US-Strategie für Afghanistan - In 20 Jahren nichts gelernt

Nach den Terrorangriffen von 9/11 blieb den Vereinigten Staaten kaum eine andere Wahl als der Militäreinsatz in Afghanistan. Doch dann folgten Fehler auf Fehler. Der jetzige Rückzug vom Hindukusch ist mehr als nur ein verlorener Krieg. Er ist ein Zeichen von strategischer Unreife.

Ein US-Marinesoldat am Militärstützpunkt Shorab in der afghanischen Provinz Helmand / dpa

Autoreninfo

George Friedman, 72, ist einer der bekanntesten geopolitischen Analysten der Vereinigten Staaten. Er leitet die von ihm gegründete Denkfabrik   Geopolitical Futures und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Der Sturm vor der Ruhe: Amerikas Spaltung, die heraufziehende Krise und der folgende Triumph“ im Plassen-Verlag.

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Am 11. September 2001 griff ein von al-Qaida ins Leben gerufenes Spezialeinsatzteam die Vereinigten Staaten an, indem es mehrere Passagierflugzeuge entführte, um auf diese Weise symbolisch bedeutsame Einrichtungen zu zerstören. Ich spreche ausdrücklich von einem Sondereinsatzkommando, weil es genau das war – und eben keine primitive Clique, als die es fälschlicherweise dargestellt wurde. Seine Mitglieder waren fanatisch, aber sie verstanden ihre Mission und kannten die Schwächen der US-Geheimdienste so gut, dass sie mehrere zeitgleiche Angriffe koordinieren konnten. Und zwar alles unter Wahrung der Geheimhaltung.

Der Zweck des Angriffs bestand darin, einen Aufstand in der islamischen Welt auszulösen. Wenn die USA die islamische Welt im weiteren Sinne angreifen würden, würden sie als Feind des Islam angesehen werden. Würden die USA hingegen nicht angreifen, würde man sie als ängstlich gegenüber einer offenbar machtvollen islamischen Welt betrachten. Beides würde, so hoffte al-Qaida, ihre Gesinnungsbrüder dazu inspirieren, sich gegen die Vereinigten Staaten zu erheben.

Angst vor einem zweiten 9/11

Washington konnte sich weder auf einen regionalen Krieg einlassen noch eine Antwort verweigern. Es verstand die Strategie von al-Qaida richtig, und es war gerade ausreichend über al-Qaida im Bilde, um zu wissen, dass man die Ressourcen der Gruppe nicht gut unter Kontrolle hatte. Daraus ergaben sich zwei Dinge. Das erste war die Angst, dass der 11. September nur der erste von weiteren Anschlägen gewesen sein könnte und dass die US-Geheimdienste nicht in der Lage wären, diese zu verhindern. Das zweite war die Erkenntnis, dass die Kommandozentrale von al-Qaida entweder gestört oder zerstört werden musste.

Es war bekannt, dass diese Basis sich in Afghanistan befand, also musste die Mission in Afghanistan durchgeführt werden – und angesichts der Ungewissheit der Operation musste dies schnell geschehen. Aber es ging nicht um Afghanistan, sondern um al-Qaida. Die primäre Strategie bestand zunächst darin, afghanische Gruppen, die den USA aus dem Afghanistankrieg gegen die Sowjetunion bekannt waren, zu kontaktieren und zu rekrutieren oder anzuheuern und sie als Bodentruppen einzusetzen, um al-Qaida aufzuspüren und zu zerstören. Die afghanischen Truppen, die von CIA-Agenten und US-Luftstreitkräften begleitet wurden, identifizierten den Standort des Kommandos der Terrorgruppe, konnten aber keinen entscheidenden Militäreinsatz  gegen deren Basis starten. Die Gruppe löste sich auf und flüchtete nach Pakistan.

An diesem Punkt machten die USA einen entscheidenden Fehler. Die Regierung Afghanistans, angeführt von Mullah Mohammed Omar, hatte es al-Qaida erlaubt, auf afghanischem Gebiet zu operieren. Deshalb, so dachten die USA, musste diese Regierung ausradiert und ersetzt werden. Für al-Qaida war Afghanistan lediglich ein bequemer Standort. Genauso gut könnten auch andere Gebiete zu diesem Zweck gewählt werden, und viele nationale oder lokale Führer könnten ihnen Unterschlupf gewährt haben oder würden ihnen in Zukunft Unterschlupf gewähren. 

