US-Truppenabzug - Der Westen hat Afghanistan aufgegeben

Nach 19 Jahren Krieg haben die USA mit dem Rückzug ihrer Truppen aus Afghanistan begonnen. Bis 2021 verlassen sie das Land als Besiegte. Die Taliban sind wieder auf dem Vormarsch und kontrollieren ein Fünftel des Landes. Was bedeutet das für die Zivilbevölkerung?

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Abschied als Besiegte / picture alliance

Autoreninfo

Jan Jessen leitet die Politikredaktion der Neuen Ruhrzeitung. Zu seinen Schwerpunkten gehört die Krisen- und Konfliktberichterstattung 

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Manchmal sprechen die Ereignisse für sich. Am Montag, dem Tag, an dem die USA mit ihrem Truppenabzug aus Afghanistan begannen, ließen sich zwei Männer als Präsidenten des kriegsgebeutelten Landes vereidigen, der eine im Präsidentenpalast in Kabul, der andere im nicht weit entfernten Sapedar-Palast: Aschraf Ghani, der offiziell als Wahlsieger aus dem Urnengang im vergangenen September hervorgegangen war, und sein Langzeitrivale Abdullah Abdullah, der das Ergebnis der Wahlen anzweifelt.

Eine schwere politische Krise just zu der Zeit, in der sich die kriegsmüde Supermacht und ihre westlichen Verbündeten vom Hindukusch zurückziehen – es scheint, als sei die Zukunft des Landes vorgezeichnet, und schlimmstenfalls wird sie sich nicht von dem Szenario in den neunziger Jahren unterscheiden, als Afghanistan nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen in einem blutigen Bürgerkrieg versank, aus dem schließlich die Taliban als Sieger hervorgingen. Jetzt haben sich die USA mit den Taliban darauf verständigt, dass ihr Militär das Land verlässt. Im ersten Schritt werden 4.400 Soldaten nach Hause zurückkehren, 2021 folgt dann der Rest. 

54 Bundeswehrsoldaten und 220 US-Soldaten starben 

Man muss nicht über prophetische Gaben verfügen, um zu erahnen, dass nach dem Ende des militärischen Engagements das Interesse des Westens an Afghanistan in Gänze schwinden wird, trotz aller Lippenbekenntnisse. Auch in den neunziger Jahren sah die Welt teilnahmslos zu, wie die zuvor gegen die Sowjetunion aufgerüsteten unterschiedlichen Mudschaheddin-Fraktionen sich gegenseitig zerfleischten. Bereits jetzt sind die regelmäßigen Kampfhandlungen in Afghanistan und der Zerfall der Ordnung weitgehend aus dem medialen und politischen Fokus verschwunden.

Ein Eingeständnis des Scheiterns nach 19 Jahren am Hindukusch wird der Politik, ob in den USA oder in Deutschland, nicht zu entlocken sein. Es würde auch schwer fallen angesichts der erbrachten Opfer. 54 Bundeswehrsoldaten und weit über 2200 US-Soldaten gaben ihr Leben, seit der Westen im Jahr 2001 in Afghanistan intervenierte und die Taliban-Regierung stürzte.

Die Taliban sind wieder auf dem Vormarsch

Die Fakten aber sprechen für sich: Die Taliban sind wieder auf dem Vormarsch und kontrollieren ein Fünftel des Landes. Die mit Milliarden-Investitionen trainierten und aufgerüsteten afghanischen Sicherheitskräfte erleiden immer wieder schwerste Verluste und sind ohne Luftunterstützung kaum noch imstande, den Taliban etwas entgegenzusetzen. Allein im Februar starben nach Zählung der Agentur Pajhwok Afghan News 531 Menschen bei über 100 Angriffen.

Zudem hat sich die Afghanistan-Fraktion des sogenannten Islamischen Staates zu einer ernstzunehmenden Größe entwickelt, die durch besonders brutale Anschläge insbesondere auf die schiitische Minderheit das Land weiter destabilisiert. Bei der Vereidigung Ghanis schlug in der Nähe eine Rakete ein, abgefeuert von Milizionären des Islamischen Staates. Eine Machtdemonstration.

