Volker Kauder über sein Verhältnis zum Islam - „Fortschritt klappt nur mit muslimischen Frauen“

In Sri Lanka dürfen sich Muslima vorerst nicht mehr verhüllen. Das Verbot hat die Inselregierung von sich aus nach den Terroranschlägen von IS-Kämpfern verhängt. Proteste gegen die Verfolgung von Christen seien sonst aussichtslos, sagt Volker Kauder (CDU). Er hat einen ganz eigenen Blick auf den Islam

23.08.2018, Berlin: Volker Kauder (CDU), Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, spricht während eines Interviews.
Kämpft für eine friedliche Koexistenz von Christentum und Islam : Volker Kauder / picture alliance

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Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie arbeitet als freie Reporterin und Autorin. 

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Sein Name wird immer dann erwähnt, wenn es um die Verfolgung von Christen im Ausland geht. Das Thema ist das Thema von Volker Kauder. Der frühere Fraktionschef der CDU recherchiert gerade für ein Buch darüber: „Das christliche Menschenbild als Kompass in einer säkulären Gesellschaft.“ Er nutzt die Gelegenheit dann, um gebetsmühlenartig zu fordern, dass mehr für den Schutz von Christen getan werden müsse. 

Sind Deutsche islamophob? 

In einem Interview, das er jetzt Melanie Amann vom Spiegel nach den Terroranschlägen von Sri Lanka gegeben hat, hat sich der Christdemokrat auch über sein Verhältnis zum Islam geäußert – und dabei ein Bild offenbart, das innenpolitischen Sprengstoff birgt, wenn auch nur im sprichwörtlichen Sinn. „Jede Religionsgemeinschaft hat es da sehr schwer, wo Muslime die Mehrheit haben oder der Islam Staatsreligion ist“, sagt Kauder etwa in Anspielung auf Saudi-Arabien, wo auf die Konversion vom Islam zum Christentum die Todesstrafe steht. Fortschritte ließen sich nur erzielen, wenn man die Unterdrückung von Christen immer wieder thematisiere. Das sei jedoch schwierig, wenn nicht gar aussichtslos. Sobald die Deutschen die Probleme verfolgter Christen im UN-Menschenrechtsrat ansprächen, „erklären uns die Muslime, wir Deutschen seien islamophob.“ 

Lässt sich der Islam europäisieren? 

Ist der Islam wenigstens hierzulande reformierbar? Mit der Antwort auf diese Frage stellt sich Merkels abgewählter Sprecher („im ersten Augenblick war ich enttäuscht“) quer zu seiner Fraktion. Die Versuche einer Europäisierung des Islams dürften nicht aus der Politik kommen, sondern von der Religionsgemeinschaft selber. Der Staat könne solche solche Reformen nur unterstützen. „Wir müssen an Hochschulen Lehrstühle für Islam fördern und verstärkt Imame hier ausbilden. Und wir müssen mehr mit muslimischen Frauen ins Gespräch kommen. Meine ganze Lebenserfahrung ist, dass Fortschritt nur mit den Frauen klappt.“ 

Tomas Poth | Mo, 29. April 2019 - 15:24

noch so ein falscher, unerfüllbarer Traum. Wer zurückweicht verliert und wird bestenfalls zum geduldeten Kopfgeldzahler in einer islamischen Welt. Gab es schon in Europa, vor der Reconquista von 722 bis 1492.

Aber ganz von der Hand zu weisen sind Kauders Aussagen nicht, wenngleich ich den Begriff „europäischer Islam“ auch für fragwürdig halte. Es gibt ja auch kein afrikanisches oder amerikanisches Christentum. Der ganze Islam gehört reformiert, und zwar nicht in sich durch einen „Luther“, sondern durch heutige humanistische Ideale wie Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Gleichstellung (der Frau) etc.; alles Dinge, die wir der mühsam Kirche abtrotzen mussten. Nur, schafft der Islam das in der derzeitigen Machtstruktur? Es sind die Gläubigen, die das wollen müssen, und das sehe ich zur Zeit leider nicht, außer bei wenigen.

Ich gehe davon aus, dass Sie Andalusien meinen. Und um das Bild von der angeblichen Toleranz der muslimischen Herrscher weiter zu trüben: Es hat in dieser Zeit immer wieder schlimme Pogrome vonseiten der Muslime gegenüber den Juden gegeben, teilweise mit bis zu tausend Toten, wie in Granada. Dort mussten Juden Kennzeichen an ihrer Kleidung tragen, um sofort erkannt zu werden. Dass die damaligen Herrscher keine verbrannte Erde hinterließen hatte ausschließlich ökonomische Gründe. Sie waren auf das Wissen, die Kenntnisse sowie Ressourcen der Juden und Christen dringend angewiesen. Noch heute träumen Muslime von der "Rückeroberung" bzw. "Befreiung" Andalusiens, dass sie als "Land des Lichtes", "al andaluz" bezeichnete.

helmut armbruster | Mo, 29. April 2019 - 16:19

muss sie haben, weil sich der Glaube nicht rational begründen lässt. Kommt man mit Vernunft, kommt man beim Glauben nicht weiter.
Daher sollte jede Religionsausübung und alles was damit zusammen hängt - also auch Kopftuch oder Kreuz, oder welches sonstige Symbol auch immer - nur Privatsache sein und nicht öffentlich gezeigt oder getragen werden dürfen.

