US-Wahl - Die beschränkte Weltsicht der Hillary Clinton

Einer der bekanntesten geopolitischen Analysten Amerikas, George Friedman, ist sich sicher: Die größte Herausforderung einer US-Präsidentin Hillary Clinton bestünde darin, sich strategisch neu auszurichten. Doch dies wird ihr schwerfallen. Der Grund liegt in den Wurzeln ihrer Außenpolitik

Hillary Clinton am Rednerpult.
Hillary Clintons Interventionismus ist geprägt von der Regierungszeit ihres Mannes / picture alliance

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George Friedman ist einer der bekanntesten geopolitischen Analysten in den Vereinigten Staaten. Der 67 Jahre alte Politologe leitet den von ihm gegründeten Publikation Geopolitical Futures und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Flashpoints – Pulverfass Europa“ im Plassen-Verlag.

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In dieser Wahl kann alles passieren. Doch im Moment scheint es, als würde Hillary Clinton die nächste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Doch wie würde ihre Außenpolitik aussehen, wenn sie gewinnt? Es ist offenbar eine spannende Frage. Gerade ausländische Diplomaten, mit denen ich gesprochen habe, beschäftigen sich geradezu obsessiv damit.

Um die Außenpolitik von Hillary Clinton zu verstehen, muss man die Evolution der amerikanischen Strategie seit dem Untergang der Sowjetunion nachvollziehen. Clinton ist ein Geschöpf der Glaubenssätze, der Werte und der Illusionen, die die amerikanische Außenpolitik von 1991 bis 2008 prägten. Sie präsentiert so den amerikanischen und globalen Konsens nach dem Kalten Krieg.

Große Kriege können nur Koalitionen gewinnen

Nach dem Untergang der Sowjetunion 1991 wurde allgemein angenommen, dass wir die Welt des Krieges, des beinahe-Krieges und des Misstrauens hinter uns hatten. Eine ähnliche Annahme beherrschte den Diskurs jedes Mal nach dem Ende eines globalen Konflikts. Nachdem Napoleon besiegt worden war, trafen sich die siegreichen Mächte im Wiener Kongress und beschlossen zwei Dinge. Erstens, dass die siegreiche Anti-Napoleon-Koalition weiter bestehen und den Frieden verwalten würde. Zweitens, dass es keine fundamentalen Unterschiede zwischen den Partnern geben sollte. Dieselben Prämissen wurden nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Völkerbund angesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die Vereinten Nationen, in dessen Sicherheitsrat die siegreichen Nationen sich als ständige Mitglieder einrichteten.

Große Kriege werden von Koalitionen gewonnen und nicht von einzelnen Staaten. Doch es ist eine Illusion zu glauben, dass die gemeinsamen Interessen der Staaten während des Krieges auch während der Verwaltung des Friedens bestehen bleiben. Dass führende Staaten neue Herausforderer klein halten werden, und nur die Disziplin im System erhalten werden muss. Dass der Krieg obsolet und unnötig wird, und es nur noch darum geht, die wirtschaftlichen Segnungen, die der Sieg mit sich bringt, zu genießen. Diese Zeit der beruhigenden Selbsttäuschung kann Jahrzehnte anhalten, wie nach den napoleonischen Kriegen, oder nur ein paar Monate, wie nach dem Zweiten Weltkrieg.

Genau das passierte nach dem Ende des Kalten Krieges. Die Vereinigten Staaten und ihr Präsident George Bush Senior gingen im Allgemeinen davon aus, dass die siegreiche Koalition und die Institutionen, die während des Kalten Krieges gegründet wurden, den Frieden regieren würden. Mithilfe der Nato, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und anderen Institutionen würde die antisowjetische Koalition einen immerwährenden Frieden erschaffen, und die Weltgeschichte hätte ihr Happy End gefunden.

Bill Clintons blinder Fleck

Es gab nur zwei bevorstehende Aufgaben. Die erste war, das zerbrochene Sowjetreich in das westliche Sicherheits- und Wirtschaftssystem zu integrieren. Die zweite war, widerspenstige kleine Nationen zu bändigen. Als der Irak in Kuwait einfiel, führten die USA eine große Auswahl von Nationen ins Feld, um Saddam Hussein zu bestrafen, darunter auch einige frühere Sowjetstaaten. Die USA machten dies ohne Rücksicht auf die Reaktion Russlands oder Chinas. Das konnten sie, weil sie eine globale Koalition dominierten, die geschlossen auftrat und sich mit unbedeutenden Quälgeistern wie dem Irak gemeinsam auseinandersetzen würde.