Verantwortung für die afghanischen Frauen 

Besonders bitter ist die Situation für die Mädchen und Frauen im Land. Die westliche Allianz war mit dem erklärten Ziel in Afghanistan einmarschiert, das Leben derer zu verbessern, die von den Taliban unter die Burka und aus dem öffentlichen Leben gezwungen worden waren.

2008 verteidigte die damalige Bundesentwicklungs-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul die Entscheidung zur Verlängerung des ISAF-Mandats der Bundeswehr mit den Worten: „Ich habe 2001 versprochen, dass wir an der Seite der afghanischen Frauen stehen werden und es auch bleiben. Ich stehe zu dieser Verpflichtung und fühle mich daran gebunden.“

Deal zwischen Siegern und Besiegten 

Tatsächlich können viele Mädchen heute die Schule besuchen, junge Frauen können studieren, in die Politik oder in die Wirtschaft gehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass laut einer Gallup-Umfrage 91 Prozent der Mädchen in Afghanistan allenfalls die Grundschule absolvieren. Und auch, wenn die Taliban nicht mehr ganz so radikal auftreten wie in den neunziger Jahren, zwingen sie Frauen in ihrem Herrschaftsgebiet unter das islamische Recht. Es spricht Bände, dass nach besagter Umfrage nahezu die Hälfte der Frauen das Land verlassen will.

Das Abkommen zwischen den Taliban und den USA ist kein Deal auf Augenhöhe. Es ist ein Abkommen zwischen Siegern und ausgelaugten Besiegten. Der Westen hat Afghanistan aufgegeben und die Zivilisten dort den Taliban überlassen. 

Juliana Keppelen | Di, 10. März 2020 - 17:42

schonungslosen Bericht. Nur ein klitzekleiner Hinweis: bei dem "Engagement" der USA sowohl bei der Ausstattung der Mutschahedin mit Waffen als auch beim Einmarsch 2001 ging es nie um Demokratie oder Freiheit oder Menschenrechte es ging immer nur um knallhartes geopolitisches Kalkül.

Gilt in diesem Sinn aber für alle Beteiligten - Frau Keppelen.
Kabul sprich Afghanistan war, u.a., auch schon mal von den Russen besetzt und wird wohl noch lange von Irgendwem besetzt sein.
Aus Altruismus werden weder Besetzungs- noch Befreiungskriege oder andere Kämpfe
- nicht mal Wahlkämpfe - geführt.
Aktuelles Beispiel: Syrien, Jemen etc etc
Wo haben Sie( oder ich ) selbst, und das meine ich ohne jedwede Ironie, schon mal was ohne eigenes Interesse betrieben. Und sei es nur für die persönlich angestrebte "Heiligsprechung" bzw. Erhalt der individuellen, eigenen Werte. Selbst der Münzenwurf in des Bettlers Hut ist nicht frei davon.
Wobei "Helfen" zweifellos in eine andere Kategorie als "Nehmen" einzuordnen ist (= satirische Betrachtung"

Und dieser entlarvt auch die Bundestagsabgeordneten aller Parteien, die wie in der Flüchtlingspolitik haarsträubende Argumente für den Einsatz der Bundeswehr aus den Finger zogen.
Und an diesem Beispiel kann man wunderbar erkennen, dass unser Handeln nicht in schwarz-weiß eingeteilt werden kann, sondern wie bei Yin & Yang. Obwohl die Linke Ideologie genau wie viele andere ihr Fundament auf Gewalt, Denkvorschriften & nicht individuelle Entfaltung setzt, waren die Linke die einzige Partei, die konsequent gegen diesen Einsatz waren.
Und auch diese Anschauung kann man zu der "Verhaltenseinstellung" bei den Großmächten haben.
Es gibt nicht den "Heiligen" oder den "Teufel" als Menschen, denn es ist wie mit dem Licht: wann ist es hell & wo fängt Dunkelheit an oder wo fängt Unordnung an?

