Trump Venezuela
Protest gegen US-Aktion in Venezuela vor dem Weißen Haus; Präsident Donald Trump / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jose Luis Magana

US-Angriff auf Venezuela - „Es ist ein nackter Imperialismus – einer, der nicht mehr versucht, hinter den Kulissen zu arbeiten“

Die USA setzen in Venezuela auf militärische Gewalt – und verschleppen den sozialistischen Diktator Maduro. Für den Historiker Alan McPherson markiert dies eine Zeitenwende: Die USA kehren zu einem offenen Imperialismus zurück, sagt er im Interview.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur.

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Alan McPherson ist Spezialist für die Geschichte der Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika und unterrichtet allgemeine Themen der US-Außenpolitik und Weltgeschichte an der Temple University in Philadelphia. Er hat zwölf Bücher und Dutzende von Artikeln und Kapiteln veröffentlicht und war Fellow an der Harvard University sowie zweimal Fulbright-Stipendiat.

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Jens Böhme | Sa., 3. Januar 2026 - 19:28

Was die Trump-Regierung gerade durchzieht, ist ein Ritt auf den Messerschneiden der Republikanischen Partei.

Thorwald Franke | Sa., 3. Januar 2026 - 20:30

Der Herr Professor kann einpacken. Seine Analyse ist unzutreffend. Ich habe vergebens die Stelle gesucht, wo er sich für das venezolanische Volk freut, dass es nun wieder frei sein kann. Statt dessen der übliche Antiamerikanismus. Cicero wird sicher bald klügere Texte veröffentlichen.

A. Brand | So., 4. Januar 2026 - 18:15

Antwort auf von Thorwald Franke

Die Kritik aus der EU, Deutschland und vermutlich auch bei Herrn McPherson gründet in zwei Tatsachen: zum einen ist Maduro ein Linksextremer und damit einer der ihren, demnach ist er über jeden Zweifel erhaben, egal was er macht, er ist unantastbar! Zum anderen ist Trump ein Rechter, demnach ist alles was er macht und sagt falsch, egal was er macht und sagt.

Mit der Realität hat das alles nichts zu tun, ich habe mir den ARD-Brennpunkt gestern angesehen da sich Wilsberg leider verspätete. Das war mal wieder ernüchternd, lauter feiernde und US-Fahnen schwingende Menschen wurden gezeigt und die „Expertin“ der Friedrich-Ebert-Stiftung sagte, daß die Mehrheit der Venezolaner die Handlung der VSA nicht gutheißen würden. Und heute lese ich in diversen Artikeln, daß Millionen von Exilanten jetzt zurück nach Venezuala wollen.

Finde den Fehler!

Lisa W. | Sa., 3. Januar 2026 - 21:30

Imperialismus ist es, wenn einem Usurpator, einem Mörder, einem Ausbeuter, einem Drogenhändler und Terrorist endlich das Handwerk gelegt und er festgenommen wird?
Vielleicht sollte der Historiker Alan McPherson auch mal die juristische Argumentation von z.B. Joachim Steinhöfel (bei Nius) lesen, Maduros Verbrechen zur Kenntnis nehmen und in seiner Argumentation berücksichtigen. Die Freude über den Sturz dieses elenden Diktators überwiegt jedenfalls bei den Bürgern in Venezuela.

Volker Huber | Sa., 3. Januar 2026 - 21:31

was ist ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande." Dieser dem Heiligen Augustinus zugeschriebene Satz beschreibt die Situation doch trefflich, zumal die amerikanische Spezialaktion sich gar nicht erst hinter höheren Zielen versteckt, wie es ja auch im Interview zum Ausdruck kommt.
Wobei das Erdöl-Motiv noch der Klärung bedarf. Bei einem Weltmarktpreis von rund 60 Dollars/Barrel machte es ökonomisch doch wenig Sinn, noch mehr Öl in den Markt zu pumpen, zumal die nordamerikanischen Grenzanbieter dabei in Gefahr geraten. Die verborgenen russischen Kontingente allerdings auch.

Markus Michaelis | So., 4. Januar 2026 - 00:10

Ja, die genannten Aspekte sind richtig - aber es gibt auch andere. Es sagt sich leicht dahin, dass "Wir" für offene Gesellschaften, eine regelbasierte Ordnung etc. sind, dass das wohldefiniert und immer positiv sei.

Aber welche regelbasierte Ordnung ist denn gemeint? Eine Mehrheit der Länder und Menschen in der Welt scheinen mir ausgedrückt zu haben, dass sie "unsere" alte regelbasierte Ordnung nicht mehr akzeptieren, weil sie die als unsere und nicht ihre ansehen.

Man müsste auch Gedanken dazu teilen, wie man es einschätzt, wenn im Rahmen der regelbasierten Ordnung die globale OK, Gewaltregime etc. zunehmend Gewicht erlangen - oft gedeckt durch Mechanismen der bisherigen Ordnung. Es ist klar, dass der Rest der Welt eine unilaterale US-Bevormundung nicht mitmachen wird. Umgekehrt ist auch klar, dass die USA eine Unterwanderung ihrer Interessen durch Kriminalität und verdeckte Politik nicht beliebig tragen.

