebene nicht unterschätzt werden. Denn sie erweitert den geistigen Rahmen der Menschen mit Blick auf das, was für möglich gehalten wird. 

Der Comiczeichner Scott Adams, der seit einigen Jahren täglich die US-amerikanische Politik kommentiert, spricht von einem Ausbruch aus einem „geistigen Gefängnis“. Sobald die Begrenzungen des Lebens eher als mental denn real verstanden werden. Ein Indiz dafür findet sich ausgerechnet beim heikelsten gesellschaftlichen Thema der USA: der Situation der schwarzen US-Amerikaner. Nun hat ausgerechnet Kanye West, einer der erfolgreichsten Rapper und für viele Schwarze ein Vorbild, sich als Trump-Unterstützer geoutet. Was war geschehen? Candace Owens, eine junge, schwarze Aktivistin, vertrat zunächst linksliberale Positionen, bevor sie ins republikanische Lager gewechselt ist. Dort ist sie nun für die NGO „Turning Point USA“ tätig. In dieser Funktion hat sie kürzlich einige Protestierende der Gruppe „Black Lives Matter“ öffentlich abgefertigt, indem sie deren Fixierung auf die tragische Vergangenheit der schwarzen Amerikaner angegriffen hat.

Kritik der linken Presse

Durch einen Tweet von Kanye West erhielt Owens eine große Aufmerksamkeit. West sorgte mit nur sieben Worten für einen wahren Riss in den Weltbildern der Amerikaner, die sich links der Republikaner verordnen: „Ich liebe Candace Owens Art zu denken.“

Die Aussage ist einfach, aber gerade dadurch entfaltet sie in Zeiten der „identity politics“ ihre Wirkung. Kurz danach legte West noch mehr Aussagen nach, zum Beispiel: „Ständig die Vergangenheit herauf zu beschwören, sorgt dafür, dass man darin feststeckt“ und die Bezeichnung der selbsterwählten Opferrolle als „Krankheit“.

Welche Rolle spielte Trump bei diesem Vorgang? Augenscheinlich keine. Allerdings dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass Kanye West kurz nach seiner Sympathiebekundung für Candace Owens sogar seine Liebe für den Präsidenten erklärte: „Man muss nicht mit Trump übereinstimmen, aber der Mob kann mich nicht dazu bringen, ihn nicht mehr zu lieben.“ Der Präsident wusste die ausgestreckte Hand zu nutzen und tweete ein simples „Danke Kanye, sehr cool!“ zurück.

Innerhalb von Minuten stürzte sich eine Front aus linkslastigen Websites und Medien auf Kanye West. Er wurde als „far-right“ und Verbündeter der „alt-right“ mit einer Schwäche für den Faschismus gebrandmarkt. Das klang noch anders, als West nach dem Hurrikan Katrina über George W. Bush gesagt hatte, dieser schere sich nicht um schwarze Bürger.

Dämonisierung abweichender Meinungen

Seine Kritiker gaben West mit ihren Versuchen – ihn entweder im „richtigen“ politischen Lager zu halten oder zu diskreditieren – erst recht einen Anlass sie auf die Palme zu bringen: Bald trollte West seine Kritiker regelrecht, indem er auf Fotos mit einer von Donald Trump signierten „Make America Great Again“-Mütze posierte. Andere schwarze Musiker sprangen ihm dabei zur Seite und verdeutlichten, dass im gegenwärtigen politischen Klima die selbstverständlichsten Aussagen gleichzeitig die skandalösesten sind. Oder wie es Chance the Rapper formulierte: „Schwarze müssen keine Demokraten sein.”

Unabhängig davon, wie sehr man die Tweets von Rap-Stars auf die Goldwaage legen sollte – warum richten sie sich explizit gegen die Demokratische Partei? Während der Obama-Ära haben die Demokraten und die ihnen freundlich gesonnenen Medien es sich zur Gewohnheit gemacht, von ihrer Linie abweichende Meinungen nicht nur abzulehnen, sondern bis zum Grad der Lächerlichkeit zu dämonisieren. Inklusive der Personen, die sie äußern. Damit versuchen sie, das Korsett der Identitätspolitik um den gesellschaftlichen Diskurs zu schnüren.