In dieser Welt kam Bill Clinton in den USA an die Macht. Seine Regierung schätzte die von seinem Vorgänger Bush Senior gefertigte Welt als permanent ein und fokussierte sich darauf, die globale wirtschaftliche und soziale Integration zu fördern. Sie weitete die Institutionen des Kalten Krieges aus und mischte sich militärisch nur sporadisch ein. Und zwar fast nur dann, wenn es um humanitäre Zwecke ging, die der Führung der Koalition entsprachen. Diese waren die einzigen wirklichen Gründe, um in dieser Zeit überhaupt über ein Heer zu verfügen.

Bush Senior hatte damit 1992 in Somalia angefangen, wo die Interessen der USA minimal waren, aber internes Chaos Hunger verursacht hatte. Bill Clinton übernahm diese Haltung, indem er Kräfte nach Haiti entsandte, um eine einzigartig widerliche Regierung abzusetzen, und nach Liberia. Er ließ Bomben auf den Irak werfen in der Operation Desert Fox, damit dieser keine Atomwaffen entwickeln würde, führte Krieg gegen Serbien, um einen Massenmord im Kosovo zu verhindern. Und als eine Gruppe namens Al-Kaida US-Botschaften in Ostafrika und den Flugzeugträger USS Cole angriff, antwortete Clinton mit Vergeltungsangriffen von zweifelhafter Effektivität.

Wirtschaftswachstum dominierte alles

Die Sichtweise der Regierung Clinton war, dass sie eine weltweite Koalition anführte, um einen globalen Konsens zu erreichen. Keine der genannten Angelegenheiten borgen große Gefahren, aber mit jeder musste man sich auseinandersetzen. Kleine Quälgeister könnten mehr Aufmerksamkeit erfordern, aber mit begrenztem Aufwand kontrolliert werden.

Das waren Nebensächlichkeiten. Das große Thema war, das globale Wirtschaftswachstum zu stärken. Die neunziger Jahre waren eine Zeit der groß angelegten Entwicklung. Es wurde vorausgesetzt, dass eine Ausweitung des Handels und internationale Investitionen das Wachstum sicherstellen und so eine friedliche und florierende Welt erschaffen würden. Also war das größte Interesse der Regierung Clinton, die internationale Wirtschaft zu formen. Dies war das strategische Anliegen des gesamten Jahrzehnts. Alles andere war zweitrangig.

Al-Kaida wurde von der Clinton-Regierung nicht als große Gefahr eingeschätzt. Vielmehr als ein weiterer Quälgeist, eine Gruppe Terroristen, die zwar Probleme verursachen, aber nicht den Lauf der Geschichte verändern könnten. Russland wurde als abgeschlossene Angelegenheit eingeschätzt. Obwohl das Land ein katastrophales Jahrzehnt hinter sich hatte, glaubte die Clinton-Regierung, dass Russland nicht zu einem strategischen Gegner heranreifen, sondern sich mit seiner Rolle einer liberalen Demokratie abfinden würde. Und in Sachen China würde die erweiterte globale Integration des Landes seinen Wohlstand steigern, und dieser Wohlstand würde die Liberalisierung vorantreiben.

Die Gefahr von Al-Kaida unterschätzt

Dahinter steckten drei zentrale Glaubenssätze. Erstens, dass wir eine Ära erlebten, in der das globale Wirtschaftswachstum nicht zum Erliegen kommen würde. Zweitens, dass Wirtschaftswachstum den Liberalismus fördern würde. Und drittens, dass der Liberalismus der Grundstein wäre für internationale Harmonie, die niemand stören würde. Aus diesem Grund, wurde der Aufstieg von Al-Kaida nicht als entscheidend angesehen, und es wurden keine extremen Maßnahmen getroffen, um die Gruppe zu zerstören.

