US-Wahlkampf - E-Mails, Putin und ein neuer Fernsehsender

Die dritte US-Fernsehdebatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten endete mit einem Sieg für Hillary Clinton. Während Donald Trump Clinton als „nützliche Idiotin der Islamisten“ darzustellen versuchte, hielt sie ihm seine Nähe zu Putin vor

Hillary Clinton und Donald Trump beim gestrigen TV-Duell
Clinton zeigte sich schlagfertig wie nie, Trump spielte den Beleidigten / picture alliance

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Eva C. Schweitzer arbeitet als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen in New York und Berlin. Ihr neuestes Buch ist "Europa im Visier der USA"

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Eine Präsidentschaftsdebatte mit einem Cliffhanger, das ist neu. Werde Donald Trump es akzeptieren, falls er verlieren sollte, fragte Chris Wallace, Moderator der dritten Präsidentschaftsdebatte, die am Mittwochabend in Las Vegas stattfand. „Das überlege ich mir noch“, sagte Trump, und, auf die halb erstaunte, halb entsetzte Nachfrage des Fox-News-Anchors: „Ich mache es spannend bis zur Wahl.“

Denn diese Wahl, so spekulierte der Kandidat der Republikaner vor laufender Kamera, sei „rigged“, manipuliert. Daraufhin bemerkte Hillary Clinton, die demokratische Kandidatin, dass Trump offenbar alles für manipuliert halte, sogar die Emmys, den Fernsehpreis, den er für seine Reality-TV-Show „The Apprentice“ nicht bekommen habe. Darauf Trump, in beleidigtem Grundton: „Und den hätte ich auch bekommen sollen!“

Clinton stark wie nie

Die dritte Debatte drehte sich über weite Strecken um Immigration, Freihandel und Außenpolitik, aber auch um Abtreibung, Waffenrechte und die künftige Besetzung des Supreme Court, des obersten Verfassungsgerichts. Clinton war stark wie nie zuvor: auf den Punkt, energisch, überzeugend, und von einer Schlagfertigkeit, die man bisher nicht von ihr kannte. Damit gewann sie die Debatte, zuletzt murmelte Trump in sein Mikro, sie sei eine „gemeine, gemeine“ Frau.

Als Trump sein „wunderschönes Hotel“ in Las Vegas erwähnte, warf sie ein, das sei mit „chinesischem Importstahl“ erbaut. Als er die Clinton Foundation erwähnte, erwiderte sie, die Trump Stiftung habe bisher allenfalls ein lebensgroßes Bild ihres Gründers angekauft und einen Rechtsstreit um Trumps Club „Mar-A-Lago“ bezahlt. Sie habe für Frauenrechte gekämpft, während Trump die Miss Universe beleidigt habe. Und sie sei dabei gewesen, wie Osama bin Laden zur Strecke gebracht wurde, während Trump die Show „Celebrity Apprentice“ produziert habe. Sie warf Trump auch vor, eine Marionette von Russlands Präsident Wladimir Putin zu sein, dem er erlaube, in der amerikanischen Politik mitzumischen. Trump wiederum hielt Clinton vor, mit der von ihr ins Gespräch gebrachten „No-Fly-Zone“ in Syrien provoziere sie einen Krieg gegen die Russen.

Neue E-Mails gehackt

Während die Kandidaten im Fernsehen debattieren, läuft im Hintergrund weiter eine Schlammschlacht. Wikileaks-Aktivist Julian Assange, der seit Jahren in der ekuadorischen Botschaft in London festsitzt, hat in den vergangenen Tagen unzählige gehackte E-Mails veröffentlicht, vornehmlich von Clintons Kampagnenchef John Podesta, die die Kandidatin diskreditieren sollen. Den E-Mails zufolge versicherte Clinton etwa einer Runde von Goldman-Sachs-Bankern, sie trügen an der Bankenkrise von 2008 nicht so richtig Schuld. Sie verteidigte auch hinter verschlossenen Türen das transatlantische TTIP-Abkommen, von dem sie sich öffentlich distanziert hat und das Trump ablehnt. Sie schwärmte vor Bankern in Brasilien von einem gemeinsamen Markt mit offenen Grenzen und offenem Handel. Überhaupt: In diesen E-Mails spricht sie von einer privaten und einer öffentlichen Hillary, eben genau das, was ihre Gegner ihr immer vorwerfen zu sein.

