US-Wahlen und Wirtschaft - Ohne Corona stünde Trump schon längst als Sieger fest

Falls US-Präsident Donald Trump die Wahl doch noch gewinnen sollte, verdankt er das dem Wirtschaftswachstum seines Landes. Doch auch im Fall seiner Niederlage müssten sich die Amerikaner auf einen erheblichen Wohlstandsverlust einrichten.

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Kann damit punkten, dass er die Wirtschaft angekurbelt hat: US-Präsident Donald Trump / dpa

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war er bei der Boston Consulting Group (BCG). Sein neues Buch heißt Coronomics - Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise.

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Die Verlierer der letzten Nacht stehen bereits fest: Zum zweiten Mal haben sich die Meinungsforschungsinstitute vertan. Der von vielen sicher geglaubte Sieg Joe Bidens und die „blaue Welle“, also auch die Eroberung des Senats durch die Demokraten, stellen sich als Irrtum, als enttäuschte Hoffnung heraus. 

Dabei ist es bei genauerem Hinsehen vielleicht nicht so überraschend, dass Donald Trump eine realistische Chance hat, die Wahlen doch noch zu gewinnen. Ohne Corona stünde er schon seit Stunden als eindeutiger und klarer Wahlsieger fest. Corona hat die sichere Wiederwahl gefährdet, und wenn Joe Biden sich letztlich doch durchsetzt, ist dies dem schlechten Krisenmanagement Trumps geschuldet.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 4. November 2020 - 16:05

wie ich einfach davon ausging, dass Tote in den USA zwar schon gezählt und beklagt werden, aber dass der american way of life den möglichen Tod einpreist.
In der Tat hätte ich abgesehen von Corona mit einem überwältigenden Sieg Trumps gerechnet, mit Corona immerhin noch mit einem knappen.
und ich hätte auch gedacht, dass gerade konservative Wähler auf ihre Gesundheit bedacht, diesmal per Briefwahl abstimmen würden.
Nun gut, die Meinungsumfragen mögen daneben gelegen haben, aber sie lagen dann doch richtiger als ich.
Hauptsache, dass eine demokratische Wahl auch friedlich zuende geht.

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 4. November 2020 - 16:23

Endlich etwas nachvollziehbares zum Börsengeschehen. Dass Trump gut für die Wirtschaft und vor allem für die Arbeiter war, kann ich nachvollziehen.
In unserem Land erzählen uns Politiker und Medien, wir könnten Leben retten und uns die diversen Lockdowns ohne Wohlstandverluste leisten, weil der „New Green Deal“ der EU bei uns massenweise neue Arbeitsplätze entstehen lassen würde. Die hierfür notwendigen Investitionen werden uns genauso verschwiegen wie die Information, auf welchen Feldern denn die deutsche Wissenschaft Ideen für eine Umsetzung hat. Innovation wird derzeit von der „Staatswirtschaft“ gelenkt und die geplante „Vermögenssteuer für Reiche“ zur Schuldentilgung lässt die Millionen von neuen Arbeitsplätzen (für einfache Arbeiter!) in anderen Regionen entstehen.
Es ist wie in jeder staatlich gelenkten Wirtschaft: Die Politiker haben keine Ahnung von davon, bestimmen aber den Kurs. Aus Ideologie werden gute Industrie-Arbeitsplätze vernichtet. China wird es uns danken.

Heidemarie Heim | Mi, 4. November 2020 - 17:03

Danke werter Herr Stelter! Es tut momentan gut und wie ich glaube auch not, die Geschehnisse so emotionslos wie möglich zu betrachten. Denn es ist so ob es uns gefällt oder nicht, wie Sie es beschreiben. Die einfachen wie die besser gestellten Leute haben ihr eigenes Wertesystem bzw. Ansichten was ihr aktuelles Leben betrifft. Und die meisten können glaube ich ganz gut abwägen auch durch Vergleich, wer von den Kandidaten ihnen mehr nützt um ihren Status quo zu halten und wer ihn eventuell gefährden könnte aus eigener Sicht. Bei oder unter welcher Regierung behalte ich meinen Job ( bei Bidens Aussage z.B. in der Öl-Industrie), mein Recht auf Bewaffnung usw.
Mithin Dinge und Gedanken, die uns hier nach wie vor entweder fremd sind, oder die man uns wahren Demokraten;)hier mit Hinweis auf nicht korrekt erscheinenden nationalen Egoismus, Überpatriotismus usw. meint austreiben zu müssen. Als wenn wir, wenn es knallhart kommt die Demokratie heldenhaft über das eigene Überleben stellen würden!