Präsident George Bush Junior akzeptierte die Kernkonzepte hinter dieser Außenpolitik. Eigenartigerweise veränderte der 11.September 2001 die Grundlagen der amerikanischen nationalen Strategie nicht. So schockierend die Attacke war, der Kampf gegen Al-Kaida, auch wenn er ins Zentrum rückte, führte nicht zu einer veränderten Sichtweise darüber, wie die Welt funktionierte. Wirtschaftswachstum und Integration blieben im Zentrum. Der Kampf gegen Al-Kaida wurde zusammen mit einer Staatenkoalition geführt und konnte sogar mit dem Konzept von humanitären Interventionen in Einklang gebracht werden. Zwar wurde die Koalition immer angespannter, um es milde auszudrücken. Der Krieg intensivierte sich und die humanitäre Dimension kollidierte mit der Realität der Kriegsführung, aber der Glaube hielt stand, dass keine ebenbürtige Macht die Vereinigten Staaten bedrohte und dass die globale Integration nicht inkompatibel war mit einem sich ausweitenden Krieg in der Islamischen Welt.

Das Schlüsseljahr 2008

Es gab noch eine weitere Dimension. Humanismus und der Glaube an Koalitionen verursachten in den USA eine merkwürdige Haltung gegenüber ihren Alliierten. Die Verpflichtung zur liberalen Demokratie ging bei liberalen Humanisten genauso tief wie bei Neokonservativen. Beide würden dafür Kriege führen und beide würden von Alliierten verlangen, zu folgen. Also schrumpfte die Koalition, nicht weil Nationen sie verließen, sondern weil die Vereinigten Staaten sie hinauswarfen, obwohl sie als Alliierte gebraucht wurden. Aber sie entsprachen nicht den Erwartungen.

Viel davon löste sich im Jahr 2008 in Luft auf. Im August des Jahres begann Russland einen Krieg mit Georgien und machte so klar, dass es nicht den Platz in der Geschichte einnehmen würde, den die Amerikaner für Russland vorgesehen hatten. Im September kollabierte die Bank Lehman Brothers. Die Welt war nicht mehr das, was sie nach dem Kalten Krieg gewesen war. Die USA sahen sich mit fundamentalen politisch-militärischen Herausforderungen konfrontiert, die nicht existenziell aber ernst waren. Die Annahmen des immerwährenden Wohlstands wurden immer unsicherer, während sich die Seuche von 2008 in der Welt ausbreitete.

Die Annahme, dass China immer reicher, immer liberaler und desinteressiert an internationalen Konflikten bleiben würde, erwies sich als falsch. Zwei Rivalen mit neuem Selbstbewusstsein, Russland und China, bedrohten also das amerikanische Verständnis der Welt, während die USA sich im Irak und in Afghanistan aufrieben. Die Bedrohung aus der Islamischen Welt verbreitete sich und reichte von einer mächtigeren und selbstbewussteren Türkei über den Anspruch des sogenannten Islamischen Staates ein Kalifat zu errichten bis hin zu einer Wirtschaftskrise in Saudi-Arabien.

Humanistische Intervention wird zur Illusion

Man muss Hillary Clintons Unterstützung einer Intervention in Libyen in diesem Kontext sehen, denn es war der letzte Atemzug der Welt, wie man sie nach dem Kalten Krieg kannte. Muammar al-Gaddafi war ganz klar ein Verbrecher und es war gut möglich, dass er kurz davor war, ein Massaker anzurichten. Hillary Clinton war der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten und ihre Koalition die moralische Pflicht hatten, das zu verhindern. Es gab Theorien, wonach es dabei nur um Öl oder Uran oder etwas anderes ging. Diese stammten aus einer erodierten Welt.

Aber es war die Welt nach dem 11. September 2001, und ein korrupter Tyrann wäre vielleicht besser gewesen als das, was ihm folgte. Die Zerstörung des Gaddafi-Regimes brachte nicht die liberalen Kräfte an die Macht, sondern löste den Aufstieg sich bekämpfender Milizen und opportunistischer Dschihadisten aus. Die USA waren immer noch in der Lage, die bewaffneten Kräfte eines Feindes zu besiegen, aber „nation-building“, also die Erschaffung neuer Gesellschaften aus den Trümmern der alten, das konnten die USA nicht mehr leisten. Die humanistische Intervention hatte sich als Illusion herausgestellt. Das Leiden nach einem Eingriff war oft danach größer als davor. Und, am entscheidendsten: Wenn es an einem Kriegsschauplatz für die US-Truppen kritisch wurde, schwächte es sie auch an den anderen Schauplätzen. Und diesen Luxus konnten sich die USA angesichts des Wettkampfes mit russischen und chinesischen Einflüssen und Interessen nicht mehr erlauben.

