Bologna
In Bologna befindet sich der europäische Campus der Johns-Hopkins-Universität. Im Bild: Die bekannten Türme von Bologna / picture alliance / Zoonar | Andrei Antipov

Druck von innen und außen - Der Westen droht zur leeren Hülle zu werden

Der transatlantische Westen steht von innen und außen unter Druck. Dass jüngere Generationen immer weniger Bereitschaft zeigen, ihn zu verteidigen, ist kein Zufall – sondern Ergebnis politischer, kultureller und intellektueller Versäumnisse.

Autoreninfo

Jacob Ross ist Experte für Frankreichs Sicherheitspolitik bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin.

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Der Westen erlebt derzeit eine überraschende Renaissance – jedenfalls rhetorisch. Weil die liberale Weltordnung, die sich mit dem Ende des Kalten Kriegs in den 1990er Jahren durchsetzte, immer offener infrage gestellt wird – auch von ihren bisherigen Garanten in den USA –, fordern viele europäische Politiker eine Rückbesinnung auf westliche Werte.

Das liegt daran, dass eine neue Ordnung im Entstehen begriffen ist, deren Konturen aber nicht länger von westlichen Staaten bestimmt werden. Der andauernde Angriff Russlands auf die Ukraine und vergebliche Versuche westlicher Staaten, Moskau international zu isolieren, sind für viele Beobachter deutliche Indizien für diesen Prozess. Dass große Teile der westlichen Öffentlichkeit weiter davon ausgehen, die Unterstützung der Ukraine sei global mehrheitsfähig, ist eine gefährliche Illusion.

Der westliche Kontrollverlust, lange schleichend, hat 2025 bedeutend an Geschwindigkeit gewonnen. Maßgeblich dafür verantwortlich sind Donald Trump und seine Regierung, vor allem die MAGA-Bewegung, die die westlich dominierte Ordnung von innen verändern wollen – manche sagen: zerstören. Statt liberal-demokratische Werte zu verbreiten, den universellen Schutz von Menschenrechten einzufordern, werben sie für die Renaissance einer westlichen, christlich-abendländischen Zivilisation, die sich aus ihrer Sicht selbst vergessen hat.

Auf dem eigenen Kontinent und in der westlichen Hemisphäre exerzieren sie ungeniert ihre Hegemonie – zuletzt in Venezuela. In Europa fördern sie „patriotische“ Positionen, meist von Rechtsaußen. Diese wiederum sehen in den MAGA-Kräften mächtige Verbündete im Kampf gegen die Liberalisierung und Europäisierung ihrer Demokratien sowie gegen die Universalisierung der nationalen Solidargemeinschaften.

Generationenwechsel im Westen

Angesichts dieses Zangenangriffs auf den liberalen Status quo berufen sich Politiker in Europa und Oppositionelle in den USA zuletzt wieder vermehrt auf westliche Werte: auf die liberale Demokratie, den Rechtsstaat, Minderheitenrechte, Solidarität mit Schwachen. Dabei müssen die Verteidiger jener Werte jedoch feststellen, dass der Westen für jüngere Generationen – und häufig gerade für diejenigen, die in Zukunft Politik und Diskurse prägen werden – nicht zwingend etwas ist, das zu verteidigen sich lohnt.

Denn nicht nur international haben sich zuletzt die Kräfteverhältnisse verschoben. Auch im Westen selbst hat ein folgenreicher Generationenwechsel stattgefunden: Während weite Teile der Generationen, die im Systemwettbewerb des Kalten Kriegs aufwuchsen und sozialisiert wurden, instinktiv verstehen, welchen Wert westliche Freiheiten haben, ist das für Jüngere nicht mehr selbstverständlich. Im Gegenteil: Wer in den vergangenen zehn Jahren einen Abschluss an einer westlichen Universität erworben hat – vor allem in den Geisteswissenschaften und besonders an sogenannten „Elite“-Universitäten –, hängt häufig nicht mehr an diesen westlichen Werten.

Kurz vor Jahresende veröffentlichte der amerikanische Historiker und Harvard-Professor James Hankins einen Brief, in dem er nach vierzig Jahren dort seinen Abschied begründet. Westliche Geschichte, schreibt der Experte für die italienische Renaissance einleitend, sei in Harvard von „globaler Geschichte“ ersetzt worden. In der westlichen Selbstaufgabe und Selbstvergessenheit sieht Hankins einen Grund, warum junge Menschen im Westen sich in einem „Zustand moralischer und intellektueller Desorientierung“ befänden, wie er es ausdrückt. 