Und all jene anderen Abgeordnete, die sich für die Parteipolitik hin gaben & gegen ihr Herz entschieden haben.

UND GENAU HIER LIEGT DAS "DILEMMA"

unserer Demokratie & ihrer Verantwortung/ Verwaltung. MfG

Eine weitere Lücke im Text ist der Hinweis darauf, dass ein großer Teil der nach Deutschland kommenden Leute Afghanen sind. Die aktuell an der Grenze zu Griechenland stehenden, sollen z.B. Afghanen sein. Unsere Regierung hatte versucht nach 2015 in Afghanistan die Info zu verbreiten, dass niemand in DE nach Einwanderern ruft. Mit begrenztem Erfolg. Eine weitere Talibanisierung wird zu weiteren Einwandereren führen, weil die Taliban und die anderen sunitischen Terrorgruppen bevorzugt gegen die schiitischen Minderheit vorgehen.

... eine Nation marschiert, andere (meist) mit ... alles im Namen der Demokratie ... und Jahre später ist das besetzte Land instabiler/gefährlicher als zuvor :(
Das geo(!)politische Kalkül und eng verbunden damit das Kapital steht offensichtlich über alles!

"Der Westen hat Afghanistan weitgehend aufgegeben". Was heißt das? Wieso hat der Westen "etwas aufgegeben", das ihm doch gar nicht gehört?
Afghanistan muß selbst eigene politische Wege aus "seiner Kriese" finden. Weder die Truppen der Russischen Föderation noch Soldatinnen und Soldaten der deutschen Bundeswehr haben dort etwas zu suchen!

Wenn Sie die weitgehende Zerstörung eines internationalen Terrornetzwerks, das von den Taliban in Afghanistan beherbergt, ausgebildet und logistisch unterstützt wurde - und kurz zuvor mehr als 3000 Menschen an einem Tag getötet hatte, als "geopolitisches Kalkül" bezeichnen wollen.
Ich gebe zu bedenken, dass der Abzug westlicher Truppen und die daraus folgende Ausbreitung der Taliban nicht "nur" die Lage der Menschen vor Ort massiv verschlechtern dürfte (was den meisten hier ohnehin gleichgültig zu sein scheint), sondern mittelfristig auch unsere Sicherheit beeinträchtigen wird; dann nämlich, wenn Afghanistan wieder ein sicherer Rückzugsort für islamistische Terroristen aus aller Welt wird, die in aller Ruhe Anschläge planen und durchführen, Pakistan destabilisieren und (so oder anderweitig) vielleicht sogar an Massenvernichtungswaffen kommen können, was dann?
Aber gut, Trump macht Wahlkampf...

Die Taliban konnten und können nur deshalb in Afghanistan so erfolgreich sein, weil sie in Pakistan ein Rückzugsgebiet haben, wo sie sich nur vor US-Drohnen fürchten müssen, sicher nicht vor Pakistanischen Bodentruppen. Warum Pakistan so handelt? Da kann es viele Gründe geben, bis hin zu einem chinesischen Stellvertreterkrieg. Von Berlin ist bei diesem Thema nichts zu hören. Man versteht sich da nur als Zuarbeiter der USA, wie bei vielen anderen Gelegenheiten auch. Keine Ahnung ob das eine gute Strategie ist. Für ein Exportland vielleicht.

selbstverständlich muss Terrorismus weltweit bekämpft werden das ist Konsenes. Al Kaida ist/war aber eine saudische Terrororganisation und es waren 99;9% Saudis unter der Leitung eines Saudischen Familienmitglieds (Bauunternehmer, Millionäre) dies sehr gute Geschäftsbeziehungen zu der Familie Bush pflegten, die den Terroranschlag verübten. Afghanen hatten mit dem Anschlag nichts zu tun und ein Land mit einem brutalen völkerrechtswidrigen Krieg zu überziehen, und das nur auf Verdacht! einen Terroristen zu beherben, ist genau genommen auch Terror. Übrigens werden unter anderem gerade auch Teile von Al Kaida in Idlib von wem auch immer! mit Waffen und Logistik versorgt denn da gehören sie zu den von uns gehätschelten "Aktivisten" die gegen die Regierung Assad kämpfen.
Dazu meinte Herr Röttgen man muss Russland und Assad, also die syrische Regierung, bei ihrem Eroberungsfeldzug in Idlib (syrisches Gebiet) stoppen. Bei soviel Unterstützung für Al Kaida und Konsorten ist man sprachlos.