Partei der bibelschwingenden Evangelikalen

Für ihre Dämonisierung des „weißen Amerikas“ verkörpert durch Donald Trump erhielten die Demokraten bereits 2016 die Quittung der weißen Wählerschaft, obwohl diese in den zwei vorherigen Wahlen noch Barack Obama unterstützt hatte. Nun könnte auch die Quittung der Schwarzen folgen, wenn letztere vermehrt den Eindruck gewinnen, dass die Identitätspolitik auch für sie keinen Vorteil darstellt. Und das, obwohl sie von den vermeintlichen Freunden der Schwarzen in der Demokratischen Partei betrieben wird. Man kann den Eifer, mit der die politische Linke diese Entwicklung aufzuhalten versucht, leicht nachvollziehen. Sollten ihre Bastionen der schwarzen und lateinamerikanischen Wähler fallen oder auch nur ins Bröckeln geraten, werden die anstehenden Wahlen für das Repräsentantenhaus für die Demokraten alles andere als ein Spaziergang sein.

Die Republikaner müssen diese Sorge nicht teilen. Das liegt ironischerweise daran, dass Trump sie als politisches Etikett in vielerlei Hinsicht entkernt und ad absurdum geführt hat. Er war zum Zeitpunkt seiner Präsidentschafts-Kandidatur bereits zum dritten Mal verheiratet und es war der Öffentlichkeit auch bestens bekannt, dass er zu Seitensprüngen neigt. Außerdem hat er gerade einen bekennenden Homosexuellen zum US-Botschafter in Deutschland ernannt und entschieden, sich nicht auf Bundesebene in die Cannabis-Legalisierung einzumischen. 

Die Republikaner werden gerne als Partei der bibelschwingenden Evangelikalen bezeichnet, die den Amerikanern mit den Zehn Geboten den Teufel austreiben wollen. Was immer man nun von Trump halten mag: Unter ihm sind sie wieder mehr zu einer Partei des Leben und leben lassen geworden. Verfolgt Trump diesem Weg weiter  und verweigert sich ebenfalls weiterhin der Selbstbeschränkung, liegt in seiner Präsidentschaft ein großes Potenzial: die Veränderung der amerikanischen Gesellschaft. Und zwar  über die tagtägliche Politik und Stormy-Daniels-Affären hinaus.

Michael Sander | Di, 8. Mai 2018 - 12:54

Ein wundervoller Beitrag, Herr Backhaus!
Je mehr ich über Trump nachdenke und je mehr ich sehe, wie oft dieser Präsident das richtige tut, desto mehr wird mir bewusst, was für ein einmaliges Potential in dieser disruptiven Präsidentschaft liegt. Allen Unkenrufen der fassungslosen linken Presse zum trotz, hat Trump die besten Chancen ein wirklich legendärer Präsident zu werden und den Irrweg der linken Identitätspolitik zu beenden. Es wird kein Zurück in die Zeit vor Trump geben.

politik bezeichnen, entweder Du gehörst zu uns oder Du bist draussen.
Möglich, dass die Republikaner durchaus auch solche Leute im konservativen oder rechten Denken vorweisen können.
Damit wird man vieles, aber nicht Geschäftsmann.
Trumps Ruppigkeit ist vieles, aber auch die verunmöglichte Liebe eines eher von Draussen.
Es war unerträglich, wie man im Clinton-Lager versuchte, ihn zu "diskriminieren", dabei hätten sie auch die Bomben geschmissen.
Das Pendant zu Hillary Clinton ist für mich Merkel, ein netter Trugschluss anzunehmen, sie wäre von aussen gekommen.
So gesehen verstehe ich so langsam auch die Abneigung gegen das Politestablishment.
Ich weiss, dass Nahles Politik kann, hoffentlich auch ohne Ausgrenzung, ich leide nicht wie andere.
Trump schafft Identität durch America first.
Was hoffentlich so etwas sagen will wie, Leute ich bin für Euch da.
Trumps Manko könnte seine politische Unerfahrenheit sein, ich sterbe lieber so als durch Starrsinnigkeit.
Alternativen?

Ich schließe mich hier ebenfalls an. Normalerweise lese ich gar nichts mehr zu Trump, weil es immer die gleiche Soße ist. Bei Cicero schaue ich dann aber schon mal rein und - es hat sich gelohnt. Klasse Beitrag.