Religion ist Privatsache und gehört aus dem öffentlichen Bereich heraus gehalten. Gerade in Behörden und Schulen hat das rein gar nichts zu suchen. Ganz aus dem Bild der Gesellschaft verbannen halte ich jedoch für schwierig, denn der Einkaufsbummel durch die Innenstadt ist Privatsache; ergo kann ich es dort nicht verbieten, religiöse Symbole zu tragen.

Soweit Sie die monotheistischen Religionen meinen, ist ihre Aussage richtig. In der vorislamischen Zeit haben allerdings Christen, Juden sowie alle anderen polytheistischen Glaubensrichtungen friedlich nebeneinader bestehen können. Die Gläubigen haben sogar die gleichen religiösen Stätten genutzt (z. B. in Mekka). Sogenannte "Götzenstatuen" standen neben christlichen und jüdischen Bildern . Es war ein ausgesprochen tolerantes Miteinander. Auch ein gewisser Muhammed durfte dort predigen. Mit der Toleranz war es vorbei, als sich der Islam etablierte. Seit dieser Zeit ist unter anderem die Kaaba in Mekka nur noch für Muslime zugänglich.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 29. April 2019 - 20:29

den Islam dort im Land belassen, wo ihn diese Menschen leben wollen und denen, die diesen Glauben mitbringen unmissverständlich klar machen, dass hier weder Scharia, noch Ungläubigendenken, noch Paralellwelt geduldet wird. Wer in eine Moschee will, um dort zu beten, das darf er. Bei Imamen, die auf deutsch predigen und hier sozialisiert sind. Wer das nicht will, Deutschland ist ein freies Land. Niemand wird an einer Ausreise gehindert, wenn er seine Religion hier nicht so ausleben kann, wie er will.
Nette Buchwerbung Frau Hildebrandt. Ich werde es nicht lesen. Hätte Kauder eines geschrieben, in dem er als Fraktionsdomina seine Mitabgeordneten merkelsiert hat und dabei mal erklärt hätte, wer, wann und durch was "umgestimmt" wurde. Das hätte mich interessieren können. Ein Kauder will das Christsein erklären, wo es nicht mal mehr die Gottesvertreter auf Erden können, geschweige sich zu ihren Gläubigen zu bekennen. Ein Heuchler will die Heuchelei erklären. Ich mag ihn ein bischen nicht.

Bernd Muhlack | Mo, 29. April 2019 - 20:31

schallt es noch nicht in diesem unserem Lande.
Ja, der Herr Kauder: „Wir müssen an Hochschulen Lehrstühle für Islam fördern und verstärkt Imame hier ausbilden. Und wir müssen mehr mit muslimischen Frauen ins Gespräch kommen. Meine ganze Lebenserfahrung ist, dass Fortschritt nur mit den Frauen klappt.“
OK, somit zumindest wohl eher kein Shitstorm von Aktivistinnen, Influencerinnen.
Herr Kauder: Bücher schreiben kann (fast) ein jeder; TUN SIE doch das, was Sie propagieren; Sie haben doch Einfluss, Macht, oder?
In Berlin(?) hat Frau Seyran Ates eine "liberale Moschee" gegründet; na prima! Sie hat seither Polizeischutz, eine nicht wirklich sichere Angelegenheit; q.e.d. - vgl. Falcone, Borselino, die Mafia-Juristen.
Eine "liberale Moschee" ist ein Pleonasmus; es gibt keinen liberalen Islam; es gibt ja auch keine schwarze Schimmel!
Zu einem europäischen Islam gibt es ein lesenswertes Buch von Prof. Dr. Bassam Tibi; einfach gugeln!

"Fortschritt nur mit Frauen" - JA/NEIN/EGAL???

Heinz Meier | Mo, 29. April 2019 - 22:13

Kaum nicht mehr in Amt und Würden, kommen andere Töne. Was sagt wohl seine ehemalige Chefin dazu?