Trump hingegen punktete bei seinen Fans mit seiner Mauer zu Mexiko und generell einer Politik der Isolation und Rückbesinnung auf Amerika. So kündigte er in der Debatte zum wiederholten Mal an, andere Länder, auch Deutschland, müssten mehr für ihre Verteidigung tun und den USA gegebenenfalls dafür mehr bezahlen. Doch auch über ihn steht in den Wikileaks-E-Mails wenig Schmeichelhaftes: Trump sei der Wunschkandidat des Clinton-Wahlkampfteams, weil man ihn am leichtesten schlagen könne, heißt es dort.

Clinton wurde diesen E-Mails zufolge auch darüber informiert, dass die Regierungen von Saudi-Arabien und Katar die Terrorgruppe IS unterstützten. Auch das hielt Trump ihr in der Debatte vor. Die USA hätten nie aus dem Irak abziehen und ihn den Islamisten überlassen sollen, auch wenn die Verträge noch unter George W. Bush ausgehandelt wurden. Nun breiteten sich Islamisten und iranische Kräfte im Irak aus. Kurz, Trump stellte Clinton als nützliche Idiotin der Islamisten dar, während sie Trump für ein Werkzeug Putins hält.

Medien üben Selbstkritik

Aber was denken die amerikanischen Wähler? Nate Silver, ein Statistiker, der sich bereits bei der vergangenen Wahl einen Namen gemacht hat, erklärte nach der Debatte in der Late Night Show mit Steven Colbert, Trump habe sieben Prozentpunkte verloren, insbesondere in traditionellen republikanischen Staaten wie Texas oder Arizona, wobei er in den wahlentscheidenden „Swing States“ wie Ohio oder Pennsylvania noch gute Chancen gegen Clinton habe. Allerdings lag Silver bei den Vorwahlen falsch, was Trump und seine Quoten betraf.

Neben der eigentlichen Debatte findet auch eine Mediendebatte über die Wahl statt, in der viel Selbstkritik geübt wird. Die amerikanischen Medien, die vor allem an den Küsten stark sind, haben den Siegeszug von Trump so wenig vorausgesehen wie die Statistiker. „Trump hat eben schneller gelogen, als wir factchecken konnten“, sagt Todd Gitlin von der Columbia School of Journalism, die kurz vor der Fernsehdebatte eine Diskussion veranstaltet hat. Liz Spayd, Betriebskritikerin der New York Times, die ebenfalls auf dem Podium saß, fand gar, die „Eliten der Küsten“ hätten total versagt. Sie hätten die Bedürfnisse der Menschen auf dem Land, den „Flyover States“, nicht wahrgenommen, sondern nur für die liberalen Ostküstenwähler geschrieben.

Das könnte mit Trump vielleicht anders werden. Nur Minuten nach der TV-Debatte ging er selber auf Sendung – auf Facebook. Er postete ein Video, in dem er erklärte, er wolle künftig eine Alternative zu den „Sendeanstalten des Mainstream“ bieten. Wer dessen Vorurteile und pro-Clinton-Gehabe ebenfalls satt habe, solle sich bei Trump einklinken. Gutes Reality TV wird es allemal sein.

Arndt Reichstätter | Do, 20. Oktober 2016 - 12:18

Am Ende werden nur die tatsächlichen Stimmen bei der Wahl zählen, und nicht die ersten Umfragen nach einer TV Debatte.

Trump fährt eine genau ausgefeilte Überzeugungsstrategie, die der Propaganda seiner Gegner entgegenwirkt. Von diesen wird er als aggressiv und gefährlich dargestellt. Dementsprechend ist Trumps Ziel, freundlich und harmlos zu wirken. Selbst wenn er damit oberflächlich die Debatte "verliert", kann es durchaus sein, dass er damit Wechselwähler langfristig beeinflusst.

Schade übrigens, dass die Autorin nicht einige der - von den fleißigen alternativen Medien aufgearbeiteten - Fakten für Wahlbetrug nennt. Was derzeit, abseits der linksideologischen Klatschpresse, veröffentlicht wird, ist haarsträubend.