Gisela Fimiani | Di, 8. Mai 2018 - 12:58

Was auch immer man von Trump hält.......das wichtigste Zitat scheint mir wohl „der Ausbruch aus dem geistigen Gefängnis“ zu sein. Ein solcher Ausbruch wäre in Deutschland hochnotwendig. Trump kann sich das Unkonvertionelle leisten, da er finanziell unabhängig ist. Ich will damit nicht grundsätzlich Milliardäre in der Politik befürworten, sondern darauf hinweisen, dass die finanzielle Unabhängigkeit eine geistige befördern kann. Schauen wir auf unsere deutsche Politikerkaste sehen wir, dass der überwiegende Teil aus Berufspolitikern besteht, die auf diesen Job dringend angewiesen sind, da sie entweder nie einen anderen hatten oder keinerlei Ausbildung zu irgend etwas besitzen. Wie unabhängig mögen solche Leute wohl sein? Da die meisten darüberhinaus denkschwach sind, brauchen sie eine Ideologie, an der sie sich orientieren können, um den schlüpfrigen Boden der geistigen Freiheit zu vermeiden. Trump rüttelt an Vielem, vielleicht zum Guten oder Schlechten. Lassen wir uns aufrütteln!

Jeder hat da seine Meinung.Aber Herr Trump hat,Sie deuten es an-eine eigene Meinung.Alles was er will wird er eh nicht verwirklichen können.Bei GMX wird er regelmäßig,ja fast täglich,aus dem Amt gejagt,für dumm erklärt und gemartert.
Totzdem einen schönen Tag!

Unsere Politiker werden zusätzlich durch die hohen Diäten korrumpiert.

"Eine Person, die im Dienst des Staates reich wird, kann kein Mensch von edlem Charakter sein." Das Zitat stammt von einem bekannten Deutschen einer längst verganenen Zeit.

Das Berufspolitikertum wird erst durch die allmächtigen Staatsparteien ermöglicht, die Faktisch die Hoheit über die Abgeordnetenmandate innehaben. Denn diese bestimmen, wer aufgestellt und gewählt wird (hintere Listenplätze ausgenommen). Das ist in meinen Augen das größten Problem unseres parlamentarischen Systems und eine direkte Folge des geltenden Wahlrechtes.
In den USA gilt hingegen ein Mehrheitswahlrecht und ausserdem können sich durch das System der Primaries auch ansonsten unabhängige Kandidaten für eine Partei aufstellen lassen. Nur so war jemand wie Trump möglich.

Juliana Keppelen | Di, 8. Mai 2018 - 13:18

Schadenfreude wenn die "Moralkeulenschwinger" ihrer Waffe "der Moralkeule" plötzlich beraubt einfach nackt da stehen. Es gibt eben mehr als nur Schwarz-Weiß. Man muss Herrn Trump oder die anderen vom Mainstream ernannten Bösewichter nicht lieben sollte aber endlich einsehen, dass jedes Land für sich entscheidet wen es an der Spitze haben will. Man muss es einfach respektieren. Sollten diese Regenten Entscheidungen treffen die uns nicht gefallen und für uns sogar schädlich sind muss man eben klar und deutlich sagen was man will und was man nicht will und notfalls auch mal den Mut haben zu sagen "sorry wir machen da nicht mit". Wer ständig die Moralkeule schwingt macht nach einger Zeit nur Löcher in Luft und provoziert Gegenreaktionen.

Tony Baxter | Di, 8. Mai 2018 - 14:03

Selten so einen schlauen und interessanten Artikel gelesen.
Dazu kommt noch; unter 4 % Arbeitslosigkeit, Jerusalem als Haupstadt anerkannt, und damit neuer Impuls im Nahen Osten.

Susanne antalic | Di, 8. Mai 2018 - 14:13

Ein wundevolles Artikel, man sieht und liesst, dass Trump in Amerika immer beliebter wird und die "Demokraten" zeigen ihre hessliche Fratze. Genau wie in Deutschland. In den MSM ist es schon wie ein Pawlovsche Reflex- Trump-Schaum um Mund und das ohne nachzudenken.