Andere westliche Intellektuelle, der britisch-amerikanische Historiker Niall Fergusson etwa oder der britische Autor Douglas Murray, warnen seit vielen Jahren vor dem westlichen Identitätsverlust. Und egal, wie man nun zu Hankins und seinem Blick auf den Westen steht: Die Beschreibung der universitären Lehre in Harvard und anderen Elite-Universitäten – und damit der Elitenbildung im Westen – ist zutreffend und ausgesprochen bedenklich.

Ideologische Meinungskämpfe

Der Autor dieses Texts hat 2016/17 an einer amerikanischen Ivy-League-Universität studiert. Das war teuer, aber die Qualität der Lehre war exzellent, und am Ende winkten Zugänge zu Netzwerken, besonders in Institutionen der westlich dominierten Nachkriegsordnung – der Weltbank etwa oder der OECD und UN-Agenturen. Dass der europäische Campus der Johns-Hopkins-Universität sich in Bologna befindet, einer wunderbaren kleinen Stadt im Norden Italiens – und nicht etwa in Rom oder London –, verwundert viele internationale Bewerber. 

Der Grund führt zu den Anfängen westlicher Nachkriegsgeschichte und dem Kampf der USA gegen den wachsenden Einfluss der Sowjetunion. Bologna heißt bis heute La Rossa, war in den 1950er Jahren eine Hochburg des italienischen Kommunismus. Die Gründung der School of Advanced International Studies (SAIS) wurde damals auch von Organisationen gefördert, hinter denen mit hoher Wahrscheinlichkeit die CIA stand, einer der zahlreichen US-Auslandsgeheimdienste.

Dass solche ideologischen Kämpfe an Universitäten und andernorts nie geendet haben, ist im Westen seit den 1950er Jahren in Vergessenheit geraten. Der britische Journalist Edward Luce geht in einer vor Kurzem publizierten Biografie des polnisch-amerikanischen Intellektuellen Zbigniew Brzezinski – neben Henry Kissinger vielleicht der einflussreichste US-Präsidentenberater des Kalten Kriegs – ausführlich auf diese Konflikte ein, die gerade an Institutionen wie Harvard oder der Columbia University ausgetragen wurden, an der Brzezinski selbst internationale Politik lehrte. 

Dort – wie an vielen Universitäten Europas – wurde der Westen auch in den 1960er und 1970er Jahren schon, vor dem Hintergrund des Systemkonflikts zwischen Ost und West und gerade mit Blick auf den Vietnamkrieg, als in seinem Wesenskern rassistisch, kolonialistisch und imperialistisch dargestellt – häufig befeuert durch antiwestliche Propaganda Moskaus.

Der Unterschied zu heute: Damals gab es deutlich mehr westliche Intellektuelle, die sich diesen Angriffen entgegenstellten. Brzezinski etwa, dessen Familie in den 1930er Jahren vor dem Kommunismus aus Europa geflohen war und der durchaus Sympathien für die Anliegen der jungen Demonstranten hegte – für die Black-Panther-Bewegung etwa –, brachte den radikalen Parolen der jungen weißen, häufig aus sehr wohlhabenden Verhältnissen stammenden Protestler jedoch nur Unverständnis entgegen.

Ohne Koordinaten- und Immunsystem

Vergleichbaren Widerstand gab es zuletzt an Universitäten nicht mehr. Das ließ sich im Zuge der pro-palästinensischen (häufig Pro-Hamas-)Kundgebungen auf vielen westlichen Campus beobachten – vom Harvard Yard bis zur Humboldt-Universität. Und das hat zwei wichtige Konsequenzen für die Zukunft des Westens. Zunächst einmal wurde in New York, London, Paris und Berlin in den vergangenen Jahren eine Bildungselite sozialisiert, die westliche Werte häufig vor allem als etwas Kritikwürdiges und zu Dekonstruierendes versteht. Dass diese Generation zukünftig anfällig sein wird für antiwestliche Erzählungen – aus Peking, Moskau oder Teheran –, liegt auf der Hand.

Doch nicht nur dort wurden die Lücken erkannt, die die westliche Selbstvergessenheit in den vergangenen Jahren hinterlassen hat. In den USA füllt sie zuletzt eine potente postliberale Bewegung, die mit Vordenkern wie Patrick Deneen und ihren Netzwerken auch in die höchsten Kreise der US-Politik Eingang gefunden hat. Postliberale Intellektuelle und Politiker sehen als Hauptübel der westlichen Gesellschaften universalistisch-moralische Ansprüche nach außen bei gleichzeitig fortschreitender Verarmung, Vereinsamung und Individualisierung im Inneren. 

