Venezolanische Flüchtlingskinder in Mexiko
Venezolanische Flüchtlingskinder in Mexiko / picture alliance / NurPhoto | Jerome Gilles / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Felix Marquez

Venezolanische Stimmen - „Welches Völkerrecht hat uns geschützt, als unser eigener Staat uns getötet hat?“

Während linke Politiker in Europa über Völkerrecht und Imperialismus debattieren, empfinden viele Venezolaner vor allem Wut. Vier Exilanten in Deutschland erklären, warum sie Maduros Festnahme feiern – und sich von westlichen Moralpredigten verhöhnt fühlen.

Clemens Traub

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Clemens Traub ist Cicero-Redakteur.

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Am Samstag, 3. Januar, haben US-Einheiten Venezuelas Präsident Nicolás Maduro festgenommen und in die Vereinigten Staaten gebracht. Washington rechtfertigt den Einsatz als notwendigen Schritt gegen ein autoritäres Regime. Kritiker sprechen von einem völkerrechtswidrigen Eingriff und verweisen auf die Gefahr eines politischen Präzedenzfalls. Doch was denken Venezolaner selbst? Cicero hat mit vier Exil-Venezolanern in Deutschland gesprochen, die schildern, wie sie die Festnahme Maduros erleben.

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„Welches Völkerrecht hat uns geschützt, als unser eigener Staat uns getötet oder eingesperrt hat?“

Ich bin in Venezuela aufgewachsen. Meine Eltern waren nie Anhänger von Chávez, nie von Maduro. Sie waren einfach Menschen, die arbeiten wollten, ihr Kind schützen wollten. Aber man konnte zusehen, wie das Land Jahr für Jahr ärmer wurde. Wie etwas zerbröselte, das früher einmal normal war. Die Inflation war kein abstrakter Begriff, sie war Alltag. Dinge, die einmal Wert hatten – ein Haus, ein Auto, Ersparnisse –, wurden bedeutungslos. Wir wurden alle ärmer, ganz egal, woher wir kamen. Ich gehörte zur Mittelschicht, zumindest einmal.

Am schlimmsten war die Unsicherheit. Diese permanente Angst. Wenn wir mit dem Auto nach Hause kamen, öffnete sich das Tor langsam. Sekunden, die sich anfühlten wie Minuten. Man wusste nie, ob jemand in diesem Moment mit hineinspringt. Bis das Tor zu war, hattest du Angst um dein Leben. So sah Alltag aus. 

Ich war 18, als ich ging. Ich ließ meine Familie zurück, meinen kleinen Bruder. Er ist neun Jahre jünger als ich. Ich habe ihn nicht aufwachsen sehen. Diese Entscheidung hat mich innerlich zerrissen, aber ich wusste: Wenn ich bleibe, gibt es keine Zukunft. Vielleicht kann ich von außen wenigstens helfen.

Heute lebe ich in Deutschland. Obwohl ich Deutschland, seine Demokratie und seine Freiheit liebe, habe ich lange das Gefühl gehabt, zwei Leben zu führen – eines hier, eines dort. Körperlich sicher, emotional nie angekommen. Venezuela ist voller Geisterstädte geworden, weil so viele gegangen sind. Und viele von denen, die in andere lateinamerikanische Länder geflohen sind, haben auch woanders nichts gefunden als neue Ablehnung, neue Armut. Es gibt sehr viel Fremdenfeindlichkeit gegenüber Venezolanern. Wir, die nach Deutschland konnten, haben im Vergleich zu unseren Landsmännern und Landsfrauen im lateinamerikanischen Exil große Privilegien.

Zu den Ereignissen der letzten Tage sage ich offen: Die Festnahme Maduros ist etwas, worauf viele von uns seit Jahren gehofft haben. In den letzten Tagen gab es viele Tränen der Freude. Demokratische Mittel waren ausgeschöpft. Für mich könnte das der Beginn eines demokratischen Übergangs sein.