Die Versäumnisse des Establishments

Hillary Clinton ist eine Interventionistin, aber ihr Interventionismus ist geprägt von der Regierungszeit ihres Ehemanns, als jeder Eingriff klar von dem anderen getrennt war, keiner mit regionalen Krisen verbunden war und keiner das globale Gleichgewicht beeinflusste. Libyen war das Ergebnis einerseits eines Glaubens an die humanitäre Intervention und andererseits einer Fehleinschätzung der amerikanischen Macht, Länder neu zu formen. Hillary Clintons Unterstützung des Eingriffs in Libyen liegt eine Weltsicht zugrunde, die nicht mehr existiert. Auf ähnliche Weise datiert ihr wirtschaftliches Verständnis der Welt von vor 2008. Es basiert auf der Annahme, dass die Wirtschaft und amerikanische Werte wichtiger sind als politische und militärische Dinge, und darauf, dass Wachstum und Integration Teil des selben Prozesses sind.

Wenn wir meinen, dass Hillary Clinton für das Establishment spricht, dann ist es nicht falsch, aber nicht ausreichend. Das Establishment, dem es von den frühen achtziger Jahren bis 2008 sehr gut ging, hat es versäumt, sich mit den neuen Realitäten zu arrangieren. Seine Ideologie, sein Geschäftsmodell und seine Erwartung, wie die Welt funktioniert, haben sich den Realitäten, die es selbst erschaffen hat, nicht anpassen können. Das ist nicht überraschend. So laufen die Dinge eben.

Hillary Clinton wird Disziplin und Beständigkeit zur Falle

Hillary Clinton macht den Eindruck, sie glaube immer noch, dass die Welt nach dem Kalten Krieg zwar zerrissen, aber heilbar ist. Genauso wie einige Menschen immer noch an den Wiener Kongress und an den Völkerbund glaubten, lange nachdem die Institutionen aufgehört hatten, eine wichtige Rolle zu spielen. Als Taktikerin geht das vielleicht, indem sie von Fall zu Fall anders vorgeht. Aber als Strategin sieht sie nicht ein, dass ein Strategiewechsel stattgefunden hat. Es ist schwer, eine Welt aufzugeben, die man für dauerhaft gehalten hat, auch wenn es diese Welt nicht mehr gibt. Und dies wird der schwierigste Teil ihrer Präsidentschaft sein. Dass sie diszipliniert und beständig ist, wird ihr zur Falle.

Um das Dilemma zu verstehen, hilft es, sich einen zähen Kalten Krieger vorzustellen, der in der Welt nach dem Kalten Krieg funktionieren muss, oder einen Versailles-Unterstützer, der mit Hitler und Stalin klarkommen muss. Sie hätten keinen Bezugspunkt. Die Herausforderung für Hillary Clinton wird sein, sich dieser Welt anzupassen, strategisch und in ihrer Seele. Die Realitäten haben sich verschoben. Donald Trump ist es nicht gelungen, die wichtigste Realität der Politik zu verstehen: Deine Feinde sind mindestens genauso hart und schonungslos wie du selbst. Die Prüfung für Hillary Clinton, falls sie gewinnt, wird sein, genau dies im weitesten möglichen Sinn zu verstehen.

Aus dem Englischen übersetzt von Constantin Wißmann  

Der Originaltext erschien auf der Internetseite des von George Friedman gegründeten Thinktank Geopolitical Futures

Stefan Schandera | Fr, 4. November 2016 - 16:30

Interessante These, die durchaus auch auf Teile der deutschen Politik Anwendung finden kann. Randbemerkung: Hinsichtlich des Georgien-Krieges 2008 kam die „Unabhängige EU-Untersuchungskommission zum Konflikt in Georgien“ zu dem Ergebnis, dass Georgien den Krieg begonnen hatte.

Sie haben hier eine sehr schönes Beispiel für propaganmdistische Darstellunsweise geleistet.