Beide Entwicklungen werden dem westlichen Liberalismus zugeschrieben. Postliberale Antworten – mehr Homogenität, Kollektivität und Traditionen sowie eine stärkere Abgrenzung der westlichen von der nichtwestlichen Welt – sind dabei zunehmend anschlussfähig für rechtspopulistische Parteien in Europa. In den Ruinen des westlichen Wertekanons haben neue Ideen Wurzeln geschlagen und werben nun für eine zivilisatorische Renaissance.

Auf dem postliberalen Boden wuchern dabei auch Kräfte und Ideen, die im Westen im 20. Jahrhundert als endgültig besiegt galten. Kontroversen um den Social-Media-Entrepreneur Nick Fuentes sowie wachsender Ethnonationalismus, Antisemitismus und Sympathien für historischen Faschismus und Nationalsozialismus in den MAGA-Reihen, gerade bei Jüngeren, haben das zuletzt eindrücklich gezeigt. 

Dass es heute wieder Raum für solche Ideen und Ideologien gibt, dafür tragen auch die intellektuellen Eliten im Westen Schuld. Sie haben sich vielfach weggeduckt und westliche Freiheiten und Errungenschaften aus ihren Positionen an Universitäten, in den Medien und in der Politik nicht verteidigt. Sie haben dort versagt, wo in den 1960er und 1970er Jahren noch energischer Widerstand gegen die extremistischen Auswüchse einer jugendlichen Revolte geleistet wurde. 2026 wäre ein gutes Jahr, um mit der Korrektur zu beginnen.

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Peter William | Fr., 16. Januar 2026 - 09:49

jemand erklären was zur Hölle Minderheitenrechte sein sollen? Ich kann mit diesem Begriff überhaupt nichts anfangen, also wirklich gar nichts!!

Wenn diese Minderheit, zum Beispiel; ich weiss nicht, ich nehme mal Migranten ohne deutschen Pass, irgendwelche Sonderrechte haben wollen? Wie kommen die darauf das diese ihnen zustehen.Wie kommen sie darauf das sie per Quote irgendwelche Berufe ausüben sollten oder in diese eingesetzt werden sollten ohne das übliche Verfahren der Auswahl zu durchlaufen. Wie kann es sein das die autochthone Bevölkerung diskriminiert wird indem ausländische Fachkräfte bevorzugt werden, steuerlich oder durch eine Förderung, in der Wissenschaft ist dies normal. Wieso? Was soll damit erreicht werden, welchen Mehrwert bringt es? Starke Konkurrenz zu schaffen in der Zukunft indem die Menschen mit Titeln und Ehren nach ein paar Jahren wieder nach Hause geschickt werden.Egal.

Was sollen Minderheitenrechte sein? Der Staat ist säkular, Religionen haben nichts zu sagen.

Markus Michaelis | Fr., 16. Januar 2026 - 17:16

Antwort auf von Peter William

Unsere Demokratie hatte als einen Bestandteil, dass Mehrheiten entscheiden, aber nicht unnötig auf politischen Minderheiten herumtrampeln, sondern nach Möglichkeit versuchen alle einzubeziehen.

Bei uns hat es sich ein wenig ins Gegenteil verkehrt. Man nimmt eine richtige Lebensweise für alle Menschen an, in der alle genau gleich glücklich, zufrieden und beteiligt sind. Dazu kommen noch die Menschenrechte, die nicht mehr darauf fokussiert sind, dass man Menschen gewisse Dinge nicht antut (einsperren, versklaven, den Mund verbieten), sondern sich auf zustehende Leistungen fokussieren, die aber andere zu erbringen haben.

Dadurch finden sich heute größere Gruppen (wirklich kleine Gruppen haben nicht die Macht), die den politischen Diskurs so verstehen, dass man im Namen von Demokratie, Menschenrechten etc. für sich mehr fordert. Es gab lange einen gewissen Konsens das so zu sehen. Mit den Übertreibungen jetzt, ist es etwas orientierungslos.