Wenn ich jetzt aus Europa von Sozialisten höre, man müsse vor allem über Imperialismus, Trump oder Völkerrecht sprechen, empfinde ich das als eurozentristisch. Ich frage mich: Welches Recht hat uns geschützt, als unser eigener Staat uns getötet oder eingesperrt hat?

Ich wünsche mir keine Rache. Ich wünsche mir eine Zukunft. Und ich weiß: Demokratie ist ein Prozess. Aber dieser Prozess beginnt erst, wenn die Angst nicht mehr mit uns durch jede Tür geht.

Luisa Ramirez, 29 Jahre, aufgewachsen in Valencia

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Venezuela 2
Venezolanische Migranten in Mexiko City / picture alliance / Anadolu | Daniel Cardenas

„Ich war sechzehn, als sie mir an den Haaren den Kopf nach hinten rissen“

Ich habe deutsche Wurzeln und bin in Mérida aufgewachsen, einer Studentenstadt. Proteste gehörten zum Alltag, organisiert von jungen Menschen. Und genau deshalb waren Studenten auch die ersten Opfer. Ich habe diese Diktatur nicht aus Büchern kennengelernt. Ich habe sie gelebt. Stromausfälle in Krankenhäusern. Tote Patienten. Tote Studenten. Schlangen für Brot, für Öl, für Toilettenpapier. Meine Mutter arbeitete in zwei Vollzeitjobs, war ausgebildete Sozialpädagogin – und hatte trotzdem kein Essen für ihre Kinder. Sie musste meine Großeltern um Hilfe bitten.

Ich war 16, als wir nach der Schule friedlich protestierten. Mit Plakaten. Paramilitärische Gruppen griffen uns an. Bewaffnet. Einer von ihnen riss mir an den Haaren den Kopf nach hinten, als wir fliehen wollten. Ich sah, wie mehrere von ihnen einen Mitschüler zusammenschlugen, der behindert war. Ich konnte nicht helfen. Ich musste rennen, um nicht selbst zu sterben.

Das verlässt dich nicht. Auch Jahre später nicht. Man fragt sich manchmal, ob das wirklich passiert ist – oder ob der eigene Kopf es erfindet, weil es zu grausam klingt. Aber es ist real. Und es ist schlimmer geworden.

Heute sitzen Minderjährige ohne Gerichtsverfahren in Gefängnissen, weil sie etwas Kritisches auf Twitter geschrieben haben. Und dann höre ich Menschen in Europa, die mir erklären wollen, was Venezuela ist. Vom Sofa aus. Aus der Sicherheit einer Demokratie.

Wo wart ihr 2014? 2017? 2019? Wo wart ihr, als wir um Hilfe geschrien haben und niemand zugehört hat? Acht Millionen Menschen sind geflohen – keiner freiwillig. Freunde von mir sind zu Fuß durch Länder gelaufen, haben auf dem Boden geschlafen.

Zu den letzten Tagen sage ich: Viele von uns freuen sich über die Festnahme Maduros, weil er für Jahrzehnte von Leid steht. Wenn man uns sagt, wir dürften uns nicht freuen, empfinde ich das als respektlos gegenüber den Opfern von 2014, 2017, 2019.

Trump ist für mich kein Held. Ich kritisiere seine Politik in den USA. Wie er mit Latinos wie uns in den vergangenen Jahren umgegangen ist. Aber ich weigere mich, Venezuelas Realität zu relativieren, nur um die USA zu kritisieren.

Meine Hoffnungen? Meine Emotionen? Ich bin dankbar, weil ein Albtraum vielleicht ein Ende findet. Wir wissen, dass noch vieles schief gehen kann. Aber wir alle haben eine so große Hoffnung wie schon lange nicht mehr. Und es macht mich wütend, wenn man uns dieses Gefühl abspricht.