Die Taliban verstanden die US-Strategie

Für die USA erforderte die Entmachtung der Regierung das Eliminieren der Taliban – einer Kraft, die integraler Bestandteil der afghanischen Nation war. Washingtons primäre Strategie bestand darin, Städte, die von den Taliban besetzt waren, aus der Luft anzugreifen – eine Strategie, die die Verluste der USA auf ein Minimum reduzierte, während die Taliban vermutlich ein Maximum an Verlusten hinnehmen mussten. Die Taliban verstanden diese Strategie und zogen sich aus den Städten zurück. 

Die USA sahen dies als Beweis dafür, dass die Taliban besiegt worden waren. Doch sie hatten sich lediglich aus einer unhaltbaren Position zurückgezogen und formierten sich im Laufe der Zeit neu, wodurch Washington in einen Krieg gezwungen wurde, in dem die Taliban eine anhaltende taktische Überlegenheit hatten. Strategisch gesehen konnte keine der beiden Seiten „gewinnen“, aber die Taliban mussten weiterkämpfen, während sich die USA zurückziehen konnten. Es war eine Frage der Zeit, und die Zeit war auf der Seite der Taliban.

Der Sturz der Taliban-Regierung bedeutete, dass die Vereinigten Staaten eine neue Regierung bilden mussten. Die USA versuchten, verschiedene Elemente zu einer Koalition zusammenzuschustern, aber das funktionierte nicht. Die Mitglieder der Koalition standen einander häufig feindlich gegenüber, viele begünstigten die Taliban – und die Hauptkraft, die die neue Regierung schuf und beschützte, war Amerika. Es gab den Wunsch, eine afghanische Armee aufzubauen, aber die ersten Freiwilligen für die neue Armee gehörten zu den antiamerikanischen Kräften. Anders als etwa in Deutschland und Japan waren die USA nicht in der Lage, Strafen dagegen zu verhängen. Es war tatsächlich unmöglich.

Der langwierigste Fehler

Die Vereinigten Staaten begingen dann ihren letzten und langwierigsten Fehler. Sie waren sich bewusst, dass eine Befriedung Afghanistans und die Bildung einer pro-amerikanischen Regierung illusorisch ist. Aber sie waren auch der Meinung, dass die Preisgabe Afghanistans ein „falsches Signal“ an die islamische Welt senden würde. Die Botschaft, die die islamische Welt erhielt, war jedoch, dass die Vereinigten Staaten ihren Feind nicht verstanden; dass sie nicht gewillt waren, genügend Kräfte zur Verfügung zu stellen, um einen Sieg auch nur zu versuchen – und, dass diese Strategie beiden Seiten lediglich sinnloses Leid auferlegte. 

Einen Krieg fortzusetzen, der nicht zu gewinnen ist, basierend auf der Illusion, dass dessen Fortsetzung irgendjemanden beeindrucken würde, ist ein häufiges Motiv der amerikanischen Militärstrategie nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Vereinigten Staaten wurden nicht von dummen Menschen regiert. 9/11 hat sie aber betäubt und verängstigt. Die US-Truppen wurden in erster Linie nach Afghanistan entsandt, um die Gruppe zu zerstören, die die Anschläge ausgeführt hatte. Als al-Qaida nach Pakistan auswich, hätten die USA ihren Krieg gegen al-Qaida stoppen oder in Pakistan fortsetzen – mit oder ohne die Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes – und die Terroristen ausreichend stören können, um weitere Anschläge unmöglich zu machen. Oder die USA hätten sich etwas Zeit nehmen können, um herauszufinden, ob al-Qaida weitere Anschläge plante. 

Stattdessen verlagerte Washington das Hauptaugenmerk immer mehr auf Afghanistan, während es seinen verdeckten Kampf gegen al-Qaida durchführte. Indem die USA beides taten, begannen sie, strategische Ziele zu pyramidisieren – was zur Invasion des Irak, dem Einsatz von Truppen in Nordafrika und so weiter führte. Sie hatten das Personal dazu, aber was ihnen fehlte, war ein koordinierter Entscheidungsprozess. Dieser Prozess funktionierte unter der Annahme, dass jede Anstrengung gegen jedes verdächtige Ziel zwingend notwendig war. Was passierte, war aber, dass das strategische Bewusstsein der USA schwand, gefolgt von der Schwächung der US-Streitkräfte. 