IngoFrank | Fr., 16. Januar 2026 - 10:10

mehrheitsfähig ist eine Illusion ……“
Bevor es zum Zusammenbruch der Sowjetunion und damit einhergehend der Zerfall des Ostblocks kam, kam es im anderen Teil Europas und den USA zu einem noch nie da gewesenen politischen Linksruck der bereits in den 60ziger begann. Der große „Irrglauben“ der Linken zu denen sich dann noch die Grünen gesellten war und ist das beide den Sozialismus als das „bessere System für die Menschheit“ ansahen. Auch bezeichnend für die West- Linken ist, das nach dem Scheitern des Ostblocks das „Alles kein Sozialismus war“.
Das die Menschen lieber die wirtschaftliche und politische Freiheit wollten statt Sozialismus, haben die West Linken bis heute nicht begriffen. Warum auch ? Das Erleben derer war nur theoretischer Natur ….. wer aber die „Segnungen des Sozialismus“ am eigenen Leib erlebte sagt:
Nie wieder…… was die „Gutmenschen“ = Livestyle Linken nie begreifen werden, auch weil sie zu den Oberen 10.000 gehören …..
MfG a d Erfurter Republik

Thomas Veit | Fr., 16. Januar 2026 - 10:19

haben versagt - da gehe ich zu 100% mit, besonders gut an der Entwicklung des (klassischen Ost-West-) Verhältnisses zu Russland und des darin eingebetteten Ukraine-Konflikts zu beobachten bzw. nachzuweisen...

"2026 wäre ein gutes Jahr, um mit der Korrektur zu beginnen." --- Sorry, da fehlt allerdings bei den genannten 'westlichen Eliten' hierzulande in großen Teilen Stand heute noch die banale Einsicht in die Notwendigkeit grundlegender gesellschaftlicher Korrekturen... ..., einschließlich der dazu notwendigen Problemanalysen als Grundlage zielorientierten Handelns überhaupt -- lieber träumt man/Frau linkslastig-süß von Parteiverboten und medialer und öffentlicher Zensur... ... 🤔

Ich sehe da absehbar kein Umfeld für positive politisch getriebene gesellschaftliche Veränderungen, eher im Gegenteil...

Johannes | Fr., 16. Januar 2026 - 10:22

auch von Universitäten bspw. in Ostdeutschland konterkariert. Wie viele Professoren waren offen antiwestlich an Ex-DDR Unis und sind es immer noch. Dann sind da die ganzen ultratraditionellen Religiongemeinschaften im Westen, die den postmodernistischen Lebensstil schon immer verachteten. Dann die vielen (einige) Sozialhilfeempfänger und Geringverdiener, die nie wirklich an dem fetten westlichen Leben teilhaben konnten. die Grünen und Linken mit ihrer Anti-Industrie und Antikapitalistischen Denke ..usw. usw. Sie alle haben sich zusammenmobilisiert und verschaffen sich Gehör..

Wie kann man Spaltung aufhalten oder gegensätzliche Interessen vereinen?

Ernst-Günther Konrad | Fr., 16. Januar 2026 - 11:30

Machen Sie sich doch nichts vor. Seit in Europa immer mehr linke Regierungen am Ruder waren, seit diese EU sich als Europa Regierung aufspielt, alles und jeden fremdbestimmen will, seit diese EU auf 27 Staaten angewachsen ist, seit die EU gespalten wurde, durch rechts-konservative Regierungen und eben noch linkssozialistische Regierungen, seitdem wurden sukzessive die konservativen Werte erst verwässert und inzwischen komplett zerstört, dass nur eine Folgerung die richtige ist. Der sog. Wertewesten, die sog. *einige EU* hat fertig. Es wird Zeit dass man sie zusammen fallen läßt, bevor die Völker das tun. Ursula von der Lügen pfeift auf dem letzten Loch. Sie muss die Völker mit *meinungseinschränkenden Vorschriften* versuchen im Zaun zu halten. Doch das gelingt nicht richtig. Warum so kompliziert mit hochtrabenden Begriffen diesen Niedergang irgendwie erklären. Es geht einfacher. Ein ill. Konstrukt beginnt zu zerbröseln. Und das wird auch eine autoritäre EU-Kommission nicht aufhalten.

Markus Michaelis | Fr., 16. Januar 2026 - 15:08

Unsere Gesellschaft hält sich für weltoffen, glaubt alternativlos an Menschenrechte, universelle Solidarität etc., ist aber nicht mehr fähig, sich politisch mit Fragen einer sich wandelnden Gesellschaft und Welt auseinanderzusetzen.

Beispielhaft sehe ich Frau Reichinneks Rede im Bundestag vor ein paar Tagen zum Sozialabbau durch die CDU. Mann spürt die tiefste Erschütterung, dass Menschen (die CDU) alternativloseste Wahrheiten, Fakten und Menschenrechte so mit Füßen treten können. Mehr kommt dann nicht und das gilt schwächer aber ähnlich für andere Lager, Außenpolitik, Weltsicht.