Sarah Eisig, 27 Jahre, aufgewachsen in Mérida

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Venezuela 3
Caracas / picture alliance / Anadolu | Boris Vergara

„Es war einer der schönsten Tage meines Lebens, als ich erfuhr, dass Maduro festgenommen wurde“

Ich komme aus La Victoria, einer kleinen Stadt in Aragua. Später lebte ich in einer deutschen Kolonie in Venezuela – Menschen mit deutschen Wurzeln, ohne anerkannte Staatsangehörigkeit. Identität war bei uns immer etwas Fragiles.

Ich habe Journalismus studiert. Und irgendwann war klar: Worte sind gefährlich. Ich sprach im Radio über Korruption, darüber, dass humanitäre Hilfe verkauft wurde, während Menschen hungerten. Immer wieder habe ich versucht, das korrupte System in meiner Heimatstadt aufzudecken. Nach einer Sendung kam dann der Anruf. Danach wurde der Sender geschlossen.

Ich bekam ein offizielles Verbot. Ich durfte nie wieder als Journalist arbeiten. Ich unterschrieb es, weil ich keine Wahl hatte. Die Alternative war Gefängnis. Oder Schlimmeres.

Ich unterrichtete später an einer Universität – das war meine einzige Möglichkeit, ein halbwegs normales Leben zu führen. 2021 ging ich nach Deutschland. Mein Vater lebte hier. Er sagte mir: Du kannst ein anderes Leben haben. Also ging ich.

Als Maduro wieder „gewann“, war ich im Ausland. Und ich wusste: Das kann nicht stimmen. Es muss sich um einen Betrug gehandelt haben. Ich hatte die Stimmung gesehen, die Wahlen beobachtet. Aber wir verloren erneut alles, was von Demokratie übrig war.

Es war einer der schönsten Tage meines Lebens, als ich erfuhr, dass Maduro festgenommen wurde. Wir alle wissen: Das kann erst der Anfang sein auf dem langen Weg hin zu einer Demokratie.

Wie ich zu den USA und Donald Trump stehe? Natürlich haben die USA eine Geschichte der Intervention in Lateinamerika. Natürlich war Trumps Politik zynisch, laut, oft verantwortungslos. Aber diese Geschichte wurde in Europa oft benutzt, um das Regime zu entschuldigen. Eurozentrismus zeigt sich genau hier: Man spricht lieber über westliche Schuld als über nichtwestliche Täter.

Viele sagen heute: Imperialismus. Völkerrecht. Aber kaum jemand fragt uns. Kaum jemand fragt, was wir wollen. Wir wollen kein Chaos. Wir wollen ein Land, in dem Journalisten nicht unterschreiben müssen, dass sie nie wieder sprechen dürfen. Ich wünsche mir, dass man uns zuhört. Nicht unsere Geschichte interpretiert, sondern sie ernst nimmt. Denn wir bezahlen den Preis.

Wie dieser Preis aussieht? Ich habe immer noch Bekannte aus dem Journalismus, die in einem venezolanischen Gefängnis stecken. Zum Glück musste ich diese Erfahrung niemals machen. Denn das muss die Hölle auf Erden sein.

Abelardo J. Bravo, 27 Jahre, aufgewachsen in  La Victoria

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„Die Beerdigung meines Vaters von meinem Smartphone aus verfolgen zu müssen, war unendlich schmerzhaft“

Ich wurde in Caracas geboren, bin später innerhalb von Venezuela umgezogen. Als ich jung war, gab es schon Kriminalität, aber auch noch Ruhe. Dann starb Chávez – und alles kippte. Mit Maduro wurde alles schlimmer. Die Inflation fraß alles. Stromausfälle, kein Gas, kein Wasser. Als Studentin protestierte ich. Wir rannten vor Tränengas, vor der Nationalgarde, vor paramilitärischen Gruppen. Irgendwann konnte man nicht einmal mehr friedlich demonstrieren, ohne Todesangst zu haben. Meine Träume, ein normales Leben aufzubauen, zerfielen. Kleine Unternehmen verschwanden. Perspektiven auch.