Kurz gesagt: Die amerikanischen Ziele wurden breiter und ehrgeiziger, während Washington gleichzeitig seine Streitkräfte reduzierte und versuchte, eine Nation nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten in Afghanistan aufzubauen.

Ein Krieg muss ein klares und erreichbares Ziel haben. Er erfordert rücksichtslose Analyse und Ehrlichkeit. Der Kampf nach 9/11 bis zur Flucht von al-Qaida bei Tora Bora war vernünftig, wenn auch nur mit teilweisem Erfolg. Danach wurde aber ein Krieg begonnen, der kein erreichbares Ziel mehr hatte. Dafür gebe ich nicht den Generälen die Schuld; sie führten lediglich ihre Befehle aus. Ich gebe den hochrangigen zivilen Beamten die Schuld – insbesondere jenen nach der Präsidentschaft George W. Bushs –, die den Krieg ständig kritisierten und so taten, als wollten sie ihn beenden, tatsächlich aber weiterlaufen ließen. 

Idealisten vs. Realisten

Selbst jetzt, nach dem von Präsident Biden verordneten Rückzug, bauen die USA Berichten zufolge Stützpunkte in Zentralasien auf, um Afghanistan im Fall der Fälle angreifen zu können. Die politische Kultur in Amerika tut sich schwer damit, ihre Bemühungen so auszugestalten, dass sie mit den US-Interessen übereinstimmen, und man kann nicht einfach weggehen, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen. Es ist ein Zeichen von strategischer Unreife in einem Land, das nicht unreif agieren darf. 9/11 ist jetzt bald 20 Jahre her, und es werden noch immer Luftangriffe vorbereitet.

In der Außenpolitik gibt es einen immerwährenden Streit zwischen Idealisten und Realisten. Die Realität muss Ideale einschließen, denn was wäre der Sinn unseres Handelns ohne sie? Der Idealismus wiederum muss die Grenzen der Macht verstehen, anderenfalls wird er schreckliche Dinge zur Folge haben, während er die besten Absichten vorgibt. Krieg ist manchmal notwendig, und wenn er als notwendig erachtet wird, muss jedes Leben, das auf allen Seiten aufs Spiel gesetzt wird, als kostbar behandelt werden. 

Einen Krieg zu führen, der auf Illusionen und auf unzureichender Streitkraft beruht, ist ein Verstoß gegen grundlegende moralische Prinzipien. Die USA werden Kriege verlieren, wie alle Nationen es tun – aber sie müssen wenigstens genau verstehen, warum sie in diesen Krieg verwickelt sind. Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit, um noch immer nichts verstanden zu haben.

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GPF

Christoph Kuhlmann | Di, 20. Juli 2021 - 08:29

9/11 rief einen umfassenden und anhaltenden Rachereflex hervor. In Demokratien können Politiker stabile Umfragewerte nur schlecht ignorieren. Doch Terroristen fängt man mit Nachrichtendiensten und Polizei und nicht mit dem Militär. Eine Fluggastkontrolle für Flüge innerhalb der USA gab es nicht. Da reicht dann ein Teppichmesser ... Die Flugschule in den USA hielt es auch nicht für notwendig zu melden, dass bei ihr eine Gruppe junger Muslime nur das Fliegen aber nicht das Landen lernen wollten ... Clinton hatte bei einem Anschlag auf das WTO noch eine Pershing auf die Region abgeschossen und weiter nichts getan. Es war wahrscheinlich, dass irgendwann ein weiterer Anschlag auf dieses Ziel folgen würde. Eine kritischere Kontrolle von Einreisenden mit dem entsprechenden religiösen Hintergrund hat es nicht gegeben. Die USA versuchen immer wieder mit Geld gegen nationale, religiöse und politische Bewegungen anzugehen und verstehen nicht, dass man Fanatiker und Idealisten nicht kaufen kann.

