Foto: Menschenmenge mit iranischen Fahnen, großem Schah-Porträt, winterliche Stadt
Eine parlamentarische Monarchie ist kein „Faschismus“: Exil-Iraner demonstrieren am 10. Januar in Hamburg für eine Rückkehr des Schah / picture alliance / NurPhoto | Ashkan Shabani

Zukunft des Iran - Die vier desaströsen Fehlentscheidungen der iranischen Linken

Die iranische Linke setzte 1979 auf Ajatollah Khomeini statt auf demokratische Reformen. Später sah sie den „Reformislamisten“ Khatami als Hoffnungsträger. Heute steht sie kurz davor, ihren nächsten historischen Fehler zu begehen.

Autoreninfo

Wahied Wahdat-Hagh ist Politologe und Soziologe. Von 2009 bis 2013 gehörte er dem ersten Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus für den Antisemitismusbericht des Bundestags an.

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Die iranische Linke leidet an einer historischen Erstarrung. Über Jahrzehnte hat sie zentrale politische Erfahrungen verdrängt oder verzerrt, und sie zeigt bis heute nur begrenzte Bereitschaft, daraus Konsequenzen zu ziehen. Natürlich gibt es nicht die eine iranische Linke. Doch die dominierenden Deutungsmuster bleiben meist von alten ideologischen Reflexen geprägt. Einige Intellektuelle sind säkulare Republikaner und kämpfen gegen die Monarchie, andere haben ihre Positionen inzwischen revidiert und erkennen, dass eine Opposition ohne politische Führung kaum in der Lage sein wird, in den ersten Monaten nach einem Zusammenbruch der Islamischen Republik einen stabilen demokratischen Übergang zu organisieren. Daher unterstützen sie Reza Pahlavi, der gegenwärtig als Bürger eine Übergangsphase leiten will. 

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G. Fischer | Do., 12. März 2026 - 10:26

Letztlich ist der Artikel ein Beleg, dass Interessen der global Mächtigen überall auf der Welt Einfluss nehmen. Man unterstützt Gruppen vor Ort mit Geld und Material, von denen man hofft, dass sie den eigenen Zielen dienen und dafür instrumentalisiert werden können. Wenn das nicht reicht, wird gern auch mal militärisch interveniert, da können "Freunde" auch mal schnell zu "Feinden" werden. Der Hinweis auf den Einmarsch der Russen in Afghanistan, um evt. zu beweisen, dass nicht nur die USA Dreck am Stecken hat, ist jedoch eine rhetorische Abkürzung, die der Autor zwar als kämpferisch, aber richtigerweise auch als kontraproduktiv beschreibt. Sie blendet die wechselvolle Geschichte in Afghanistan und die dort um die Interessen der globalen Eliten Großbritannien, Russland und USA geführten Kriege aus. Die Kategorisierung Links und Rechts führt zu Spaltung und ist eine rhetorische Abkürzung an sich.

... wobei der Autor nichts davon schreibt, dass damals in Afghanistan die sozialistisch sich gebende Regierung durch die Taliban(!) attackiert wurde, ursprünglich eine von Amerika bewaffnete, antikommunistische Rebellenorganisation, bei der sich ein gewisser Osama Bin Laden, Millionärssohn aus Saudiarabien, als Kommandeur einen Namen machte. Gegen diese Rebellen bat die afghanische Regierung die Sowjetunion um Hilfe, ein Vorgang, der später politisch "spiegelverkehrt" auch in Kuweit zu sehen war, wo die USA von den Kuweities um Beistand gegen Saddam Hussein gebeten wurden.
Eine Invasion zur militärischen Inbesitznahme ist etwas anderes, sowas sollte der Herr Autor schon wissen, wenn ich ihn insgesamt ernst nehmen soll.
Und dass "die Linke" fast immer und überall zerstritten ist und zu einem Gutteil ideologisch verblasen, gehört leider weltweit zur Geschichte seit bald 200 Jahren - es ist kaum zu fassen.

Gerhard Weißenberger | Do., 12. März 2026 - 12:46

Neben den hier beschriebenen Ursachen des
Scheiterns der Monarchie gibt es zwei weitere
erwähnenswerte.
Zum einen die durch die Landreform ausgelöste Landflucht.
Zum zweiten die moralische Verkommenheit der führenden Schichten. Drogenkunsum galt als Kavaliersdelikt, während kommunistisches
Gedankengut geheimdienstlich verfolgt wurde.
Beide Faktoren begründeten eine Ablehnung des Regimes durch das Volk und damit die
Bereitschaft zur revolutionären Veränderung.