Ich ging zuerst kurz nach Spanien, dann nach Deutschland. Während meines Asylverfahrens starb meine Großmutter. Ich war nicht da. Von Deutschland aus konnte ich ihr wenigstens Medikamente bezahlen. Kurz danach starb mein Vater. Mein Vater war immer schon mein größter Held, und ich denke auch heute noch jeden Tag an ihn. Es war unendlich schmerzhaft, dass ich seine Beerdigung von meinem Smartphone aus verfolgen musste. Das Haus meiner Familie war enteignet worden. Fremde zogen ein. Der Stress, die Ohnmacht – sie führten zu seinem Schlaganfall. Ich habe zwei Todesfälle über einen Bildschirm erlebt.

Mein Vater bat mich vor seinem Tod, nicht zurückzukommen. Weil es dort keine Justiz mehr gibt. Weil Sicherheit ein Fremdwort geworden ist.

Zu den Ereignissen der letzten Tage sage ich: Ich wünschte, mein Vater hätte die Festnahme Maduros noch miterleben können. Donald Trump feiere ich für sein Handeln. Ich bin nicht naiv, klar geht es den USA auch um Öl. Doch ohne eine internationale Intervention der Amerikaner hätte es keinen Ausweg gegeben. Wenn mir heute gesagt wird, ich dürfe mich nicht freuen, fühlt sich das an, als würde unser Leid erneut ignoriert.

Heute sprechen in Europa viele laut über internationales Recht – aber leise über politische Gefangene. Sie empören sich über Sanktionen, aber nicht über Folter. Über Intervention, aber nicht über systematische Wahlfälschung. Diese selektive Moral ist kein Zufall. Sie ist bequem. Denn es ist einfacher, abstrakt gegen den „Westen“ zu sein, als konkret solidarisch mit Menschen, die unter autoritären linken Regimen leiden. Venezuela passt nicht in einfache Erzählungen. Es zwingt dazu, mehrere Wahrheiten gleichzeitig auszuhalten.

Luccia, 29 Jahre, aufgewachsen in Caracas

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Ernst-Günther Konrad | Mi., 7. Januar 2026 - 15:02

Niemand hat das Recht, in ein anderes Land einzudringen und den Präsidenten dieses Landes zu entführen. Egal was man dem Mann vorwerfen kann. Was die USA, was Trump da gemacht hat ist ein gefährlicher Präzedenzfall und muss letztlich Konsequenzen haben. Auch wenn er innenpolitisch vieles für mich richtig macht. Auch wenn er außenpolitisch manches für mich richtig macht. Das aber geht gar nicht. Ob die USA diese Regierung anerkannt hat oder nicht, ob Wahlen dort gefälscht wurden und Maduro ein Verbrecher ist oder nicht. Das ist und war die Angelegenheit der Venezolaner und sonst niemanden. Das Trump seine Grenzen schützt, verdächtige Schiffe kontrolliert und nicht in seine Hoheitsgewässer läßt, alles in Ordnung. Aber diese Entführung geht gar nicht. Und Völkerrecht hin oder her, mal wird es ganz extensiv ausgelegt und dann wieder moralisch verschwommen. Man stelle sich nur vor, man würde Trump entführen wollen und z.B. nach Kuba bringen, die halten ihn bzw. die USA auch für Verbrecher.

geht was Trump gemacht hat. Wo ich Ihnen nicht zustimme, ist das es die Angelegenheit der Venezolaner ist und daß diese das Problem selbst lösen müssen. Wie bitte hätten sie das Problem lösen sollen, ohne daß dabei zig Tausende sterben?

Maduro ist ein linksextremer Verbrecher, er hat ein linkes Verbrecherregime etabliert, das gewaltsam gegen jeden vorgeht der Widerstandstand gegen das System leistet. Unter solchen Umständen ist Hilfe von außen ein probates Mittel.

