Illustration einer alten Weltkarte.
Der Blick in die Tiefe des Brunnens der Geschichte fördert ein reiches Spektrum Zusammenhänge zutage / Illustration: Martin Haake

Vergangenheit und Gegenwart - Die Rückkehr der Geschichte

Das Jahr 1517 gilt als Geburtsstunde der Reformation. Aber was vor einem halben Jahrtausend noch alles passierte, nahm viele Erschütterungen heutiger Tage vorweg – vom Brexit bis zur Migrationskrise

Autoreninfo

Jahrgang 1942, ist Historiker und war zuletzt Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität in Berlin. Er ist Autor unter anderem einer großen Luther-Biografie und des aktuellen Bestsellers „1517 – Welt­geschichte eines Jahres“ (C. H. Beck, 364 Seien, 24,95 Euro).

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Thomas Mann wusste noch: „Tief ist der Brunnen der Geschichte.“ In den optimistischen Jahren, als man sich sicher war, die Geschichte zähmen zu können, ist dieses Wissen aber verloren gegangen. Die Tiefe der Geschichte mochten die Spezialisten ausloten; für das politische Tagesgeschäft reichte der gebannte Blick auf die Oberfläche. Diese flache Geschichtskultur machte Politiker wie Bevölkerung hilflos, als mit den völlig unerwarteten Krisen und Katastrophen des frühen 21. Jahrhunderts die Unabwägbarkeit der historischen Prozesse in ihre auf guten Fortschritt programmierte Welt einbrach.

Das Selbstbewusstsein der „Macher“ und das Vertrauen der Menschen waren erschüttert. Verstört erlebten sie, dass alles anders lief, als man es berechnet und projektiert hatte: Irrationalität der Weltmärkte statt Glückseligkeit durch Welthandel und Invest­mentbanking; Brexit statt eines immer enger zusammenwachsenden Europas; Wahlergebnisse in den Zentren des „Westens“, die das Vertrauen in die Demokratie infrage stellen;

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