Petra Horn | Di, 20. Juli 2021 - 09:54

Die USA kännen durch ihre technische militärisch Überlegenheit viele, sehr viele Menschen töten. Gezielt Soldaten oder Taliban können sie aber fast (noch) nicht töten. Die Taliban sind viele, sie werden durch die hohe Geburtenrate immer mehr. Die amerikanischen Soldaten werden immer weniger, jeder einzelne ist kostbar, und wenn er getötet wird eine schwere Last für die Regierung.
Mit diesem Vorteil ließen die Afghanen die Briten, die Russen und die Amerikaner ins Leere laufen. Wie sagte einer: Nur Alexander war so klug, das Land gleich wieder zu verlassen.
Der Westen kann keine Eroberungskriege mehr führen, wir können ja noch nicht einmal mehr die Kriege in den eigenen Ländern gewinnen.

Gerhard Lenz | Di, 20. Juli 2021 - 10:06

Das Land war für die Bush-Administration nur interessant, weil sich die Spitze von al-Qaida dort verschanzte.
Der Sturz des Taliban-Regimes und alles, was folgte, war nebensächlich. In Afghanistan geschah das gleiche wie im Irak: Eine verhasste Regierung war schnell beseitigt, aber irgendwelche tragfähigen Konzepte für die Zeit danach gab es nicht.
Die Entwicklung Afghanistans hätte eine langfristige Perspektive und erhebliche militärische und zivile Ressourcen erfordert - eine solche Investition war für die USA von Anfang an uninteressant.
Schon die Sowjets mussten feststellen, dass es einfacher ist, mal eben Panzer nach Ost-Berlin, Budapest oder Prag zu schicken, als ein kämpferisches, tiefgläubiges Volk im Mittleren Osten zu bekehren.
Am Ende haben die USA schlicht die Lust am Afghanistan-Abenteuer verloren, so wie vor ihnen die Sowjets.
Aber wenn die Taliban demnächst Kabul einnehmen, wird man sicher wieder heftig über Menschenrechtsverletzungen lamentieren.

Das ist mit weitem Abstand das beste Posting welches ich je von Ihnen gelesen habe!
Absolut zutreffend, mMn.

Die US-Boys hatten eigentlich nie eine Vorstellung davon, was nach ihrem (quasi gottgleichen) siegreichen Eingreifen fürderhin passieren sollte.
Like "Asterix bei den Goten":
"Die regeln das schon selber - sollen sie sich doch gegenseitig ihre Köpfe einschlagen!"

"Aber wenn die Taliban demnächst Kabul einnehmen, wird man sicher wieder heftig über Menschenrechtsverletzungen lamentieren."
Herr Lenz, die Taliban müssen Kabul nicht einnehmen, sie sind bereits seit etlichen Jahren latent dort, q.e.d.

Ich denke, dass Sie mehr Zeit als ich für die Suche, das Schauen, nach passenden Videos, Zitaten haben; egal.
Gleichwohl ein BW-Video aus Afghanistan.
Weder Sie noch ich hätten diesen Auftrag/Job als erstrebenswert gefunden, oder?
https://www.youtube.com/watch?v=F6ppmojlPoI

Schönen Abend ... und ein Soldat muss tun, was ein Soldat tun muss (m/w/d)

(... sounds like John Wayne!?)

... gab es doch einen kleinen, aber nicht unwichtigen Unterschied: Die Amis förderten und unterstützten zusammen mit islamischen Länder wie Pakistan und die im Geld schwimmenden Emirate die "frommen" Taliban im Kampf gegen die gottlosen Sowjets. Das dürfte für die Niederlage des "säkularen" Afghanistan, wo Frauen problemlos zur Schule gehen und studieren konnten, auch nicht folgenlos gewesen sein.

Dieselbe Strategie verfolgen die USA und der Westen heute wieder in Xinjiang gegen die chinesische Zentralregierung, indem sie die islamistischen Uiguren in ihrem "Freiheitskampf" gegen die chinesische Regierung unterstützen.

Nun ja, man wird leider erleben, ob diese neo-kolonialistische Strategie (der Feind meines Feindes ist mein Freund) in diesem Fall zu besseren Resultaten als in Afghanistan führt. Für die betroffenen Menschen sind die Aussichten nicht gut.