Deutschland ist auf dem besten Weg in die selbe Hölle, denn auch hier schaffen Linke und Linksextreme Demokratie, Rechtsstaat, Wohlstand und Freiheit ab. Sie haben es bald geschafft! Ich wünsche mir jetzt schon Hilfe aus dem Ausland, denn der Michel ist ja offensichtlich nicht willens und oder in der Lage sich selbst zu helfen! Wie wird es denn erst sein, wenn die Linksfaschisten wie 33-45 endgültig die Macht übernommen haben und wieder beginnen ihre kranke und menschenfeindliche Doktrin gewaltsam zu verbreiten?

Wolfgang Borchardt | Mi., 7. Januar 2026 - 15:19

die das Völkerrecht beschwören, ohne die Macht zu haben, es zu verteidigen.

Ralf Straube | Mi., 7. Januar 2026 - 15:44

sollte man erstmal abwarten. Klar gibt es jetzt große Hoffnung - das ist schon verständlich.
Nur... Ich erinnere mich an die Begeisterung ob des "arabischen Frühlings" 2011. Und was daraus geworden ist. Und leider auch: Die Länder, die die USA seit dem zweiten Weltkrieg "befreit" hat sind auch bloss niucht auf die Beine gekommen. Weil es eben genau nicht um Freiheit, oder Menschenrechte geht. Und wenn es um Ölreichtum und Armut geht - man schaue auf Nigeria.

Chris Gustav | Mi., 7. Januar 2026 - 18:32

vielen Dank für diese persönlichen Zeugnisse. Ich war selber viermal auf Kuba und einmal in Venezuela und habe die Kriminalität des kubanischen Regimes persönlich erlebt durch Verhaftungen normaler Bürger vor meinen Augen. Dass das Castro-Regime dann das eigentlich reiche Venezuela quasi übernahm und verarmen ließ, sollte uns eine Warnung sein.

Sunstreet | Mi., 7. Januar 2026 - 21:29

Antwort auf von Chris Gustav

@ chris gustav: Das was sie über Cuba beschreiben, geschieht seit Jahrzehnten weltweit. Was mich interessieren würde, ist, wo sie den Unterschied zum Verhalten der USA (seit Jahrzehnten) hier sehen?
Im übrigen ist es kein Wunder, dass Venezuelaner, die das Land wegen Maduro verlassen haben, diese Aktion feiern.

oder etwa wegen der durch das von Maduro angeführte sozialistische Verbrecherregime verursachten unerträglichen Zustände im Land? Ich vermute ganz stark letzteres. Das wiederum relativiert Ihre Relativierung, denn wenn Maduro und sein linkes Verbrecherregime für die katastrophalen Zustände im Land verantwortlich sind, dann besteht bei einer Abschaffung des Regimes berechtigte Hoffnung, daß sich die Zustände verbessern und die Exilanten wieder zurückkommen können.

Ich freue mich über jeden (sozialistischen) Diktator weniger, wie er weg kommt, ist mir ziemlich egal. Bös muß Bös bekämpfen hat meine Oma immer gesagt.

Wäre Obama oder Biden für diese Aktion verantwortlich würde man das Ganze bei uns als heldenhafte Tat verkaufen, man würde uns erklären, daß es um die Rettung der Demokratie oder sonstwas ging. Aber bei Trump, da muß man ja dagegen sein egal wie richtig es ist was er macht, denn der ist ja ein böser rechter!

Jens Böhme | Mi., 7. Januar 2026 - 19:02

Persönliche Gefühle von Hinz und Kunz außerhalb Venezuelas werten den Wildwestcoup von Trump nicht auf.

Im Artikel geht es nicht um persönliche Gefühle von Hinz und Kunz, sondern um Erfahrungen geflüchteter Venezuelaner denen es galang diesen Verbrecher zu entkommen.
Wer nie emigrieren musste, der könnte trotzdem annerkennen, Emigranten fühlen sich nach wie vor ihrem Land zugehörig!