Christa Wallau | Mi, 4. November 2020 - 17:14

... haben Sie mit Ihrem Artikel geliefert.
Danke, lieber Herr Stelter.

Ja, wieder einmal lagen die meisten Prognose-Gurus falsch. Ihre Wünsche waren dabei - wie so oft - die Väter ihrer Gedanken.
Wenn Corona nicht gekommen wäre, stünde Trump zweifelsfrei längst als Sieger fest. Das wird zur Zeit überdeutlich.

Auch Ihre allgemeine Zukunftsperspektive teile ich.
Ob in den USA oder in Europa - jetzt ist nicht die
Zeit für große ökologische Umbau-Programme.
Nach den drastischen Einbrüchen in der Wirtschaft muß jede Regierung sich zunächst mit dem Dringendsten beschäftigen:
Wie kommen wir rasch wieder auf die Beine?
Wie "verkaufen" wir den Bürgern die Wohlstandsverluste, die sie "schlucken" müssen?
Wie bezahlen wir die immensen Schulden zurück, die wir gemacht haben?
Die ersten Pläne dafür liegen in DE auf dem Tisch:
Abschöpfung bei den Super-Reichen, damit die "kleinen Leute" ihre Verluste geduldiger hinnehmen.

Es ist aus mit "Lustig".

Ohne Corona hätte Trump die Wahl gewonnen?
Wie komen Sie zu der These?
Es gibt keine einzige Umfrage im letzten Jahr, auch vor Corona, in der Trump vorne lag.
Es haben noch nie soviel Wähler die Republikaner gewählt als dieses Jahr. Das heisst es wurden in sehr hohem Maße die eigenen Wähler mobilisiert.
Es gibt eine Umfrage über wichtige Wahlthemen, laut dieser war für mehr als 80% der Trump Wähler das Thema Corona ziemlich egal.
Unabhängig, dass Aussagen nach dem Sprichwort "hätte, hätte, Fahrradkette." wenig weiterbringen, ist eine These, dass es eine hohe Anzahl von Wechselwähler in der Mitte gibt, die erst jüngst das Lager gewechselt haben, bei allem Verlaub völlig aus der Luft gegriffen und ggf. mehr Wunschdenken.
Fakt ist, es gibt ein hochzerstrittenes Land, wo die Wählerschaften sehr polarisiert sind. Jede Partei hat eine Rekordzahl von Wähler mobilisiert, und die Demokraten absolut eben 3 Mio mehr. Ob es für einen Sieg reicht, wird man sehen.

als wäre das Auftreten von Corona eine politische Entscheidung.

Regieren ist eben weit mehr, als der Versuch, wirtschaftliche Betätigung zu stimulieren und Arbeitsplätze zu schaffen.
Es ist wohl richtig: Ohne Corona, und ohne sein narzisstisch-pathologisches, oftmals aggressives Auftreten hätte Trump möglicherweise bereits eine Mehrheit sicher. Auch wenn die Reaktivierung von Kohle und Stahl nicht nachhaltig ist und höchstens kurzzeitig Jobs schafft. Denn im Grunde hat Trump den Menschen besonders im sogenannten Rostgürtel eine Rückkehr zu vergangenen Wohlstandszeiten versprochen. Was selbstverständlich unrealistisch ist.
Davon abgesehen war es Barak Obama, der die Grundlagen für den wirtschaftlichen Aufschwung schuf.
Was der amerikanische Wähler wohl aber durchaus fälschlicherweise Herrn Trump gutscheiben würde.

Michaela 29 Diederichs | Mi, 4. November 2020 - 23:11

Wieder einmal ein unaufgeregter und sehr guter Beitrag. Dankeschön Herr Stelter.

Gisela Fimiani | Do, 5. November 2020 - 12:10

Ein realistischer Beitrag, der zeigt, dass es bei Weitem nicht nur um die Person Donald Trump geht. Da aber das Schauen hinter die Kulissen zu aufwändig ist, wird sich in wohlfeiler Manier an Trump abgearbeitet. Wie schade um den aufklärenden, sachlichen Journalismus.

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