Mein Gefühl ist, dass man all das breiter denken muss, als hier dargestellt.

man muß das Ganze breiter denken. Der Großteil der Welt teilt „unsere Werte“ nicht, damit wird auch die darauf basierende Ordnung abgelehnt. „Unsere Werte“ sind von einer überheblichen Dekadenz geprägt, die weit jenseits der Realität/Wirklichkeit steht, die der Großteil der Weltbevölkerung empfindet.

Auch setzen wir „unsere Werte“ selektiv ein: wenn die VSA den Irak völkerrechtswidrig angreifen, dann geschieht das unter dem Deckmantel „unserer Werte“, wegen der 5000 Kurden die Saddam (angeblich) tötete. Nicht anders war es bei 9-11/Afghanistan, ich habe bis heute keinen echten Beweis für die Schuld von Bin-Laden gesehen. Wenn aber der Russe gegen faktischen Staatsterror gegen die eigene Bevölkerung in der Ukraine vorgeht, dann ist das ein „Angriffskrieg“ auf „unsere Werte“ gegen den es mit allen Mitteln vorzugehen gilt, auch dann, wenn es einen WKIII bedeutet!

Gerade das „linksversiffte“ Europa steht mit seinen „Werten“ auf weiter Flur allein, das sollten wir endlich begreifen!

Wolfgang Borchardt | So., 4. Januar 2026 - 10:09

Die anderen bejammern das Völkerrecht. Dabei haben sie nicht einmal so viel Macht, das zu verteidigen.

Elisa Laubeth | So., 4. Januar 2026 - 10:19

Seit wir historische Quellen haben war das, was wir heute als Imperialismus bezeichnen, die Triebfeder politischen Handelns. Es ging immer um Interessenpolitik und Einflussbereiche, man denke nur an die Punischen Kriege. Nach der Katastrophe des II. Weltkrieges glaubte man moralisch handeln zu müssen. Nationbuilding wurde im Interview erwähnt. Dieser Ansatz ist völlig gescheitert, s. Irak, Afghanistan. Er ist an der Illusion gescheitert, dass sich alle Akteure an die „regelbasierte Ordnung“ des Westens halten würden. Tun sie aber nicht. Das jedoch will man aus einer moralischen Selbstüberhöhung nicht wahrhaben, wie sonst konnte man z.B. auf die völlig realitätsferne Idee einer feministischen Außenpolitik kommen?
Was Trump tut ist eine überschießende Reaktion auf die Politik der letzten Jahrzehnte, unschön, aber aus historischer Perspektive nicht unerwartet. Übrigens hat auch Obama mit der Liquidierung von Bin Laden gezeigt, das Imperialismus politisch legitim ist.

Angelika Sehnert | So., 4. Januar 2026 - 10:24

Seit wir historische Quellen haben war das, was wir heute als Imperialismus bezeichnen, die Triebfeder politischen Handelns. Es ging immer um Interessenpolitik und Einflussbereiche, man denke nur an die Punischen Kriege. Nach der Katastrophe des II. Weltkrieges glaubte man moralisch handeln zu müssen. Nationbuilding wurde im Interview erwähnt. Dieser Ansatz ist völlig gescheitert, s. Irak, Afghanistan. Er ist an der Illusion gescheitert, dass sich alle Akteure an die „regelbasierte Ordnung“ des Westens halten würden. Tun sie aber nicht. Das jedoch will man aus einer moralischen Selbstüberhöhung nicht wahrhaben, wie sonst konnte man z.B. auf die völlig realitätsferne Idee einer feministischen Außenpolitik kommen?
Was Trump tut ist eine überschießende Reaktion auf die Politik der letzten Jahrzehnte, unschön, aber aus historischer Perspektive nicht unerwartet. Übrigens hat auch Obama mit der Liquidierung von Bin Laden gezeigt, das Imperialismus politisch legitim ist.

Maria Arenz | So., 4. Januar 2026 - 10:32

jetzt wird Dir die heilige Ursula aber den Hosenboden stramm ziehen!

A. Brand | So., 4. Januar 2026 - 10:56

(völker-)rechtlich gesehen mindestens fraglich, dennoch finde ich sie richtig, ich teile die Freude von Millionen Venezolaner über das Ende eines linksextremen Verbrecherregimes, das das tat, was alle linken Regimes der Welt machen: Selbstbereicherung einer kleinen „Machtelite“ auf Kosten des Landes und seiner Bevölkerung!

Was ich in der offiziellen Berichterstattung leider stark vermisse, ist der Verweis auf die Tatsache, daß Maduro ein Linksextremer ist, aber das paßt offensichtlich nicht in die Fakerealität des ÖRR, denn danach können Linke nicht schlecht/böse sein! Wäre Maduro rechts gewesen, so würde man das in jedem Bericht mehrfach wiederholen sodaß es auch wirklich jeder mitbekommt.