G. Fischer | Mi., 7. Januar 2026 - 20:23

Man findet immer Menschen, insbesondere wenn sie geflohen sind, die schreckliche Erfahrungen in ihrem eigenen Land gemacht haben. Niemand kann diese Erfahrungen absprechen. Auch in Deutschland gibt es inzwischen Menschen, die das Land verlassen. Als DDR-Bürger habe ich erlebt, dass es nicht die eine DDR gab, sondern 16 Millionen Erfahrungshintergründe, die alle ihre eigene DDR-Geschichte erzählen, z.T. weit weg von meinen persönlichen Erfahrungen. 8 Mio. Ve­ne­zo­la­ner sollen seit 2015 das Land verlassen haben, um ein besseres Leben zu finden. Und offensichtlich geht das noch. Aber 28 Mio. Menschen leben noch dort, was empfinden sie? Es ist eine Anmaßung, von außen zu entscheiden, das Regime muss weg, das andere darf bleiben. Die Menschen, die weiter in diesem Land bleiben, müssen mit den Folgen leben. Man kann nur hoffen, dass sie einen Weg finden, um für das Land das Beste daraus zu machen. Wollen die im Artikel Befragten zurück, um beim Aufbau zu helfen?

Lisa Werle | Mi., 7. Januar 2026 - 20:55

Vielen Dank, Cicero, für die Berichte der Menschen, die Maduro erlitten haben.
Die naiven, eiskalten Krokodilstränen in D widern mich an. Grund i.d.R. USA-/Trump-Ablehnung und woke Sozialismus-Manie. Ein Usurpator, der unrechtmäßig auf seinem sozialistischen Thron hockte, der seit Jahrzehnten mindestens Drahtzieher von Morden und Einkerkerungen war, der Drogenkartelle angeführt und sich damit am Tod von Millionen Kindern, Jugendlichen, Menschen aller Couleur schuldig gemacht hat – und der insofern die Verkörperung von Inhumanität und Kriminalität darstellt: dieser üble Kerl wird in Schutz genommen wegen ‚Völkerrecht‘. Wo waren die Fans des Völkerrechts, als Maduro all das getan hat? Und welche Passagen in diesem 'Völkerrecht' sind es denn genau, die 'verletzt' wurden? Ich lese mit Schrecken, wie alles begann in Venezuela: die Angst, die Zensur, die Drangsalierungen, Enteignungen, die Ohnmacht, die Verarmung, die ruinierten Unternehmen - und ich frage mich, auf welchem Weg sind wir?

Sehr geehrte Frau Werle, ihre moralische Empörung in Ehren, aber wenn das die akzeptierte Grundlage für Rechtsstaatlichkeit sein soll, ist das Scheitern und die Willkür vorprogrammiert! Es gibt dafür, auch in der deutschen Vergangenheit genügend Beispiele. Und wer andere Länder überfällt ist vollkommen egal. Es geht, anders als sie, wieder im Empörungsmodus, behaupten nicht um Trump und auch nicht um Maduro! Es geht u.a. um die Rechtsstaatlichkeit und die Eigenständigkeit von Ländern und den militärischen Imperialismus?
Persönliche Empfindlichkeiten, Empörungsrituale oder Betroffenheitsdiskurse sind hier fehl am Platz.. Aber wenn Sie schon dabei sind, sich über die Ungerechtigkeiten der Politiker aufzuregen, fangen sie doch in Deutschland an mit der Diskreditierung und Denunzierung von Kritikern der Regierung oder schauen nach Israel/Palästina/Syrien, Afghanistan, in einige afrikanische, südamerikanische oder asiatische Staaten. Da sind viele „Maduros“ unterwegs.

A. Brand | Do., 8. Januar 2026 - 16:32

Antwort auf von Sunstreet

wie wollen Sie Unrecht bekämpfen, wenn nicht mit weiterem Unrecht? In jedem Krieg werden Menschen getötet auch in einem Verteidigungskrieg, ist das dann gerecht? Trotzdem wird keiner widersprechen, wenn ein (ohne Anlaß) angegriffenes Land sich verteidigt. Wo ziehen Sie die rote Linie? Wann darf man und wann nicht?