Christa Wallau | Mo, 29. April 2019 - 22:19

... ist in meinen Augen ein Illusionist.
Ein "reformierter Islam", der mit den westlichen Werten/Anschauungen übereinstimmte, wäre
ein total entkernter Islam, der große Teile des Korans und der Hadithe nicht mehr beachten dürfte.
Wie kann jemand ernsthaft annehmen, daß in absehbarer Zeit die Religionsführer in Saudi Arabien, im Iran, in Ägypten o. der Türkei einer
"Reform" zustimmen würden?
Ganz abgesehen von den meisten mohammedanischen Männern, die sich ihre Vormachtstellung gegenüber den Frauen nicht freiwilig aus der Hand nehmen lassen. Sie sehen doch in den USA u. in Europa, wie sehr dort die Stellung des Mannes inzwischen erodiert ist.

Überall auf der Welt geht heute die meiste religiöse Gewalt von den Muslimen aus - statistisch nachgewiesen. Und die muslimisch geprägten Staaten sind sich untereinander nicht "grün" - so wie in Europa im 17. Jhdt. die Christen es nicht waren. Eine Modernisierung des Islams dürfte noch
Kriege kosten u. viele Jahre auf sich warten lassen.

Norbert Heyer | Di, 30. April 2019 - 06:11

Man stellt es immer wieder fest: Hat ein ehemaliger einflussreicher Politiker keine Hausmacht mehr, kommt es zu Abweichungen zu seinen bisherigen Ansichten. Natürlich werden Christen unterdrückt - durch den Islam - aber diese Tatsache hätte Herr Kauder zu seinen besseren politischen Zeiten niemals öffentlich gemacht. Wenn jemand die Politik der Kanzlerin gnadenlos in den eigenen Reihen durchgesetzt hat, dann doch wohl Herr Kauder. Es wird innerhalb des Islam niemals eine Abkehr von der Lehre geben, dass es sich hier um die einzig wahre Religion handelt. Nur sie sind die wahren Gläubigen, alle anderen sind nicht Andersgläubige sondern Ungläubige. Das sind die unüberbrückbaren Gegensätze, die ein friedliches Zusammenleben mit dem Islam unmöglich machen. Herr Kauder kennt besser als Außenstehende, wie weit der Islam schon jetzt unseren Alltag bestimmt. Wenn er denn unweigerlich zur Mehrheitsreligion wird, hat Deutschland seine Zukunft in Freiheit und
Demokratie verloren.

Wolfgang Tröbner | Di, 30. April 2019 - 11:44

In reply to by Norbert Heyer

Ich frage mich auch immer wieder, warum Politiker (nicht nur Kauder, sondern viele andere auch. Ich denke z.B. an Herrn Gabriel) immer derart unterschiedliche Meinungen haben müssen, je nachdem, ob sie gerade ein politisches Amt haben oder nicht. Wenn sie kein Amt mehr haben, hört man überraschenderweise ganz neue Töne von ihnen. Hätte während ihrer aktiven Politiker-Zeit der "politische Gegner" das Gleiche gesagt, hätten sie gnadenlos auf diesen eingedroschen. Warum also sollte man ihnen während ihrer aktiven Politiker-Zeit irgendetwas glauben, wenn sie doch später im Ruhestand das genaue Gegenteil sagen? Wundert man sich da wirklich noch über die Politiker-Verdrossenheit im Lande?

Ernst-Günther Konrad | Di, 30. April 2019 - 13:34

Ich denke mal, die dortige Regierung hat ganz pragmatische Gründe dafür. Nicht weil sie jetzt gegen den Islam ist und diese unterdrücken will. Nein, ich denke es sind zwei ganz lebensnahe Gründe.
1. Es soll verhindert werden, das islamische Frauen als Muslime sofort erkannt werden und ggfls. von Racheakten geschützt werden sollen.
2. Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass man so verhindern will, das männliche Attentäter verdeckt agieren können. Sowohl neue Anschläge verüben als sich auch sich unter der Verschleierung zu verstecken.
In jedem Fall wird dieses Verbrechen mit Sicherheit auch bei den dortigen Gläubigen Angst und religiöse Vorbehalte auslösen und die dortigen 10% Muslime, die bislang eher unauffällig mit anderen gelebt haben, in einen Generalverdacht bringen. Nur die Islamvertreter in Sri Lanka und ihre Gläubigen können Vorbehalte und Ängste abbauen, durch klare und offene Verurteilung dieses Anschlages. Nur sieht der Islam eben Transparenz nicht vor.

Bernd Windisch | Mi, 1. Mai 2019 - 10:32

Kauder hat lange Zeit unter Beweis gestellt welch ein abgründiger Opportunist er eigentlich ist. Auf Merkels Geheiß hätte er wohl auch den Burkazwang in seiner Fraktion durchgesetzt. Schlimm, dass er immer noch eine öffentliche Bühne erhält.