Clara Schwarze | Do, 20. Oktober 2016 - 12:47

Dieser Begriff ist schon deswegen vollkommen blödsinnig, weil Politik kein Quiz ist. Es geht nicht um oberflächliches Faktenwissen, sondern um die Einschätzung einer Gesamtsituation und dann auch darum, ob man die Sichtweise und die Ziele und Interessen eines Politikers teilt.
Objektive Kriterien, die diese oder eine andere Politik "alternativlos" machen, gibt es fast nie.
Auch hat die Presse wohl eher das Problem, dass sie so rührend parteiisch ist, dass sie niemand ernst nimmt. Das soll jetzt nicht heißen, Trump ist toll.

Walter Wust | Do, 20. Oktober 2016 - 13:44

Es ist zwar eine amerikanische Wahl, aber sie wird leider die ganze Welt verändern. Mit Clinton wird der Anfang vom Ende eingeläutet. Die Saudi's üben mittlerweile schon mal Expansion. In Europa gibt es Niemanden, der genug Format und Intelligenz besitzt, gegen diesen Kriegstreiberhaufen anzutreten. Im Gegenteil, der deutsche Michel kann es schon jetzt kaum erwarten, der Welt seine neue Seele zu offerieren. Na gut, wir können unsere gefallenen Helden inzwischen ja mit neudeutschen Nachwuchsimporten ausgleichen.
Wir schaffen Das.

Ernst Laub | Do, 20. Oktober 2016 - 15:33

Wem würden sich Frau Merkel und die andern europäischen Politikdarsteller am besten und am liebsten unterordnen?

Ulrich Bohl | Do, 20. Oktober 2016 - 16:04

Warum übernimmt die Autorin das Wort
Fernsehdebatte für Klamauk auf niedrigstem Niveau. Vor beiden Kandidaten kann einem Angst und Bange werden. In treuer Ergebenheit werden
wir solche Zumutungen auch bald in Deutsch-
land erleben.
Die zukünftige US-Politik wird wohl von dem
geprägt sein was HRC am besten kann.
Regime Change mit anschließendem Chaos.
In einem Artikel der FAZ wurde ein wesentlicher
weiterer Teil ihrer Lebensleistung wie folgt be-
schrieben. "Ihre Lebensleistung besteht darin, dass es nun nicht mehr fast nur Republikaner sind, die sich auf Politik als private Bereicherungsmöglichkeit verstehen."
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/warum-hillary-clinton-ke…
In Goethes Faust heißt es"Heinrich! Mir grauts vor dir."

ingid dietz | Do, 20. Oktober 2016 - 16:31

Zwei alte "Alpha"-Tierchen auf der Bühne - sehenswert !
Warum tuen sich die "alten" Leute das an ?
Langeweile ? Kein erfülltes Eigenleben als Rentner/in ? Ist "Macht" wirklich so begehrenswert ?

Heinrich Jäger | Do, 20. Oktober 2016 - 17:49

und Merkel ,diese beiden furchtbaren Weiber werden uns in einen Krieg mit Russland führen, das ist meine Befürchtung.

Carola Schmidt | Do, 20. Oktober 2016 - 19:32

Richtig, stimme Ihnen zu. Aber wir scheinen wirklich in einem "postfakischen" Zeitalter zu leben (wer hat eigentlich diesen Begriff kreiert und die Diskussion geworfen...?). Was jetzt ebenfalls nicht heißen soll, dass ich Herrn Trump "toll" fände. Solche Typen bieten sich halt regelrecht an, selbst mal die "Contenance" zu verlieren.

Frank Goller | Fr, 21. Oktober 2016 - 11:05

Wer gestern WDR Monitor geschaut hat, sollte sich überlegen ob Clinton die richtige Wahl ist.

Willi Mathes | Fr, 21. Oktober 2016 - 13:17

Ein weiteres fragwürdige Pamphlet aus der linken,
besserwisserischen " Mainstreampresse "

Goog luck for Trump !

Freundliche Grüsse

Silas Loy | Fr, 21. Oktober 2016 - 13:54

Nachdem bekannt worden ist, wie diese Frau abseits ihrer öffentlichen Äußerungen wirklich tickt, nachdem ihre Mails veröffentlicht wurden ("Wir kamen, wir sahen, sie starben" usw.) ist sie für keine(n) anständige(n) Amerikaner bzw. Amerikanerin mehr wählbar.