Kai-Oliver Hügle | Fr, 13. März 2020 - 07:19

In reply to by Gast

Da ist sehr viel falsch in Ihrem Beitrag.
1) "al-Qaida war im Jahr 2001 keine homogene Organisation, sondern vor allem die Summe von Einzelgruppierungen, die meist landsmannschaftlich organisiert waren und eine innere Homogenität bewahrten, die Qaida als Gesamtorganisation fehlte. Die Ägypter waren eine dieser Einheiten; die saudi-arabischen Gefolgsleute Usama Bin Ladens stellten eine weitere Landsmannschaft, Rekruten aus Nordafrika stießen vor allem ab 1998 hinzu. Obwohl Qaida versuchte, die Differenzen zwischen den einzelnen Nationalitäten abzubauen, blieb ihr Integrationsgrad niedrig, und die Zusammenarbeit zwischen den Teilgruppen verlief keineswegs spannungsfrei. So kritisierten viele Mitglieder der al-Qaida noch bis 2010 die Dominanz der Ägypter in der Organisation."

https://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus/3637

2) Der Angriff auf das Taliban-Regime folgte einer EINSTIMMIG beschlossenen Resolution (1386) des UN-Sicherheitsrates und war damit nicht völkerrechtswidrig.

Juliana Keppelen | Fr, 13. März 2020 - 14:35

In reply to by Gast

eine "Saudische Terrororganisation". Ich habe mich vorwiegend auf den von ihnen erwähnten Terroranschlag in New York bezogen. Der war so bis jetzt bekannt von dem Saudier Osama bin Laden geplant und vorwiegend (also 99%) von saudischen Tätern ausgeführt. Ich persönlich halte diesen "Angriff" auf Afghanistan für einen Racheakt aus gekränkter Eitelkeit denn für die 3000 Opfer in New York mussten um ein vielfaches mehr Menschen in Afghanistan sterben.

RMPetersen | Di, 10. März 2020 - 17:53

Laut UN-Erlaubnis eben nicht, um "... das Leben derer zu verbessern, die von den Taliban unter die Burka und aus dem öffentlichen Leben gezwungen worden waren", sondern weil von Afghanistan aus Al Kaida die Angriffe auf die USA 9/11 koordniniert hat, es ging sozusagen um eine Polizeiaktion gegen die Angreifer, die von der afghanischen Regierung geschützt wurden.

Mit der Idee, einen "government change" daraus zu machen, die dann auch zum irakische Desaster geführt hat, verliessen die USA und ihre Verbündeten das Mandat der UN. Völkerrechtlich korrekt wäre gewesen, die Polizeiaktion zeitlich begrenzt zu lassen.

Nun haben die USA, Deutschland un die anderen Verbündeten die Erfahrung Russlands um 1970 und im 19. Jahrhundert der Briten wiederholt, dass Afghanistan nicht von aussen zu lenken ist. Dieser Staat ist nie ein Zentralstaat gewesen, sondern eine Region von verfeindeten Clans.

Welch eine Hybris, dem dortigen Volk westliche Demokratie überstülpen zu wollen!

Eckart Härter | Di, 10. März 2020 - 18:50

"Der Westen" hat und hatte in Afghanistan nichts zu suchen. Gesellschaftliche Veränderungen können nicht von ausländischem Militär erzwungen werden; sie müssen aus der eigenen Bevölkerung kommen, selbst wenn es 1000 Jahre dauert. Für die Frauen ist das Leben unter einem so Frauen verachtenden Regime wie den Taliban natürlich furchtbar, für viele sicher fast unerträglich. Deshalb sollten wir afghanische Frauen, denen es gelingt zu uns zu fliehen, mit herzlicher Willkommenskultur empfangen und ihnen jede Möglichkeit bieten, in Deutschland frei von Bevormundung zu leben. Diese Frauen sind ein wahres Beispiel dafür, für wen das Asylrecht gedacht ist - und wie absurd und schädlich sein hunderttausendfacher Missbrauch (durch überwiegend Männer).