Der Spagat ist heute an Grundwerte zu glauben und trotzdem zu sehen, dass die Welt vielfältig denkt oder anders umsetzt. Das braucht mehr "Wir und Die", kein naives universelles Wir, sondern Akzeptanz für andere Dies und eines Wirs.

Ich kann nicht auf jede politische Frage einfach den Begriff "Menschenrechte" draufklatschen. Die meisten Fragen sind offen, gegensätzlich, vielschichtig, eben politisch.

Karl-Heinz Weiß | Fr., 16. Januar 2026 - 16:04

Was sind "westliche Werte" ? Länder mit kolonialer Vergangenheit haben, sicher nicht ohne Grund, davon andere Vorstellungen als europäische Politiker. Aber meist fällt es schon schwer, die Standpunkte von Wählern in den neuen Bundesländern (insbesondere zu Russland und den USA) zu verstehen. 500 Millionen Europäer zu 7,5 Milliarden "Restbevölkerung". Eine Blickwinkelveränderung wäre der erste Schritt, um vom ständigen Lamentieren wegzukommen.

Hans Süßenguth-Großmann | Fr., 16. Januar 2026 - 17:53

Das Problem ist, dass sich seitens der Eliten traditionelle Kollektive aufgegeben werden ohne dass sich dafür Ersatz etabliert hat.
Ein Beispiel, ein Europäer. Jeder Europäer ist erstmal Angehöriger einer Nationalität und die Nationalstaaten sehen zu, dass für sich das Meiste aus Europa rauszuholen. Das bestimmt für die meisten Europäer ihr Selbstverständnis, vielleicht ist D eine Ausnahme von der Regel.
Jetzt sind wir in der Situation, dass die EU als ein von Papa Trump, verlassenes Kind dargestellt wird, dass dem russischen Bären zum Fraß vorgeworfen wird ( ob er fressen will, steht gar nicht fest)
Es ist an der Zeit, dass man sich in der EU mit unserer Rolle in der Welt beschäftigt und das kann nicht bedeuten, dass man das Ausscheiden aus dem einigenden Feindbild gegen Russland verteufelt. Man muss sich damit abfinden, dass Russland unser Nachbar bleibt mit dem man leben muss.

Angelika Sehnert | Sa., 17. Januar 2026 - 07:51

Der geistige und jetzt auch der zivilisatorische Niedergang des Westen hat seinen Anfang in den Universitäten genommen. Hier ist das Jahr 1968 tatsächlich eine Epochengrenze. Man hat, wohl aus einem diffusen Schuldgefühle gerade in Deutschland, zugelassen, dass die erste Nachkriegsgeneration ihre berechtigte Abscheu gegenüber der Katastrophe des II. Weltkriegs vollständig auf die Nation, ihre Geschichte und kulturellen Errungenschaften übertragen hat. In den USA waren der Vietnamkrieg und die Rassenproblem die Inititialzündung. Auf diesem Boden konnten die destruktiven Ansätze wie Poststrukturalismus, Postkolonialismus etc. entstehen und gedeihen.Es wäre ein Leichtes gewesen, sie argumentativ zu widerlegen. Statt dessen hat man ihre Propagandisten zu Professoren ernannt.
Hier kommt ein zweiter Aspekt zum Tragen: der unglaubliche Verfall der Bildung. Nie haben mehr jungen Menschen die Hochschulreife erlangt, nie wussten und konnten sie weniger, nie war der geistige Horizont enger.

Angelika Sehnert | Sa., 17. Januar 2026 - 08:27

In den Bildungssystemen Europas, nicht nur Deutschlands, ist ein nie dagewesener Leistungsabfall messbar dokumentiert. Die Fähigkeit logisch und kritisch zu denken wird nicht gefördert. Das Prinzip sine ira et studio unvoreingenommen an ein Problem heranzugehen ist weitgehend unbekannt. Es herrscht Voreingenommenheit und ideologische Vorfestlegung. Das sind die denkbar schlechtesten Vorraussetzungen um mit den komplexen Problemen, die auf uns hereinbrechen, umzugehen. Das um wesentliche Teile des ehemaligen Bildungskanons entkernte Bildungssystem hat weitgehend versagt.Aktuelle Diskussionen um Schreibschrift, schriftliches Dividieren oder Kant als Rassisten zu brandmarken, sind nur besonders skurrile Auswüchse.
„Dem Westen“ ist die Erkenntnis verloren gegangen, dass es diese Errungenschaften in Wissenschaften und Kunst waren, die die westliche Zivilisation und Wohlstand hervorgebracht haben. Gerade diejenigen, die heute die Früchte dieser Leistungen genießen, verachten dies. Verrückt