Also Sie haben hier auch die durch die EU aufgelistete Provokationen der angeblichen russischen Friedentruppen, die tagelang im Vorfeld in natürlich allerfriedlichster Absicht mit Artillerie auf georgische Territorien, übrigens von völkerrechtlich zu diesem Zeitpunkt unstrittigen georgischen Territorien geschossen haben. Im Übrigen wurden bis heute von russicher Seite vereinbahrte grundsätzliche Waffenstillstandbedingungen, wie der Rückzug auf die Linien vor dem Konflikt, wie den Rückzug der Kräfte auf den Status vor dem Konflikt etc nicht von Seiten Russlands erfüllt. Im Geteil wurde seit Abschluss des im Waffenstillstand vereinbahrten Rückzugs mehrfach weiteres Georgisches Territorium durch russiche Truppen besetzt und bis heute nicht wieder geräumt. Inzwischen lassen sich die russichen Grenzverschiebunge mit blossen Auge von der Autobahn Gori-Kutaissi für jeden vorbeifahrenden Sehen.

Vielen Dank für diese zusätzlichen Informationen. Mein Kommentar verstand sich als Ergänzung zum Artikel. Die Ergebnisse der EU-Untersuchungskommission sind sicherlich ebenso diskussionswürdig wie der Konflikt und seine Ursachen. Meine geneigten Mitleser bei Cicero sind in der Lage, sich ein ausgewogenes Urteil aus der Betrachtung verschiedener Perspektiven - auch zu diesem EU-Papier - zu verschaffen. Wenn Sie aufgrund des Verweises auf die Ergebnisses der EU-Kommission pro-russische Propaganda vermuten, dann schließen Sie das Ergebnis dieser Untersuchungskommission in Ihre Bewertung mit ein.

Arndt Reichstätter | Fr, 4. November 2016 - 16:31

Benjamin Netanyahu hat öffentlich gesagt, dass „die amerikansichen Geheimdienste einen Supercomputer besitzen, der jede Wahl fälschen kann.“ Ein Video namens „Fraction Magic“ zeigt erste Eindrücke und wird derzeit bei INFOWARS debattiert, die mittlerweile mehr Zuschauer als MSNBC haben. Wir wollen daher erstmal sehen, ob die Wahl überhaupt vom eigenen Volk akzeptiert wird.
http://www.haaretz.com/israel-news/1.750608

Es wäre mir neu, dass Clinton überhaupt noch eine Chance bei der Wahl hat. Ihre (seltenen) Veranstaltungen sind menschenleer, während Trump täglich vor Zehntausenden spricht. Kein einzigstens ihrer offiziellen YouTube-Vidoes hat überhaupt nur einen einzigen Kommentar. Und laut der heutigen L.A. Times liegt Trump 3,5% vorne.

Aus neo-imperialistischer Sicht, hat der Autor zwar Recht. Nicht aber aus reapolitischer, nachder die Amerikaner nicht Russland, sondern die eigene Regierung für am gefährlichsten und Bigfoot (30%) für glaubwürdiger als die NYTimes (20%) halten.

Markus Andel | Fr, 4. November 2016 - 17:10

Die Thesen des Autors sind leider nicht ganz richtig. Auf dem Wiener Kongress wurde zwar ein fester Frieden geschaffen, der Europa immerhin nahezu 100 Jahre, vor einem großen Krieg bewahrte. Der Grund hierfür, lag aber nicht in der Anti-Napoleon-Allianz, sondern in der Schaffung eines "gesichtswahrenden Friedens" bei dem Frankreich gleichberechtigt mit am Verhandlungstisch saß und nicht gedehmühtigt wurde. Dies war 1918 völlig anders. Die Folge: der 2.WK. Nach 1990 wurde wieder versäumt, ein Ausgleich zu schaffen. Vielmehr implodierte die Sowjetunion und dem Westen schien dies ganz recht zu sein. Auch war das Land unter Jelzin nie eine liberale Demokratie sondern ein Selbstbedienungsladen und ein Schatten seienr selbst. In diesen Jahren, wurden die oligarchischen Strukturen geschaffen, an denen das Land bis heute noch krankt.
Nun, eine Mitverantwortung Hillary Clinton`s, für den Libyeneinsatz ist sicher unumstritten.Jedoch spielte hier die Hautrolle wohl eher Sarkozy.