Tomas Poth | Di, 10. März 2020 - 18:53

Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt!
Sie wurde weder dort, noch wird sie in allen anderen Regimechange-Einsätzen verteidigt!
54 unserer Soldaten ließen ihr Leben für diese Hybris.
Nichts gelernt sage ich, obwohl alle "Nie Wieder" schwatzen.
Die Quintessenz aus all diesen Einsätzen ist, wir destabilisieren unsere Gesellschaftsordnung mit den daraus folgenden Migrationsströmen.

absolut korrekter Beitrag !

Die BRD bzw. die deutsche Bundeswehr bzw. unsere Soldaten haben seit 18/19 Jahren vollkommen umsonst ihre Köpfe für ethische/kulturelle und sonst. "Unstimmigkeiten" hingehalten !

Abgesehen von den vielen vielen Euros, die diesen irre langen Einsatz bis dato gekostet hat (und wohl noch kosten wird) wurden ? europäische/deutsche Soldaten verwundet undoder sogar getötet ?
Und wofür

Dirk Weller | Di, 10. März 2020 - 19:16

Kurz und bündig :
Afghanistan ist ein Land das von seiner Bevölkerung und Kultur nun einmal völlig anders ist als die "westlichen Länder".
Demokratie in unserem Sinne wird es dort auch in 100 Jahren nicht geben. Der Westen muß das endlich akzeptieren. Mit einem "Aufgeben" hat das nichts zu tun.
Lasst Afghanistan einfach in Ruhe.

Alexander Mazurek | Di, 10. März 2020 - 19:17

… der Toten in pursuit of happiness and prey dort vielleicht nicht weiter steigen. "Der Westen" lernt nicht aus Fehlern: Dem britischen Imperium ist es nicht gelungen das Land zu knechten, auch nicht der Sowjetunion und nun auch nicht dem land of the free … Die Attentäter von 9/11 waren übrigens fast alle saudische, nicht afghanische Staatsbürger.

Christa Wallau | Di, 10. März 2020 - 19:37

War das Ergebnis den Einsatz von Menschenleben und Unsummen an Geld wert? Ist am Hindukusch "unsere" Freiheit verteidigt worden, wie der ehemalige Verteidigungminister Struck (SPD) vollmundig tönte?
N E I N ! Nichts von alledem.
Wir Deutschen hatten nie etwas dort zu suchen.

Der Zustand des Landes ist jetzt fast noch schlimmer als v o r dem Einmarsch der Amerikaner.
Den Frauen wurde eine Freiheit vorgegaukelt, die sie nun nicht erhalten werden, denn die eigentlichen Herrscher in diesem riesigen Land, die Clanchefs, werden einenTeufel tun, ihre Macht mit Frauen zu teilen.
Die Kultur dieses Landes war und ist eine andere als die westliche. Und wenn die Menschen in Afghanistan sie verändern wollen, dann müssen sie dies a l l e i n schaffen - mit eigenem Willen und eigener Kraft. Alles anders ist sinnlos.
Schon andere, zuletzt die Russen, haben sich an Afghanistan, diesem archaischen, unwirtlichen Bergland, die Zähne ausgebissen.
Warum will man nicht aus der Geschichte lernen?

Romuald Veselic | Di, 10. März 2020 - 19:43

kann den Deutschen so vorkommen, denn die eigentlich nichts leisteten, außer Alibi-Einsätze. Die gefallenen D-Soldaten tun mir leid.
Wenn jemand besiegt ist, braucht nicht bis ins Jahr 2021 die Zeit zum Abzug, sondern fluchtartig verschwindet. Siehe 2WK ab Stalingrad vorwärts.
Vor allem die Zivil Bevölkerung in Afghanistan ist besiegt worden. Denn es waren die Taliban, die die Buddha Statuen in Bamiyan-Tal 2012 in die Luft sprengten... Von daher, ist es ein zivilisatorischer Verlust, was die D-Friedensaktivisten nicht verhinderten. Wenn schon Absurd argumentieren, dann kann man dem genauso widersprechen.