Die Politiker in den USA lernen es nie: Sie unterstützen immer wieder die Falschen,
um einem Gegner zu schaden und merken anscheinend nicht, daß sie damit große Probleme u. sich sogar neue Feinde heranzüchten.
Weder den USA noch den betroffenen Ländern und Menschen nützt eine solche Politik!
Ich kann mir dieses immer wiederkehrende Verhalten nur damit erklären, daß die Militärs, die den amerikanischen Präsidenten beraten, keine Ahnung von Kultur und Mentalität der "Verbündeten" haben, die sie sich suchen. Jedenfalls zeugt diese Art von Allianzen-Schmieden (Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund) für mich von großer Ignoranz bzw. Naivität.

diesmal treffen sie den Punkt ziemlich genau.
Und noch etwas es ging (geht) nie um Demokratie oder Menschenrechte und schon gar nicht um Frauenrechte es geht nur um Vormacht. Im Fall Afghanistan ging es zudem um primitive Rache, weil angeblich die Taliban Osama nicht ausliefern wollten, die Taliban verlangten aber Beweise die natürlich nicht geliefert wurden da hat man lieber, wie üblich, gleich bombardiert. Ergänzung, niemand will die Taliban die gehören weg aber das muss die Bevölkerung vornehmlich die Jugend selber in die Hand nehmen.

An zivilen Ressourcen hat es nicht gemangelt, es wurden viele vernuenftige Infrastruktur Projekte verwirklicht (z.B. Strassenbau, Wasser- und Stromversorgung), und einige soziale Projekte, die von Anfang an keinen Sinn machten, da sie vom westlichen Denken gepraegt waren. Ich war mehrmals in Afghanistan, auch in abgelegenen Doefern der Mujahedin, die gegen die Russen gekaempft hatten, und mir war bereits 2010 eines klar, aufgrund der Geschichte, Kultur und Bildung der Afghanen, wird das "Unternehmen" scheitern. Der Abzug bestaetigt meine damalige Einschaetzung, Haende weg von Afghanistan.

es ist trivial:

Nur etwas zu kritisieren ist ja immer einfach. Welche Besserungsvorschläge hätten Sie denn anzubieten, jetzt nun in 2021. Wenn offenbar die Taliban das ganze Land wieder ja demnächst dann übernehmen. Mit diesem ganzem Horror nun wiederholt sehen, den wir vermutlich nun in Zukunft immer oft erleben müssen (Kopfabschlagen, Steinigen...).

Mehr noch Dialog dann? Oder was nun jetzt dann?

Oder wir schicken dann halt alle Besserwisser Grüne+Linke-Politiker nach Afghanistan: Von obskurem Multikulti geben diese ja vor, etwas zu verstehen. Und die Taliban werden gewiss dann begeistert sein, fortan deshalb demokratisch und säkular werden.

Karl-Heinz Weiß | Di, 20. Juli 2021 - 10:53

Die Furcht vor dem Gesichtsverlust kann es kaum sein-ein schlimmeres Abzugsszenario als in Vietnam ist nicht vorstellbar. Eher dürfte es das Unvermögen der Amerikaner sein, Allianzen zu schmieden. Größe =Allmacht, warum sind die USA von Leuten wie Bezos, Musk und Co. so fasziniert? Erst aktuell setzt (in Südostasien) ein Umdenken ein. Um China einzuhegen, ist dort plötzlich sogar Vietnam als Partner denkbar.

Tomas Poth | Di, 20. Juli 2021 - 11:05

Einen Krieg den man nicht gewinnen kann sollte man nicht beginnen.
Bittere Erfahrung für Deutschland und Österreich aus zwei Weltkriegen.