Marianne Bernstein | Fr, 4. November 2016 - 17:36

Allerdings sehe ich die Dinge agressiver. Die USA glaubten als alleinige Weltmacht nicht mehr auf irgendjemanden Rücksicht nehmen zu müssen und die Welt nach ihren Wünschen gestalten zu können.
Wo es Probleme gab und gibt werden sie nach altbewährtem Muster gelöst: Drohung, Wirtschaftssanktionen, Flugverbotszonen, direkte Angriffe, aber nie ein Kriegserklärung und am besten schickt man "Verbündete" vor, Regimewechsel und Wahl eines genehmen Führers.
Interessanterweise funktioniert das Schema aber nicht mehr. Die Stabilisierung des Landes nach dem regime change ist in den letzten 15 Jahren nie eingetreten, im Gegenteil, die Anarchie und Unberechenbarkeit hat zugenommen und wird selbst zum Risikofaktor, so als hätte man Benzin ins Feuer gegossen um es zu löschen.
An diesen Aktionen war Hillary Clinton als Außenministerin immer beteiligt. Deshalb halte ich sie für eine Gefahr für den Weltfrieden, da sie unbeirrt weiter machen wird.

Dimitri Gales | Fr, 4. November 2016 - 20:45

Mich erstaunt (und beunruhigt) immer wieder die Naivität, mit der Amerikaner aussenpolitische Problemkomplexe angehen. So glaubten sie anlässlich ihrer Intervention durch die Bush-Administration im Irak, dass die Bevölkerung dort die amerikanische Armee als Befreier freudig begrüssen werde, sowie in Deutschland 1945. Expansionismus ist im amerikanischen Sinn immer mit Wirtschaftsimperialismus verbunden. Das war auch nach dem 2. Weltkrieg der Fall: Deutschland wurde für längere Zeit so etwas wie ein US-amerikanischer Bundesstaat - immerhin besser als von der damaligen Sowjetunion zwangsbeherrscht.
Ich sehe in Clinton nichts Gutes. Sie wird die Konflikte wahrscheinlich anheizen und auch intern in den USA für wachsende Spannungen sorgen. Die Zukunft sieht nicht sehr ermutigend aus.

Robert Müller | Fr, 4. November 2016 - 23:51

Das scheint mir eine historische Erzählung zu sein, wie es auch etliche andere gibt. Die Frage ist immer wessen Erzählung sich durchsetzt und in die Geschichtsbücher Eingang finden. Eine solche Geschichte erzählt in der Regel mehr über den Geschichtenerzähler als über die Sache selber. Mehr gibt es darüber eigentlich nicht zu sagen.

Renate Brunner | Sa, 5. November 2016 - 07:37

Dieser Artikel ist wohl einzig und allein dem Umstand der Presse- und Meinungsfreiheit geschuldet, auf dieser Grundlage ist es selbstverständlich OK ihn zu Wort kommen zu lassen. Er und sein Institut werden sowohl Frau Clinton als auch - wenn notwendig - Trump im "Interesse" der USA Hegemonialansprüche gut beraten....
Bei YouTube gibt es etliche Reden von ihm zu hören, jeder kann sich dann seine Meinung über George Friedmann bilden.

Christina Fladda | Sa, 5. November 2016 - 09:44

" Muammar al-Gaddafi war ganz klar ein Verbrecher und es war gut möglich, dass er kurz davor war, ein Massaker anzurichten. Hillary Clinton war der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten und ihre Koalition die moralische Pflicht hatten, das zu verhindern."

Es genügt also, eine "Ansicht" über eine (selbst konstruierte)"Möglichkeit" zu haben, um ein Land zu zerstören,das den höchsten Wert im Human Development Index für ganz Afrika hatte. Daß dabei zig-Tausende nicht als "Möglichkeit", sondern als Tatsache massakriert und der Staatschef selbst bestialisch gelyncht wurden, wurde von H.C. fröhlich lachend in Kauf genommen. (iehe einschlägiges Video).

Das war "moralische Pflicht".

Reiner Jornitz | Sa, 5. November 2016 - 09:51

Die amerikanische Selbsteinschätzung der letzten 30 Jahren war geprägt von einer völligen Selbstüberschätzung trotz der amerikanischen Denkfabrik. Aber durch diesen Zynismus mussten 100000 de Menschen sterben bei Konflikten um das amerikanische Interessen ging. Deutschland hat bis heute keinen Friedensvertrag, vielleicht um die eventuellen Konflikte mit Russland auf Europäischen Boden austragen zu können. Dieselbe Frage steht im Raum! Warum wurde Russland in der Fase des Zusammenbruchs nicht in Europa integriert? Es entstehen immer mehr Konfliktherde in der Welt und müssen mit ansehen wie menschliche Werte des Zusammenlebens massakriert werden durch die jeweiligen Regierungen in USA und Deutschland. Man hat den Eindruck , es gäbe einen Schlussverkauf der Länder auf Werte , wie Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Freiheit. Wann hört die US amerikanische Manipulation Lust auf lässt die Länder sich frei entwickeln im Fähren Wettbewerb nicht wie TTip.