Michael Hentsch | Di, 10. März 2020 - 20:32

ich lasse mir ja viel erzählen, aber eine Gallup Umfrage in diesem Land - wie soll das gehen - das ist dummes Gequatsche. Das ist die Projektion westlicher Wertvorstellung vom Selbstbestimmungsrecht der Frau auf ein tiefislamisches Land. Diese Vorstellung gibt es bei muslimischen Frauen um so weniger, je traditionalistischer der Islam der Gesellschaft ausgeprägt ist, in der sie aufgewachsen sind und leben. Das gegen den Willen der absolut Islamgläubigen Menschen in Afghanistan durchsetzen zu wollen hat unsere Soldaten das Leben gekostet - ein grausam sinnloser Tribut. Westliche Werte überall auf der Welt durchsetzen zu wollen ist nur kollonialer Größenwahn.

Bernhard Weber | Di, 10. März 2020 - 21:57

Welchen Krieg haben die USA überhaupt gewonnen, wenn man vom 2.Weltkrieg absieht, den die Sowjetunion auch allein siegreich beendet hätte.
Den Irak-Krieg - völkerrechtswidrig mit Lügen begründet - haben sie gewonnen. Ich denke aber, die "Angelegenheit" wird in einigen Jahren ebenso enden wie in Afghanistan.
Die USA lernen einfach nichts aus ihrer Geschichte und der anderer Länder.

Markus Michaelis | Di, 10. März 2020 - 23:19

Die Taliban und die von ihnen repräsentierten Bevölkerungsteile wollen die westliche Präsenz sicher nicht. Aber auch das andere Afghanistan (oder die Afghanistans, ich nehme an, auch dort gibt es verschiedene Richtungen) scheint mir keinen starken Drang zu haben Teil des Westens werden zu wollen oder sonstwie näher verbunden zu sein.

Ist das dann nicht ein konsequenter Schritt zu versuchen nicht dauerhaft in einem Land präsent zu sein, dass sicher in sich uneinig ist, wo es sicher Leid gibt, dass aber, so scheint es, in der klaren Mehrheit nicht näher mit dem Westen verwoben sein will.

Christoph Kuhlmann | Mi, 11. März 2020 - 09:24

In Afghanistan haben sich die Europäer seit Jahrhunderten die Zähne ausgebissen. Nun auch die Amerikaner. Das wuchtigste was die Regierung leisten muss, ist die Macht im Lande zu zentralisieren und kontrollieren. Dies hatten die Taliban fast erreicht, bis der Westen den Bürgerkrieg um weitere 19 Jahre verlängerte. Offenbar sind die Taliban erfolgreicher damit militärisches, kollektives Handeln einzusetzen als andere Gruppen. Das ist die ausschlaggebende Eigenschaft auf dem Weg zur Macht, in den Frühphasen der Zivilisation. So wurden und werden Reiche gebildet. Der Westen zieht sich zurück wie einst das alte Rom aus Germanien und hofft auf die Zwietracht der Barbaren. In beiden Fällen war die kriegerische Bevölkerung und die Topographie von entscheidender Bedeutung.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 11. März 2020 - 11:09

Wenn man sich solcher Begriffe bedient, dann ist Afghanistan jedenfalls noch nicht der Westen, wird jedenfalls nie Europa sein, es sei denn, dass alle Beschreibungen wegzufallen haben oder überflüssig werden.
Seit wann stellen die USA als nun wirklich globaler Player solche Bedingungen?
Die USA haben, gerade durch das Friedensabkommen mit den Taliban, Afghanistan dem Einflussbereich Russlands endgültig entzogen und sich selbst dort neben evtl. Türkei/Iran ff. etabliert.
Die USA sitzen jetzt dort fester verankert als je zuvor.
Wenn sie mit Taliban "können", wird sie erst recht kein Erdogan schrecken.
Ich halte eine turk(-stan)/arabische Union analog zu Europa, besser EU für sinnvoll.
Die EU könnte sich etwas beruhigen, wenn die Verhandlungen über eine Mitgliedschaft in der EU endgültig beendet werden, um neue Gespräche auf Augenhöhe zu beginnen mit einem der Leader einer aufstrebenden Region.
Nu?

