- Die problematischen ersten Nachkriegswahlen vor 30 Jahren wirken bis heute nach
Die politische Lage in Bosnien und Herzegowina ist 30 Jahre nach dem Krieg noch immer prekär. Am Sonntag wird erneut gewählt. Große politische Umwälzungen dürften auch diesmal ausbleiben – obwohl das Land sie dringend bräuchte.
Vor genau 30 Jahren fanden im Nachkriegsbosnien die ersten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Von 1992 bis 1995 hatte in dieser ex-jugoslawischen Teilrepublik ein Krieg gewütet, der nicht nur Europa, sondern die Weltgemeinschaft in Atem hielt, 100.000 Menschenleben forderte und über zwei Millionen zu Flüchtlingen machte.
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Der Autor, der hier ja regelmäßig als "Balkanexperte" firmieren darf, hat das wahre Problem nicht im Ansatz verstanden: man kann vielleicht einen, auch dauerhaften, Waffenstillstand militärisch erzwingen – nicht aber eine politische Einigung oder gemeinsame Staatsidee zwischen traditionell verfeindeten Volksgruppen. Und genau darum ist die Idee, die EU solle irgendwie "Druck" für "Reformen" ausüben, geradezu hanebüchen: wenn das die Mehrheit(en) in BiH nicht möchte(n), wird es als Oktroy von außen absehbar scheitern. Bessern wird sich erst etwas, wenn alle Seiten genug von der ewigen Dauerfeindschaft gepaart mit einem kindischen Opfernationalismus haben; von anderen Problemen wie Korruption usw. mal ganz abgesehen. Die Aussichten für eine solche Einigung sind freilich, wie die fortgesetzte Emigration der Jungen und gut Ausgebildeten aus BiH zeigt, weiterhin schlecht.
die politische und sicherheitspolitische Lage im Land derart prekär ist" - das liegt wohl auch an der Politik von Nato und EU, nicht nur an den bösen, bösen Serben.
Herr Rhotert, Sie waren "20 Jahre für UN, Nato, OSZE, OHR und EU tätig", und zwar als "Oberstleutnant und Interkultureller Einsatzberater der Bundeswehr" zu Kosovo und Bosnien und Herzegowina.
Dann sollten Sie doch wissen, was wir Europäer falsch gemacht haben. Darüber verlieren Sie aber wieder kein Wort, fordern aber mal wieder "mehr Druck":
"Die EU sollte sich ... weitaus stärker und mit Druck engagieren, um Reformen durchzusetzen und so das Land zu stabilisieren."
So äußern sich Kolonialherren, wenn sie eine Kolonie schlecht verwaltet haben.
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Nix für ungut.
einerseits werfen Sie Herrn Rhotert vor, kein Wort darüber verloren zu haben, "was wir Europäer falsch gemacht haben", andererseits teilen Sie dem unbedarften Cicero-Leser mit keinem Wort mit, was konkret Sie meinen: Um welche Fehler geht es denn??? Lassen Sie uns bitte an Ihrem Wissen teilhaben!
Nix für ungut!
werter Herr Pfeiffer.
Ich kann tatsöchlich im Einzelnen gar nicht aufzählen, was die EU und die NATO in Bosnien-Herzegowina alles falsch oder richtig gemacht hat - dafür kenne ich die Fakten viel zu wenig.
Meinen misstrauisch gewordenen alten Kopf provoziert es aber, wenn ich bei einem aktiven Teilnehmer einer politisch-miltärischen Aktion keinen Ansatz einer selbstkritischen Prüfung oder Reflexion heraushören kann, sondern nur wohlfeile Wiederholungen der alten Urteile über "die bösen anderen", die an allem, was gelaufen ist, schuld sind (wobei es bei uns heute ja auch Mode geworden ist, den USA so nebenbei etwas dummes oder böses zuzuschanzen).
Besonders geärgert hat mich der letzte Satz:
"Die EU sollte sich – auch ohne die USA.... – weitaus stärker und mit Druck engagieren, um Reformen durchzusetzen und so das Land zu stabilisieren."
Dieser letzte Satz (der ja auch auf Deutschland gut passen würde!) hat mich zu meinem letzten "Kolonial-Satz" motiviert.