Ich möchte so wenig Putin, wie Erdogan in Europa haben. Uns lass dir gesagt sein, dass wir hier wissen, dass Putin seine bezahlten Schreiber hier Stimmung machen lässt. Die Russen lügen, wenn sie den Mund aufmachen, weshalb ich z.B. niemals etwas glaube, was prorussisch ist. Es ist auch eine Schande, dass hierzulande, sowohl die AFD, wie auch die SED-Nachfolgepartei Die Linke den Russen hinterher laufen. Russland ist und bleibt ein 3 Welt-Land mit Atomraketen. Dummheit stirbt aber bekanntlich nicht aus.

Sylvia Schramm | Mo, 7. November 2016 - 23:01

In reply to by Robert Müller

Ja, das sieht man!

Harro Meyer | Sa, 5. November 2016 - 12:25

Die USA sind ein Militärregime mit demokratischem Mantel und dem Anspruch, die ordnende Gewalt in dieser Welt zu werden. Ein Staat, der 600 Milliarden $ dem Militär zur Verfügung stellt, ohne seine sozialen Verwerfungen zu berücksichtigen, kann nicht anders, als seinen Einfluss zu erweitern. Das ist ein Naturgesetz: "Der Zentrifugal-Effekt"
Alles Andere dient nur der Ablenkung, auch der IS.

Bonga Rottanina | Sa, 5. November 2016 - 15:57

entschieden hatte, kann nichts gutes bedeuten.
Europa muß sich von solchen Machtgier fernhalten,
weil wir alles was wir nicht brauchen ist Krieg!
Ende der Sanktionen, denn unsere Zukunft liegt in Asien und nicht in Wseten. Keine westliche Macht mit oder ohne uns kann die Macht aus Asien unterordnen und gegen denen kämpfen oder handeln. Deshalb ist das dringend erforderlich unsere amerik. besessene Politik zu halten, denn das Volk wird einfach nicht mitmachen und dann gibt es Chaos, was durch Flüchtlis schon im Marsch ist. Europa befindet sich jetzt schon vor oder im Bürgerkrieg auch, wenn jetzt erst in Worten passiert, deshalb Achtung....

Max Hoffmann | Sa, 5. November 2016 - 18:35

"Die Herausforderung für Hillary Clinton wird sein, sich dieser Welt anzupassen, strategisch und in ihrer Seele." Welcher Seele?

Jens Berger | Mo, 7. November 2016 - 09:05

Mir ist nicht ganz klar, wer in dieser Welt das "Sagen hat" ! Politiker sind es auf jeden Fall nicht ! Und ob in den Geschichtsbüchern, Presse etc. die historische Wahrheit steht, wage ich mittlerweile auch zu bezweifeln. Sadam's Raketen sollte, laut Politiker bald in München einschlagen, nur hatte gar keine, unser Silvesterrakten hatten eine größere Reichweite. Und wo die Guten wirklich sind...........keine Ahnung ??? Ich habe noch geschätzte 50-60 +/- Jahre vor mir, hoffentlich geht das alles gut ;-)

Andreas Müller | Mo, 7. November 2016 - 10:02

"der Kampf gegen Al-Kaida"
Es ist so typisch für diese Art von Analysen, dass darin die Tatsache nie vorkommt, dass die USA islamistische Terrorbanden immer wieder auch unterstützen, wenn es ihnen in den Kram passt. So war es in Afghanistan, und so ist es auch in Syrien. Überall wird ein doppeltes Spiel gespielt und die Öffentlichkeit (vor allem: die eigene) darüber getäuscht.

Yvonne Walden | Mo, 7. November 2016 - 10:20

Wer der Kandidatin Clinton "eine beschränkte Weltsicht" vorhält, sollte sich zunächst einmal mit dem Konkurrenten Trump befassen.
Dieser Kandidat verfügt über keinerlei Weltsicht. Ihm sind die einfachsten geopolitischen Zusammenhänge fremd, wie in vielen seiner Aussagen deutlich wird.
Sollte Trump wirklich US-Präsident werden, könnte dies schlimmere Folgen haben als die vormalige Präsidentschaft des George W. Bush, der mit der CIA-Aktion "Nine Eleven" insbesondere die Welt in Nahost in Angst und Schrecken versetzt hat.
Sollte Trump also ebenso massiv mit der US-Rüstungsindustrie verbandelt sein, muß sich die Welt auf das Schlimmste gefaßt machen.