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 13. März 2020 - 09:36

In reply to by Gast

Ich halte den "Orient-Express"-newsletter von Frau Gudrun Harrer bei standard-online für ein must have.
Ebenso wurde ich bei zeit-online vorstellig, um Abos einzelner Autoren zu ermöglichen.
Wir alle lesen wahrscheinlich sehr viel, ich jetzt nicht mehr soviel, aber was soll ich machen ohne Herrn Nass oder ohne Herrn Assheuer?
Ich bevorzuge optimal zugeschnittene Lösungen.

Armin Latell | Mi, 11. März 2020 - 11:20

wird in Gänze schwinden?
Angeblich schlummern dort große Mengen an Bodenschätzen. Es ist also kaum zu glauben, dass sich niemand dafür interessiert. Im Zweifelsfall vielleicht als nächste die Chinesen? Wenn, da bin ich sicher, werden sie intelligenter vorgehen. Ich will keinesfalls schadenfreudig sein, aber irgendwie haben sich die USA und der Westen das verdient. Fluchtursachen wurden keine bekämpft, im Gegenteil. Und es zeigt auch, wie sinnlos und volksverdummend Strucks Phrase „wir verteidigen unsere Freiheit am Hindukusch“ war. Und wie peinlich angepasst unsere Volksvertreter. Damals schon. Die Leidtragenden vom Abzug sind natürlich der weibl. Teil der Bevölkerung. Dass sie das Land verlassen möchten-bleibt wohl nur ein frommer Wunsch. Der „Westen“ sollte nicht überall versuchen, der gute Samariter zu sein, seine „Werte“ allen aufdrücken wollen. Andere haben andere Werte; so sollte man nur dafür sorgen, dass alle unter sich bleiben.

Armin Latell | Do, 12. März 2020 - 08:37

wird in Gänze schwinden?
Angeblich schlummern dort große Mengen an Bodenschätzen. Es ist also kaum zu glauben, dass sich niemand dafür interessiert. Im Zweifelsfall vielleicht als nächste die Chinesen? Wenn, da bin ich sicher, werden sie intelligenter vorgehen. Ich will keinesfalls schadenfreudig sein, aber irgendwie haben sich die USA und der Westen das (auf Kosten der Toten) verdient. Fluchtursachen wurden keine bekämpft, im Gegenteil. Und es zeigt auch, wie sinnlos und volksverdummend Strucks Phrase „wir verteidigen unsere Freiheit am Hindukusch“ war. Und wie peinlich angepasst unsere Volksvertreter. Damals schon. Die Leidtragenden vom Abzug sind natürlich der weibl. Teil der Bevölkerung. Dass sie das Land verlassen möchten-das bleibt wohl nur ein frommer Wunsch. Der „Westen“ sollte nicht überall versuchen, der "gute Samariter" sein, seine „Werte“ allen aufdrücken zu wollen. Andere haben andere Werte, so sollte man nur dafür sorgen, dass alle unter sich bleiben.

dieter schimanek | Fr, 13. März 2020 - 11:46

....kam vor 45 J. als politischer Flüchtling aus Afghanistan. Eigentlich wollte er zu seiner Schwester nach Australien, wurde dort aber sofort abgeschoben. Danach versuchte er es in England, er wurde umgehend abgeschoben. Deu. nahm ihn auf, da er rechtmäßig als Asylant eingestuft wurde. Die Verhältnisse in Afghanistan waren damals nicht anders als heute. Der nahe Osten ist seit einem halben Jahrhundert so wie er heute ist. Egal welche Nation das ändern wollte, es ging schief. Soviel zu dem Geschwätz zum Ursachen beseitigen.