Fritz Gessler | Di, 8. Mai 2018 - 15:10

... und tatsächlich hat ja die GOP alles getan, um seinen wahlkampf zu sabotieren - allen voran bush sr&jr, aber auch mccain und noch so ein paar (ted cruz, z.b.)
trump ist - dank seines begnadeten populismus - weit grösser als die (ebenso wie die democrats) abgehalfterten republicans..
zeit für neue parteien oder für keine parteien. und ich fürchte: mr. monster-trump wird noch in die gechichte als der beliebteste präsident der USA eingehen :)

Peter Gegesy | Di, 8. Mai 2018 - 15:43

Ein interessanter Artikel über Amerika und sogar zu Trump, der nahezu uneingeschränkte Zustimmung in den bisherigen Leserkommentaren findet…und erstaunlicher Weise nicht von der „Spezialistin“ Eva C. Schweitzer geschrieben. Die hatte wohl wenig Lust sich zu diesem Thema mit einem gequälten Trump-Bashing zu äußern. Wäre trotzdem gespannt gewesen, was Frau Schweitzer daraus gemacht hätte. Vielleicht rafft sie sich doch noch zu einer „Gegendarstellung“ auf, denn bis jetzt steht es diesmal 1 zu Null für Trump.

Tomas Poth | Di, 8. Mai 2018 - 17:41

ist auch so ein "geistiges Gefängnis" und ein bequemer "Ruheplatz" um sich nicht zu bewegen. Was Trump nun alles bewirkt und in welche Richtung sich die Wirkung entfaltet wissen wir erst später. Feststellen läßt sich, dass er an vielem rüttelt was dem links-grünen Weltbild so lieb ist. Das begründet die Angst des bundesdeutschen Mainstreams dass eingefahrene Gewissheiten vom Postament gestürzt werden.

Harro Meyer | Di, 8. Mai 2018 - 18:34

Seit es diesen Trump gibt, kommen mir immer mehr Zweifel, ob unsere repräsentative, vom Christentum ungewollt, einer Zwangstaufe unterzogene Demokratie wirklich das Beste ist.

Renate Genth | Di, 8. Mai 2018 - 18:56

Wie sich die Bilder gleichen im Spiegelverfahren, also umgekehrt. Für mich gilt in hiesigen Breiten: Merkel und die politische Klasse und deren Obsessionen und die Folgen kommen mir wie ein nicht endener Alptraum vor!

wolfgang spremberg | Di, 8. Mai 2018 - 19:03

Warum sollten Amerikaner, egal ob schwarz, weiß oder braun, die einen ordentlichen Job suchen, wollen, das Unternehmen ins Ausland verlagert werden, bzw. das zusätzliche Konkurrenten um ordentliche Jobs ungebremst über die mexikanische Grenze ins Land strömen ?
Warum sollten sie dann nicht Kandidaten wählen, die versprechen das zu ändern ?

Dennis Staudmann | Di, 8. Mai 2018 - 19:26

einfach nur lächerlich, wenn mir einige Leute ernsthaft erklären, Donald Trump würde die Demokratie in den USA beschädigen oder sogar anstreben, diese abzuschaffen. Wenn man bedenkt, dass wir in Deutschland meilenweit davon entfernt sind, dass nur ein einziger namhafter Schauspieler oder Musiker sich öffentlich kritisch über Merkel oder dem sogenannten politischen Mainstream äussert, sollte man sich eher über den Zustand der Demokratie in Deutschland sorgen. Dass die linksliberale Elite sich selbst lieber geschlossen beweihräuchert, indem man sich bei der Oscar-Verleihung in Dankesreden gegenseitig überbietet, wenn es darum geht, die Präsidentschaft Trumps zu bejammern, ist natürlich nicht überraschend. Ich bin mir sicher, Hillary Clinton wäre eine tolle "Präsidentin von Malibu" gewesen, aber man sollte nun endlich realisieren, dass sie nie mehr zurückkommen wird.

Cecilia Mohn | Mi, 9. Mai 2018 - 09:17

Na endlich wird die Politik trumps als Potential erkannt. Super Artikel. Die Linke hat mit ihrer Verlogenheit nun endlich ausgespielt. Es Rennen ihr aber leider noch zu viele Verblendete hinterher.