Das kann sie gerne weiter dummdreist Wohlfühlsprechblasen für Zielgruppen produzieren und ihr abstossendes Honigkuchengrinsen aufsetzen, sie ist durchschaut.

Clinton ist gnadenlos ehrgeizig und machtgeil, sie geht über Leichen (Snowden würde sie gerne "wegdrohnen"), sie ist eine Karrierepolitikerin, die im Windschatten ihres Mannes in die Politik eingestiegen ist und nun abräumen will, obwohl sie selber nicht viel mehr vorzuweisen hat als einen Haufen politischer Irrtümer und Fehlleitungen.

Trump hat das alles an sich ablaufen lassen. Recht hat er mit der "nasty woman", der Mann sieht klar. Und dass er nur angetreten ist, weil er sich Sorgen um das Land macht, ist glaubwürdig und macht hier den Hauptunterschied aus.

Jürgen Gabriel | Fr, 21. Oktober 2016 - 15:20

Wer sich die Berichterstattung in Deutschland ansieht, bekommt ein Ungleichgewicht. Was hat Trump gesagt, wie hat er es gemeint (selbst bei klaren Ansagen) und wie schlecht kam es an.
In der ARD behauptete eine Dame eines Thinktank, man habe "Kleinigkeiten" zu Skandalen aufgeblasen - gemeint ist die Benghazi-Affäre, die eMail-Affäre, die unsauberen Beziehungen zu Saudi-Arabien und zur Wall Street, gesundheitliche Probleme bis zur Ohnmacht sowie die Vergewaltigungen durch ihren Mann und ihre Einschüchterung. Jeder dieser Skandale hat Entsprechungen und hat IMMER Haft oder Karriereende zur Folge gehabt - nicht aber bei Clinton.
Dazu kommt eine Reihe von Beobachtungen, die in der Tat Wahlbetrug bedeuten könnten.
Trump abzulehnen oder zu kritisieren ist verständlich und notwendig. Clinton als Heilige und vernünftige Wahl darzustellen erschließt sich dann aber nicht.
Wo ist die kritische Berichterstattung in unserem Land geblieben?

Jürgen Lehmann | Sa, 22. Oktober 2016 - 18:08

Bei Diskussionen mit US-Amerikanern erwähnten diese, dass beide Kandidaten unbeliebt sind.
Da es jedoch keine anderen Bewerber dieses gibt, kann man nur der Wahl fernbleiben, oder eines dieser "Übel" ankreuzen.

Mir selbst wäre die Nähe von Trump zu Putin immer noch angenehmer als die extrem fanatische Clinton.

Bonga Rottanina | Sa, 22. Oktober 2016 - 18:16

recht hat, dann gute Nacht für die Welt und gilt diesmal der Spruch: Gott beschütze uns von Cyllary
und ihr Land---

Stefan Riedl | So, 23. Oktober 2016 - 10:54

In acht Jahren Präsidentschaft einer Partei verlor diese im Mittel etwa fünf Prozentpunkte - die andere Partei gewann entsprechend. Das ergäbe 51 Prozent für die Republikaner und 48 Prozent für die Demokraten. Zwar ist Trump sehr unbeliebt. Aber Clinton auch.

In der Vergangenheit gab es bereits eine Wahl, bei der die Kandidaten von Demokraten und Republikanern sehr unbeliebt waren - 1980. Im Oktober und November dieses Jahres gab es lediglich eine Umfrage, nach der nicht Carter (der sogar darin um drei Prozentpunkte überschätzt wurde) führte. Tatsächlich kam es zu einem Erdrutschsieg Reagans (der um vier Prozentpunkte unterschätzt wurde). In den Umfragen steht Clinton momentan schlechter da als einst Carter.

Es erstaunt sehr, dass - außer in der Welt am Sonntag, die schon im August den Wahlsieg Trumps prognostizierte - in deutschen Medien nur die Umfragen auftauchen, nach denen Clinton führt oder Trump Verluste hinnehmen muss. Auf Wikipedia findet man dagegen alle Umfragen.

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