Ich sehe, daß ein brutaler Diktator dem Land und Leute offensichtlich völlig egal sind - sonst hätte er nicht gehandelt, wie er gehandelt hat - durch eine präzise Aktion verhaftet wurde, die Schäden waren im Vergleich zu einem Bürgerkrieg extrem gering.

Bei jedem (Unrechts-)Regime gibt es Profiteure denen der Sturz nicht paßt. Soll man mit denen Mitleid haben, die ihr Wohl bewußt aus dem Leid anderer speisen? Ich habe kein Mitleid.

Und was sollen Ihre Negativbeispiele? Wie legitimiert das was alles in Deutschland und Israel schiefläuft (ich kritisiere das bei jeder Gelegenheit), die Existenz eines Verbrecherregimes in Venezuela? Das verstehe ich nicht.

@A.Brand: Entweder habe ich mich falsch ausgedrückt oder Sie haben die Intention meines Beitrags vollkommen missverstanden. Es ging mir lediglich darum, dass es nicht sein kann, dass Überfälle auf andere Länder aus moralischen und ideologischen Gründen gerechtfertigt werden! Wie sie darauf kommen, dass ich etwas relativiere, verstehe ich auch nicht. Die Beispiele waren an die Vorautorin gerichtet und sollten ein Hinweis darauf sein, dass wir beginnend in Deutschland weltweit Verbrechen gegen die Menschlichkeit erleben und niemand die Verantwortlichen zur Rechnung zieht, weil z.B. der sog. Westen für sich dort keine Vorteile sieht. Das Thema Propaganda lasse ich dabei noch bewusst außen vor. Um das auszudiskutieren müssten wir uns auf mehrere Tassen Kaffee zusammensetzen.

Alles richtig Frau Werle. Vom schönen waren Kachelofen lässt schön die Moralkeule schwingen. Völkerrecht hin oder her. Ich danke dem Präsidenten, auch wenn er noch andere Ziele (Öl) damit verfolgt.

A. Brand | Do., 8. Januar 2026 - 08:10

Wohlstandslinken ist sein fehlender Bezug zur Realität, er malt sich seine Welt wie sie ihm gefällt, die Realität ist dabei ein Störfaktor, den es zu eliminieren gilt, denn sie widerspricht dem Linken!

Der Linke sieht seine „Werte“ als gerecht, unfehlbar, universell wünschenswert, ideal, unverhandelbar, alles nicht-linke wird hingegen gnadenlos verteufelt. Graustufen gibt es nicht, differenziert wird nicht. Das erklärt die Nähe des Linken zum Islamismus, denn der macht genau das gleiche.

Maduro ist ein Linksextremer, damit aus linker Sicht per se gut, die von ihm im Namen des Sozialismus begangenen Verbrechen interessieren genau so wenig wie das Wohl seines Volkes. Trump ist ein rechter, damit per se schlecht, so einfach funktioniert die linke Denke!

Ich jedenfalls teile die Freude der Venezolaner über Maduros Verhaftung und ich hoffe, daß auch seine offensichtlich ähnlich gepolte Nachfolgerin sowie die gesamte Regierung bald auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden!

A. Brand | Do., 8. Januar 2026 - 08:14

wie das Land Jahr für Jahr ärmer wurde. Wie etwas zerbröselte, das früher einmal normal war. Die Inflation war kein abstrakter Begriff, sie war Alltag. Dinge, die einmal Wert hatten – ein Haus, ein Auto, Ersparnisse –, wurden bedeutungslos. Wir wurden alle ärmer, ganz egal, woher wir kamen. Ich gehörte zur Mittelschicht, zumindest einmal."

Diese Sätze sind 1:1 auf Deutschland übertragbar, erschreckend aber klar, denn auch hier wüten Linke und Linksextreme Kräfte ohne konservatives Korrektiv!

Brigitte Miller | Do., 8. Januar 2026 - 10:26

Frau Werle.