Yvonne Stange | Di, 20. Juli 2021 - 11:33

Die 3 Millionen, die sich jetzt nach dem Abzug der Amis schon auf dem Weg gemacht haben, die wollen nach Mitteleuropa, nicht in die USA.... Genauergesagt: WIR werden bald ein gewaltiges Problem haben... denn bei uns darf jeder kommen und keiner gehen.... Wir schaffen das!!
Herr Spahn hat vorausschauend schon mal in einer Ausschreibung einen Anbieter für den SMS-Versand gesucht.... so fügt sich eins ins andere. Läuft....

helmut armbruster | Di, 20. Juli 2021 - 12:08

welche die Aufgabe haben anderen Demokratie und Fortschritt zu bringen.
Das hört sich prächtig an, ist aber für viele derart Beglückte nicht nachvollziehbar.
Denn diese sehen in dem Glücksbringer USA nur den Agressor und Besatzer.
Hinzu kommt noch eine amerikanische Unfähigkeit sich in fremde Verhältnisse, Mentalitäten und geschichtlich gewachsene Realitäten hinein denken zu können.
Die Folge ist, dass die GIs als Fremde wahr genommen werden, die lokale Verhältnisse mit Waffengewalt ändern wollen.
Die USA wiederum sind erstaunt, dass sie so wahr genommen werden und nicht so wie sie sich das gedacht hatten.
Und so haben Taliban & Co leichtes Spiel.

Rob Schuberth | Di, 20. Juli 2021 - 13:15

...es wieder kontrolliert zu löschen sehr schwer.

Bisweilen sogar unmöglich....s. Afghanistan.

Ich frage mich wer hat eigtl. Amerika den Auftrag gegeben, oder sie gebeten, den "Weltpolizisten" zu spielen?!

Woher nimmt Amerika sich dieses Recht heraus?

Der Einsatz ausländischer Truppen in Afghanistan (ISAF) war von Dezember 2001 bis Dezember 2014 durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrats, dann durch die afghanische Regierung völkerrechtlich legitimiert.

Herr Bühler: Die USA unterstützen die Uiguren nicht im Kampf gegen das totalitäre Regime der KP Chinas, sondern kritisieren die Tatsache, dass etwa eine Million Uiguren im Sippenhaft (Umerziehungslagern) sind, weil es innerhalb dieser ethnischen Gruppe eine gewaltbereite Autonomiebewegung gibt.

Frau Wallau: Im Sinne des Weltfriedens hoffe ich, dass US-amerikanische Militärs und Analysten der Geheimdienste lhre Beiträge lesen, um sich das profunde Wissen einer pensionierten Grundschullehrerin zunutze zu machen.

Romuald Veselic | Di, 20. Juli 2021 - 13:51

"[...] und die Terroristen ausreichend stören können, um weitere Anschläge unmöglich zu machen."
Herr Friedman, so vorzugehen, ist der erste u. vielleicht der schlimmste Fehler bei einem bewaffneten Konflikt. Der andere Aspekt ist der mentale Faktor des Kontrahenten, der daran basiert: Immer im Recht zu sein, denn dies Gottes Wille u. Werk ist. Die Mentalität eines Klerikalfanatikers ist im 21Jh die gleiche, wie im 7Jh n.Chr. Jemand, der glaubt, dass ihm nach dem Tod "besser gehen wird", ist nach "unseren" rationellen Kriterien nicht/nie erreichbar. Es sei denn, man herbeiführt den Zustand, indem diese Klerikalfanatiker nicht mehr existieren können. Die antiken Römer führten dies mit Karthago vor, wie man das ad definitivum macht. Womit sie für einige Jahrhunderte die Existenz des Römischen Reiches verlängerten. Nur die Feinde der Römer, wurden dadurch nicht weniger zahlreicher.

Andre Möller | Di, 20. Juli 2021 - 19:20

Ein US-Soldat und ein russischer Mi-17-Hubschrauber der afghanischen Armee. Es werden die letzten Fluggeräte der afghan. Armee sein vor Übernahme oder Flucht.
Sehr guter Artikel von Herrn Friedman - ein Ami sagt den Amis die Wahrheit. Selten genug. Ich fürchte nur, die, die es angeht werden es nicht beherzigen und weiter die US-Boys (und -girls) verheizen und letztlich marodieren lassen. Aber für die angestrebten Auseinandersetzungen mit Russland und China werden sie auf eine andere Art Gegenwehr erleben, die Ansagen aus Moskau und Peking lassen da keinen Interpretationsspielraum. Haben Biden und seine Leute wirklich eine konsistente Strategie? Letztlich können sie den Aufstieg Chinas nur gewaltsam verhindern. Ich kann mir aber kein Szenario vorstellen, in dem sie als Sieger vom Platz gehen könnten.