Wolfgang Borchardt | So., 4. Januar 2026 - 11:52

durch? Völkerrechtsorganisationen haben weder Macht noch Geschlossenheit, das zu tun. Ist es auch Völkerrecht, ein Volk von einer Diktatur zu befreien? (D 1945)

Volker Peters | So., 4. Januar 2026 - 13:35

„Wenn Europa weiterhin auf internationales Recht, auf offene Gesellschaften und auf multilaterale Institutionen setzt, während die USA primär nach Machtlogik handeln, dann wird es zwangsläufig zu einer Verschiebung der transatlantischen Beziehungen kommen.“

Ich wähle rechts und würde mich freuen, wenn Europa den USA mit einer extrem restriktiven Flüchtlingspolitik folgt.

Nicht nur der Ukrainekrieg hat gezeigt, dass die UN ein Kasperletheater ohne Macht ist. So etwas wie internationales Recht interessiert dort niemanden, weder Russland, noch China, noch Indien oder Brasilien. Und die USA eben auch nicht. Das sind harte Fakten, und Europa würde gut daran tun eigene Interessen mit Nachdruck zu verfolgen. Wir dulden einen starken Einfluss Russlands und Chinas innerhalb der EU und sind total unfähig, uns eigene wichtige Ressourcen zu sichern. Das Ergebnis sieht man jeden Tag: Weltpolitik wird ohne Europa gemacht, auch mitten in unserer Interessenssphäre, siehe Ukraine und Israel.

Dagmar Lubig | So., 4. Januar 2026 - 19:18

Antwort auf von Volker Peters

Da die allermeisten Mitgliedsländer der UN von einer Demokratie weit entfernt sind, und noch weiter von einer Rechtsstaatlichkeit, dann hat das internationale Recht dort, eventuell, je nach dem vieleicht eine Bedeutung, oder auch nicht.

Klaus Funke | So., 4. Januar 2026 - 17:56

Es geht den USA ausschließlich darum, an das Erdöl und die Bodenschätze Venezuelas zu gelangen. Venezuela ist bekanntlich das erdölreichste Land der Welt und man erdreistete sich, die Erdölgewinnung zu verstaatlichen. Damit nahm man den US-Amerikanern eine Gewinnquelle weg und das mögen die gar nicht. Beim Erdöl verstehen die USA bekanntlich keinen Spaß. Was sollen sie mit ihren Autos, Schiffen und Flugzeugen machen? Die ganze US-Army stünde blank da. Und da besinnt man sich auf seine Wildwest-Tradition. Colt raus, laden, entsichern. Völkerrecht und solcher Quatsch - was soll das? Und wie man es bei Saddam Hussein mit dem Giftgas machte, so geschieht es jetzt dem Maduro mit den Drogen. Und der Maduro wird auch genauso enden, vielleicht irgendwie durch einen Unfall bei einer Überführung in einen anderen Knast oder so. Also, der ist schon tot, obwohl er noch lebt. Die USA sind derart skrupellos, die stört buchstäblich gar nichts. Da kann der Putin nicht mithalten, der Gentleman-Diktator

Klaus Funke | So., 4. Januar 2026 - 17:57

Es geht den USA ausschließlich darum, an das Erdöl und die Bodenschätze Venezuelas zu gelangen. Venezuela ist bekanntlich das erdölreichste Land der Welt und man erdreistete sich, die Erdölgewinnung zu verstaatlichen. Damit nahm man den US-Amerikanern eine Gewinnquelle weg und das mögen die gar nicht. Beim Erdöl verstehen die USA bekanntlich keinen Spaß. Was sollen sie mit ihren Autos, Schiffen und Flugzeugen machen? Die ganze US-Army stünde blank da. Und da besinnt man sich auf seine Wildwest-Tradition. Colt raus, laden, entsichern. Völkerrecht und solcher Quatsch - was soll das? Und wie man es bei Saddam Hussein mit dem Giftgas machte, so geschieht es jetzt dem Maduro mit den Drogen. Und der Maduro wird auch genauso enden, vielleicht irgendwie durch einen Unfall bei einer Überführung in einen anderen Knast oder so. Also, der ist schon tot, obwohl er noch lebt. Die USA sind derart skrupellos, die stört buchstäblich gar nichts. Da kann der Putin nicht mithalten, der Gentleman-Diktator

Erich H Ulrich | So., 4. Januar 2026 - 18:06

Zum Bericht nur eine klitzekleine Frage an den werten Staatsrechtler:

Wann genau war es in den letzten 3.000 + Jahren anders? Und wo?

A. Brand | So., 4. Januar 2026 - 18:21

Das Plakat auf dem „No war with Venezuala“ steht stammt offensichtlich von der PSL, dazu schreibt Wiki:

“The Party for Socialism and Liberation (PSL) is a communist political party in the United States. PSL formed in 2004, when its members split from the Workers World Party.

PSL describes itself as a revolutionary socialist party, as the party believes that only a revolution can end capitalism and establish socialism.[7][8] PSL pursues this goal by participating in local protests, running candidates in elections, and conducting political education.”

Ich denke viel mehr muß man zur Einordung des Ganzen auch nicht sagen: kommunistische Verbrecher schützen kommunistische Verbrecher!