Ulrich Bohl | Mo, 7. November 2016 - 15:01

1. Die USS Cole war ein Zerstörer.
2. Den Krieg hat Georgien begonnen, Russland
hat eingegriffen.
3. Der Beitrag widerspiegelt ein rein ameri-kanisches Verständnis der Welt. So ist die Welt aber nicht und viele möchten diese Sicht nicht.
Das zu akzeptieren fällt amerikanischen Politikern
u. anderen in den USA schwer.
Es herrscht dort ein Sendungsbewußtsein vor
seine Vorstellungen von der Welt auf alle auszu-
dehnen. Das muß zu Konflikten führen.
Siehe: Henry Kissinger; Weltordnung S. 265
" Durchdrungen von der Überzeugung, dass sein
Kurs das Schicksal der Menschheit bestimmt, hat
Amerika im Verlauf seiner Geschichte eine ziemlich
paradoxe Rolle gespielt:Es dehnte sich im Namen
seiner "offenkundigen Bstimmung" über den nordamerikanischen Kontinent aus, schwor aber
jeder imperialistischen Absicht ab; es beeinflußte
die gewaltigsten Ereignisse, bestritt jedoch jedes
natinale Interesse."
Amerika ist überzeugt seine Prinzipien gelten universal und sind stets segensreich.

Bernd Rundfeder | Mo, 7. November 2016 - 15:39

ein US-Präsidentschaftskandidat als "Schauspieler" fast so "heruntergeschrieben" wurde wie heute Trump. Und trotzdem ist jener Ronald Reagen über seinen Schatten gesprungen und hat die historische Gelegenheit zur Beendigung des Kalten Krieges - entgegen seiner vorhergehenden Rhetorik - beherzt genutzt. Gorbatschow (mit dem ich vor etlichen Jahren über diese Zeit ein längeres Gespräch führen durfte) war Getriebener, der von uns geringgeschätzte Reagan (bei allen Fehlern) hingegen ein weitgehend frei entscheidender Akteur.

Hermann Geisbusch | Mo, 7. November 2016 - 18:21

Nachdem die Archive, in denen sie Akten der vergangenen 130 Jahre lagern, geöffnet wurden, haben sich viele Historiker ans Werk gemacht und die Dokumente ausgewertet. Daraus ergibt sich ganz klar: Es geht immer nur ums Geld der Anderen.
In der Sommerresidenz des ö. Kaisers wird eine Kopie der Kriegserklärung von 1914 gezeigt, die der Kaiser dort unterschrieben hat. Für E., F. und R. war klar, dass D. vernichtet werden musste. Der d. Kaiser hatte im Oktober 1916 den Gegnern Ds ein Friedensangebot gemacht, Rückzug auf den Status ante bellum. Das wurde abgelehnt, weil der Investor JP Morgan seine 2 x 2Mrd $ hätte abschreiben können. D. wurde total ausgeplündert. Die Ausplünderei ging auch nach dem WK2 weiter. Was wurde nicht alles geklaut, obwohl Plünderungen nach dem Haager Abkommen verboten waren. Und bei den von den Amerikanern vom Zaun gebrochenen Kriegen ging es auch nur ums Geschäft: Öl und Bodenschätze. Wetten, dass demnächst wieder ein Krieg vom Zaun gebrochen wird? Leider.

Alexander Wildenhoff | Di, 8. November 2016 - 08:06

Es ist interessant in geraffter Form den “american point of view” der strategischen Weltsicht seit 1990 zu lesen. Auch wenn ich es etwas anders sehe. Aber genau das scheint mir die Absicht von Cicero zu sein: Impuls-Denkanstoß -> wo ist unsere? Und damit meine ich sowohl die Deutsche Strategie als auch die Europa Strategie?
Und zwar jenseits des dümmlich Rumgelabers des EU-Spitzenduos Schulz & Juncker.
Vielleicht gelingt es Cicero den jeweiligen Sprecher eines Thinktanks in Russland und China ausfindig zu machen – und dann vergleichen.
Dann fallen auch die Sollbruchstellen besser auf.

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